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Der König der Löwen (2019) Review

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

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Muss das denn wirklich sein? Diese Frage hat man im Zuge der Ankündigung, Disney wolle „Der König der Löwen“ neu animiert nochmal ins Kino bringen, sehr oft gehört. Die Kontroverse um Disneys Neuverfilmungen scheint mit diesem Film abermals einen Höhepunkt zu erreichen, da „Der König der Löwen“ wohl der beliebteste Disney-Film aller Zeiten ist. Außer dem auf dreiste Weise leichtverdientesten Geld der Welt scheint es keinerlei Sinn dafür zu geben. Die Begründung für solche Remakes liegt dann oft in einer Modernisierung des alten Stoffes für ein aktuelles Publikum.

Also scheint die Voraussetzung für eine Neuverfilmung die gleiche zu sein wie bei der Theateraufführung eines klassischen, altbekannten Dramentextes: Es muss einen neuen Spin, eine neue Idee geben, wie man den Stoff auf eine neue Art erzählen kann. Diese Parallele ist für „Der König der Löwen“ besonders sinnig, ist die Geschichte selbst doch eine lose Adaption von William Shakespeares „Hamlet“. Folglich drängt sich die Frage auf: Was ist neu? Was wurde geändert? Und speziell „Der König der Löwen“ ist so zeitlos und wird universal so geliebt: Bedarf dieser Film einer Modernisierung?

Zunächst einmal: Der Plot des Films ist exakt der gleiche, teilweise sind sogar Kameraeinstellungen identisch. Es gibt keine großen Veränderungen, höchstens ein paar kleinere Unterschiede in Dialogen, dem Aufbau von Spannung und ganz vereinzelt sind Szenen dazu gekommen, die im Original nicht dabei waren. So gibt es eine Szene, in der Scar (Chiwetel Ejiofor) Simbas Mutter zu seiner Frau machen will und gleichzeitig festlegt, dass die Hyänen den Vortritt beim Essen vor den Löwinnen haben werden. Diese Szene wirkt als Motivation für Nala (Beyoncé), aufzubrechen und nach Hilfe zu suchen. Man gibt also den weiblichen Charakteren etwas mehr Raum für eigene Entscheidungen und eigene Handlungen. So kämpfen die Löwinnen dezidiert im Endkampf mit, auch das weibliche Oberhaupt der Hyänen, Shenzi (Florence Kasumba), wird dabei ein wenig mehr herausgestellt. Diese Erweiterungen sind natürlich in gewisser Weise sinnvoll, denn sie vertiefen die Welt und geben weiblichen Figuren etwas mehr Futter.

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Außerdem gibt es einen neuen Song von Beyoncé. Den konnte man wohl nicht verhindern, die Klasse eines „Circle of Life“ oder eines „Can You Feel The Love Tonight“ wird der Titel „Spirit“ jedoch niemals erreichen. Generell ist die Musik (wie gewohnt) großartig. Der Eindruck entsteht, es wurde dabei nochmal eine Schippe draufgelegt. Bei bereits erwähntem „Can You Feel The Love Tonight“ im Film kann es mitunter auch zu Gänsehaut kommen. Schade ist nur, dass die von Elton John intonierte Version fehlt. Weitere Neuerungen betreffen zumeist Timon (Billy Eichner), Pumbaa (Seth Rogen) und Zazu (John Oliver). Diese drei schaffen es mit ihrem eigenen Humor und ihrer urkomischen Art fast im Alleingang, die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Neuverfilmung für eine gewisse Zeit vergessen zu lassen. Die Gags wirken frisch und modern, manche von ihnen zielen allerdings auch darauf ab, dass das Publikum den Originalfilm kennt und die ironische Brechung versteht.

Desweiteren ist dieser Film spannungsgeladener in seiner Inszenierung von Action. Auch hier wurde nochmal eine Spur Dramatik draufgepackt. So geschieht es in der Todesszene von Mufasa (ironischerweise auch 25 Jahre später, dank einmaliger Stimme, immer noch James Earl Jones), dass Scar mit seinen Klauen nicht nur den Griff seines Bruders löst, sondern ihm dabei sogar mit der Pranke hart ins Gesicht schlägt. Zudem wird der finale Zweikampf nicht auf dem Plateau des Königsfelsens ausgetragen, sondern wortwörtlich bis auf die Spitze getrieben. Entgegen diesem Plus an Spannung steht aber die längere Laufzeit des Films im Vergleich zum Original. Der neue Film lässt sich im zweiten Drittel deutlich mehr Zeit, ist ganz leicht kritischer im Umgang mit Timons und Pumbaas Weltverständnis, als es noch der alte König der Löwen war.

Im Großen und Ganzen ist die Substanz aber natürlich identisch mit dem Disney-Klassiker – nur der Style ist neu. Und der scheint auch der Knackpunkt zu sein, denn ohne die technischen Fortschritte in der Computeranimation hätte es dieses Remake wohl nicht gegeben. Mit dem Look steht und fällt der ganze Film. Tatsächlich sind die Bilder auf ganzer Strecke phänomenal. Dadurch, dass die Figuren jetzt auch wirklich aussehen wie lebensechte Tiere, entsteht zwar eine gewisse Diskrepanz zwischen der eher realistisch gehaltenen Mimik und dem Fakt, dass sie dennoch sprechen können, aber das akzeptiert man einfach irgendwann und es fällt nicht mehr ins Gewicht. Doch muss man die Frage nach der Notwendigkeit einer Neuverfilmung ganz klar mit Nein beantworten. Der Style ist zwar schön, die Substanz ist aber altbekannt. Ins Kino muss man dafür nicht. Trotzdem werden ihn sich Menschen ansehen und Disney wird deshalb einstweilen auch weiterhin Remakes produzieren. Natürlich werden sie aber auch originelle Filme mit neuen Stoffen machen. Und diese später dann auch wieder neu auflegen. Ein ewiger Kreis.

Autor: Nino Steffeck

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