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In Kino Veritas 2016 #6 Trends und Tendenzen des Kinojahres 2016

© Marvel / Disney 2016

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Ja, wir können auch Latein! Dass im Kino die Wahrheit liegt, wussten wir ja schon länger, aber nun ist die Zeit gekommen, es auszusprechen. Heute diskutieren wir als Abschluss unserer Jahresrückblickstrilogie ein paar Fragen, die uns hinsichtlich des Kinojahres 2016 so in den Sinn gekommen sind: Wer war der/die beste Newcomer/in des Jahres? Wer hat die beste Schauspielleistung abgeliefert? Was war der größte filmische WTF-Moment? Worauf hätte man getrost verzichten können? Welches war die beste Prämisse, die aber leider weniger überzeugend umgesetzt wurde? Und welchen Hype konnten wir nicht so ganz nachvollziehen?

Wir hoffen, ihr habt ebenso viel Spaß wie wir und freuen uns auf Anregungen, Lob und Kritik.

Die Besetzung: Jakob, Laszlo, Roman, Simon, Torsten und Neuzugang Janosch!

Was uns bewegt: Trends und Tendenzen des Kinojahres 2016
00:00 – 91:33 min

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Ghost in the Shell (2017) Review

© Paramount Pictures

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Als die Welle des Cyberpunks Ende der 1980er-Jahre mit dem Rückenwind des anbrechenden Internetzeitalters über das Science-Fiction-Genre spülte, brachte sie bekannte Themen um Identität, Kontrolle und soziale Umwälzungen mit sich – wenn auch im neuen, binären und spekulativ-futuristischen Gewand. Diesen Mantel streifte sich unter anderem William Gibson für seine „Neuromancer“-Reihe über und auch Ridley Scotts „Blade Runner“ sollte eine Instanz des Genres werden – während auf der anderen Seite des Globus‘ die technophilen Japaner sich mit Werken wie „Akira“ oder „Ghost in the Shell“ ihre ganz eigenen und doch sehr ähnlichen Gedanken zu dem Thema machten. Knapp 20 Jahre nach deren erster Anime-Umsetzung liefert Rupert Sanders („Snow White and the Huntsman“) nun das amerikanische Remake in Hochglanz-Optik – gemessen an der Taktfrequenz Hollywoods sogar reichlich spät, behält man den Kult-Status der Vorlage im Kopf.

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Lommbock (2017) Review

© Wild Bunch Germany

© Wild Bunch Germany

Mittlerweile ist es schlappe 16 Jahre her, dass Christian Zübert uns mit seiner Kifferkomödie „Lammbock – Alles in Handarbeit“ (2001) rund um die beiden Amateur-Dealer Kai (Moritz Bleibtreu) und Stefan (Lucas Gregorowicz) erfreut und damit vielleicht DEN deutschen Kultfilm dieser Zeit überhaupt hingelegt hat. Nicht von der Hand zu weisen ist dabei der Einfluss von Quentin Tarantino und Kevin Smith auf den Film. Dennoch gelang es Zübert auch durch die Verlagerung in eine doch eher provinzielle Gegend, die Chemie seiner beiden Hauptdarsteller und ein gewitztes Drehbuch mehr als nur ein uninspiriertes Rip-Off hinzulegen, sondern eben einen Film, der im Gedächtnis bleibt und den man sich immer wieder anschauen kann. Nun erscheint also mit „Lommbock“ die Fortsetzung – interessanterweise nahezu zeitgleich mit der Fortsetzung eines anderen Kultfims: „T2 Trainspotting“ – und man muss sich sicherlich schon im Vorhinein die Frage stellen, ob ein zweiter Teil überhaupt notwendig, geschweige denn eine gute Idee ist.

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In Kino Veritas #5 Die besten Filme des Kinojahres 2016

© Sony Pictures

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Ja, wir können auch Latein! Dass im Kino die Wahrheit liegt, wussten wir ja schon länger, aber nun ist die Zeit gekommen, es auszusprechen. Heute diskutieren wir ausgiebig und garantiert subjektiv die besten Filme des letzten Jahres! Etwas verspätet zwar, aber immer noch weit bevor das Jahr 2018 dem Jahr 2017 näher ist als das Jahr 2016.

Wir hoffen, ihr habt ebenso viel Spaß wie wir und freuen uns auf Anregungen, Lob und Kritik.

Die Besetzung: Jakob, Laszlo, Roman, Simon, Torsten und Neuzugang Janosch!

Was uns bewegt: Rückblick auf das Kinojahr 2016
00:00 – 153:33 min

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Kong: Skull Island (2017) Review

Eines der größten Monster der Filmgeschichte und das im doppelten Sinne – nicht nur durch seine schiere Monumentalität dürfte der Riesenaffe King Kong dem popkulturellen Gedächtnis über 80 Jahre seinen Stempel aufgedrückt haben. Kong ist auch eine der ersten „großen“ Eigenerfindungen für die Leinwand, fernab von literarischen Vorlagen der Science-Fiction oder Monsterfabeln. Der Primat mit dem großen Herz für kleine Frauen und den noch größeren Pranken für gewaltige Prügeleien fand durch die Dekaden immer wieder einen Platz im Kino, zuletzt 2005 als Leidenschaftsprojekt von „Herr der Ringe“-Regisseur Peter Jackson. Mit „Kong: Skull Island“ liefert nun der noch eher unbeschriebene Jordan Vogt-Roberts seinen Beitrag zum Monster-Mythos. Dabei stellt er nicht nur, wie der Titel zu verraten mag, Affe und Heimatinsel in den Vordergrund, sondern auch einen temporeich fetzigen Erzählton. Und scheint, mal so völlig nebenbei, auch noch für einige Verbeugungen vor dem Vietnam-Kriegsfilm Zeit zu finden.

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Power Rangers (2017) Review

© STUDIOCANAL

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Der rote Power Ranger Zordon (Bryan Cranston) verteidigt mit seiner Gruppe von unerschrockenen Kriegern den mächtigen Zeokristall vor ihrer stärksten Widersacherin, dem abtrünnigen grünen Power Ranger Rita Repulsa (Elizabeth Banks). Kurz bevor die Schlacht verloren zu sein scheint und nachdem auch das letzte Mitglied seiner Gruppe vor seinen Augen stirbt, ordert Zordon seinen treuen Gefährten Alpha 5 dazu an, Rita mithilfe eines Meteoriten zur Strecke zu bringen. 65 Millionen Jahre später entdecken fünf jugendliche Außenseiter rund um die lokale Berühmtheit Jason Scott (Dacre Montgomery) zufällig fünf seltsam leuchtende Münzen in den Gesteinen der örtlichen Steinbrüche.

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Org (1967/1978) DVD-Kritik

© Filmgalerie 451

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Wer schon immer meinte, die Filme Alejandro Jodorowskys enthielten zu viel von dieser so genannten Handlung; und wer Jean-Luc Godard für einen zu stringenten Erzähler hält; wer sich bei Stan Brakhage denkt: „Bitte das, nur mit Überlänge und Ton.“, der ist ein perfekter Kandidat für „Org“.

Dabei ist das so nicht ganz richtig. Denn technisch gesehen wird der fast dreistündige Experimentalfilm des argentinischen Regisseurs Fernando Birri durchaus von einer Handlung durchzogen. Wenn man sie im beiliegenden Booklet zur DVD durchliest, klingt sie auch mehr oder weniger schlüssig – im tatsächlichen Film sieht das schon anders aus. Die grundlegende Prämisse ist folgende: In der Welt nach der nuklearen Katastrophe reisen Zohommm, seine Freundin Shuick und ihr gemeinsamer Freund Grrr zusammen auf einen fremden Planeten für ein interplanetares Wochenende. Dort befragt Zohommm eine alte elektronische Ruine zum Stand seiner Beziehung – die kybernetische Sybille offenbart ihm jedoch wenig Erfreuliches, weshalb er sich selbst enthauptet. Als Grrr ihn auffindet, enthauptet er sich ebenfalls. In Trauer setzt Shuick die beiden wieder zusammen – vertauscht dabei aber die Köpfe der beiden (Zohommm und Grrr haben verschiedene Hautfarben – ob es sich also um eine absichtliche Verwechslung handelt, ist ungewiss). Durch die gemischten Gefühle zwischen den Dreien und das Ausschließen einer Ménage-à-trois muss der neue Grrr (auf dem Körper von Zohommm) von dannen ziehen. Das Paar ist zunächst glücklich und bekommt ein Kind, doch das Glück verblasst und sie suchen nach dem verschwundenen Grrr. Doch nach wie vor ist keine Lösung in Sicht für die Dreiecksbeziehung. Die verbleibende Möglichkeit ist der Freitod. Das Trio vernichtet sich selbst und hinterlässt dem Kind gemeinsam seine besten Eigenschaften (nochmal großen Respekt für das Booklet; aus dem Kopf wäre das unmöglich gewesen).

Nun muss man sich aber vorstellen, dass es sich hier nicht um ein Sci-Fi-Epos handelt, sondern, wie oben erwähnt, um einen Experimentalfilm, der in seiner Form nicht reiner sein könnte. Höchstens einzelne Passagen sind am Stück konstant verständlich; vieles muss mühsam aus Symbolen und Allegorien herausgearbeitet werden. Und das ist alles andere als einfach, denn allein schon die Gelegenheit, einen Schwenk in Gänze zu sehen, ist hier äußerst selten. Ein Großteil der zwei Stunden und 57 Minuten besteht aus sehr kryptischen Schnittsequenzen, Collagen von Bild und Ton; mit Bildern, die manchmal nur ein einzelnes Frame zu sehen sind. „Org“ ist in seiner Reinform einer der epochalsten Experimentalfilme, die jemals irgendwo im Universum über eine Leinwand gelaufen sind. Man muss nur ein paar Daten zitieren, um zu überblicken, welche Ausmaße der Film annimmt. Nicht nur verwendete man acht Monate auf die Vorbereitung des Films, sondern gab es einen Schneideprozess von 120 (!) Monaten, so dass mit zusätzlichen Effektbearbeitungen und Vertonung fast elf Jahre vergangen, bis „Org“ fertig war. 429 Mischbänder, 616 Vormischbänder und unglaubliche 26.625 Schnitte hat dieses Werk vorzuweisen. Im Jahr 1979 uraufgeführt, war die Langfassung weitestgehend unauffindbar, wurde aber in den letzten Jahren aufwendig restauriert und auf der Berlinale – 50 Jahre nach Beginn der Dreharbeiten – erneut aufgeführt.

© Filmgalerie 451

© Filmgalerie 451

Und in den fast drei Stunden, deren Kontinuität höchstens als essayistisch beschrieben werden kann, existieren so viele Ideen, Einfälle und Reflexionen, wie sie sonst kaum zu finden sind. Es lässt sich wirklich sehr schwer beschreiben, was alles in einem einzelnen Film passieren kann. Obskure Zauberer, planetarische Ausflüge in spacige Landschaften, eine komplett schwarzen Passage, in der nichts anderes vor sich geht, als dass der Name Grrr immer wieder und überlappend geschrien wird, eine Reflexion über Aufständische oder die „Universalgeschichte der Gewalt“.

Und in dieser zusammengeflickten Geschichte, die viele, viele Geschichten in sich hält, die alle aufgespalten sind in Bilder und Töne, könnte vielleicht zufällig wirken, was auf der Leinwand geschieht, doch wer sich mit Notizen Birris zu Dreh, Schnitt und Idee befasst, findet doch ein umfassendes Konzept, das allerdings beizeiten nicht minder kryptisch formuliert ist als der Film selbst. „Org“ wird selbst vom Regisseur als „Nicht-Film“ bezeichnet. Es ist eine Erfahrung, diesen Film zu sehen und wurde auch als diese konzipiert. Von der Struktur des schnellen Schnitts, um nur dem Auge selbst das Sehen der Gegenwart zu ermöglichen und sich der Erinnerung des Gehirns zu entledigen über die Idee, dass der Ton eigentlich so laut sein müsste, dass die Zuschauer den Saal verlassen bis hin zu einem Entwurf einer räumlichen Anordnung für die Uraufführung, die aber schließlich nicht umgesetzt wurde. Lose fundiert auf einer Thomas-Mann-Geschichte, die wiederum auf einer indischen Legende beruht, ist Birris „dunkles Opus Magnum“ ein pures audiovisuelles Konzept. „Org“ ist Wahnsinn, er ist Exil, er ist ein trauriger und finsterer Albtraum, eine mystische Farce und ein läuternder Sturz in den Abgrund der Gegenwart. Man muss es selbst erfahren, um daran teilhaben zu können – eine Experience, die in sich einzigartig, wenn auch nicht minder anstrengend ist.

Ein kleiner Wink der zusätzlichen Motivation sei jedoch abschließend gegeben: denn bisher wurde nicht erwähnt, wer den Protagonisten Zohommm verkörpert. Niemand anderes als Mario Girotti, der auch als Produzent tätig war, spielt eine der prägnanten Hauptrollen. Dem Publikum ist er besser bekannt als Terence Hill. Sogar seine Rolle aus „Gott vergibt… Django nie!“ darf wieder aufleben, wenn auch in einer eher parodistischen Form. Somit ist „Org“ nicht nur ein dreistündiger Experimentalfilm jenseits jeglicher Grenzen, sondern eine dreistündiger Experimentalfilm jenseits jeglicher Grenzen MIT TERENCE HILL! Und wer das nicht sehen will, der ist selbst schuld. Denn handelt es sich in keiner Weise um einen Film, der für ein Massenpublikum tauglich ist, bietet er doch ein Erlebnis, das sich so nicht reproduzieren lässt.

© Filmgalerie 451

© Filmgalerie 451

Zur Edition: Die DVD der Filmgalerie 451 ist überaus gelungen. Der Film liegt schön restauriert vor, mit deutscher und englischer Untertitelspur und enthält sehr interessante Extras. Neben dem Videoessay ist dabei abermals das überaus informative, sauber recherchierte Booklet zu erwähnen, das die Hintergründe noch weitaus mehr beleuchtet, als es hier Erwähnung fand. Es ist mit schön ausgewählten Bildern versehen und ebenfalls in englischer Sprache abgedruckt. Eine bessere Edition wird sich in diesem Umfang so schnell nicht finden lassen.

Autor: Janosch Steinel

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Marketa Lazarová (1967/2016) Blu-ray-Kritik

© 1967 Studio Filmowe Barrandov / Státní fond České Republiky

© 1967 Studio Filmowe Barrandov / Státní fond České Republiky

Nach „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ von Aleksei German ist „Marketa Lazarová“ nun der zweite Film aus dem Hause Bildstörung, der osteuropäischer wohl nicht sein könnte. Ein fast dreistündiges Mittelalter-Epos in schwarz-weiß mit bitteren Stimmungen und schwer nachvollziehbarer Handlung. Die besonders zu Anfang der tschechischen Romanverfilmung vorherrschende Sperrigkeit und Verwirrung sollte aber keinesfalls abschrecken. Mag das Prädikat des „besten tschechischen Films aller Zeiten“ für den deutschen Kinozuschauer nicht unbedingt viel bedeuten, kann man sich der geografischen Komponente des Urteils leicht entledigen. Denn es ist vielleicht einer der besten Filme, die überhaupt je gedreht wurden.

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The Art of Entertainment #29 Nostalgische Gefühle

 

© STUDIOCANAL

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Der „Nintendo Classic Mini“ ist auf dem Markt und direkt wieder ausverkauft. Alte Serien aus unserer Kindheit werden weitergeführt und Lego bietet neue Sets mit Modellen unserer alten Helden an – das Spiel und das Geschäft mit unseren nostalgischen Gefühlen ist in vollem Gange. Zuletzt haben Michael, Jascha, Sebastian und Markus über Filme aus unserer Jugend geredet und ob diese auch heute noch gefallen. Nun wollen sie über das Phänomen der Nostalgie sprechen, das sich in den verschiedensten Bereichen der Popkultur breit gemacht hat.

Begrüßung
00:00:00 – 00:01:36

Main Topic
00.01.37 – 01.47.50

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Moonlight (2016/2017) Review

© A24 / DCM

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Ein Film ist nie einfach nur ein Film. Diese so trivial anmutende und doch gleichzeitig nicht von der Hand zu weisende Aussage lässt sich sehr treffend mit einem Exkurs in juristisches Vokabular beleuchten: Die grundgesetzlich garantierte Kunstfreiheit schützt aus rechtlicher Perspektive sowohl den so genannten Werkbereich wie auch den Wirkbereich. Der Werkbereich bezeichnet die künstlerische Aktivität an sich, also die individuellen und konkreten Ideen des Künstlers bei der Gestaltung seines Kunstwerkes. Der Wirkbereich reicht einen Schritt weiter; er benennt das Gefüge, in dessen Rahmen das Kunstwerk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, wo es nach der Rezeption bestimmte Wirkungen bei den jeweiligen Rezipienten entfalten kann. Angewandt auf das Medium Film heißt das somit: Ein Film ist nicht nur die Summe der kreativen Entscheidungen seines Regisseurs (und des Produktionsstabs), sondern umfasst auch seinen Einfluss auf künftige Handlungen und Verhaltensweisen des Publikums. Doch was hat das mit dem frischgebackenen Oscar-Gewinner „Moonlight“ zu tun?

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Hacksaw Ridge – Die Entscheidung (2016/2017) Review

© Universum Film

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Zehn Jahre ist es her, dass Mel Gibson, berühmt geworden in Schauspielrollen wie „Lethal Weapon“s Martin Riggs oder als „Mad Max“, zuletzt in den Regiestuhl fand. Mit dem Maya-Abenteuer „Apocalypto“ feierte Gibson zum dritten Mal eine brutale Märtyrer-Schlachtplatte, deren erster Gang sich bereits 1995 in „Braveheart“ herauskristallisierte nur um in dem exzessiven Leidens-Porno „Die Passion Christi“ (2004) den vorzeitigen Höhepunkt zu finden. Zwar kein Enfant Terrible Hollywoods, so chauffierte sich Gibson daraufhin dennoch mit einigen Aussagen ins Abseits der großen Studio-Spielfelder, nun aber ist der Australier zurück – und hat sich diesmal den blutigen Zweiter-Weltkriegs-Schauplatz des Pazifik als Spielwiese für seine Bibelstunde gesichert. Aber wer glaubt, dadurch schon wissen zu können, was auf ihn zukommt, kann sich nur sicher sein, den Rahmen abgesteckt zu haben. Und was „Hacksaw Ridge“ innerhalb dieser Kadrierung abzufeuern weiß, ist stellenweise mit Worten nicht mehr zu erklären und wird wohl selbst erlebt werden müssen.

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Logan: The Wolverine (2017) Review

© 20th Century Fox

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Man kann nicht gerade behaupten, dass die Welt mit „Wolverine“-Solofilmen bislang besonders gute Erfahrungen gemacht hätte. Sowohl „X-Men Origins: Wolverine“ (2009), das Prequel zur ursprünglichen „X-Men“-Trilogie, wie auch „Wolverine: Weg des Kriegers“ (2013), ein Sequel zu „X-Men: Der letzte Widerstand“ (2006) scheiterten an einem wenig durchdachten Drehbuch und nicht zuletzt an schlechten visuellen Effekten. Nun also ein dritter Anlauf, womit man sich so langsam um die innere Chronologie des „X-Men“-Universums besser keine allzu großen Gedanken mehr machen sollte. Doch es gibt wahrlich Schlimmeres, denn was Regisseur (und Mit-Drehbuchautor) James Mangold mit „Logan: The Wolverine“ im wahrsten Sinne des Wortes auf die Leinwand kloppt, ist nicht weniger als die beste Comicverfilmung der letzten Jahre!

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Boston (2016) Review

© STUDIOCANAL

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Mit Filmen, die auf tatsächlich geschehenen Tragödien basieren, ist es so eine Sache. Auf der einen Seite erscheint es moralisch doch sehr verwerflich, aus dem Leid von meist unschuldigen Menschen auch noch Kapital in Form eines Filmes schlagen zu wollen. Ein Aspekt, der sicherlich bei dem Erwerb oder eher der „Versteigerung“ der Rechte an diesen Stoffen kurz nach der Tragödie an sich seinen Höhepunkt erlebt. Dabei darf man sicherlich die Frage stellen, wer denn überhaupt die Rechte an einem Ereignis besitzt und wer diese überhaupt verkaufen darf. Meist handelt es sich dabei um ein Buch, das mitunter noch nicht einmal fertig geschrieben wurde, was die „Rechte-Verschacherung“ noch bizarrer erscheinen lässt und die Frage aufwirft, warum man nicht direkt selbst recherchiert, wenn man einen Film drehen möchte. Auf der anderen Seite sind Filme natürlich ein Dokument ihrer Zeit und gerade der künstlerische Umgang mit aktuellem Zeitgeschehen kann einer der interessantesten Aspekte sein, da politische und gesellschaftliche Einflüsse eine direkte Auswirkung auf das Werk an sich haben. Dies gilt auch bei Filmen, die nicht auf wahren Begebenheiten basieren, aber gerade bei tatsächlichen Gegebenheiten lohnt es sich, in der Retrospektive zu sehen, wie ein Ereignis denn künstlerisch zu bestimmten Zeitpunkten bewertet wurde und inwiefern sich der Blick im historischen Zeitverlauf verändert hat. Denn nicht nur Historiker bewerten vergangene Ereignisse immer wieder neu, sondern auch Künstler und somit können gesellschaftliche Umstände zum Zeitpunkt eines Filmdrehs wiederum einen Einfluss auf die Bewertung eines Ereignisses haben. Gerade für diese Quervergleiche ist es lohnenswert, wenn Filme über reale Ereignisse zeitnah erscheinen, um auch die unmittelbare künstlerische Verarbeitung betrachten zu können.

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Swiss Army Man (2016) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

© capelight pictures

Ein Film über einsame junge Männer, Leichen und Erektionen – nein, es ist nicht Jörg Buttgereits großes Comeback, sondern „Swiss Army Man“ aus dem Hause Daniels. Ein Regie-Duo mit den bürgerlichen Namen Dan Scheinert und Daniel Kwan und damit einem Ausnahme-Pseudonym, das irgendwo tatsächlich sinnvoll ist und nicht zu einem prätentiösen Kitschwort verkommt, das im Abspann cool aussehen soll.

Ebenfalls zu zweit ist für weite Strecken des Films das Ensemble; namentlich Paul Dano und Daniel Radcliffe. Allerdings handelt es sich nicht um das konventionellste Team-up. Denn Dano verkörpert Hank, einen jungen Mann, verschollen auf einer Insel; ohne Hoffnung, ohne Ziel, ohne Geschichte. Und gerade dabei, seinem so kurzen Leben ein Ende zu setzen. Auftritt Manny! In adrettem Jackett und ohne Gesichtsfarbe kommt Daniel Radcliff als Manny bzw. dessen Leiche an Hanks Strand gespült und als der tote Körper beginnt, sich durch massivste Flatulenzen im Wasser zu bewegen, schnallt Hank ihm ein Seil um und reitet ihn steil über die Wellen in den Vorspann. Wem von solch einer Idee schon die Augen rollen, der kann getrost abschalten, denn es würden Begriffe folgen wie „erektiler Kompass“ oder „menschliche Wasserpumpe“.

Die Reise von Hank und Manny zurück in die Zivilisation kommt wahrlich mit viel Fantasie daher. Langsam erlangt der eigentlich tote Körper zumindest Teile seiner Vitalfunktionen zurück. Sein Herz schlägt, seine Hose wird enger und an den bereits eingangs etablierten Flatulenzen mangelt es auch nicht. Auf sehr skurrile Art kommt Manny so neu in die Welt und ist ganz erstaunt, was es alles zu entdecken gibt. Wie einem Kind, das an Wissensdurst unersättlich ist, erklärt Hank Manny die moderne Zeit. Von den Dingen, an die man denkt, wenn man sich selbst befriedigt, warum man Sachen wegwirft und wie man ein hübsches Mädchen im Bus anspricht.

© capelight pictures

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Der Film macht keine Hehl daraus, dass es hier offensichtlich darum geht, in unserer so etablierten Gesellschaft Kuriositäten aufzudecken, die selbstverständlich scheinen, aber vielen Menschen unangenehm sind, oder eine Schranke auferlegen, wo es sie eigentlich nicht geben müsste. Dadurch entsteht zwar eine ganze Menge an handelsgebräuchlicher Küchentischphilosophie, aber die Themen werden mit genug Charme und Selbstironie behandelt, dass es über den Großteil des Films nicht weiter stört. Hier liegt auch die wohl wichtigste Stärke von „Swiss Army Man“, denn in anderen Händen hätte dieses Konzept ganz weit nach hinten losgehen können. Aber die beiden Hauptrollen, die den Film wirklich über 90% tragen, machen ihre Sache ausgesprochen gut. Das Paul Dano ein cooler Typ ist, muss man keinem erzählen, aber es ist besonders schön, Daniel Radcliffe nach solch wenig erinnerungswürdigen Rollen wie die des Igor in „Victor Frankenstein“ wieder in einer Hauptrolle zu sehen, in der er keinen Zauberstab schwingen muss. Ein Harry-Potter-Teil hätte finanziell wahrscheinlich genügt, um sich mit Uwe Boll den Golfplatz zu teilen (außerdem spielte er seine erste Rolle unter der Regie von „Zardoz“-Schöpfer John Boorman und hat somit eigentlich alles erreicht), aber es ist erfreulich, dass er sich noch Mühe gibt. Und das merkt man auch. Die beiden harmonieren gut miteinander, die Gags sitzen und Hank und Manny bilden ein ansehnliches Gespann für diesen Abenteuerfilm der etwas anderen Art.

Man sollte dabei noch festhalten, dass eine gewisse Toleranz bezüglich Hipness durchaus erforderlich ist. Überall leuchtet und glitzert es im Wald und der Streifen fährt volle Schiene auf die Indie-Poesie, wie Sundance sie gepachtet hat (schließlich wurden die Regisseure dort auch ausgezeichnet): Schnelle Montagen mit Zeitlupen-Bildern, Lieder mit so vielen säuselnden und  übereinander geschichteten Chorstimmen, dass man sich fragen muss, ob man nicht doch das letzte Sigur-Rós-Album verpasst hat. Komplett ist die Packung dann nur mit selbstreflexiven Songs, welche die Geschehnisse im Film beschreiben oder zusammenfassen, bis hin zu Punkten, an denen Manny im Dialog fast den gesamten Film erklärt.

Dieses Credo von „I’m singing a Song, so you won’t overthink it“ fasst es eigentlich perfekt zusammen. Wer es schafft, sich der schön-heiteren bis melancholischen Stimmung hinzugeben und sich mit den Problemen der Generation Y halbwegs identifizieren kann, der vermag es, in den 97 Minuten von „Swiss Army Man“ einen netten Abend zu haben. Lediglich gegen Ende schlägt der Film ein bisschen stark über die Stränge in seiner „weltverbessernden“ Manier, aber durch den vorhergehenden Charme und die überzeugenden Darsteller kann man ruhig ein Auge zudrücken. Sonst ist es postmodernes Indie-Kino, wie es leibt und lebt. Entzündet von Akustik-Gitarren und befächert mit glitzernden Wassertropfen.

© capelight pictures

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Zur Blu-Ray-Edition: Augenscheinlich ist der Pappschuber nur bedingt nützlich, da er – wie so oft – exakt dasselbe Motiv trägt wie die Hülle selbst, aber der etwas matte Look macht schon was her. An Extras mangelt es nicht: Featurettes, entfallene Szenen, Interviews, Trailer, Audiokommentar und das zu oft als selbstverständliche hingenommene Wende- cover runden die Blu-ray gut ab. Ein besonderes Schmankerl ist die beiliegende Postkarte. Natürlich irgendwo albern, aber wirklich eine nette Sache und wer den Film mag, wird auch die Postkarte mögen.

Autor: Janosch Steinel

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T2 Trainspotting (2017) Review

© Sony Pictures

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Choose life. Choose Facebook, Twitter, Instagram and hope that someone, somewhere cares. Choose looking up old flames, wishing you’d done it all differently. And choose watching history repeat itself.

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In Kino Veritas #4 Die Flops des Kinojahres 2016

© 20th Century Fox

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Ja, wir können auch Latein! Dass im Kino die Wahrheit liegt, wussten wir ja schon länger, aber nun ist die Zeit gekommen, es auszusprechen. Heute diskutieren wir ausgiebig und garantiert subjektiv die schlechtesten Filme des letzten Jahres!

Wir hoffen, ihr habt ebenso viel Spaß wie wir und freuen uns auf Anregungen, Lob und Kritik.

Die Besetzung: Jakob, Laszlo, Mamon, Roman, Simon, Torsten und Neuzugang Janosch!

Was uns bewegt: Rückblick auf das Kinojahr 2016
00:00 – 189:43 min

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Manchester by the Sea (2016/2017) Review

© Claire Folger / Amazon Studios / Universal Pictures

© Claire Folger / Amazon Studios / Universal Pictures

„Manchester by the Sea“ erzählt die Geschichte von Lee Chandler (Casey Affleck), der als Hausmeister in Boston arbeitet und in erster Linie versucht, dem näheren Kontakt mit Menschen aus dem Weg zu gehen. Nach der Arbeit betrinkt er sich meist in seiner Stammkneipe, reagiert kaum auf die Avancen von Frauen und scheint Schlägereien förmlich zu suchen. Als er nach dem Tod seines Bruders die Aufgabe bekommt, dessen Nachlass zu verwalten und sich letztlich auch um seinen 16-jährigen Neffen Patrick (Lucas Hedges) zu kümmern, ändert sich Lees Leben. Denn dafür muss er zunächst aus einem Vorort von Boston in seinen kleinen Heimatort Manchester-by-the-Sea zurückkehren, was er nur sehr unfreiwillig macht, da er eigentlich schon mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hatte.

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Resident Evil: The Final Chapter (2016/2017) Review

© Constantin Film

© Constantin Film

Ganze 14 Jahre existiert das „Resident Evil“-(Film-)Franchise nun bereits und alles begann mit einem deutschen Produzenten namens Bernd Eichinger, der Ende der 1990er-Jahre die Filmrechte an der gleichnamigen Videospielserie erwarb. Es dauerte bis 2002, als schließlich der erste Film erschien, unter der Regie von Paul W.S. Anderson, der bis dahin lediglich mit „Mortal Kombat“ (1995) und „Event Horizon“ (1997) auf sich aufmerksam gemacht hatte. Ein launig-unterhaltsamer Actionklopper mit wenig Hirn und viel Freude an visuellen Effekten. Zwei Jahre später legte Alexander Witt, der zuvor und seitdem nie wieder Regie bei einem Spielfilm führte, den zweiten Teil „Resident Evil: Apocalypse“ vor, der das Konzept des ersten Teils irgendwie wiederholte, die Story ein wenig weitererzählte und hinsichtlich der Action nochmals ein wenig anzog. „Highlander“-Regisseur Russell Mulcahy drehte 2007 „Resident Evil: Extinction“, den mit Abstand stärksten Teil der Reihe, der atmosphärisch maßgeblich von seinem Apokalypsen-Wüsten-Setting zu profitieren vermochte. Paul W.S. Anderson kehrte dann 2010 mit „Resident Evil: Afterlife“ zum Franchise zurück, der erste Film der Reihe, der in 3D erschien (und auch entsprechend gedreht wurde) und über seine visuellen Effekte sowie den Soundtrack seine erzählerischen Schwächen mehr oder weniger wettzumachen wusste. Mit „Resident Evil: Retribution“ (2012), ebenfalls von Anderson, zeigten sich bereits erste Abnutzungserscheinungen, da hier die immer noch starke visuelle Ebene den Film nicht mehr ausreichend zu tragen vermochte. Vier Jahre später (der längste Abstand zwischen zwei Filmen der Reihe) kommt nun „Resident Evil: The Final Chapter“ in die Kinos, erneut führt Paul W.S. Anderson Regie. Wie final der Film dann letztlich sein wird, sei einmal dahingestellt, nur so viel: Die Möglichkeit ist durchaus nicht gering, denn Teil 6 der Action-Zombie-Knarren-Dystopie-Reihe ist mit Abstand der schwächste Film des Franchises, der es kaum mehr schafft, positive Akzente zu setzen.

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Split (2016/2017) Review

© Universal Pictures

© Universal Pictures

Nur aus reiner Höflichkeit zu einer Geburtstagsparty eingeladen zu werden und stundenlang wie ein Fremdkörper zwischen kichernd-tuschelnden Cheerleadern zu sitzen – es gibt sicher schönere Nachmittagsbeschäftigungen für obligatorische Außenseiterinnen. Vom eigenen Onkel versetzt zu werden, der einen eigentlich von der Party abholen sollte, trägt nicht unbedingt zur Verbesserung der Situation bei. Aber dann auch noch zusammen mit zwei dieser überaus netten Vorzeigetöchter von einem Betäubungsspray-sprühenden Irren (James McAvoy) verschleppt und in einen fensterlosen Verschlag mit Nasszelle gesperrt zu werden? Ernsthaft? Kann es noch schlimmer kommen?

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The Sea of Trees (2015/2017) Blu-ray-Kritik

© Ascot Elite Home Entertainment

© Ascot Elite Home Entertainment

Gus Van Sant – genau, das ist der Regisseur, der mit „Good Will Hunting“ einen wahren Klassiker des 1990er-Jahre-Independent-Kinos schuf; der Regisseur, der mit „Elephant“ die wohl intensivste filmische Verarbeitung des Columbine-Amoklaufs vorlegte; der Regisseur, der mit „Milk“ Sean Penn zum Oscar verhalf; der Regisseur, der mit „Promised Land“ die Fracking-Thematik einer nachdrücklichen kritischen Betrachtung unterzog. Dieser Regisseur hat einen neuen Film gemacht: „The Sea of Trees“, mit Stars wie Matthew McConaughey, Naomi Watts und Ken Watanabe in den Hauptrollen. Ein Film, der in Deutschland aber nur eine Direct-to-Video-Auswertung erhielt. Was zum Teufel?

Nach „The Forest“ aus dem letzten Jahr mit Natalie Dormer in einer Doppelrolle spielt auch „The Sea of Trees“ zu großen Teilen im berüchtigten „Selbstmordwald“ Aokigahara am Fuße des japanischen Berges Fuji („The Forest“ hatte im Gegensatz zum neuen Film von Gus Van Sant allerdings einen Kinostart erhalten, obwohl er als generischer Horror-Mystery-Thriller im direkten Vergleich zu „The Sea of Trees“ der definitiv schwächere Film ist und auch weder die schauspielerische Zugkraft noch einen derart versierten Regisseur auffahren konnte, aber hier ist nicht der Platz für eine solche Diskussion). Matthew McConaughey spielt den Wissenschaftler Arthur Brennan, der extra nach Japan fliegt, um sich im Aokigahara das Leben zu nehmen (dieser sehr umständliche Weg findet im Film auch eine Erklärung). Während er dabei ist, eine Überdosis zu nehmen, stolpert ihm Takumi Nakamura (Ken Watanabe) vor die Füße, der seit Tagen im Wald umherirrt. Arthur versucht ihm dabei zu helfen, den Weg nach draußen zu finden, worüber sein eigener Suizid nach und nach in den Hintergrund rückt. In Flashbacks bekommt man zusätzlich noch Ausschnitte aus Arthurs nicht sehr glücklicher Ehe mit Joan (Naomi Watts) zu sehen, wodurch der Film mit der Zeit die Hintergründe seines Selbstmordversuches freilegt.

„The Sea of Trees“ ist, und das ist gut so, ein sehr lebensbejahender Film, der jedoch dankenswerterweise nicht in pseudo-metaphysischen Spiritismus abdriftet. Die beiden Männer im Wald unterhalten sich über ihre Beweggründe, über das Mysteriöse des Ortes, an dem sie sich befinden und über ihre Vergangenheit. Takumi ist verletzt, Arthur fällt irgendwann einen Abhang hinunter und ist es fortan ebenfalls, doch sie merken mit der Zeit beide, dass der Suizid eventuell nicht die Lösung ihrer Probleme mit sich bringen wird. Die stärkste Szene des Filmes ist hierbei Arthurs Erzählung seiner Ehe, auf die hier inhaltlich allerdings nicht weiter eingegangen werden kann. Sein Gesicht wird währenddessen über mehrere Minuten fast ausschließlich in Großaufnahme präsentiert und obwohl man die Dinge, die er erzählt, in Teilen bereits in den Flashbacks gesehen hat, ist dieser Moment ungemein packend und ganz großes Schauspiel des Hauptdarstellers, in dessen Brillengläsern sich während seiner Worte die Flammen des zuvor errichteten Lagerfeuers spiegeln: Sein Lebenswille ist nicht verschwunden, sondern lodert noch in ihm.

© Ascot Elite Home Entertainment

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Das ist auch der Moment, ab welchem der Film dramaturgisch anzieht und seine Spannung bis zum Schluss konsequent zu halten vermag, wozu er zu Beginn leider nicht immer im Stande ist. Die Flashbacks in die Ehe von Arthur und Joan bestehen zunächst ausschließlich aus Streits und man hat irgendwann begriffen, dass die beiden sich auseinandergelebt haben und als Ehepaar nur noch qua Konflikt zu existieren vermögen. Auch wenn einige Momente davon wichtig für den späteren Verlauf der Handlung sind, hätte man das Ganze etwas eindampfen können. Das Gleiche gilt für die ersten Sequenzen der beiden Hauptdarsteller im Wald. Sie laufen, verirren sich, stolpern, verletzen sich, es regnet; und währenddessen scheint die Zeit ab und an etwas bemüht gestreckt. Auch hier wäre etwas weniger Redundanz wünschenswert gewesen.

Doch wie im Aokigahara ist auch in „The Sea of Trees“ nicht alles, wie es scheint. Wohin sich die Story am Ende entwickelt, was hinter der Art und Weise der Kombination der beiden zeitlichen Ebenen steckt, das entschädigt in großen Teilen für die teils recht langen Minuten im ersten Drittel des Filmes. Kleine Hinweise im Wald werden mit kleinen Hinweisen in den Flashbacks kombiniert, die sich langsam zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Wenn der Film am Ende seinen Twist vollständig ausspielt, dann wäre das mit einer derartigen stilistischen Akzentuierung vielleicht gar nicht einmal nötig gewesen, das ändert jedoch nichts daran, auf einmal ein ganz anderes und dennoch nach wie vor kohärentes Bild der Dinge vor sich zu haben. Und das funktioniert, sehr gut sogar.

Gus Van Sant hatte definitiv schon stärkere Zeiten, das ist klar, aber bei jemandem, der die eingangs genannten Filme im Portfolio stehen hat, lässt sich auch nicht jedes neue Werk an den ganz großen Dingern messen. „The Sea of Trees“ ist ein kleiner, netter Film, der zwar etwas Zeit braucht, um seinen Rhythmus zu finden, aber nach und nach zu einer inneren Struktur gelangt und sich in der Gesamtschau als durchaus sehenswert gestaltet.

Autor: Jakob Larisch