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So was von da (2018) Review

© DCM / Gordon Timpen

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Es kann ein dankbarer Job sein, eine Filmkritik zu verfassen, wenn ein Film für das Heimkino erscheint und das DVD- oder Blu-ray-Cover einige Zitate bereits erschienener Kritiken zur Überzeugung des geneigten Käufers parat hält, denn in einem solchen Fall kann man wunderbar prüfen, ob diese dem Film gerecht werden. Auf der Vorderseite des neuen Films von German-Mublecore-Regisseur Jakob Lass, „So was von da“, findet sich hierbei der Satz „Ein Film wie ein Rausch“ (Zitty Magazin), „Jung und unverwundbar“ (Der Spiegel) steht auf der Rückseite. Stimmen tut allerdings beides nicht.

Jakob Lass hat mit „Tiger Girl“ vor zwei Jahren einen der schlechtesten deutschen Filme der letzten Zeit vorgelegt, der jedoch von der deutschen Filmkritik nahezu einhellig begeistert aufgenommen wurde, da man ihn in seiner Krawalligkeit im Til-Schweiger-geschädigten deutschen Kino für Innovation hielt. Zwei Frauen randalieren sich in diesem Film durch Berlin, untermalt von teils dramatisch grauenhaften Songs. Was für eine Leistung. Mit „So was von da“ schließt Lass nahtlos an die miese Qualität von „Tiger Girl“ an. Der Film um die letzte Nacht eines Clubs auf St. Pauli und die Probleme, welche den beiden Besitzern und ihren Freunden begegnen, ist alles andere als „ein Rausch“. Auch wenn viele Szenen auf der Tanzfläche spielen und Musik eine große Rolle übernimmt, so will der Funke der Party-Stimmung absolut nicht überspringen. Zu konventionell ist das Ganze inszeniert, ein paar bunte Lichter hier, ein wenig Handkamera dort, das Ganze untermalt von Off-Kommentaren, die so klingen, als würde der Dalai Lama Kalendersprüche vorlesen. Prätentiös unterfütterte Langeweile als Programm.

Was hingegen „jung und unverwundbar“ bedeuten soll, mag sich nicht so ganz erschließen, denn die Verwundbarkeit der Hauptfiguren (nicht nur, aber auch in einem körperlichen Sinne) ist ein zentrales Thema von „So was von da“. Hierbei sind viele der Charaktere, insbesondere der Protagonist Oskar (Niklas Bruhn) teils derart unfähig zur Kommunikation, dass man sich wünscht, sie würden einfach den Film verlassen. Vielleicht liegt dies aber auch an dem Improvisationsstil, den Lass beim Dreh verfolgt. Improvisation kann sinnvoll sein, wenn man die richtigen Darsteller dafür hat, doch die hat der Film eindeutig nicht. Einige Dialoge klingen wie schlechtes Schultheater von Elftklässlern, andere sind wiederum schlicht inhaltlich redundant. Dass der Regisseur allerdings, so er denn will, theoretisch durchaus inszenieren kann, beweist er mit immerhin etwa fünf Minuten der gut anderthalb Stunden Laufzeit. Als in einer Szene, Stichwort Verwundbarkeit, eine Figur einer anderen mitteilt, dass sie unheilbar krank ist, dann ragt diese Szene, die in der Tat durchaus berührend geworden ist, qualitativ so meilenweit über den Rest von „So was von da“ heraus, dass man sich fragt, warum das denn nicht öfter ginge. Doch entschließt sich Lass, den Rest des Filmes gnadenlos in Oberflächlichkeit zu ertränken und dem Publikum jede Möglichkeit einer emotionalen Beteiligung am Geschehen zu verwehren.

© DCM / Gordon Timpen

© DCM / Gordon Timpen

Das hängt auch mit der Pseudo-Coolness des Films zusammen. Alles soll möglich sein, doch es wird vernachlässigt, wie alles zusammenhängt. Hedonismus als Lösung persönlicher Probleme, das kann nur für bestimmte Menschen funktionieren, die sonst keine Probleme haben. Individualismus ist das Wort der Stunde, jeder ist mit seinem eigenen kleinen Kosmos beschäftigt, doch so unzureichend, dass man nicht von persönlicher Identität sprechen könnte. Das Denken in größeren Kontexten findet nicht statt, Denken überhaupt findet kaum statt. Die am ehesten politische Aktion, die in diesem Film durchgeführt wird, ist das Beschmieren eines Wahlplakates der Hamburger Innensenatorin (gespielt von Corinna Harfouch) von der Partei DCU. Haha.

© DCM

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Oberflächlichkeit auf allen Ebenen durchzieht folglich „So was von da“, der noch nicht einmal Akzente auf einer exzessiven Ebene zu setzen vermag, schließlich hätte man jenseits aller dramaturgischen Verstrickungen ja wenigstens die Party-Sequenzen mitreißend gestalten können. Nichts da. Mit einer Szene Ausnahme ist der Film ein ziemlich lausiger Einheitsbrei aus uninteressanten Figuren, uninteressanten Konflikten und politischer Naivität.

Autor: Jakob Larisch

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Berlinale, Tag 5: „Farewell to the Night“, „Ich war zuhause, aber…“, „The Shadow Play“ & „Variety“

L’adieu à la nuit / Farewell to the Night (André Téchiné, F/D 2019)
Wettbewerb

Der letzte große Film mit der grande dame des französischen Kinos Catherine Deneuve ist schon ein paar Jahre her (am ehesten nimmt diesen Platz vermutlich „8 Frauen“ (2002) ein) und auch „Farewell to the Night“ wird daran nichts ändern, denn dieser Film ist ebenfalls maximal Mittelmaß. Der Mittzwanziger Alex (Kacey Mottet Klein) hat sich religiös radikalisiert und plant, sich in Syrien zu einem Dschihad-Kämpfer ausbilden zu lassen. Seine Großmutter Muriel (Deneuve), der er erzählt, er werde nach Kanada gehen, kommt nach und nach dahinter, was Alex gemeinsam mit seiner Freundin Lila (Oulaya Amamra) wirklich plant und versucht, ihn umzustimmen. Zwar vermag der Film teils eine gewisse Spannung aufzubauen, resultierend aus der Frage, ob Muriel dies gelingen wird, doch politisch scheitert das Ganze völlig. „Farewell to the Night“ behandelt zwar ein aktuelles und auch wichtiges Thema, individualisiert und verwäscht den Prozess der Radikalisierung jedoch zu sehr, da er keine Fragen nach gesellschaftlichen oder politischen Hintergründen stellt, zumal eine Einordnung in einen globalen Kontext komplett fehlt. So entsteht der Eindruck, junge Menschen würden sich lediglich aus einem Mangel an Alternativen radikalisieren, da der westliche Materialismus ihnen jegliche spirituelle Entfaltung verweigerte, was der Film unter anderem im Rahmen der wohl plattesten und billigsten Parallelmontage der jüngeren Filmgeschichte bebildert. Faktoren wie Perspektivlosigkeit bzw. anderweitige Gründe, die ihre Ursachen in der akuten Krise und Zurückdrängung sozialstaatlicher Maßnahmen haben, werden hingegen nicht angesprochen oder zynischerweise gar negiert.

Ich war zuhause, aber… (Angela Schanelec, D/SRB 2019)
Wettbewerb

Der neueste Film von Berliner-Schule-Ikone Angela Schanelec ist ein konsequent inszeniertes Stück Anti-Kino: extrem lange und oft statische Einstellungen, dezentrierte Bildkompositionen, sehr wenige Dialoge, die zudem selten zu etwas führen, kaum Musikeinsatz. Die Regisseurin dekonstruiert durchgängig alles, was für das konventionelle Erzählkino wichtig ist und legt einen fragmentarischen, offenen und genau deswegen so faszinierenden Film vor, der sich allen Erklärungen entzieht. „Ich war zuhause, aber…“ ist in seiner fast schon minimalistischen Reduziertheit ein großartiges Werk geworden, das in erstaunlich vielen Momenten einen oft aus scheiternder Kommunikation resultierenden trocken-lakonischen Humor besitzt und die wohl schönste von einem David-Bowie-Cover untermalte Filmszene jemals aufweist.

The Shadow Play (Ye Lou, CHN 2018)
Panorama

Im Berlinale-Programmheft als „im Gewand eines Film Noir“ beworben, werden zunächst Assoziationen zu dem ebenfalls aus China stammenden Film „Feuerwerk am hellichten Tage“ (2014) wach, der vor fünf Jahren den Goldenen Bären der Berlinale gewann und sich ebenfalls als die chinesische Variante eines Film Noir klassifizieren ließe. Doch „The Shadow Play“ enttäuscht auf ganzer Linie, da er deutlich zu langatmig sowie gleichermaßen zu lang geraten ist. Der Kriminalplot um die Ermordung eines chinesischen Bauunternehmers schleicht träge vor sich hin, ständig werden Nebenschauplätze aufgemacht, zumal der Film in seinem ersten Drittel unfassbar hektisch agiert, ohne jedoch irgendwie die Handlung oder bestimmte Erkenntnisse voranzubringen. Auch die Idee, nahezu alles über Flashbacks, Flashbacks in Flashbacks und Flashbacks in Flashbacks in Flashbacks zu erzählen, führt relativ schnell zu einer gewissen Unübersichtlichkeit, zumal die eigentliche Auflösung des Ganzen sich letztlich recht simpel gestaltet und lediglich künstlich verkompliziert ausgewalzt wird, um sie dann am Ende so überdeutlich zu inszenieren, dass man sie auch verstünde, wenn man den kompletten Mittelteil verschlafen hätte.

Variety (Bette Gordon, USA/GB/D 1983)
Forum

Ein zentraler Sinn von Retrospektiven ist, dass man immer wieder unbekannte und gleichermaßen sehenswerte Filme aus der Vergangenheit entdeckt, über die man sonst niemals gestolpert wäre. So ist es auch bei „Variety“, ein kleiner Film aus den beginnenden 1980er-Jahren, der sich mit den damals in New York vielfach anzutreffenden Porno-Kinos beschäftigt, dabei jedoch kein Grindhouse- und letztlich auch kein Exploitationfilm ist, sondern eine Art Meta-Grindhouse-Film, der formal-ästhetisch zwischen Michelangelo Antonioni und Brian De Palma steht, sich mit so verschiedenen Dingen wie weiblicher Sexualität sowie gleichermaßen damaligen Rezeptionsbedingungen und der entsprechenden Kinokultur jenes Jahrzehnts auseinandersetzt und dem Ganzen zusätzlich einen feministischen Dreh verleiht. Ja, „Variety“ hat unbestreitbar Längen und zieht sich streckenweise ziemlich, doch ist er gleichwohl ein faszinierendes wie selbstreflexives Porträt einer kaum vergangenen und doch längst vergangenen Zeit, das seinen ganz eigenen, charmanten Rhythmus entwickelt.

Autor: Jakob Larisch

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Berlinale 2019, Tag 4: „Vice: Der zweite Mann“, „A Tale of Three Sisters“ & „Gully Boy“

Vice / Vice: Der zweite Mann (Adam McKay, USA 2018)
Außer Konkurrenz

Es ist gut, dass es solche Regisseure wie Adam McKay gibt, der nach einigen Komödien à la „Anchorman“ (2004) oder „Stiefbrüder“ (2008) vor einigen Jahren seine dezidiert politische Ader zu entdecken begann und mit „The Big Short“ (2015) den wohl besten Film über die Finanzkrise sowie deren Ursachen und Auswirkungen vorlegte. Sein Talent, komplexe politische Zusammenhänge mit Humor und teils beißender Ironie einfach und verständlich zusammenzufassen, ist auch in „Vice“ zu sehen, der den Aufstieg des ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney bebildert, den Christian Bale gewohnt brillant verkörpert. Der Film ist dabei weniger eine Biografie Cheneys geworden, sondern zeigt auf, wie rein ökonomische Interessen die Politik der USA seit Jahrzehnten bestimmen, wobei der Fokus logischerweise auf der Zeit des Gespanns George W. Bush/Dick Cheney und den Motiven der Kriege in Afghanistan und im Irak liegt. Zudem vermag es „Vice“, das rechtliche Fundament im Hintergrund darzustellen, mit dessen Hilfe die Republikaner die Verfassung der USA zu ihren Gunsten auslegen. McKay nutzt die volle Breitseite erzählerischer Mittel, wenn er mitten im Film einen gefälschten Abspann einbaut oder die politischen Aktionen im Vorfeld des Irakkriegs als Speisekarte eines Restaurants inszeniert, von der sich die politischen Protagonisten bedienen. „Vice“ thematisiert allerdings auch die Grenzen des auf wahren Begegbenheiten beruhenden Erzählens, so in einer hervorragenden Szene, in welcher Cheney und seine Frau Lynne (Amy Adams) im Vorfeld die Vor- und Nachteile einer möglichen Vizepräsidentschaft abwägen. Man wisse nicht, was damals gesagt wurde, heißt es von Seiten des Off-Erzählers, dies wäre schließlich kein Shakespeare-Stück, woraufhin Dick und Lynne eine komplette Szene lang einen Dialog aus Shakespeare-artigen Zitaten zum Besten geben. Zwar stellt „Vice“ keine Fragen nach systemischen Ursachen, ist jedoch ein spannendes und wichtiges Porträt politisch-ökonomischer Verstrickungen, die ausschließlich den finanziellen Interessen einiger weniger dienen. Könnte dies ein sinnvolles Beispiel des „linken Populismus“ sein, den die Philosophin Chantal Mouffe letztes Jahr forderte?

Kiz Kardesler / A Tale of Three Sisters (Emin Alper, TUR/D/NL/GR 2019)
Wettbewerb

Ein türkisches Bergdorf, weit abgeschieden von Städten oder urbanen Gegenden, drei Schwestern, die nach einiger Zeit aus unterschiedlichen Gründen wieder gemeinsam im Haus ihres Vaters leben, umgeben von verschiedenen männlichen Nebenfiguren. „A Tale of Three Sisters“ kann als Porträt einer äußerst kleinen und patriarchal geprägten Dorfgemeinschaft in einzelnen Momenten durchaus überzeugen, allerdings wirken zum einen einige der teils sehr dramatischen Ereignisse ein wenig forciert, zum anderen entsteht zwischendurch immer wieder erzählerischer Leerlauf, der nicht recht überbrückt zu werden vermag. Der Film weist schöne Bilder auf, keine Frage, aber hätte die eine oder andere dramaturgische Straffung ganz gut vertragen.

Gully Boy (Zoya Akhtar, IND 2019)
Berlinale Special

„Gully Boy“ ist die verdammt unterhaltsame indische Version von „8 Mile“, die man mit „Billy Elliott“ vermischt hat. Murad (Ranveer Singh) lebt in einem Slum in Mumbai und liebt Hip-Hop, insbesondere den US-Rapper Nas (der zufälligerweise den Film mitproduziert hat). Als er eines Tages den indischen Rapper Sher (Siddhant Chaturvedi) trifft, erkennt dieser Murads Talent, so dass sie gemeinsam versuchen, eine muikalische Karriere zu starten. Das sieht Murads Familie, insbesondere sein Vater, überhaupt nicht gern, zudem muss Murad aufgrund der gesellschaftlichen Strukturen die Beziehung zu seiner Freundin Safeena (Alia Bhatt) geheim halten. Ein Bollywood-Film, der dem typischen Bollywood-Klischee des ständigen Singens und Tanzens etwas widerspricht: Es gibt lediglich einige wenige Szenen, die einen vollständig ausgespielten Song enthalten, so beispielsweise wenn Murad innerfilmisch einen Track aufnimmt bzw. ein Musikvideo dreht, welches man als Zuschauer parallel bereits fertig zu Gesicht bekommt oder einer der Protagonisten einen Auftritt auf der Bühne hat. Der Film ist einen Großteil seiner zweieinhalbstündigen Laufzeit von pumpenden Bässen untermalt, er ist mitreißend und gerade die Szenen, in denen eine Musikperformance stattfindet, sind brillant gelungen. Nebenbei ist er im Vergleich mit anderen Bollywood-Filmen in Bezug auf seine zentrale Frauenfigur etwas emanzipierter (so nutzt Safeena das patriarchale System an einer Stelle zu ihren Gunsten aus) und schafft das Kunststück, einerseits zumindest latent den Aufstiegsmythos zu perpetuieren (Rap als Weg aus der Armut, aber eben nur für einige wenige), andererseits teils aber fast schon klassenkämpferische Tendenzen aufzuweisen, insbesondere in den Texten, die Murad schreibt und für die er auf seine eigenen Erfahrungen zurückgreift. Eines der Highlights der diesjährigen Berlinale!

Autor: Jakob Larisch

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Berlinale 2019, Tag 3: „Die Agentin“, „Ghost Town Anthology“ & „Demons“

The Operative / Die Agentin (Yuval Adler, USA/ISR 2019)
Außer Konkurrenz

Diane Kruger und Martin Freeman spielen in diesem äußerst spannenden Geheimdienst-Thriller zwei Mossad-Agenten in einem Dickicht aus Loyalitäten, Feindschaften und Unsicherheiten. Fernab vom Haudrauf-Kino eines Jason Bourne ist „The Operative“ sehr ruhig erzählt und bebildert den Alltag einer undercover in den Iran eingeschleusten Agentin und ihres Vorgesetzten. Der Film beginnt mit einem rätselhaften Anruf, der über eine (zu jedem Zeitpunkt gut zu durchschauende) Rückblenden-Struktur nach und nach aufgelöst wird. Im Mittelpunkt die für das Genre klassische Frage: Wem kann man trauen? Der Agenten-Alltag wird hier allerdings jenseits aller romantisierenden Vorstellungen sehr zurückhaltend und sehr zwiespältig präsentiert, was Regisseur Yuval Adler zu jeder Zeit gleichermaßen packend inszeniert, wobei er auch mit politisch fundierter Kritik nicht spart.

Répertoire des villes disparues / Ghost Town Anthology (Denis Côté, CAN 2019)
Wettbewerb

Das hätte was werden können…wurde es dann aber leider doch nicht. Dem schon etwas durchgekauten Topos des hinter-der-bürgerlichen-Dorffassade-lauert-Engstirnigkeit wird hier ein durchaus interessanter Dreh hinzugefügt, den der Film allerdings zu keiner Zeit konsequent ausspielt und der zudem nach bereits kurzer Zeit derart vorhersehbar ist, dass es kaum zu überraschen vermag, wenn er dann knapp vor dem Ende überdeutlich verbalisiert wird. Ein junger Mann bringt sich in einem kanadischen 200-Einwohner-Dorf um, das Ganze wird verdrängt, insbesondere die Bürgermeisterin weiß bei jedem passenden und unpassenden Anlass zu betonen, dass man hier seine Probleme selbst löse und nicht auf Hilfe von außen angewiesen sei. Nun ja. Das Hauptproblem von „Ghost Town Anthology“ ist dabei, dass er kaum dramaturgische Haken setzt, auf der anderen Seite als filmische Collage gleichwohl ebenfalls nicht überzeugt. Dafür bleibt er zu sehr an der Oberfläche, dafür passiert auf jeglicher Ebene schlicht zu wenig, so dass der Film auch aus der Frage, worauf denn das Ganze nun eigentlich mit Blick auf die dramaturgische Gestaltung oder die Figurenzeichnung hinausläuft, keinerlei Energie zu ziehen vermag. Die körnige 16-mm-Optik verleiht der visuellen Präsentation zwar eine ganz eigene rauhe Note, retten kann das diesen enorm drögen Wettbewerbsbeitrag allerdings nicht.

Demons (Daniel Hui, SGP 2018)
Forum

„Experimentell“ wäre wohl am ehesten das Wort, mit dem sich „Demons“ passend und gleichermaßen neutral umschreiben ließe. 4:3-Bildformat, keine kohärente Story, viele assoziative Bildcollagen, eine (sehr) surreale Note und ein, nun ja, aufdringliches Sounddesign. Grundlegend geht es um eine Schauspielerin, die für einen Film gecastet wird und Probleme mit dem Regisseur hat, eigentlich geht es nach etwa der Hälfte des Films aber gar nicht mehr um sie, sondern um ebenjenen Regisseur und dann geht es zudem noch um Kannibalismus, um innere Dämonen, um Doppelgänger und um eine per Anruf zu beschwörende Geisterfrau, die allerdings parallel ihre Kinder erziehen muss. Irgendwo zwischen Videokunst und Experimentalfilm angesiedelt, ist „Demons“ jedoch eigentlich nur prätentiöser Schwachsinn. Die pseudo-tiefgründigen Dialoge verlaufen ins Nichts, die Darsteller sind vielerorts äußerst hölzern und die fragmentarisch-assoziative Erzählweise vermag dem Ganzen keinen Mehrwert zu verleihen, da sie nicht einmal eine innere, also eigene und für sich sprechende Kohärenz aufweist, sondern eher wie belangloses Stilmittel-Roulette wirkt. Dazu der Ton: Nach „Monos“ schon der zweite Film dieser Berlinale, der das Publikum fast dauerhaft mit dröhnenden Geräuschen bombardiert. Vielleicht versucht man so, die filmische Leere akustisch zu übertünchen, was jedoch zum exakten Gegenteil führt: Schließlich hallt es in leeren Körpern nur deutlich lauter.

Autor: Jakob Larisch

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Berlinale 2019, Tag 2: „Das Mädchen aus dem Fahrstuhl“, „Light of My Life“ & „Monos“

Das Mädchen aus dem Fahrstuhl (Herrmann Zschoche, D 1991)
Berlinale Special

Ein großartiger DEFA-Film, der leider nie im deutschen Fernsehen gezeigt wurde, ein Stück (ost-)deutscher Filmkunst, mitten aus dem Leben, aus dem Alltag. Die letzten Monate der DDR werden hier bebildert, in denen ein Schüler zwischen Hochbegabung und erster großer Liebe beginnt, das noch von Fahnenappellen und FDJ geprägte System in Frage zu stellen, da Schulnoten seiner Meinung nach nicht den Werdegang des oder der Einzelnen bestimmen sollten. Dafür soll er aus der FDJ ausgeschlossen werden, was ihm ein Studium verwehren würde; mehrere Mitschüler, zwei Lehrer und auch seine Eltern solidarisieren sich jedoch mit ihm gegen die hartherzig agierende Schulleiterin. „Das Mädchen aus dem Fahrstuhl“ ist geprägt von einem trocken-poetischen Humor und einer berührenden Liebesgeschichte, doch die tragische Note des Ganzen lässt sich nicht übertünchen, was dem Film bei aller zurückhaltenden Ruhe eine gewisse Wucht verleiht.

Light of My Life (Casey Affleck, USA 2019)
Panorama

Vater (Casey Affleck) und Tochter (Anna Pniowksy) ziehen durch eine post-apokalyptische Zukunft, in der durch ein mysteriöses Virus nahezu alle Frauen ausgelöscht wurden. In entsprechender Gefahr lebt die etwa zehnjährige Tochter, die der Vater aus diesem Grund als Sohn tarnt. Der Film spielt seine Prämisse konsequent durch, den Bildern meist verregneter oder verschneiter Landschaften, durch welche die beiden Hauptfiguren ziehen, um möglichst viel Abstand zum Rest der Zivilisation zu halten, werden auf den Punkt geschriebene Dialoge über Fragen der Moral, über Fragen der Erziehung und über die stets drohende Gefahr gegenüber gestellt, welche die Tochter noch nicht vollumfänglich zu erfassen in der Lage ist sowie der Vater ihr gleichermaßen teils auch nicht zutraut, akkurat erfassen zu können. Doch die Gefahr ist omnipräsent, manchmal wird sie auch akut. Der Film weist zwar ab und an sehr offenkundige messianische Untertöne auf, ist aber trotz oder gerade wegen seiner Reduziertheit äußerst spannend und gleichermaßen sehr nachdenklich.

Monos (Alejandro Landes, COL/ARG/NL/D/S/ROU 2019)
Panorama

Eine Präsentation kolumbianischer Filme sowohl im Kino als auch im Heimkino ist hierzulande eher rar gesät, umso interessanter ist es, mal einen sehen zu können. Denkt man. Denn interessant? Nein, „Monos“ ist schlicht unfassbar langweilig und wirkt streckenweise, als hätte der Regisseur versucht, im Stile von Alejandro Jodorowsky eine Pseudo-Arthouse-Version von „Auslöschung“ (2018) zu drehen, nur eben noch viel schlechter, und daran dann auch noch zu scheitern. Ein paar Jugendliche, die für eine ominöse „Organisation“ militärische Dienste verrichten, sind in den Bergen und später im Dschungel stationiert, sie bewachen eine Kriegsgefangene und als der Kommandant zeitweise abreist, eskaliert die Situation. Grabenkämpfe, das Bedürfnis, unbedingt einen auf dicke Hose zu machen und schlichte Dummheit führen zu einem dauerhaften Konflikt, der irgendwann nur noch nervt. Zum einen taugt keiner, absolut keiner der beschränkten Jugendlichen als Identifikationsfigur, so dass man sich fragt, warum zum Teufel man hier eigentlich mitfühlen oder warum einen das Ganze überhaupt interessieren soll. Zum anderen ist der Sound derart aufdringlich und scheint permament dem Publikum ins Gesicht zu schreien, wie unglaublich DRAMATISCH oder WICHTIG das Gezeigte ist, dass ab einem gewissen Zeitpunkt das Bedürfnis ins Unermessliche wächst, den Lautstärkeregler zu kapern, um die Ohren der Zuschauer zu schonen. Filme müssen nicht immer subtil sein, aber „Monos“ übertreibt es einfach nur maßlos. Dieser Film wird wie seine Landeskollegen voraussichtlich ebenfalls keinen deutschen Kino- oder Heimkinostart erfahren, doch in diesem Fall ist es absolut nicht schade darum.

Autor: Jakob Larisch

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Berlinale 2019, Tag 1: „Out Stealing Horses“ & „Der Goldene Handschuh“

Ud og stjæle hester / Out Stealing Horses (Hans Petter Molland, N/S/DK 2019)
Wettbewerb

Die Natur Skandinaviens eignet sich hervorragend für malerische Bilder, dies stellt auch „Out Stealing Horses“ unter Beweis. Stellan Skarsgård spielt einen älteren Einsiedler im Schnee Schwedens, der vor seiner Vergangenheit in die Einsamkeit geflohen ist, wobei der Film einen Großteil seiner Geschichte per Flashback in den Sommer des Jahres 1948 und die damaligen schicksalhaften Erlebnisse des zu jener Zeit fünfzehnjährigen Protagonisten erzählt. Das Handeln der Figuren wird dabei immer wieder mit grandiosen Naturaufnahmen parallelisiert, teils hervorgehoben durch exakt gesetzte Zeitlupen, zudem ist insbesondere das Sounddesign fantastisch geraten. Dies kulminiert in der wohl besten Szene von „Out Stealing Horses“, in welcher zwei Männer Baumstämme auf ein Floß verladen, was in einer rhythmischen Klang-Bild-Montage dargestellt wird. In der zweiten Hälfte des knapp zweistündigen Films schleichen sich allerdings einige Längen ein, so dass die Handlung immer wieder auf der Stelle tritt. Warum schließlich noch historische Bezüge eingebunden werden müssen und auf einmal die Zeit des Nationalsozialismus thematisiert wird, bleibt schlussendlich ein Rätsel, zumal dieses Sujet nach knapp 15 Minuten keine Rolle mehr spielt. Etwas unausgegoren.

Der Goldene Handschuh (Fatih Akin, D 2019)
Wettbewerb

Die Verfilmung des Romans von Heinz Strunk, der auf wahren Begebenheiten beruht und die Taten des Serienmörders Fritz Honka im Hamburg der 1970er-Jahre thematisiert, wird von Fatih Akin förmlich auf die Leinwand geprügelt. Der für Filme wie „Gegen die Wand“, „Soul Kitchen“, „Tschick“ und jüngst „Aus dem Nichts“ bekannte Regisseur legt einen enorm brutalen Thriller vor, der allerdings auf ganzer Linie scheitert. Akin inszeniert die Morde des von Jonas Dassler beängstigend eindringlich verkörperten Honka äußerst drastisch, doch verweist die Darstellung der Gewaltakte immer nur auf sich selbst und erschöpft sich in reiner Provokation. Akin gruppiert den Rest der Story, soweit vorhanden, quasi um die ausgedehnt dargestellten und mit der Zeit zynischerweise redundanten Mordsequenzen herum, so auch einen eher lose angebundenen Handlungsstrang um den Schüler Willi (Tristan Göbel), der versucht, mit seiner Klassenkameradin Petra (Greta Sophie Schmidt) anzubandeln und sie dafür in die titelgebende Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“ einlädt. Zwei Mal kreuzen sich die beiden Stränge, doch wirkt die Einbindung dieses Subplots vollkommen unmotiviert, zumal er nur derart rudimentär angerissen wird, dass die beiden Jugendlichen de facto kaum vorkommen. Auch als Psychogramm eines Mörders taugt „Der Goldene Handschuh“ nicht: Der Film ist in keiner Weise an psychologischen, geschweige denn gesellschaftlichen Hintergründen interessiert und gestaltet sich, anders als beispielsweise ein thematisch ähnlich gelagertes Werk wie „Henry: Portrait of a Serial Killer“ (1986), vollkommen oberflächlich. So bleiben einige schräge Charaktere, die für ein paar unpassend humorige Momente sorgen und die zweifelhafte Erkenntnis, dass eigentlich ja nur der Alkohol Schuld ist. Diesen filmischen Quatsch hat Akin, pun intended, komplett an die Wand gefahren.

Autor: Jakob Larisch

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Safari – Match Me If You Can (2018) Review

© Concorde Home Entertainment

© Concorde Home Entertainment

Die Idee, Arthur Schnitzlers „Reigen“ in einen gegenwärtigen Stoff zu verwandeln, hatte Rudi Gaul nach eigener Aussage bereits vor etwa zehn Jahren. Die Geschichte über zehn Menschen, die über mehr oder weniger zufällige sexuelle Begegnungen miteinander in Verbindung treten, kam ihm allerdings stets „zu konstruiert“ vor, um sie glaubwürdig ins Heute zu übertragen. Als der Drehbuchautor und Regisseur jedoch begann, sich mit Dating-Apps wie Tinder auseinanderzusetzen, erschien ihm „Reigen“ plötzlich aktueller denn je und so nahm er sein ursprünglich bereits verworfenes Vorhaben erneut in Angriff: In „Safari – Match Me If You Can“ begleitet Gaul sieben Münchener auf ihren Streifzügen durch den Online-Dating-Dschungel, wobei er einige treffende – und gerade im Hinblick auf die Hintergründe falscher Selbstinszenierung im Internet auch durchaus interessante – Beobachtungen macht. Leider vermag Gauls vierter Kinofilm es aber nicht, seine Figuren mit der erforderlichen Glaubwürdigkeit auszustatten oder die eigentlich spannende Thematik wirklich kritisch aufzuarbeiten.

München im Sommer. Sieben Großstädter vereinbaren über die Dating-App „Safari“ unverbindliche Treffen, von denen sie sich ganz Unterschiedliches erhoffen. Harry (Justus von Dohnányi – „Der Vorname“), Mitte fünfzig, ist von seinem tristen Alltag und der Distanziertheit seiner Ehefrau frustriert und gibt sich online als weltmännischer Pilot aus, um junge Frauen zu One-Night-Stands in luxuriösen Hotelzimmern zu bewegen. Eine dieser Frauen ist Laurie (Elisa Schlott – „Spieltrieb“), deren Vorliebe für schnelle Sex-Dates im krassen Gegensatz zu der totalen Enthaltsamkeit steht, die sie auf ihrer erfolgreichen Instagramseite propagiert. Laurie trifft sich nicht nur mit Harry, sondern auch mit dem 24-jährigen David (Max Mauff – „Patong Girl“, „Victoria“), der unter seinen Freunden als Womanizer bekannt, tatsächlich aber noch Jungfrau ist. Flirttipps holt er sich auf dem YouTube-Channel von Pick-Up-Artist Arif (Patrick Abozen – „Kein Sex ist auch keine Lösung“). Zu dessen Safari-Matches zählt wiederum Fanny, eine idealistische Frau in ihren Dreißigern, die schon seit Jahren nach der großen Liebe sucht und so schnell wie möglich eine Familie gründen will. Mona (Juliane Köhler – „Der Untergang“, „Vielmachglas“), eine alleinerziehende Mutter Ende vierzig, hat hingegen die Nase gestrichen voll davon, sich um ihre mittlerweile erwachsene Tochter zu kümmern, und will nach Jahren der Entbehrungen endlich wieder Spaß und Abenteuer erleben. So trifft sie auf Life (Sebastian Bezzel – „Sauerkrautkoma“), der seinen Lebensunterhalt als Kinderclown verdient und unbedingt eine neue Mutter für seine kleine Tochter finden will.

Wenn so unterschiedliche Charaktere, Wünsche und Erwartungen aufeinandertreffen, sind Missverständnisse und Chaos natürlich vorprogrammiert, und damit eigentlich zugleich optimale Voraussetzungen für eine Komödie geschaffen. Dass es bei „Safari – Match Me If You Can“ trotzdem überraschend wenig zu lachen gibt, liegt nicht etwa daran, dass dessen Gags nicht zünden, sondern vielmehr daran, dass er offenbar gar keine Komödie sein will.

© Concorde Home Entertainment

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Selbstverständlich wäre es auch falsch zu behaupten, dass es die ganze Zeit über todernst zuginge. Der Film ist von Anfang bis Ende von einer lockeren Grundstimmung geprägt, die nicht zuletzt durch die bunte Optik und den poppigen Soundtrack von Laing-Leadsängerin Nicola Rost kreiert wird. Ohne Frage gibt es auch viele komödiantisch angelegte Szenen. Besonders amüsant wird es immer dann, wenn Gaul das nicht nur in der Onlinewelt omnipräsente Spannungsverhältnis von Schein und Sein aufs Korn nimmt. Als sich Harry nach einem One-Night-Stand im Luxushotel auf den Weg zur Arbeit macht, verwandelt er seine schicke Pilotenuniform durch das Tauschen der Abzeichen innerhalb weniger Augenblicke in eine gewöhnliche Straßenbahnfahrerkluft. Eindrucksvoll beweist er, wie man seinen gesellschaftlichen Status mit nur wenig Aufwand gravierend anheben kann. Auch die Szene, in der Laurie, die Social-Media-Berühmtheit mit Traumfigur, zu Werbezwecken ein Stück von einer Bratwurst abbeißt, dieses nach vollendetem Selfie aber sofort wieder ausspuckt, ist sehr gelungen inszeniert.

Der Blick, den „Safari – Match Me If You Can“ auf seine Figuren richtet, ist jedoch nur selten von humoristischer Distanz oder gar sarkastischer Überheblichkeit, sondern vielmehr von einem ernsthaften Interesse an ihren Beweggründen und Interaktionen motiviert. Selbst in den besonders unangenehmen und peinlichen Situationen – von denen es wahrhaftig einige gibt – konzentriert sich die Kamera in zahlreichen Großaufnahmen schon fast feinfühlig auf die Zweifel und Unsicherheiten der Figuren, anstatt sie zugunsten eines platten Witzes einfach nur bloßzustellen. Dass man sich in vielen Momenten trotzdem schlichtweg fremdschämt, liegt vor allem daran, dass die Figuren viel zu eindimensional sind, als dass man ehrlich mit ihnen mitfühlen oder mitleiden könnte. Gerade die Frauenrollen fallen überaus klischeehaft aus. Die überzeugte Vegetarierin meditiert konsequent im WWF-Shirt und die reife, einsame Frau findet in SM die sexuelle Erfüllung. Hinzu kommt, dass sich die Figuren sowohl bei der Online- als auch bei der Offlinekommunikation einer so plumpen und gewollt abgespaceten Sprache bedienen, dass ihre Dialoge absolut unauthentisch wirken. An dieser Stelle kommt es dem Film wirklich zugute, dass Gaul zum ersten Mal in seiner Karriere ein größeres Budget zur Verfügung hatte und einige starke Schauspieler für sein Projekt gewinnen konnte. Grimme-Preisträger Max Mauff spielt seinen David zwar merkwürdig überdreht und lässt ihn damit zur anstrengendsten Figur im ganzen Film werden, doch gerade Sebastian Bezzel und Juliane Köhler verleihen ihren flachen Charakteren mit einfühlsamem Spiel zumindest ein paar sympathische Züge. Leider reichen aber auch diese nicht aus, um den Figuren über 109 Minuten mit Interesse zu folgen. Dass am Ende viele Töpfe doch noch ihre Deckel finden oder es schaffen, die Liebe für ihre alten Deckel wieder zu entfachen, ist dann auch nicht weiter überraschend – auch wenn positiv auffällt, dass zumindest einige Figuren ihr Glück letztendlich auch ohne das perfekte Match finden.

Die Gliederung in sieben Episoden hätte dazu beitragen können, den Film etwas kurzweiliger zu gestalten. Die einzelnen Geschichten sind aber so verworren und uneinheitlich, dass ohne die Texteinblendungen vor jeder Episode wirklich schwer zu sagen wäre, um wen genau es denn nun eigentlich gehen soll. Und so nimmt die Unterteilung dem Film eher an Dynamik, als ihm zu mehr davon zu verhelfen.

© Concorde Home Entertainment

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Auf eine kritische Auseinandersetzung verzichtet „Safari – Match Me If You Can” größtenteils, obwohl sich seine Thematik – die durch Social Media und Dating-Apps veränderte zwischenmenschliche Kommunikation – gerade aufgrund ihrer Aktualität perfekt dafür angeboten hätte. Hierdurch verschenkt der Film einiges an Potenzial, denn es wird tatsächlich recht spannend, sobald Gaul (wenn auch aus neutraler Beobachterperspektive) weitergehende Fragen aufwirft. Warum zum Beispiel strahlt Harry in seiner Pilotenuniform auch dann noch viel mehr Selbstbewusstsein aus, wenn seine potenziellen Eroberungen überhaupt nicht in Sichtweite sind? Verstellen wir uns wirklich nur für andere? Oder wollen wir in Wahrheit vor allem uns selbst besser gefallen, wenn wir ein falsches Bild von uns entwerfen? Immerhin erlaubt sich der Film noch einen Hinweis darauf, wie vergänglich durch falsche Selbstdarstellung erlangter Ruhm sein kann. Laurie, die auf ihrem Instagramprofil damit angegeben hatte, auf „den Richtigen“ zu warten, sieht sich einem heftigen Shitstorm ausgesetzt, nachdem eine ihrer Safari-Bekanntschaften sie im Bett fotografiert und das Bild auf Facebook geteilt hat. Das unechte Image, auf dem Laurie ihre gesamte Existenz aufgebaut hat, ist innerhalb weniger Sekunden zerstört, ihr Leben wird zum absoluten Albtraum. Obwohl sich für Laurie schließlich doch noch ein kleiner Hoffnungsschimmer ergibt, verzichtet Gaul erfreulicherweise darauf, die Auswirkungen des Shitstorms herunterzuspielen oder wieder zu relativieren. Nichtsdestotrotz hätte es „Safari – Match Me If You Can” gerade angesichts der Tatsache, dass seine Figuren kaum Identifikation zulassen, gutgetan, sich etwas von dem satirischen Biss seines Vorbildes „Reigen“ abzuschneiden.

© Concorde Home Entertainment

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Insgesamt ist „Safari – Match Me If You Can” ein zumindest streckenweise unterhaltsamer Ensemblefilm mit interessanten Ansätzen, der jedoch zu unglaubwürdig, unausgewogen und unkritisch ist, um wirklich zu überzeugen.

Autorin: Johanna Böther

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Green Book – Eine besondere Freundschaft (2018/2019) Review

© eOne

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Das Politische im Persönlichen: Viggo Mortensen und Mahershala Ali glänzen in Peter Farrellys Roadmovie

Tony „Lip“, a.k.a. Tony Vallelonga (Viggo Mortensen) arbeitet als Bouncer in einem New Yorker Clublokal. Das Jahr: 1962. Tony ist gewaltbereit, was er bereitwillig in seinem Job auslebt. Er ist außerdem italienischer Abstammung und im New York der 1960er-Jahre eröffnet ihm das nach plötzlicher Schließung seiner Arbeitsstätte die Möglichkeit, von nun an für „Carmine“ oder „Paulie“ oder andere unschwer als Mafiosi erkennbare Gestalten zu arbeiten. Er entscheidet sich aber dagegen, denn dass die von ihm verlangten Tätigkeiten Mord einschließen könnten, ist impliziert und das ist Tony dann doch zu viel: Er hat nämlich Kinder und ist glücklich verheiratet mit Dolores (Linda Cardellini).

In zweierlei Hinsicht hat Tony also von Anfang an die Sympathie des Zuschauers auf seiner Seite: Er ist eine coole Sau, erfüllt dabei die genre-üblichen Kriterien des Mafioso-Helden; außerdem sitzt sein Herz am rechten Fleck, seine aggressiven Tendenzen bewegen sich im Rahmen seiner Verpflichtung als Ehemann und Familienvater und im Rahmen des Gesetzes. Die Rollenwahl ist durchaus untypisch für Mortensen, sind wir ihn doch eher in der Figur des spröde-nordischen Außenseiters gewohnt, der entweder durch noble Distanziertheit oder durch impulsive Gewaltentfesselung hervortritt. In vielerlei Hinsicht ist Tony in dieser Geschichte jedoch der straight man. Mortensen, für die Rolle um zehn Jahre verjüngt und etwa 15 Kilo schwerer als gewöhnlich, spielt das mühelos, mit fast beiläufiger Leichtigkeit, Charisma und Nuance. Tony wird bei seiner Jobsuche schließlich fündig und die eigentliche Handlung des Films nimmt ihren Lauf. Auftritt Dr. Don Shirley (Mahershala Ali), ein Klaviervirtuose, der für seine Konzerttournee in den Südstaaten noch einen Chauffeur sucht. Shirley ist hochgebildet, intelligent und versiert, ein Mann der Oberklasse im Maßanzug, der es gewohnt ist, herumzukommandieren und in Ruhe gelassen zu werden. Er ist außerdem schwarz; und so steht die ungewöhnliche Anordnung des folgenden Roadtrips: Grobschlächtiger Italiener der Arbeiterklasse chauffiert schwarzen, musikalisch genialen Gentleman durch die rassistischen Südstaaten der 1960er-Jahre.

Basierend auf wahren Ereignissen, das Drehbuch verfasst von Vallelongas Sohn Nick Vallelonga, alles zu Ihrer Unterhaltung dargeboten. Es folgt ein unterhaltsamer, witziger Film mit zwei brillanten Darstellern im Zentrum: Mortensen sympathisch-proletarisch, Ali distanziert, dabei verletzlich-zerrissen. Tony und Dr. Shirley kommen sich menschlich langsam näher, so will es die Dramaturgie, wie genau das allerdings geschieht, ist einfühlsam und überraschend erzählt. Zunächst knirscht es (worüber sollen diese sehr unterschiedlichen Männer denn schließlich reden?), Tony ist unsensibel und mit rassistischen Vorurteilen beladen, geniert sich aber auch nicht, Dr. Shirley hinter dem Steuer sitzend vollzuquatschen. Wie es so ist mit langen Autofahrten, müssen die Passagiere irgendwann lernen, miteinander klarzukommen. Dr. Shirley lässt sich zu Kentucky Fried Chicken überreden und Tony lernt bei den Konzerten Shirleys moderne klassische Musik lieben. Doch je besser sich die beiden kennen, desto klarer sehen sie die menschlichen Fehler und Probleme des anderen.

© eOne

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Durchweg tritt klar die Individualgeschichte der zwei Protagonisten in den Vordergrund und überschattet die offensichtliche politische Thematik, auch beispielsweise bei unvermeidlichen rassistischen Konfrontationen während eines Privatkonzerts. Der Film positioniert sich durchaus klar in seiner Haltung, zeigt sie jedoch nicht explizit in großen anti-rassistischen Reden. Die Geschichte von Tony Lip und Dr. Shirley ist keine exemplarisch-mahnende Fabel über das rassistische Amerika der 1960er-Jahre: Sie zeigt dreidimensionale Figuren mit jeweils-subjektiven Problemen, die sich in einer gesellschaftspolitisch aufgeladenen Zeit wiederfinden und in dieser ihre individuellen, familiären und zwischenmenschlichen Probleme lösen müssen. Shirley muss seinen Platz als hochgebildeter und begabter Schwarzer in einem Amerika der Weißen finden, gleichzeitig aber muss er, als unsicherer Mensch zwischen allen Stühlen, zu sich selbst finden. Tony, der sich seiner Klasse und ethnischen Zugehörigkeit sehr bewusst ist, mit ihr keine Probleme hat und sich in ihr völlig heimisch fühlt, überwindet seine rassistischen Einstellungen recht schnell und beinahe mühelos – sein Verständnis für die Sensibilität der Gebildeten und Kulturversierten öffnet sich aber erst im Laufe des Films. Beide Figuren bewegen sich aus ihrer arrogant-vorurteilhaften Klassenidentität heraus aufeinander zu, beide finden gleichzeitig eine individuelle Position in bzw. zu den buchstäblich schwarz-weiß-definierten Zugehörigkeiten. Das Politische ist hierbei nur insofern relevant, als es die Einzelschicksale der beiden zentralen Figuren berührt. So scheint Regisseur Peter Farrelly vorzuführen, dass eine Veranschaulichung der politischen Probleme sehr gut funktioniert, wenn man nicht die Probleme selbst ins Zentrum stellt, sondern die Menschen, die unter diesen Problemen leiden. Das Politische im Persönlichen zu zeigen, ist nachvollziehbarer und glaubwürdiger als ein politisches Manifest, so veranschaulicht es „Green Book“. „The world is full of lonely people afraid of doing the first move“, heißt es einmal gegen Ende des Films.

Neben Themen wie Hautfarbe und (ökonomischer) Klasse geht es „Green Book“ eigentlich um etwas anderes: Um zwei Außenseiter, die sich im Zuge einer Konfrontation miteinander auseinandersetzen müssen; um eine Freundschaft, die aus dieser Auseinandersetzung hervorgeht. Mortensen und Ali geben dabei fein schattierte, mittlerweile Golden-Globe- und Academy-Award-nominierte Darbietungen. Peter Farrelly, bisher (gemeinsam mit seinem Bruder) am bekanntesten für intellektuell eher niederschwellige Kassenschlager wie „Dumm und Dümmer“, inszeniert einen optimistischen, komischen und emotionalen Film, der die Lösung für politische und soziale Probleme in der individuellen Lebensbewältigung ansiedelt.

Autor: Paul Moritz Quast

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KurzCast #17 Robin Hood

© STUDIOCANAL / Larry Horricks

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um die x-te Neuverfilmung der Robin-Hood-Saga und die Frage, welcher Produzent diesem Film jemals grünes Licht geben konnte. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Robin Hood“!

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KurzCast #16 Glass

© Disney / Jessica Kourkounis

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um M. Night Shyamalans Fortsetzung zu seinen Filmen „Unbreakable“ und „Split“ sowie die Frage, was dort eigentlich wann mit wie und wem zusammenhängt. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Glass“!

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Kindeswohl (2017/2018) Review

© Concorde Home Entertainment

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Die Verfilmung seines Romans „The Children Act“ plante Ian McEwan laut eigener Aussage bereits beim Schreiben des 2014 erschienenen Bestsellers. Als Regisseur favorisierte er von Beginn an seinen engen Freund Richard Eyre, der während seiner langen Karriere als Theaterregisseur nur wenige, von der Kritik aber durchaus positiv aufgenommene Ausflüge ins Filmgenre unternommen hat (zu den bekanntesten dürften „Iris“ und „Tagebuch eines Skandals“ zählen). McEwan war nämlich klar, dass eine Verfilmung von „The Children Act“ mit ihren Schauspielern stehen und fallen würde und Eyre traute er es aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung am Theater wie keinem anderen zu, diese zur Höchstform auflaufen zu lassen. Und tatsächlich beeindruckt „Kindeswohl“, der im August 2018 in den deutschen Kinos anlief und nun auf Blu-ray und DVD erscheint, vor allem mit seinen starken Darstellern, die ihre Figuren mit großer Eindringlichkeit spielen und die auf den ersten Blick vielleicht wenig aufregende Geschichte in ein bewegendes Drama verwandeln.

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Running Man (1987) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

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Die 1980er-Jahre waren schon ein komisches Jahrzehnt. Politisch im Lichte der Achse Reagan-Thatcher-Kohl global gesehen eine der konservativsten Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, in welcher Neonlichter und Synthesizer-Pop einfach nur der Hammer waren, merkwürdige Frisuren Konjunktur hatten und das US-amerikanische Filmschaffen gefühlt lediglich aus Kriegsfilmen, Tanzfilmen, Slasherfilmen, Teenie-Komödien oder Actionfilmen mit aufgepumpten Hauptdarstellern bestand, welche gern einmal die sozial nachhaltig desaströse, neoliberale Reagan-Politik ideologisch stützten. Doch manchmal lohnt es sich genauer hinzuschauen, so sind beispielsweise Filme von Paul Verhoeven wie „RoboCop“ oder „Total Recall“ trotz ihrer oberflächlichen Gemeinsamkeiten mit genanntem Actionkino deutlich subversiver als der seinerzeitige Mainstream, auch Werke wie „Nico“ mit Steven Seagal oder „Predator“ mit Arnold Schwarzenegger erfüllen kaum die Tradition des damaligen rechtskonservativen Zeitgeistes. Und dann gibt es noch „Running Man“, ebenfalls mit Schwarzenegger, der ein wenig zwischen den Stühlen steht: Zwar hielt er in Gestalt seines Hauptdarstellers das mit der Reagan-Ideologie einhergehende Körperideal ein (Literaturhinweis: das Buch „Hard Bodies“ von Susan Jeffords geht dieser Frage genauer nach), wies jedoch zumindest in Ansätzen eine zwar plakative, aber nichtsdestotrotz vorhandene Medienkritik auf.

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Sicario 2: Day of the Soldado (2018) Review

© STUDIOCANAL

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Aus Denis Villeneuve wird Stefano Sollima – die „Sicario“-Fortsetzung mit dem Untertitel „Day of the Soldado“ erscheint auf DVD und Blu-ray. Der zweite Teil dreht sich wieder um Josh Brolin und Benicio del Toro; Emily Blunt, die im ersten Teil die Hauptfigur gespielt hat, ist aus der Reihe verschwunden. Der Film fabriziert eine neue Bedrohung für die USA: mexikanische Kartelle schmuggeln IS-Kämpfer über die amerikanische Grenze und am Ende steht ein Selbstmordattentat in Kansas City. Die Regierung heuert den von Brolin gespielten Agenten Matt Graver an, um einen Krieg zwischen den Kartellen anzuzetteln – die US-amerikanische Strategie hat sich von offensichtlichen imperialistischen Eingriffen hin zu Destabilisierungsversuchen gewandelt. Graver aktiviert in Folge seinen Sicario Gillick (Benicio del Toro) und startet den Plan, die Tochter des mächtigsten Drogenbosses Mexikos zu entführen. Jener Boss, der einst den Anschlag auf Gillicks Familie angeordnet hat.

Nach der anfänglichen Einführung eines neuen Elementes in Person der Terroristen verläuft der Film recht ähnlich wie sein Vorgänger. Die Zusammenarbeit zwischen Islamisten und mexikanischen Kartellen ergibt keinen besonderen Sinn und im Verlauf des Films wird ein sehr generelles Pastiche der „Gegner“ Amerikas gezeichnet, so gibt es zum Beispiel auch einen kurzen Ausflug zu somalischen Piraten. Die Xenophobie des ersten „Sicario“ wird hier nicht unbedingt gesteigert, eher wird sie offen zur Schau getragen. Dies wird im diegetischen Rassismus der Charaktere erkennbar, der sich deutlich in Dialogen äußert. Aber auch die filmische Repräsentation Mexikos lässt keinen anderen Schluss zu, als dass man lieber auf der US-Seite der Grenze bleibt.

© STUDIOCANAL

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Das soll aber nicht heißen, dass der Film durch unreflektierten Militarismus komplett uninteressant wäre. Immer wieder gibt es vertrackte Szenarien, die vielleicht nicht als Kritik intendiert waren, bei einem aufmerksamen Zuschauer aber durchaus Schrecken über Rollenbilder, Polizeigewalt und die Parallelwelt des Militärs auslösen dürften. Sollimas Blick auf das amerikanische Machtsystem kommt von außen, seine Faszination für militärische Akkuratesse wird vor allem in den Planungs- und Durchführungssequenzen der Operationen deutlich. Aber unter der abgebrühten Fassade lauert stets die Barbarei.

Autor: Martin Klein

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Leben und Sterben in L.A. (1985) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

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William Friedkin ist irgendwie nie zu einem der ganz Großen in Hollywood geworden. Gut, „French Connection“ und „Der Exorzist“ haben sich zu Klassikern ihres jeweiligen Genres entwickelt, doch war ihr Regisseur immer ein so genannter „Maverick“, ein Außenseiter des Hollywood-Betriebes. Viele seiner Filme dürften einem breiten Publikum eher unbekannt sein, doch Werke wie „Atemlos vor Angst“ oder „Das Kindermädchen“ haben sich über die Zeit definitiv einen gewissen Kultstatus erarbeitet. Dies dürfte auch für seinen fiebrigen 80er-Jahre-Kriminalfilm „Leben und Sterben in L.A.“ gelten, der mit Blick auf das US-amerikanische Kino jener Zeit immer etwas untergeht. Völlig zu Unrecht, denn er ist sein eigenes kleines Meisterwerk und stellt so etwas wie den differenzierten Gegenpart zu den Haudrauf-Filmen um Stallone, Schwarzenegger, Van Damme und Co. dar.

„Leben und Sterben in L.A.“ ist denn auch kein reiner Actionfilm, sondern eher ein Cop-Drama mit Actioneinlagen. Der heutzutage am ehesten durch seine Hauptrolle in der ursprünglichen „CSI“-Serie bekannte William L. Petersen spielt den Fahnder Richard Chance, Willem Dafoe seinen geldfälschenden Gegenspieler Eric Masters. Es entwickelt sich ein immer weiter eskalierendes Katz-und-Maus-Spiel um Informanten, falsche Fährten, schmutzige Tricks, Verfolgungsjagden und Schießereien. Der Film atmet dabei förmlich den audiovisuellen Stil der 1980er-Jahre: Die titelgebende Stadt glüht meist in der Sonne, natürliches wie künstliches Licht ist unglaublich intensiv, wobei die Bilder teils in die knalligsten Farben getaucht sind. Das Ganze wird untermalt durch einen herausragenden, synthesizerlastigen Soundtrack der New-Wave-Band Wang Chung, was dem Film in seiner Gesamtheit etwas Pulsierendes verleiht. Dabei blitzt immer wieder auch eine eigene Stilistik auf, die Friedkin als Regisseur von den reinen Handwerkern seiner Zeit abhebt, wenn er beispielsweise Einstellungen in zwei Hälften staffelt, wodurch ohne Schnitte allein aus dem Bild heraus Dinge erzählt, angedeutet, und vorweggenommen werden können.

© capelight pictures

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Wo die oben genannten Action-Recken der 1980er-Jahre in der Regel gegen ganze Syndikate antraten, tropische Inseln auseinandernahmen oder mal eben nach Vietnam zurückfuhren, um dem alten Feind verspätet ordentlich eins auf die Mütze zu geben, ist „Leben und Sterben in L.A.“ deutlich geerdeter. Letztlich lässt es sich auf das Konkurrenzspiel zweier meist ziemlich gnadenlos agierender Männer herunterbrechen, die mit dem maximalen Ausreizen der ihnen jeweils zur Verfügung stehenden Mittel (und manchmal auch etwas darüber hinaus) versuchen, ihr Ziel zu erreichen. Das Verhältnis der beiden erreicht dabei nicht ganz die Intensität der Hassliebe von Robert De Niro und Al Pacino in Michael Manns „Heat“, doch werden beide interessanterweise trotz einer letztlich äußerst rudimentären Zeichnung (so erfährt man nahezu nichts über ihre jeweilige Vergangenheit) ausreichend charakterisiert, um nicht als bloße Stereotypen auf der Leinwand zu agieren. Es sind dabei die kleinen Dinge, die den Film und seine Figuren ausdifferenzieren; wie Chance beispielsweise mit seiner Informantin Bianca Torres (Debra Feuer) kommuniziert oder mit welcher Akribie Masters sein Falschgeld druckt. Auf diese Weise erschafft der Film seinen eigenen kleinen Kosmos, der die Grenzen von Los Angeles nicht überschreitet und die Stadt dabei zu einem weiteren seiner Protagonisten macht. „Leben und Sterben in San Francisco“ oder „Leben und Sterben in New York“ wären vollkommen andere Filme geworden und diese urbane Eigenständigkeit verleiht Friedkins Film eine ganz eigene Form der Atmosphäre.

„Leben und Sterben in L.A.“ ist durchaus ein kleiner Klassiker, allerdings einer, der vielleicht noch darauf wartet, von einigen entdeckt zu werden, jenseits des unmittelbaren Mainstream der damaligen Zeit angesiedelt, dabei mit einem ausgeprägten Unterhaltungsfaktor ausgestattet. Der Film ist irgendwie bodenständig und gleichermaßen von einer ausgeprägten stilistischen Intensität und zeigt, dass es sich immer lohnt, den Blick auch mal auf die künstlerischen Außenseiter zu richten.

© capelight pictures

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Die Edition: capelight pictures veröffentlicht „Leben und Sterben in L.A.“ in seiner altbewährten Mediabook-Reihe (dieses Mal im schicken matten Look gehalten), wobei der Film wie gewohnt auf Blu-ray und auf DVD enthalten ist (gleichzeitig erscheint er auch als Single-DVD). Das Bildmaster entspricht dabei der in Großbritannien erschienenen Veröffentlichung von Arrow Video und sieht absolut fantastisch aus, womit eine eindeutige Verbesserung zur bereits erhältlichen MGM-Blu-ray gegeben ist. Die Bilder sind gestochen scharf, wobei das Filmkorn dankenswerterweise erhalten geblieben ist und die Farben sind unfassbar intensiv. Dies dürfte so ziemlich die definitive Edition des Filmes darstellen. Als Bonusmaterial gibt es den obligatorischen Audiokommentar mit William Friedkin, zahlreiche Interviews, unter anderem mit William L. Petersen, Debra Feuer und Wang Chung, das alternative Ende, entfallene Szenen und ein sehr sehenswertes halbstündiges Making-Of.

Autor: Jakob Larisch

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Mandy (2018) Review

© Koch Media

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Während die ersten Worte des Abspanns über die Leinwand flimmern, kann man gar nicht anders, als erleichtert ausatmen. Endlich ist es vorbei, ist er, der Film, vorbei. Es ist ein Gefühl der Fassungslosigkeit, gemischt mit Wut. Denn „Mandy“ ist ein hundsmiserabel schlechter Film. So richtig schlecht. Nicht nach der Kategorie „so schlecht, dass er wieder gut ist“, also irgendwie unterhaltsamer Trash. Nein, „Mandy“ ist derart mies, dass man sich hinterher fragt, ob der Regisseur überhaupt das Konzept Kino verstanden hat. Panos Cosmatos heißt der Mann, der für dieses filmische (V)erbrechen verantwortlich ist, der Nachname könnte dabei einigen bekannt vorkommen. Panos ist der Sohn von George P. Cosmatos, der für 1980er-Jahre-Kracher wie „Rambo II – Der Auftrag“ oder „Die City-Cobra“ bekannt wurde, stumpfe, aber unterhaltsame und sehr straight inszenierte Actionfilme. Von diesem ja durchaus vorhandenen inszenatorischen Talent ist allerdings nichts bei seinem Sohn gelandet. Doch wo anfangen? „Mandy“ scheitert als Film auf jeglicher Ebene derart krachend, dass sich kein zentraler Faktor ausmachen lässt. Hier stimmt einfach gar nichts. Es wäre unterhaltsamer, dem sehr kitschigen gleichnamigen Song von Barry Manilow und im Anschluss der Coverversion der irischen Boygroup Westlife jeweils zwanzig Mal zuzuhören, als sich auch nur ein Mal „Mandy“, den Film, anzuschauen. Denn „Mandy“ ist so schlecht, dass er ohne Zögern in die Kategorie „verschwendete Lebenszeit“ eingeordnet werden kann. Eigentlich braucht man eine Schmerztablette, um ihn adäquat überstehen zu können.

Nicolas Cage spielt die Hauptrolle und nach wohl nahezu übereinstimmender Meinung US-amerikanischer Kritiker soll dieser Film sein großes Comeback darstellen, nachdem der einstige Star und Oscarpreisträger in den letzten Jahren aufgrund finanzieller Probleme in den Untiefen des Direct-to-Video-Sektors verschwunden war. Dem muss man ein entschiedenes Nein entgegenhalten. Nicolas Cage spielt so wie eh und je, sein in den 1990er-Jahren fast schon charmantes Overacting wirkt nun aber nur noch wie ein müder Aufguss seiner selbst. Es ist auch nicht ganz klar, ob „Mandy“ nun eine Komödie oder eine total ernste Beschäftigung mit dem Thema Verlust darstellen soll. Die ersten zwei Drittel lassen letzteres vermuten, Witze werden keine gemacht, der Film ist düster und brutal. Kaum bringt eine Sekte jedoch die Frau des von Nicolas Cage gespielten Charakters um, bricht das Ganze völlig unpassend auf. Plötzlich zieht sich der Protagonist kiloweise Koks in die Nase, erschießt Gegner, weil sie sein Lieblingsshirt beschmutzt haben und liefert sich einen Kettensägenfight, der in anderen Kontexten tatsächlich enorm lustig gewesen wäre. Allein, in „Mandy“ wirkt das Ganze wie eine schlecht zusammengenähte Wunde, die sich nun überflüssigerweise zu entzünden beginnt. Ein Schwanken zwischen zwei Dingen muss nicht immer auch eine gelungene Ambivalenz darstellen, manchmal ist man auch einfach nur betrunken. So wie vermutlich Panos Cosmatos, als er das Drehbuch auf Papier schrieb, das als Einkaufszettel eine sinnvollere Verwendung gefunden hätte. Wobei man mit dieser Aussage aufgrund der ihr inhärenten Absolution des Regisseurs wohl Alkohol beleidigen würde.

Es ist augenfällig, dass Panos keine eigene künstlerische Vision hat und daher verzweifelt versucht, filmische Vorbilder wie Nicolas Winding Refn, Harmony Korine oder Gaspar Noé zu kopieren. Doch er übertreibt dabei maßlos und ohne jegliches Formgefühl, wenn er beispielsweise drei Viertel aller Einstellungen in Rot, Blau oder Pink taucht, ohne auch nur ein Mindestmaß an Reflexion erkennen zu lassen. Das ist nicht mehr visuell ansprechend, das ist einfach nur noch arbiträr. Man macht es, weil es cool ist, weil man es woanders gesehen hat, nicht, weil man etwas Bestimmtes zum Ausdruck bringen möchte. „Mandy“ ist die „The Asylum“-Produktion unter den neonfarbenen Filmen, mit dem Unterschied, dass diese Produktionsfirma weiß, dass sie billige Nachzügler populärer Filme produziert und gar nicht den Anspruch hat, große Kunst zu erschaffen. Im Gegensatz zu Cosmatos, offensichtlich, den genau dieser Anspruch zu treiben scheint, wobei er nicht einmal in Ansätzen realisiert, dass seine Bilder neben den wunderschön bemalten Leinwänden der genannten Regie-Meister nur lausiges Kindergarten-Gekritzel sind. Untermalt wird das Ganze zudem von dem wohl miesesten Soundtrack seit Jahrzehnten, der so klingt, als wäre der (tragischerweise viel zu früh verstorbene) Komponist Jóhann Jóhannsson mit voller Wucht auf einem verstimmten Synthesizer eingeschlafen und man hätte ihn die komplette Laufzeit nicht mehr aufwecken können. Der Film dröhnt ungerührt und nahezu ohne Pause vor sich hin, als ginge es ihm darum, sein eigenes ästhetisches Unvermögen zu übertönen. Mehr passiert hierbei nicht.

© Koch Media / Jo Voets

© Koch Media / Jo Voets

Auch was an Story geboten wird, spottet jeglicher Beschreibung. Wo die drei erwähnten Regie-Vorbilder teils verschachtelt erzählen oder gewisse Fragen aufwerfen, die dann nicht beantwortet werden, da sie entweder der Fantasie des Zuschauers überlassen sind oder schlicht keine Rolle spielen, so geht Cosmatos den umgekehrten Weg: Er gibt Antworten auf Fragen, die keiner gestellt hat und die auch keinen interessieren. Die Hintergründe des Handelns, die Wendungen, die genutzten Waffen, die plötzlich auftauchenden Figuren, all das ergibt nicht im Mindesten Sinn. So macht man es sich schlichtweg sehr einfach, wenn man nachgerade Dinge behaupten und etablieren kann, ohne jegliche Rechtfertigung vorzulegen. Wir brauchen einen magischen Dolch? Hier ist er. Wir brauchen eine Motorradgang aus Dämonen? Hier ist sie. Wir brauchen eine religiöse Ebene und durchgeknallte Sektenführer? Hier sind sie. Wo jeder Drehbuchratgeber schon weinend zusammengebrochen wäre, stopft Cosmatos sein Skript mit immer mehr Zufällen und immer mehr Wahllosigkeiten voll, die jeden Film von Michael Bay wie ein intellektuell kohärentes Werk wirken lassen. Die Fantasy-was-auch-immer-Fundierung sollte man zuletzt schlechthin unter den Tisch fallen lassen, denn sonst wird es einfach zu peinlich für den Regisseur. Es wirkt, als würde Cosmatos alles, was er einmal im Nachmittagsprogramm des Discovery Channel über Mythen und Märchen gesehen hat, in einen Schnellkochtopf schmeißen und es dann anbrennen lassen. Das Ergebnis ist, wie zu erwarten, ungenießbar. Und zwar in einer Art und Weise, die im Restaurant zur Geldrückgabe berechtigen würde.

„Mandy“ ist ein Zeugnis filmischer Inkompetenz und Stümperhaftigkeit, in Film gegossene Langeweile, als hätte ein lernunfähiger und wegen einer zu selbstgefälligen Attitüde von der Filmhochschule geflogener Amateur krampfhaft versucht, zu den großen Jungs zu gehören, nur um daran dann gnadenlos und krachend zu scheitern. Dieser prätentiöse Schwachsinn gehört im Keller der Filmgeschichte in diejenige Ecke, die niemals jemand aufräumt. Einfach um andere davor zu bewahren, sich dem in jeglichem Sinne grauenhaften Erlebnis einer Sichtung von „Mandy“ aussetzen zu müssen.

Autor: Jakob Larisch

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Tully (2018) Review

© DCM

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Da haben sich zwei gefunden. Zum dritten Mal nach „Juno“ (2007) und „Young Adult“ (2011) kooperieren mit „Tully“ Drehbuchautorin Diablo Cody und Regisseur Jason Reitman miteinander, beide haben ihren ganz eigenen Stil, doch beiden Stile passen wiederum sehr gut zueinander. Reitman dürfte sich ohnehin in den letzten Jahren (spätestens seit „Juno“, doch damit würde man negieren, wie exzellent „Thank You For Smoking“ (2005) war) einen Spitzenplatz unter den Regie-Mavericks (Außenseitern) in Hollywood erarbeitet haben, was eigentlich ein Widerspruch in sich ist, seine Position aber wohl relativ gut umschreibt. Speziell „#Zeitgeist“ (2014) ist nach wie vor einer der vermutlich besten Filme über die Digitalisierung und ihre Folgen.

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BuyBust (2018) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

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Asiatische Actionfilme? Einiges könnte einem da einfallen. Die Action-Epen aus Hongkong, auch „Heroic Bloodshed“ genannt (inszeniert von Regisseuren wie John Woo oder Ringo Lam). Die Muay-Thai-Klopper aus Thailand, wie „Ong Bak“ oder „Revenge of the Warrior“. Aus Südkorea Filme wie „A Bittersweet Life“ oder „The Villainess“. Aus Japan Werke wie „Battle Royale“, ein größerer Teil der Filme von Takashi Miike, von absurder Splatter-Action à la „Tokyo Gore Police“ ganz zu schweigen. Jüngst die „The Raid“-Choreografie-Exzesse aus Indonesien. Aber von den Philippinen? Da gab es vor drei Jahren den Anarcho-Knaller „Ruined Heart“, doch mehr dürfte erst einmal nicht in den Sinn kommen. Mit „BuyBust“ bekommt dieser nun immerhin etwas Gesellschaft im Kreise der internationalen (Genre-)Aufmerksamkeit.

Die Prämisse ist so simpel wie effektiv: Ein schwer bewaffnetes Drogenfahndungsteam soll in den Slums von Manila im Zuge einer Nacht einen Drogenboss dingfest machen. Ein Film, ein überschaubarer Ort, ein überschaubarer Zeitraum. Natürlich läuft nicht alles so wie geplant; eigentlich läuft nichts so wie geplant und das Team sieht sich sowohl den Schergen des Bosses wie auch den Einwohnern der Slums gegenüber, die von ihm zu Solidarität erpresst werden. Daneben hat die Einheit einen Verräter in ihren Reihen. Ring frei für ein Actioninferno, das sich gewaschen hat. Denkt man. Ist aber leider nicht so.

Denn „BuyBust“ entwickelt die längste Zeit kaum Dynamik. Viele Actionsequenzen, gerade die ersten Konfrontationen sind eher langsam inszeniert, teils ist offen sichtbar, dass die Darsteller nur so tun, als würden sie sich ordentlich eins auf die Mütze geben, untermalt von Geräuschen, die auch aus einem Bud-Spencer-Prügelwestern stammen könnten. Nun muss sich natürlich nicht jeder neue Actionfilm am indonesischen fast-schon-Nonplusultra „The Raid“ 1 & 2 messen, allerdings sucht man visuelle Dynamik, die dort durch sehr lange ungeschnittene Einstellungen und exzellent durchchoreografierte Fights evoziert wurde, in „BuyBust“ vergebens. Einige Momente sind zudem sehr stark zerschnitten, was den Film nicht besser macht und jegliche kinetische Wirkung im Keim erstickt. Das ist sehr bedauerlich, denn die Atmosphäre stimmt eigentlich, der immer wieder einsetzende Regen und die oft neonfarbene Beleuchtung sorgen für eine ganz eigene Stimmung, auch die zeitliche und räumliche Begrenzung ist sinnvoll. Als Zuschauer fühlt man sich in den labyrinthischen Slums bald ebenso verloren wie die Agenten, zumal die Ausgänge nach und nach systematisch versperrt werden. Doch wird die Spannung auch immer wieder gekappt, da Regisseur Erik Matti selten die Gratwanderung zwischen prägnantem Erzählen und spannungsreichem Ausreizen gelingt. Viele Szenen gehen über ebenjenen Punkt hinaus, an dem die Spannung ausgereizt wäre, so dass regelmäßig Durchhänger entstehen.

© capelight pictures

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Auch gibt es einige Irritationen in der Figurenzeichnung, denn außer der Hauptfigur Nina Manigan (Anne Curtis) wird hier niemand so ausreichend charakterisiert, dass man irgendwie mit dem Team mitfühlen könnte, was im Lichte der lange Zeit unbefriedigenden Spektakel-Ebene umso mehr ins Auge fällt. Selbst Manigan ist auch eher nur deswegen die Protagonistin, da sie schlicht den erzählerischen Ankerpunkt des Filmes darstellt; ihre mehrfach angedeutete und am Ende äußerst knapp gelöste Hintergrundgeschichte wirkt folglich forciert. Allerdings ist Hauptdarstellerin Anne Curtis sowohl charismatisch genug als auch eine entsprechend fähige Schauspielerin, um den Film locker stemmen zu können. Zumindest diese Ebene funktioniert, auch mit ihrem Kollegen Brandon Vera, der aussieht wie Dwayne Johnson, eine entsprechende Rolle spielt und in der deutschen Fassung von dessen Synchronsprecher Ingo Albrecht synchronisiert wird, vermag sie vorbehaltlos zu harmonieren.

Es wirkt, als müsse sich „BuyBust“ äußerst schleppend warmlaufen und in Anbetracht der Tatsache, dass er mit seinen über zwei Stunden Laufzeit deutlich zu lang ist, muss man sich erst einmal gute 90 Minuten durch den Film stehen, um dann den tatsächlich spannend und dynamisch in Szene gesetzten Showdown zu erleben (der jedoch wiederum eher kurz ist). Auf einmal scheint es, als habe Matti das Inszenieren doch für sich entdeckt, auf einmal wartet „BuyBust“ mit einigen cleveren visuellen Spielereien auf wie ein Kampf, der ausschließlich aus einer 90°-Vogelperspektive eingefangen wird oder eine grandiose, etwa fünfminütige Plansequenz (eine lange Einstellung ohne Schnitt), die in Häuser hinein, auf Dächer hinauf, wieder herunter, durch Fenster und Gassen geht. Plötzlich ist sie da, die visuelle Dynamik, die Kinetik der Bewegung, die für den Actionfilm so konstituierend ist. Plötzlich entwickelt die Action in „BuyBust“ für zumindest ein knappes Viertel von dessen Laufzeit eine entsprechende Wucht, akkurat untermalt durch teils sehr drastische Gewaltmomente.

Immerhin. Denn dann ist da noch die gesellschaftspolitische Ebene des Filmes, der anscheinend auch einen Kommentar zur diesbezüglich aktuellen Situation auf den Philippinen liefern will. Korruption im Polizeiapparat, die verfehlte Drogenpolitik der Regierung, Armut, all dies ist hier ohne Zweifel vorhanden und auch ein Actionfilm kann einen entsprechenden Subtext unbestreitbar mit sich führen. Doch wird das Ganze lediglich in den letzten Szenen direkt angeschnitten und wirkt ein wenig wie angeklebt, zumal es hauptsächlich über Dialoge transportiert wird. So ist „BuyBust“ in der Gesamtbetrachtung ein Film der Kategorie „gute Prämisse, schwach umgesetzt“. Das Potenzial ist ohne Frage da, es ist sichtbar, wird dann aber nur unzureichend ausgespielt. Gerade mit Blick auf den Showdown, der zeigt, was aus dem Film hätte werden können, ist das tatsächliche Ergebnis mithin enttäuschend.

© capelight pictures

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Die Edition: capelight pictures veröffentlicht „BuyBust“ in seiner altbekannten Mediabook-Reihe sowie parallel als Single-Blu-ray und Single-DVD. Das Mediabook weist ein äußerst schickes gezeichnetes Cover auf und beinhaltet ein sehr lesenswertes Booklet von Daniel Wagner, das den Film im Rahmen der politischen Hintergründe der Philippinen kontextualisiert. Als Bonus gibt es ein ausführliches Making-Of, was bei Actionfilmen nie verkehrt ist sowie die üblichen Trailer.

Autor: Jakob Larisch

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Der Buchladen der Florence Green (2017/2018) Review

© Lisbeth Salas

© Lisbeth Salas

Es ist nicht so einfach zu sagen, welche Geschichte diese Romanadaption von Regisseurin und Drehbuchautorin Isabel Coixet jetzt eigentlich erzählen möchte. Die Geschichte davon, wie Florence Green versucht, sich mit ihrem Buchladen in den 1950er-Jahren in einer kleinen britischen Stadt durchzusetzen, mit lauter schrulligen Charakteren?  Die Geschichte einer Kriegswitwe, die über ihre Liebe zu Büchern den Verlust ihres Mannes mit der Eröffnung einer Buchhandlung überwindet? Die Geschichte von der Buchladenbesitzerin, die eine enge Bindung zu dem fast schon buchfanatischen Eigenbrötler der Stadt aufbaut? Die Geschichte, wie die Buchladenbesitzerin das kleine und viel zu intelligente Mädchen beeinflusst, das ihr aushilft, aber keine Bücher mag? Eine Geschichte über die Liebe zu Büchern? Die Geschichte vom Kampf der  Kriegswitwe, die ganz naiv oder voller Courage – was auch immer nun letztlich besser passt – versucht, sich gegen die lokalen Machtstrukturen mit Geld und Einfluss durchzusetzen, die lieber ein Kunstzentrum eröffnen möchten? Oder doch die Geschichte um den Zwiespalt von Milo North (James Lance), der für die BBC was-auch-immer macht, zwischen Buchladenbesitzer und Buchladengegner? Irgendwie versucht der Film alles davon und nichts so wirklich.

Florence Green (Emily Mortimer) liebt Bücher und das Lesen. Nachdem sie früh ihren Ehemann im Zweiten Weltkrieg verloren hat, beschließt sie Ende der 1950er, einen Buchladen in ihrem Wohnort Hardborough, einem kleinen britischen Küstenstädtchen, zu eröffnen. Nach einigen Monaten Vorbereitungszeit ist es so weit, der Laden öffnet in dem zuvor sieben Jahre lang leer stehenden sogenannten „Old House“. Leider hat Violet Gamart (Patricia Clarkson), die mit ihrem Mann ebenfalls in Hardborough lebt und Geld, Einfluss und Verbindungen bis nach London besitzt, andere Pläne für das Gebäude: Sie möchte dort lieber ein Kunstzentrum eröffnen. Auch die anderen Bewohner des Ortes scheinen eher skeptisch gegenüber der Eröffnung. Der Einzige, der sich wirklich über den Buchladen zu freuen scheint, ist der in seinem Landhaus zurückgezogen lebende Mr. Brundish (Bill Nighy), der eigentlich nur noch liest, aber mit Menschen nichts mehr anfangen kann. Er möchte zwar den Buchladen nicht betreten und zunächst auch Florence nicht großartig begegnen, bittet aber um regelmäßige Buchsendungen. In dem zunächst gut anlaufenden Laden hilft Florence die kleine Christine (Honor Kneafsey), die jedoch wiederum nicht gerne liest. Schon bald bedrohen Violet Gamarts Intrigen Florence, ihren Laden und damit ihre Existenzgrundlage sowie ihr Zuhause.

Man lernt – abgesehen von Florence und vielleicht noch Mr. Brundish – die Charaktere viel zu wenig kennen, um irgendetwas mit ihnen zu verbinden oder deren Motivationen zu verstehen. Häufig bekommt man selbst ihre Schlüsseleigenschaften nicht oder nur teilweise mit und viel zu vieles davon – auch bei Florence und Mr. Brundish – wird nie ausgespielt, sondern fließt lediglich über die weibliche Erzählstimme aus dem Off ein, wodurch einige der Details kontextlos im Raum stehen. So bekommt man das Gefühl, dass der Film gerade in Verbindung mit der Erzählstimme eine Verliebtheit zu schrulligen Details zelebriert, die vielleicht die Romanvorlage hatte, die der Film allerdings entweder überhaupt nicht und wenn, eher unzureichend besitzt. Er schafft es auch nicht, das Ganze durch Dialoge aufzufangen. Nicht weil die Dialoge schlecht wären, einige sind wirklich interessant oder amüsant, sondern dadurch, dass zu wenig Interaktion ausgespielt stattfindet und wenn, letztlich meist nicht ganz funktioniert. Ständig hat man – auch durch definitiv zu häufige und zu lange Sprechpausen – das Gefühl, dass neben dem eigentlich Gesagten noch eine ganze Menge mehr im Raum steht. Eher selten ist allerdings ersichtlich, was dies denn sein soll, da man zu wenig über die Sprecher weiß. Definitives Highlight des Films sind allerdings die Begegnungen zwischen Charakteren, die tatsächlich  stattfinden, insbesondere die zwischen Florence und Mr. Brundish. Das liegt nicht zuletzt  daran, dass man, wie erwähnt, über diese beiden noch am meisten erfährt. Allerdings ist neben den erwähnten Ungereimtheiten bezüglich Mr. Brundish – alleine schon deutlich an der mangelnden Erwähnung seines Vornamens – Florence als Charakter nicht immer ganz schlüssig. So fragt man sich in Bezug auf sie zum Beispiel, wie die Erzählstimme über eine Kriegswitwe des 2. Weltkriegs die Aussage „Florence had managed to live life thus far by pretending that human beings were not devided into exterminators and exterminated with the former at any moment predominating“ treffen kann, selbst in Großbritannien und selbst in den 1950er-Jahren (an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass in der deutschen Synchronisation der Satz „Florence hatte ihr Leben bisher unter der Prämisse gelebt, dass Menschen nicht in Befehlende und Untergebene zu unterteilen sind und die erstgenannten dabei jederzeit vorherrschen“ lautet, was beim besten Willen nicht dieselbe Aussage ist, tatsächlich aber besser passt).

© Lisbeth Salas

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Auch Florence‘ so oft von verschiedenen Instanzen erwähnte Courage spiegelt sich nur teilweise wider in dem, was sie tut. Es wird vor der Eröffnung der Buchhandlung zwar mehrfach deutlich, dass sie durchaus in der Lage ist, für sich und ihr Vorhaben einzustehen, als der Laden dann allerdings geöffnet ist und die Probleme erst wirklich anfangen, verschwindet das zunehmend. Man fragt sich, warum eine so couragierte Person dann nicht einmal eine direkte Konfrontation mit Violet sucht, was den Konflikt zwischen den beiden zusätzlich forciert wirken lässt. Außerdem wirkt Florence in ihrem Handeln dadurch häufig vielmehr naiv und inwiefern sich mangelndes Bewusstsein für mögliche Folgen noch als Courage auslegen lässt, sei dahingestellt. Die unzureichende Stringenz der Charaktere ist in jedem Fall nicht auf eine schlechte Leistung der Schauspieler zurückzuführen, eher im Gegenteil. Besonders stechen auch hier Florence und Mr. Brundish hervor. Emily Mortimer trägt den Film – soweit es ihre Rolle zulässt – hervorragend und Bill Nighy gibt die einzige weitere Figur mit Hintergrund genial wieder. Erwähnenswert sind aber auch James Lance mit dem perfekten Maß an Schmierigkeit, der es schafft, dem einseitigen Charakter von Milo North zumindest eine Idee von Tiefe zu verleihen und Patricia Clarkson in ihren viel zu seltenen Auftritten zwischen affektierter Mäzene und Unnahbarkeit.

Genauso unzulänglich wie auf die Charaktere wird auch auf die quasi dritten Akteure des Films eingegangen: die Bücher und auch die Liebe zum Lesen. Es wird zwar sehr viel darüber geredet, aber wirklich dargestellt wird das Verhältnis zwischen Menschen und Büchern und Auswirkungen und Veränderungen diesbezüglich kaum. So wird zum Beispiel Nabokovs „Lolita“ in diesen Topf aus halbgaren Geschichten geworfen und die Frage, ob Florence das Buch in großer Zahl verkaufen möchte, als Aufhänger für eine erste Begegnung zwischen ihr und Mr. Brundish genutzt. Es wird auch deutlich, dass das Buch wohl großes Interesse  hervorruft, aber irgendeine Reaktion der Käufer auf das Buch wird nicht gezeigt und der Inhalt erst gar nicht erwähnt. Allenfalls bei Mr. Brundish wird im Laufe der Handlung eine Veränderung durch die Bücher deutlich, die Florence für ihn auswählt, was aber wiederum in Anbetracht der Tatsache, dass er bereits vorher eigentlich nichts anders tat als Lesen, nicht wirklich nachvollziehbar ist. Vielleicht mit Ausnahme von Christine wird auch sonst niemand überhaupt richtig mit Büchern konfrontiert. Der einzige diesbezüglich gelungene Kniff ist die Metaebene, aufgeworfen mit dem Auftauchen von Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ in Verbindung mit dem Städtchen, das sich gegen einen Buchladen wehrt. Das Thema Bücher und auch die Nebencharaktere werden zugunsten des Konflikts zwischen Violet und Florence zurückgestellt oder lediglich dafür genutzt. Dadurch wird dieser verstärkt, da Violets Bestrebung aufgrund ihres erheblichen Einflusses den Bewohnern von Hardborough einen von ihr unabhängigen Zugang zu Büchern – also im Prinzip Kunst und Bildung – verwehrt.

Gleichzeitig aber entzieht es der Erzählung die Grundlage für diesen Aspekt des Konflikts, weil die Problematik über Florence‘ persönliche Belange hinaus gar nicht erfassbar wird. Dementsprechend ist die Kritik an Violets Verhalten extrem einseitig, da sich der Film gar nicht erst auf den tatsächlichen Umstand einlässt, dass alles unter Violets Kontrolle steht und weder die Problematik einer mehr oder weniger von der reichen Elite bestimmten Bildung und Kultur noch eine Alternative aufzeigt. Emotional nachvollziehbarer wird die Geschichte durch den Mangel an tatsächlich gezeigtem Einfluss des Ladens auch nicht unbedingt, da man als Zuschauer nur teilweise eine Beziehung zu ihm und zu dessen Existenzberechtigung aufbauen kann. Zusätzlich ist der Konflikt zwischen den beiden Frauen auch nicht schlüssig, da nicht deutlich wird, warum sowohl Violet als auch Florence unbedingt das „Old House“ benutzen möchten. Bei Florence wird nicht angesprochen, warum sie sich neben allen anderen Möglichkeiten gerade dafür entschieden hat und bei Violet wird nicht deutlich, warum sie in den sieben Jahren, in denen das Haus bereits leerstand, keine Anstalten gemacht hat, ihr Kunstzentrum zu eröffnen. Es geht aus dem Film auch in keiner Weise hervor, ob Violet einfach nur um jeden Preis ihren Wunsch umsetzen möchte oder ob sie vielleicht doch eher gerade jetzt mit ihrem Plan anfängt, weil sie konkret ein Problem mit einem Buchladen hat, der ihren Einfluss untergräbt. Der Konflikt wird einfach zu plakativ und oberflächlich dargestellt, als dass tatsächlich deutlich werden könnte, wie weit die Problematik an Violets rücksichtsloser Einmischung eigentlich reicht. Am Ende des Films könnte man demnach durchaus zu dem Schluss kommen, dass Florence die Einzige ist, die etwas verloren hat; nicht, dass das nicht auch ein Problem wäre, ab er es geht doch eigentlich um viel mehr als um die Frage, ob Florence ihren Traum von einem Buchladen verwirklichen kann oder nicht.

© Lisbeth Salas

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Zudem ist der Film zu lang. Vielleicht hätten ein paar der besagten Sprechpausen sowie ein paar weniger Landschaftsaufnahmen von fließendem Wasser, Bäumen im Wind und dem Blick aus dem Lieferwagen, von dem Florence ihre Bücher erhält, unterlegt mit trauriger Musik, dem Handlungsstrang des Filmes ganz gut getan, ersetzt durch mehr Interaktion zwischen den Charakteren und Charakteren mit Büchern. So zieht sich der Film irgendwie sehr und gleichzeitig ist man am Ende sehr überrascht, dass es jetzt schon vorbei ist und fragt sich, wie man da genau gelandet ist. Der Handlungsverlauf wirkt merkwürdig zerfasert, da man eben nicht immer gänzlich nachvollziehen kann, wie man von A nach B  kam und wie das zusammen passt. Bedingt wird dieser Eindruck auch dadurch, dass es absolut unmöglich ist, zu erfassen, über welche Zeit die Handlung sich denn jetzt eigentlich abgespielt hat, was in Bezug auf den Inhalt doch recht interessant wäre. Das Wetter, das wiedergegeben wird, ist eigentlich immer eher trüb und zu Anfang teilt die Stimme aus dem Off mit, dass man manchmal in diesem Ort alle Jahreszeiten an einem Vormittag erlebt, was schon an sich eine wirklich seltsame Aussage ist, gleichzeitig aber die Orientierung über verstrichene Zeit nicht unbedingt einfacher macht. Man bekommt durch die Handlung eher den Eindruck, dass sich die Geschichte mindestens über mehrere Monate zieht, aber das immer gleiche trübe Wetter und die sich nicht verändernde Kleidung unterstützen das nicht.

Letztlich schneidet der Film vieles nur an, dass man sich auf nichts wirklich einlassen kann und wirkt dadurch insgesamt eher nichtssagend, obwohl eigentlich viel passiert und viele Charaktere auftreten. Zusätzlich funktionieren die verschiedenen inhaltlichen Aspekte des Films, so wie sie dargestellt werden, einfach nicht richtig zusammen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass Florence Green immerhin viel Courage und eine große Leidenschaft für Bücher hat und die Frage, was man denn jetzt eigentlich anderes erwartet hatte.

Autorin: Clara Roos

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KurzCast #15 Verschwörung

© Sony Pictures

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um die mittlerweile dritte Inkarnation der schwedischen Hackerin Lisbeth Salander, die Frage, ob Mikael Blomkvist für diesen Film überhaupt eine Rolle spielt und warum es nichts bringt, mit Maschinengewehren in den Schnee zu schießen. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Verschwörung“!

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Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (2018) Review

Schon 2016 konnte man sich mit Blick auf „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ fragen, ob es denn sowohl J.K. Rowling als auch Warner Bros. wirklich nötig hätten, ein im Harry-Potter-Universum angesiedeltes Schulbuch (das es immerhin auch in der „realen Welt“ in Buchform gibt, wenn auch unter 100 Seiten lang) zu verfilmen. Doch wo Geld zu holen ist, ist Geld zu holen und so wurde der entsprechend betitelte Film zu einer Vorgeschichte der in den sieben Romanen und acht Filmen geschilderten Ereignisse umgeformt, mit einer erstaunlich guten Besetzung, nebenbei bemerkt. Zwar merkte man dem fertigen Werk seine ökonomische Fundierung definitiv an, allerdings war er eine leidlich launige Revue komödiantischer Momente, die immer dann ganz nett funktionierte, wenn man sich nicht bemühte, die sehr dünn gestrickte Handlung weiterzuverfolgen. Teil 1 war dabei an einer dramaturgischen Schnittstelle angesiedelt: Zum einen ging es darum, dass der von Eddie Redmayne gespielte Protagonist Newt Scamander seine titelgebenden magischen Tierwesen, die ihm in New York entflohen waren, wieder einsammeln musste, zum anderen wurde bereits der erweiterte Blick auf ein ein (neues) ganzes Franchise deutlich, denn die Geschichte um den bösen Zauberer Grindelwald (Johnny Depp), die wiederum nichts mit dem anderen Handlungsbogen zu tun hatte, sah sich lediglich angeschnitten. Im nun erschienenen Teil 2 wird sie zwar fortgeführt, aber nur sehr rudimentär, schließlich muss noch genug für die weiteren drei geplanten Filme zu erzählen bleiben. Doch fehlt hier die Story, welche ausschließlich in diesem Film aufgeworfen und auch gelöst wird (wie eben die Handlungslinie um das Wiederfinden der Tierwesen in Teil 1), so dass man eher den Eindruck eines Brückenfilms bzw. einer viel zu langen Serienepisode erhält.

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