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Kin (2018/2019) Review

© Concorde Home Entertainment

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Das Zeitalter der Franchises, Universen und Spin-Offs treibt ab und an skurrile Blüten. Wird mittlerweile bei fast jedem Blockbuster eine Fortsetzung gegen Ende des Filmes mehr oder weniger offensiv angeteasert, so dass der Film je nach Einspielergebnis sowohl ohne als auch mit Sequel halbwegs funktionieren könnte, so geht „Kin“ einen anderen Weg, denn „Kin“ ist nur ein halber Film. Das zentrale Rätsel des Filmes wird in die letzten fünf Minuten verlegt, dort kurz angerissen, der Protagonist und mit ihm das Publikum dann auf einen weiteren Film vertröstet. Nicht dass es nach diesem Bullshit-Vehikel von einem Film noch irgendwie von Interesse wäre, was eigentlich hinter dem Ganzen steckt, doch das Konzept ist nicht weniger als unverschämt. Eine latente Ironie will es dabei, dass diese Fortsetzung vermutlich niemals kommen wird, da gegen ein Budget von 30 Millionen Dollar weltweite Einnahmen von lediglich zehn Millionen Dollar stehen. Ein Flop auf ganzer Linie, verdientermaßen.

Der Film dehnt eine simple Prämisse auf gut 100 Minuten aus: Der Teenager Myles (Eli Solinski) findet in einer Lagerhalle eine recht große außerirdische Schusswaffe, während seinem Bruder Jimmy (Jack Reynor) ein Trupp von Verbrechern unter der Leitung von James Franco ans Leder will. Daraus entwickelt sich eine Art unzureichendes Roadmovie, bei dem die beiden Brüder noch die Stripperin Milly (Zoë Kravitz) aufgabeln. Das ist es auch schon. Die Konflikte des Filmes sind unglaublich vorhersehbar, ebenso wie ihre Auflösung: So stirbt beispielsweise der Vater (Dennis Quaid) der beiden Brüder, was Jimmy vor Myles geheim hält, wobei es natürlich nur eine Frage der Zeit ist, bis Myles dies mit Hilfe umständlich konstruierter Drehbuchentscheidungen herausfindet. Das einzig Überraschende an dieser Wendung ist, wie spät sie letztlich kommt. Dann wird die Knarre als der Haupt-MacGuffin immer wieder ins Bild und in die Handlung gerückt, doch es dauert geschlagene 50 Minuten, ehe zum ersten Mal ersichtlich wird, was die Waffe eigentlich kann: Schockwellen verschiedener Stärke verschießen, die wiederum Löcher in Wände reißen, Chaos anrichten und Menschen zum Platzen bringen. Das passiert dann auch einige Male im Film, wobei sich „Kin“ in die unrühmliche Reihe jugendfreier Blockbuster der letzten Jahre einreiht, in denen eigentlich ziemlich heftige Gewaltakte „sauber“ über die Bühne gehen, um sich die Altersfreigabe nicht zu ruinieren (schmähliches Vorbild: „A World Beyond“). Eine spezifische Form der Gewaltverharmlosung liegt hierin begründet, die das Töten zu einer vorgeblich sterilen Sache macht und es seiner ihm inhärenten Schrecklichkeit beraubt.

© Concorde Home Entertainment

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Was zur Hölle James Franco geritten hat, in diesem Film mitzuspielen, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben, auf jeden Fall ist er der einzige Darsteller, der irgendwie überzeugend wirkt. Die Antagonisten-Rolle kurbelt er entspannt und locker herunter, wobei er alle anderen konsequent an die Wand spielt und es daher eigentlich schade ist, dass er so wenig Szenen hat. Dennis Quaid ist nur noch ein Schatten seiner selbst und Jack Reynor sollte man (ebenso wie Jai Courtney, wo wir gerade dabei sind) einfach keine Rollen mehr anbieten. Doch ist Franco – Überraschung! – nicht das einzige schauspielerische Schwergewicht von „Kin“: Nachdem die Hetzjagd gegen Ende auf ein Polizeirevier führt, das von Myles beim Versuch, seinen Bruder zu befreien, mit der Waffe in Schutt und Asche zerlegt wird (wobei ihm der Franco-Trupp mit gewöhnlichen Schusswaffen ordentlich unter die Arme greift), kommt als deus ex machina glücklicherweise noch Michael B. Jordan (?) um die Ecke, der gerade rechtzeitig das Schlimmste verhindern kann Beim Blick in die Credits wird deutlich, dass der „Creed“-Star einer von zwölf Produzenten war und sich hier vermutlich selbst eine kleine Rolle gegeben hat, die in einer Fortsetzung noch hätte ausgebaut werden sollen. Denn er hält einen Monolog über Myles als Auserwählten, der in Sicherheit gebracht wurde und in Gefahr ist (oder so ähnlich), das würde man ihm aber dann nächstes Mal erklären. Doch an dieser Stelle ist bereits Hopfen und Malz verloren. „Kin“ ist so sehr Film gewordener Stillstand, dass auch diese vollkommen willkürlichen Enthüllungen am Ende es nicht vermögen, die dramaturgische Lethargie (man könnte auch sagen: Faulheit) dieses auf ganzer Linie spannungsfreien und miesen Filmes zu durchbrechen.

Autor: Jakob Larisch

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