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Podcastserien: Game of Thrones (Staffel 8, Folge 1) – Winterfell

© HBO

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Laszlo Martell, Mamon of Tarth und Torsten Starkske beginnen die Therapiesitzung für die letzte Staffel Game of Thrones. Es wird gnadenlos gespoilert.

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KurzCast #20 Hellboy: Call of Darkness

© Universum Film

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um schlechte CGI-Effekte, richtig schlechte CGI-Effekte und ein vollkommen inkonsistentes Drehbuch. Was für eine Erfahrung! Dies und weiteres in unserer Episode zu „Hellboy: Call of Darkness“!

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Quigley der Australier (1990) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

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Der Western: das ur-amerikanische Genre schlechthin. Von der Herausbildung einer eigenen staatlichen Identität wird erzählt, errungen durch den langwährenden Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei. So zumindest das Bild vieler romantisierender Western, das mit dem Aufkommen des Italowestern in den 1960er-Jahren erstmals Risse erfuhr. Ambivalente Helden gab es dort, denen es meist eher ums Geld als um die Prinzipien ging. Und ein Western wie Clint Eastwoods „Ein Fremder ohne Namen“ (1972) verortete die Barbarei dann auch nicht mehr auf Seiten der Indianer (die in dem Film gar nicht vorkommen), sondern auf Seiten der (eigentlich) zivilisierten Stadtbewohner. Das Genre entwickelte sich, es gibt Spätwestern, Antiwestern und Filme, die Motive des Western aufgreifen (beispielsweise „Brokeback Mountain“) oder den Western in die urbane Gegenwart verlegen: der so genannte Großstadtwestern wie „Assault – Anschlag bei Nacht“, „Coogans großer Bluff“ oder „Die Warriors“. Auch die deutschen Karl-May-Verfilmungen lassen sich im weitesten Sinne als Western klassifizieren. Doch was geschieht, wenn man den Western nicht nur auf Produktionsseite in andere Länder verlegt (und dann beispielsweise in Kroatien oder Spanien dreht), sondern auch inhaltlich ein anderes Land bespielt? Diese Idee nimmt sich „Quigley der Australier“ vor, der – wie der deutsche Titel es vermuten lässt – die Westernmythologie nach Australien verlegt, dabei zentrale Bestandteile bewahrt, aber dennoch einiges anders macht.

Gleich bleibt die Figur des Westernhelden, der auch hier ein US-Amerikaner ist. Matthew Quigley (Tom Selleck, wie immer mit „Magnum“-Schnauzer), einer der besten Schützen des Westens, kommt nach Australien, um dort auf der Farm von Elliot Marston (Alan Rickman) als Wächter zu arbeiten. Dachte er ursprünglich, es ginge um die Jagd von wilden Tieren, um das Wild zu schützen, so zeigt sich, dass Marston ihn eigentlich eingestellt hat, um die auf seinen Ländereien befindlichen einheimischen Aborigines zu töten. Quigley weigert sich und wird gemeinsam mit der „verrückten Cora“ (Laura San Giacomo) ausgesetzt, die ihn immer wieder für ihren verstorbenen Mann zu halten scheint. Doch sie überleben, woraufhin Quigley sich Rache schwört. Der Film ist folglich recht simpel, aber sehr effektiv strukturiert. Interessant ist hierbei eine für den Spätwestern typische Identifikationsverschiebung: So sind die angeblich „zivilisierten“ Australier rund um Alan Rickman ziemlich widerwärtige und sadistische Ekel und auch die dort stationierte britische Armee ist nicht besser. Hingegen werden die australischen Ureinwohner ausnahmslos positiv besetzt und stellen mehr als einmal eine Hilfe für Quigley und Cora dar. Aufgrund der Sprachbarriere, die der Film nicht überwindet, finden hierbei zwar keine tiefgreifenden Charakterisierungen statt, doch werden die Aborigines mit einigen wenigen Zügen als eine friedliebende und in Harmonie mit der Natur lebende Gemeinschaft gezeichnet. Zwar stellt „Quigley der Australier“ die große systemische Frage wie auch viele eigentlich durchaus kritische US-Western nicht; dass es sich nämlich in den USA wie in Australien (und Neuseeland und Südamerika und…) eigentlich von vornherein um das Land der Ureinwohner handelt, das ihnen rechtswidrig weggenommen wurde, doch nimmt er das Verhältnis von Natives und westlichen Siedlern immer noch verhältnismäßig progressiv in den Blick. Dass dann aber derjenige, der als Retterfigur auftritt, natürlich ein US-Amerikaner ist und man nicht von vornherein den Konflikt inner-australisch halten konnte; nun gut. Immerhin ist er ab und an auf die Ureinwohner angewiesen und auch Cora bekommt ihre Momente, in denen sie aktiv ins Geschehen eingreifen darf.

© capelight pictures

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Der Film geht recht schnell in medias res, so dass der Schwenk hin zu einem Rachewestern rasch vollzogen ist. Marston merkt sehr bald, dass Quigley nicht tot ist und schickt immer wieder neue Leute auf die Suche, die Quigley stets auszuschalten vermag. Der Kreis zieht sich nach und nach enger um die Farm und auch wenn letztlich immer klar ist, wie der Film endet, so vermag „Quigley der Australier“ aufgrund der einer-nach-dem-anderen-Dramaturgie, in der auch nicht immer alles glatt läuft für den Protagonisten, konstant seine Spannung zu halten: Es ist weniger die Frage nach dem Was, als vielmehr die Frage nach dem Wie, die der Handlung ihre Motivation gibt. Quigley ist letztlich so etwas wie ein aus der Zeit gefallener Superheld: Er kann mit seinem aufgerüsteten Gewehr schier irrsinnig gut schießen, was er auch immer wieder unter Beweis stellt, findet aus den meisten brenzligen Situationen einen Ausweg und ist nebenbei noch moralisch integer.

„Quigley der Australier“ hat zwar einige äußerst dramatische, aber immer wieder auch humorige Momente, gerade im Rahmen der Reibereien und Wortgefechte zwischen Quigley und Cora, die beide wie in einer RomCom erst merken müssen, dass sie eigentlich ziemlich gut zueinander passen. Der Film ist ein äußerst unterhaltsamer Quasi-Western mit einer politisch durchaus progressiven Note, sehr guten Darstellern und immer wieder fantastischen Bildern, die erneut unter Beweis stellen, dass es sich atmosphärisch lohnt, on location zu drehen und Studiokulissen zu vermeiden.

© capelight pictures

© capelight pictures

Die Edition: capelight pictures veröffentlicht „Quigley der Australier“ in der altbekannten und -bewährten Mediabook-Reihe im schicken matten Look, wie immer mit Booklet (zudem erscheint der Film als Single-DVD). Als Bonus gibt es ein Interview mit Cora-Darstellerin Laura San Giacomo, ein sehr interessantes Featurette über die Waffen des Filmes und die Frage ihrer historischen Akkuratesse sowie die üblichen Trailer.

Autor: Jakob Larisch

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Trash Talk Reboot #9 Captain Marvel

© Disney / Marvel

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Laszlo, Meggy und Torsten klettern ohne Hilfsmittel in die höchsten Filmsphären des MCU und der diesjährigen Oscarverleihung

Review: „Captain Marvel“
00:00:00 – 01:03:00

Review: „Green Book“
01:03:00 – 01:32:45

Review: „Free Solo“
01:32:46 – 02:03:11

Besetzung: Torsten, Meggy und Laszlo

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In Kino Veritas #11 Die Top-Filme des Kinojahres 2018

© Marvel Studios 2018

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Ja, wir können auch Latein! Dass im Kino die Wahrheit liegt, wussten wir ja schon länger, aber nun ist die Zeit gekommen, es auszusprechen. Heute diskutieren wir ausgiebig und garantiert subjektiv die besten Filme des letzten Jahres!

Wir hoffen, ihr habt ebenso viel Spaß wie wir und freuen uns auf Anregungen, Lob und Kritik.

Die Besetzung: Jakob, Mamon, Manuel, Simon und Torsten!

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Between Worlds (2018/2019) Heimkino-Kritik

© EuroVideo Medien

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Der Oscar-Gewinner Nicolas Cage kann schon auf eine interessante Karriere zurückblicken. Zunächst startete Cage seine Karriere als Schauspieler in Indie-Filmen bekannter Regisseure, wie z.B. seines Onkels Francis Ford Coppola, den Coen-Brüdern oder Alan Parker, bis er eben jenen heißbegehrten Academy Award für seine Rolle in „Leaving Las Vegas“ (1995) bekam. Mitte der 90er drehte Cage dann kurz hintereinander drei Action-Streifen: „The Rock“ (1996), „Con-Air“ (1997), „Face/Off“ (1997), die in jede gut sortierte 90er-Jahre-Filmecke gehören. Im Anschluss diffundierte Cage zwischen Action und Drama hin und her, dabei wechselten sich Flop und Erfolg immer wieder ab. Seine filmischen Wutausbrüche, der blanke Wahnsinn seines Spiels sowie die ausladenden Gesten ließen ihn darüber hinaus im Social-Media-Zeitalter zu einem Meme werden. Mittlerweile hat in puncto Rollenauswahl und Schauspiel der Dr. Jekyll in Cage mehr und mehr die Überhand gewonnen und angesichts des hohen Arbeitspensums scheint er fast nur noch Angebote zu bekommen, die man nicht ablehnen kann. Entweder das oder die Messlatte liegt inzwischen recht tief.

„Between Worlds“ ist nun also der nächste Eintrag in sein „Direct-to-DVD/VoD“-Oeuvre. Cage kann man aber im Gegensatz zu anderen Pionieren dieses Sektors nicht vorwerfen, dass er immer den gleichen Film drehen würde. So ist auch „Between Worlds“ zwar wahrlich kein guter Film, aber auch keiner von der Stange. Nicolas Cage spielt den Fernfahrer Joe, der eines Tages auf einer Tankstellen-Toilette Julie (Franka Potente) vor dem Würgeangriff eines älteren Mannes rettet. Doch ist diese ihm dafür nicht dankbar, denn Julie ist ein Medium, sie kann Kontakt zu Geistern aufnehmen und wollte ihrer Tochter Billie (Penelope Mitchell) das Leben retten, die gerade auf der Intensivstation eines Krankenhauses liegt. Voraussetzung dafür ist, dass sie selbst eine Nahtoderfahrung erleidet und der übliche Weg dabei ist es, Julie zu würgen. Trotzdem freunden sich Julie und Joe an und beginnen eine Affäre, da beide ihren jeweiligen Partner verloren haben. Als Billie gesund und munter wieder nach Hause kommt, scheint sie allerdings irgendwie verändert und dann beginnt „Between Worlds“ eine Mischung zwischen „Ghost Whisperer“ (2005-2010) und „Das Biest“ (1993) zu werden.

© EuroVideo Medien

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„Between Worlds“ ist insgesamt ein Erotik-Thriller geworden, der sich nur lohnt, um seine Fähigkeit zu schulen, schnell Filme zu vergessen. Sicherlich ist die hanebüchene Story eher symbolisch als wortwörtlich zu interpretieren, dennoch bleibt der Zuschauer letztendlich mit der Frage zurück, was denn dieser Film nun eigentlich sollte. Unterhaltsame Cage-Momente sind natürlich auch hier zu bewundern, trotzdem gibt es auch dafür wesentlich prägnantere Filme. Man muss allerdings festhalten, dass Cages Performance gar nicht übel ist und gerade in den späteren Szenen sogar sehr gut zu der surrealen Handlung des Filmes passt. „Between Worlds“ ist allerdings weder spannend noch wirklich interessant inszeniert und somit eigentlich nur relevant, weil eben Nicolas Cage mitspielt.

Autor: Torsten Stenske

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KurzCast #19 Dumbo (2019)

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um Elefanten, Michael Keaton und das Remake-Portfolio von Disney. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Dumbo“!

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Trash Talk Reboot #8 Glass

© Disney / Jessica Kourkounis

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Laszlo, Meggy und Torsten schauen bei der neunten Episode des Trash-Talk-Reboots an, ob M. Night Shyamalans neuestes Werk halb voll oder halb leer ist.

Review „Glass“
00:00:00 – 00:27:40

Spoilertalk: „Glass“
00:27:41 – 01:00:00

Coming Soon (Superbowl Special)
01:00:01 – 01:36:56

Besetzung: Torsten, Meggy und Laszlo

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In Kino Veritas #10 Die Flops des Kinojahres 2018

© 20th Century Fox Home Entertainment

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Ja, wir können auch Latein! Dass im Kino die Wahrheit liegt, wussten wir ja schon länger, aber nun ist die Zeit gekommen, es auszusprechen. Heute diskutieren wir ausgiebig und garantiert subjektiv die schlechtesten Filme des letzten Jahres!

Wir hoffen, ihr habt ebenso viel Spaß wie wir und freuen uns auf Anregungen, Lob und Kritik.

Die Besetzung: Jakob, Mamon, Manuel, Simon und Torsten!

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KurzCast #18 Captain Marvel

© Disney / Marvel

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um den neuen Eintrag im Marvel Cinematic Universe, um das Alter von Samuel L. Jackson und um die Qualität von CGI. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Captain Marvel“!

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Die Wikinger (1958) Review

© capelight pictures

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Schlichte Filmtitel sind manchmal am sinnvollsten „Die Wikinger“ heißt der Film von Richard Fleischer aus dem Jahre 1958, simpel und einfach, auch der Originaltitel beschränkt sich mit „The Vikings“ auf das Nötigste. Letztlich ist damit auch die Essenz dieses Werkes gegeben, da reißerische Titel wie „Schlacht der Wikinger“, „Reise nach Walhalla“ oder „Mit dem Schwert in der Hand“ zwar allesamt eine Entsprechung im Rahmen der Handlung gefunden hätten, aber eben nicht die filmische Essenz abdecken: Denn es geht um Wikinger, ihr Verhalten untereinander und ihre Auseinandersetzungen mit ihren Feinden. Und dann geht es noch um Liebe, Familienzwiste, Rivalitäten, ausgestochene Augen, magnetische Metalle und Glaubensfragen. Das Übliche eben, für einen Film dieser Zeit.

Kirk Douglas und Tony Curtis spielen zwei verfeindete Wikinger, einer der Sohn des Königs (Ernest Borgnine), einer ein Sklave, die beide um die Liebe einer englischen Prinzessin (Janet Leigh) buhlen, die wiederum von den Nordmännern entführt wurde. Das Ganze wird eingebettet in einen Kontext, der sich sehr lose an historischen Begebenheiten orientiert, aber diese letztlich eher als Folie für die Entfaltung zwischenmenschlicher Konfliktlinien nutzt. Doch hebt sich „Die Wikinger“ hierbei maßgeblich von vielen anderen US-amerikanischen Produktionen der ausgehenden 1950er-Jahre ab, da der Großteil des Filmes on location in Norwegen (sowie in Frankreich und Kroatien) gedreht wurde. Dies war zur Zeit des Classical Hollywood eher die Ausnahme als die Regel, denn zumeist waren es Studios, in denen die Filme entstanden. Der Aufwand (die Dreharbeiten dauerten acht Monate) macht sich jedoch bezahlt, denn dass der Film spürbar in der freien Natur gedreht wurde, dass die Sonne scheint, dass echte Schiffe über echtes Wasser fahren und sich der Shwodown in einer echten Burg abspielt, dies alles gibt der Seherfahrung eine ganz eigene Unmittelbarkeit, auch wenn der Film trotz einer gewissen, die Ausstattung betreffenden historischen Akkuratesse oft auf der Klaviatur der (visuellen) Wikinger-Stereotypen spielt. Ein wenig verhält es sich wie mit der heutigen Debatte um CGI: Je mehr auf digitale Effekte verzichtet wird, desto haptischer wird der Film, letztes Jahr besonders gut erkennbar bei „Mission: Impossible – Fallout“. Eine teils etwas trockene Studioatmosphäre wird folglich eingetauscht gegen einen Wechsel in reale Landschaften, was den Film sprichwörtlich frischer macht.

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Die Intrigen, die hier geschmiedet werden, sind zwar alles in allem nicht neu und man hat ein wenig das Gefühl, dass hier und da etwas Shakespeare’sches Drama mit ins Drehbuch einfloss, doch ist „Die Wikinger“ insgesamt durchaus spannend, auch wenn er gemäß seiner Entstehungszeit selbstverständlich etwas langsamer erzählt wird. Die Ambivalenz der Hauptcharaktere ist dabei stellenweise bemerkenswert, ebenso wie die grundlegende Sympathieverlagerung hin zu den „Barbaren“. Der von Kirk Douglas gespielte Einar ist auf der einen Seite ein ziemlicher Grobian und erfüllt ein wenig das Klischee des unzivilisierten Wilden, bekommt jedoch durchaus auch ein, zwei nachdenkliche Momente. Sein von Tony Curtis gespielter Gegenspieler Eric wird gleichermaßen als ein zwiespältiger Charakter eingeführt, er jedoch entwickelt sich mit der Zeit aber, man muss es so sagen, zur moralischen Leitfigur, die von nichts als der Liebe getrieben wird.

Trotz einer letztlich sehr klassischen Rollenverteilung ist interessant, dass das Wikinger-Dasein als eine Art kleines Utopia fungiert: Leben in und im Einklang mit der Natur, viel Essen, viel Trinken, viel Feiern, kurz: eine gewisse Form der Freiheit. Im Gegensatz dazu steht die englische Aristokratie, korrupt, verkommen, nicht mit Natur assoziiert, da meist nur in Innenräumen zu sehen. Man würde wohl deutlich zu weit gehen, diesem Film einen obrigkeitskritischen Subtext zu unterstellen, da die auf Seite der Wikinger ebenfalls existierende aristokratische Struktur nicht hinterfragt wird, doch bleiben auf einer soziologischen Ebene einige Dinge wie gewisse Spitzen gegen die christliche Religion durchaus haften, deren Regeln und Normen immer wieder als einengend beschrieben werden.

Ein klassischer und dann nicht ganz so klassischer Film: „Die Wikinger“ ist ein Film seiner Zeit, der jedoch auf Ebene der Produktionsweise sich sehr positiv vom Geist der ausgehenden 1950er-Jahre abhebt, den Mut findet, die freie Natur zu seiner Kulisse zu machen und dadurch etwas unmittelbarer zu wirken vermag. Der Film sieht durchgehend schick aus und wartet mit einem aufwändigen Showdown auf, der durchaus intensiv daherkommt und nicht nach allzu kurzer Zeit wieder vorbei ist. Wer mal wieder nostalgisch in die Filmgeschichte eintauchen will, der ist mit „Die Wikinger“ bestens bedient.

© capelight pictures

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Die Edition: Dies dürfte der vermutlich älteste Film sein, den capelight pictures im Programm hat, zum zweiten Mal nach „Das Urteil von Nürnberg“ ein Film der klassischen Hollywood-Ära. „Die Wikinger“ erscheint im Rahmen der altbekannten und bewährten Mediabook-Reihe mit einem schicken matten Cover und dem obligatorischen Booklet (sowie parallel als Single-DVD). Als Bonus gibt es neben Trailern eine interessante halbstündige Dokumentation, in der Regisseur Richard Fleischer die Dreharbeiten Revue passieren lässt und einige Einblicke in die Produktionshistorie gewährt.

Autor: Jakob Larisch

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Mile 22 (2018) Review

© Universum Film

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Da haben sich zwei gefunden: Mittlerweile vier Filme hintereinander hat Regisseur Peter Berg mit Hauptdarsteller Mark Wahlberg gedreht, von „Lone Survivor“ über ihr unbestrittenes Meisterwerk „Deepwater Horizon“ hin zu „Boston“ und nun „Mile 22“. Stets sind die Filme intensiv inszeniert, stets werden realpolitische Gegebenheiten in den Blick genommen. Doch zumindest letzterer Punkt erfährt mit „Mile 22“ eine gewisse Änderung: Der Film spielt in einem fiktiven südostasiatischen Land und auch wenn Parallelen zum so genannten „War on Terror“ erkennbar sind, so liegen „Mile 22“ erstmals bei einer Berg-Wahlberg-Kooperation keine wahren Begebenheiten zugrunde, wie zuvor der Afghanistan-Krieg, der Brand auf der Ölbohrplattform Deepwater Horizon 2010 oder der Anschlag auf den Boston-Marathon 2013. Nichtsdestotrotz ist auch „Mile 22“ als ein Statement und eine teils durchaus kritische Beschäftigung mit den Auswüchsen internationaler militärischer Aktionen zu verstehen.

Die Story ist simpel: Mark Wahlberg spielt den den Anführer eines geheimen Elite-Teams namens „Overwatch“, die unter Anleitung von John Malkovich immer dann tätig werden, wenn sowohl Diplomatie als auch das klassische Militär keine Option mehr darstellen. Nun sollen sie einen von „The Raid“-Protagonist Iko Uwais gespielten Doppelagenten quer durch die Stadt zum Flughafen bringen, damit dieser im Austausch für ein neues Leben in den USA militärisch wichtige Informationen preisgibt. Einen Großteil von „Mile 22“ nimmt nach einer kurzen Einführung der Teammitglieder die Fahrt von der US-Botschaft zum Flughafen ein, während der sich zeigt, dass noch andere Parteien mitmischen, die auch vor brachialer Gewalt nicht zurückschrecken.

Peter Berg schafft es, sowohl Action und Atmosphäre als auch einen gewissen politischen Aussagewert zu bedienen. Zwar sind Schlägereien, Verfolgungsjagden und Schießereien teils relativ schnell geschnitten, arten jedoch nie in ein unübersichtliches Schnittgewitter aus. Iko Uwais darf in zwei Szenen zeigen, was er als Martial-Arts-Kämpfer so drauf hat und auch sonst hält sich der Film wahrlich nicht zurück. Durch die einfache und geradlinige Prämisse ist „Mile 22“ auf das Nötigste fokussiert und setzt stets rechtzeitig den nächsten dramaturgischen Ankerpunkt, ab und an fast wie eine Plotstruktur, die aus mehreren Levels besteht: Fahrt zum Flughafen, ein Problem taucht auf, das Problem muss eine Lösung finden, wobei in der Regel Fahrzeuge und Orte gewechselt werden. Der Film ist dadurch höchst effektiv, abwechslungsreich und spannend gestaltet, wobei der Regisseur erneut sein Gespür für eine sehr dichte Szenengestaltung unter Beweis stellt.

© Universum Film

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Im Vergleich mit anderen Filmen, die sich um militärische oder nachrichtendienstliche Einheiten drehen, fällt dabei auf, dass „Mile 22“ eine eindeutige Identifikationsfigur zu fehlen scheint. Zwar ist der von Mark Wahlberg gespielte James Silva der Dreh- und Angelpunkt des Filmes, doch wäre „Sympathieträger“ hierbei nicht das Wort der Wahl. Durch Rückblenden wird er als ein wenig neurotisch gekennzeichnet, womit ihm ein Großteil des Gespürs für zwischenmenschliche Kommunikationsmechanismen oder Emotionen abgeht, was in mehreren Wutausbrüchen resultiert, die ihn als fast schon zwanghaften Perfektionisten markieren. Das ist in seinem Job zwar durchaus sinnvoll, führt aber auch zu einer gewissen Distanz, die er um sich herum aufbaut, sowohl mit Blick auf seine Kollegen als auch mit Blick auf das Publikum. Folglich begleitet man im Zuge des Filmes zwar das Team auf seiner Mission, die Möglichkeiten zur Identifikation sind allerdings entweder nicht vorhanden oder werden, soviel sei gesagt, recht schnell wieder genommen, wodurch immer wieder auch eine gewisser gedanklicher Abstand zu den Aktionen der Einheit entsteht. Auch wird trotz mehrfach vorhandener Kameraschwenks über die US-amerikanische Flagge Patriotismus nicht glorifiziert, sondern eher in einen destruktiven Kontext gestellt, auch wenn der Blick auf die Opfer in der fiktiven asiatischen Stadt dann doch das eine oder andere Mal fehlt.

© Universum Film

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Schließlich muss man über den Twist am Ende reden, der hier natürlich nicht verraten werden soll, der jedoch in seiner Konsequenz den Filmen von M. Night Shymalan alle Ehre machen würde und den man in dieser Form kaum kommen sieht. Loyalitäten werden auf den Kopf gestellt, Konfliktlinien neu gezogen und dann, ja dann ist „Mile 22“ vorbei. Die in ihrer Komplexität für den Einzelnen (eigentlich) unüberschaubaren Folgen globaler militärpolitischer Aktionen werden zum Zwecke einer Veranschaulichung auf konkret erfahrbare Gegebenheiten heruntergebrochen, die sich auf keine Weise verklärt oder anderweitig für das (im Rahmen der potenziellen Identifikation gesprochen) „Eigene“ positiv aufgeladen sehen. Kein „weiter so!“, keine in irgendeiner Weise hoffnungsvolle Umkehr, noch nicht einmal eine diesbezügliche Andeutung, stattdessen ein im besten Sinne offenes Ende, welches die Zuschauer mit offenen Gedanken zurücklässt.

Autor: Jakob Larisch

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Bad Spies (2018) Review

© STUDIOCANAL

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Audrey (Mila Kunis) und ihre beste Freundin Morgan (Kate McKinnon) verbringen Audreys dreißigsten Geburtstag in einer Bar. Während Audrey sich davon ablenken möchte, dass ihr Freund Drew (Justin Theroux) kurz zuvor per Textnachricht mit ihr Schluss gemacht hat, ist dieser gerade dabei, in Litauen für „Recht und Ordnung“ zu sorgen. Drew ist in Wirklichkeit ein Spion und hat sich von Audrey nur getrennt, um sie zu schützen.

In Susanna Fogels Werk „Bad Spies“ wird ein unpopulärer Trend unserer Zeit, das Reboot beliebter Filme (denen noch einige Jahre Reife zum Prädikat „Klassiker“ fehlen) mit einem komplett weiblichen Cast, auf ein gesamtes Genre angewendet. Das Scheitern des Films scheint eigentlich vorprogrammiert, zumal eine der Hauptdarstellerinnen, Kate McKinnon, an das größte Malheur dieses Schaffens erinnert: das „Ghostbusters“-Remake. Dazu verkörpert kein Genre so sehr die Männlichkeit wie der Spionagethriller. Denken wir nur an James Bond, der sowohl den charmanten Womanizer als auch den brachialen Schläger verkörpert. Und bei wem Her Majesty’s Most Deadly Weapon mit seinen Wodka Martinis noch kein Schleudertrauma ausgelöst hat, der wird mit seinen amerikanischen Kollegen Ethan Hunt und Jason Bourne sein blaues Wunder erleben.

„Bad Spies“ wird dabei aus der Sicht der beiden Freundinnen Audrey und Morgan erzählt, die beide den eigentlichen Tough Guys zu jeder Zeit die Schau stehlen, indem sie für die größten Lacher des Films sorgen. Sie stolpern von einer Situation in die nächste, überleben grausame Gymnastik-Folter und selbst einer Schießerei lächeln sie nur müde ins Gesicht. Naja, eventuell auch schreiend.

© STUDIOCANAL

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Wer ein Fan der Darstellung von Kate McKinnon in „Ghostbusters“ war, wird sie auch in diesem Film lieben. Mila Kunis hat tatsächlich nie die Chance, das Rampenlicht für sich zu beanspruchen und versucht daher gar nicht, sich mit McKinnon zu messen, was der Chemie zwischen den beiden merklich gut tut. „Bad Spies“ ist gefühlt eine Elseworld-Geschichte aus dem James-Bond-Universum, die den ernsten Spionagehintergrund mit dem seichten Humor eines Spoof-Films eintauscht. Der Film zeigt uns das Leben eines Bond-Girls, das sich selbst zu helfen wissen muss, weil ihr Held bereits früh in der Handlung das Zeitliche segnet. Wenn man sich darauf einlassen kann, wird man hier hervorragend unterhalten. Allen anderen bleiben die ernsteren Spionagefilme zu empfehlen.

Autor: Mamon Hassani

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So was von da (2018) Review

© DCM / Gordon Timpen

© DCM / Gordon Timpen

Es kann ein dankbarer Job sein, eine Filmkritik zu verfassen, wenn ein Film für das Heimkino erscheint und das DVD- oder Blu-ray-Cover einige Zitate bereits erschienener Kritiken zur Überzeugung des geneigten Käufers parat hält, denn in einem solchen Fall kann man wunderbar prüfen, ob diese dem Film gerecht werden. Auf der Vorderseite des neuen Films von German-Mublecore-Regisseur Jakob Lass, „So was von da“, findet sich hierbei der Satz „Ein Film wie ein Rausch“ (Zitty Magazin), „Jung und unverwundbar“ (Der Spiegel) steht auf der Rückseite. Stimmen tut allerdings beides nicht.

Jakob Lass hat mit „Tiger Girl“ vor zwei Jahren einen der schlechtesten deutschen Filme der letzten Zeit vorgelegt, der jedoch von der deutschen Filmkritik nahezu einhellig begeistert aufgenommen wurde, da man ihn in seiner Krawalligkeit im Til-Schweiger-geschädigten deutschen Kino für Innovation hielt. Zwei Frauen randalieren sich in diesem Film durch Berlin, untermalt von teils dramatisch grauenhaften Songs. Was für eine Leistung. Mit „So was von da“ schließt Lass nahtlos an die miese Qualität von „Tiger Girl“ an. Der Film um die letzte Nacht eines Clubs auf St. Pauli und die Probleme, welche den beiden Besitzern und ihren Freunden begegnen, ist alles andere als „ein Rausch“. Auch wenn viele Szenen auf der Tanzfläche spielen und Musik eine große Rolle übernimmt, so will der Funke der Party-Stimmung absolut nicht überspringen. Zu konventionell ist das Ganze inszeniert, ein paar bunte Lichter hier, ein wenig Handkamera dort, das Ganze untermalt von Off-Kommentaren, die so klingen, als würde der Dalai Lama Kalendersprüche vorlesen. Prätentiös unterfütterte Langeweile als Programm.

Was hingegen „jung und unverwundbar“ bedeuten soll, mag sich nicht so ganz erschließen, denn die Verwundbarkeit der Hauptfiguren (nicht nur, aber auch in einem körperlichen Sinne) ist ein zentrales Thema von „So was von da“. Hierbei sind viele der Charaktere, insbesondere der Protagonist Oskar (Niklas Bruhn) teils derart unfähig zur Kommunikation, dass man sich wünscht, sie würden einfach den Film verlassen. Vielleicht liegt dies aber auch an dem Improvisationsstil, den Lass beim Dreh verfolgt. Improvisation kann sinnvoll sein, wenn man die richtigen Darsteller dafür hat, doch die hat der Film eindeutig nicht. Einige Dialoge klingen wie schlechtes Schultheater von Elftklässlern, andere sind wiederum schlicht inhaltlich redundant. Dass der Regisseur allerdings, so er denn will, theoretisch durchaus inszenieren kann, beweist er mit immerhin etwa fünf Minuten der gut anderthalb Stunden Laufzeit. Als in einer Szene, Stichwort Verwundbarkeit, eine Figur einer anderen mitteilt, dass sie unheilbar krank ist, dann ragt diese Szene, die in der Tat durchaus berührend geworden ist, qualitativ so meilenweit über den Rest von „So was von da“ heraus, dass man sich fragt, warum das denn nicht öfter ginge. Doch entschließt sich Lass, den Rest des Filmes gnadenlos in Oberflächlichkeit zu ertränken und dem Publikum jede Möglichkeit einer emotionalen Beteiligung am Geschehen zu verwehren.

© DCM / Gordon Timpen

© DCM / Gordon Timpen

Das hängt auch mit der Pseudo-Coolness des Films zusammen. Alles soll möglich sein, doch es wird vernachlässigt, wie alles zusammenhängt. Hedonismus als Lösung persönlicher Probleme, das kann nur für bestimmte Menschen funktionieren, die sonst keine Probleme haben. Individualismus ist das Wort der Stunde, jeder ist mit seinem eigenen kleinen Kosmos beschäftigt, doch so unzureichend, dass man nicht von persönlicher Identität sprechen könnte. Das Denken in größeren Kontexten findet nicht statt, Denken überhaupt findet kaum statt. Die am ehesten politische Aktion, die in diesem Film durchgeführt wird, ist das Beschmieren eines Wahlplakates der Hamburger Innensenatorin (gespielt von Corinna Harfouch) von der Partei DCU. Haha.

© DCM

© DCM

Oberflächlichkeit auf allen Ebenen durchzieht folglich „So was von da“, der noch nicht einmal Akzente auf einer exzessiven Ebene zu setzen vermag, schließlich hätte man jenseits aller dramaturgischen Verstrickungen ja wenigstens die Party-Sequenzen mitreißend gestalten können. Nichts da. Mit einer Szene Ausnahme ist der Film ein ziemlich lausiger Einheitsbrei aus uninteressanten Figuren, uninteressanten Konflikten und politischer Naivität.

Autor: Jakob Larisch

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Berlinale, Tag 5: „Farewell to the Night“, „Ich war zuhause, aber…“, „The Shadow Play“ & „Variety“

L’adieu à la nuit / Farewell to the Night (André Téchiné, F/D 2019)
Wettbewerb

Der letzte große Film mit der grande dame des französischen Kinos Catherine Deneuve ist schon ein paar Jahre her (am ehesten nimmt diesen Platz vermutlich „8 Frauen“ (2002) ein) und auch „Farewell to the Night“ wird daran nichts ändern, denn dieser Film ist ebenfalls maximal Mittelmaß. Der Mittzwanziger Alex (Kacey Mottet Klein) hat sich religiös radikalisiert und plant, sich in Syrien zu einem Dschihad-Kämpfer ausbilden zu lassen. Seine Großmutter Muriel (Deneuve), der er erzählt, er werde nach Kanada gehen, kommt nach und nach dahinter, was Alex gemeinsam mit seiner Freundin Lila (Oulaya Amamra) wirklich plant und versucht, ihn umzustimmen. Zwar vermag der Film teils eine gewisse Spannung aufzubauen, resultierend aus der Frage, ob Muriel dies gelingen wird, doch politisch scheitert das Ganze völlig. „Farewell to the Night“ behandelt zwar ein aktuelles und auch wichtiges Thema, individualisiert und verwäscht den Prozess der Radikalisierung jedoch zu sehr, da er keine Fragen nach gesellschaftlichen oder politischen Hintergründen stellt, zumal eine Einordnung in einen globalen Kontext komplett fehlt. So entsteht der Eindruck, junge Menschen würden sich lediglich aus einem Mangel an Alternativen radikalisieren, da der westliche Materialismus ihnen jegliche spirituelle Entfaltung verweigerte, was der Film unter anderem im Rahmen der wohl plattesten und billigsten Parallelmontage der jüngeren Filmgeschichte bebildert. Faktoren wie Perspektivlosigkeit bzw. anderweitige Gründe, die ihre Ursachen in der akuten Krise und Zurückdrängung sozialstaatlicher Maßnahmen haben, werden hingegen nicht angesprochen oder zynischerweise gar negiert.

© Nachmittagfilm

© Nachmittagfilm

Ich war zuhause, aber… (Angela Schanelec, D/SRB 2019)
Wettbewerb

Der neueste Film von Berliner-Schule-Ikone Angela Schanelec ist ein konsequent inszeniertes Stück Anti-Kino: extrem lange und oft statische Einstellungen, dezentrierte Bildkompositionen, sehr wenige Dialoge, die zudem selten zu etwas führen, kaum Musikeinsatz. Die Regisseurin dekonstruiert durchgängig alles, was für das konventionelle Erzählkino wichtig ist und legt einen fragmentarischen, offenen und genau deswegen so faszinierenden Film vor, der sich allen Erklärungen entzieht. „Ich war zuhause, aber…“ ist in seiner fast schon minimalistischen Reduziertheit ein großartiges Werk geworden, das in erstaunlich vielen Momenten einen oft aus scheiternder Kommunikation resultierenden trocken-lakonischen Humor besitzt und die wohl schönste von einem David-Bowie-Cover untermalte Filmszene jemals aufweist.

The Shadow Play (Ye Lou, CHN 2018)
Panorama

Im Berlinale-Programmheft als „im Gewand eines Film Noir“ beworben, werden zunächst Assoziationen zu dem ebenfalls aus China stammenden Film „Feuerwerk am hellichten Tage“ (2014) wach, der vor fünf Jahren den Goldenen Bären der Berlinale gewann und sich ebenfalls als die chinesische Variante eines Film Noir klassifizieren ließe. Doch „The Shadow Play“ enttäuscht auf ganzer Linie, da er deutlich zu langatmig sowie gleichermaßen zu lang geraten ist. Der Kriminalplot um die Ermordung eines chinesischen Bauunternehmers schleicht träge vor sich hin, ständig werden Nebenschauplätze aufgemacht, zumal der Film in seinem ersten Drittel unfassbar hektisch agiert, ohne jedoch irgendwie die Handlung oder bestimmte Erkenntnisse voranzubringen. Auch die Idee, nahezu alles über Flashbacks, Flashbacks in Flashbacks und Flashbacks in Flashbacks in Flashbacks zu erzählen, führt relativ schnell zu einer gewissen Unübersichtlichkeit, zumal die eigentliche Auflösung des Ganzen sich letztlich recht simpel gestaltet und lediglich künstlich verkompliziert ausgewalzt wird, um sie dann am Ende so überdeutlich zu inszenieren, dass man sie auch verstünde, wenn man den kompletten Mittelteil verschlafen hätte.

Variety (Bette Gordon, USA/GB/D 1983)
Forum

Ein zentraler Sinn von Retrospektiven ist, dass man immer wieder unbekannte und gleichermaßen sehenswerte Filme aus der Vergangenheit entdeckt, über die man sonst niemals gestolpert wäre. So ist es auch bei „Variety“, ein kleiner Film aus den beginnenden 1980er-Jahren, der sich mit den damals in New York vielfach anzutreffenden Porno-Kinos beschäftigt, dabei jedoch kein Grindhouse- und letztlich auch kein Exploitationfilm ist, sondern eine Art Meta-Grindhouse-Film, der formal-ästhetisch zwischen Michelangelo Antonioni und Brian De Palma steht, sich mit so verschiedenen Dingen wie weiblicher Sexualität sowie gleichermaßen damaligen Rezeptionsbedingungen und der entsprechenden Kinokultur jenes Jahrzehnts auseinandersetzt und dem Ganzen zusätzlich einen feministischen Dreh verleiht. Ja, „Variety“ hat unbestreitbar Längen und zieht sich streckenweise ziemlich, doch ist er gleichwohl ein faszinierendes wie selbstreflexives Porträt einer kaum vergangenen und doch längst vergangenen Zeit, das seinen ganz eigenen, charmanten Rhythmus entwickelt.

Autor: Jakob Larisch

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Berlinale 2019, Tag 4: „Vice: Der zweite Mann“, „A Tale of Three Sisters“ & „Gully Boy“

© Universum Film

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Vice / Vice: Der zweite Mann (Adam McKay, USA 2018)
Außer Konkurrenz

Es ist gut, dass es solche Regisseure wie Adam McKay gibt, der nach einigen Komödien à la „Anchorman“ (2004) oder „Stiefbrüder“ (2008) vor einigen Jahren seine dezidiert politische Ader zu entdecken begann und mit „The Big Short“ (2015) den wohl besten Film über die Finanzkrise sowie deren Ursachen und Auswirkungen vorlegte. Sein Talent, komplexe politische Zusammenhänge mit Humor und teils beißender Ironie einfach und verständlich zusammenzufassen, ist auch in „Vice“ zu sehen, der den Aufstieg des ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney bebildert, den Christian Bale gewohnt brillant verkörpert. Der Film ist dabei weniger eine Biografie Cheneys geworden, sondern zeigt auf, wie rein ökonomische Interessen die Politik der USA seit Jahrzehnten bestimmen, wobei der Fokus logischerweise auf der Zeit des Gespanns George W. Bush/Dick Cheney und den Motiven der Kriege in Afghanistan und im Irak liegt. Zudem vermag es „Vice“, das rechtliche Fundament im Hintergrund darzustellen, mit dessen Hilfe die Republikaner die Verfassung der USA zu ihren Gunsten auslegen. McKay nutzt die volle Breitseite erzählerischer Mittel, wenn er mitten im Film einen gefälschten Abspann einbaut oder die politischen Aktionen im Vorfeld des Irakkriegs als Speisekarte eines Restaurants inszeniert, von der sich die politischen Protagonisten bedienen. „Vice“ thematisiert allerdings auch die Grenzen des auf wahren Begegbenheiten beruhenden Erzählens, so in einer hervorragenden Szene, in welcher Cheney und seine Frau Lynne (Amy Adams) im Vorfeld die Vor- und Nachteile einer möglichen Vizepräsidentschaft abwägen. Man wisse nicht, was damals gesagt wurde, heißt es von Seiten des Off-Erzählers, dies wäre schließlich kein Shakespeare-Stück, woraufhin Dick und Lynne eine komplette Szene lang einen Dialog aus Shakespeare-artigen Zitaten zum Besten geben. Zwar stellt „Vice“ keine Fragen nach systemischen Ursachen, ist jedoch ein spannendes und wichtiges Porträt politisch-ökonomischer Verstrickungen, die ausschließlich den finanziellen Interessen einiger weniger dienen. Könnte dies ein sinnvolles Beispiel des „linken Populismus“ sein, den die Philosophin Chantal Mouffe letztes Jahr forderte?

Kiz Kardesler / A Tale of Three Sisters (Emin Alper, TUR/D/NL/GR 2019)
Wettbewerb

Ein türkisches Bergdorf, weit abgeschieden von Städten oder urbanen Gegenden, drei Schwestern, die nach einiger Zeit aus unterschiedlichen Gründen wieder gemeinsam im Haus ihres Vaters leben, umgeben von verschiedenen männlichen Nebenfiguren. „A Tale of Three Sisters“ kann als Porträt einer äußerst kleinen und patriarchal geprägten Dorfgemeinschaft in einzelnen Momenten durchaus überzeugen, allerdings wirken zum einen einige der teils sehr dramatischen Ereignisse ein wenig forciert, zum anderen entsteht zwischendurch immer wieder erzählerischer Leerlauf, der nicht recht überbrückt zu werden vermag. Der Film weist schöne Bilder auf, keine Frage, aber hätte die eine oder andere dramaturgische Straffung ganz gut vertragen.

Gully Boy (Zoya Akhtar, IND 2019)
Berlinale Special

„Gully Boy“ ist die verdammt unterhaltsame indische Version von „8 Mile“, die man mit „Billy Elliott“ vermischt hat. Murad (Ranveer Singh) lebt in einem Slum in Mumbai und liebt Hip-Hop, insbesondere den US-Rapper Nas (der zufälligerweise den Film mitproduziert hat). Als er eines Tages den indischen Rapper Sher (Siddhant Chaturvedi) trifft, erkennt dieser Murads Talent, so dass sie gemeinsam versuchen, eine muikalische Karriere zu starten. Das sieht Murads Familie, insbesondere sein Vater, überhaupt nicht gern, zudem muss Murad aufgrund der gesellschaftlichen Strukturen die Beziehung zu seiner Freundin Safeena (Alia Bhatt) geheim halten. Ein Bollywood-Film, der dem typischen Bollywood-Klischee des ständigen Singens und Tanzens etwas widerspricht: Es gibt lediglich einige wenige Szenen, die einen vollständig ausgespielten Song enthalten, so beispielsweise wenn Murad innerfilmisch einen Track aufnimmt bzw. ein Musikvideo dreht, welches man als Zuschauer parallel bereits fertig zu Gesicht bekommt oder einer der Protagonisten einen Auftritt auf der Bühne hat. Der Film ist einen Großteil seiner zweieinhalbstündigen Laufzeit von pumpenden Bässen untermalt, er ist mitreißend und gerade die Szenen, in denen eine Musikperformance stattfindet, sind brillant gelungen. Nebenbei ist er im Vergleich mit anderen Bollywood-Filmen in Bezug auf seine zentrale Frauenfigur etwas emanzipierter (so nutzt Safeena das patriarchale System an einer Stelle zu ihren Gunsten aus) und schafft das Kunststück, einerseits zumindest latent den Aufstiegsmythos zu perpetuieren (Rap als Weg aus der Armut, aber eben nur für einige wenige), andererseits teils aber fast schon klassenkämpferische Tendenzen aufzuweisen, insbesondere in den Texten, die Murad schreibt und für die er auf seine eigenen Erfahrungen zurückgreift. Eines der Highlights der diesjährigen Berlinale!

Autor: Jakob Larisch

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Berlinale 2019, Tag 3: „Die Agentin“, „Ghost Town Anthology“ & „Demons“

© Kolja Brandt

© Kolja Brandt

The Operative / Die Agentin (Yuval Adler, USA/ISR 2019)
Außer Konkurrenz

Diane Kruger und Martin Freeman spielen in diesem äußerst spannenden Geheimdienst-Thriller zwei Mossad-Agenten in einem Dickicht aus Loyalitäten, Feindschaften und Unsicherheiten. Fernab vom Haudrauf-Kino eines Jason Bourne ist „The Operative“ sehr ruhig erzählt und bebildert den Alltag einer undercover in den Iran eingeschleusten Agentin und ihres Vorgesetzten. Der Film beginnt mit einem rätselhaften Anruf, der über eine (zu jedem Zeitpunkt gut zu durchschauende) Rückblenden-Struktur nach und nach aufgelöst wird. Im Mittelpunkt die für das Genre klassische Frage: Wem kann man trauen? Der Agenten-Alltag wird hier allerdings jenseits aller romantisierenden Vorstellungen sehr zurückhaltend und sehr zwiespältig präsentiert, was Regisseur Yuval Adler zu jeder Zeit gleichermaßen packend inszeniert, wobei er auch mit politisch fundierter Kritik nicht spart.

Répertoire des villes disparues / Ghost Town Anthology (Denis Côté, CAN 2019)
Wettbewerb

Das hätte was werden können…wurde es dann aber leider doch nicht. Dem schon etwas durchgekauten Topos des hinter-der-bürgerlichen-Dorffassade-lauert-Engstirnigkeit wird hier ein durchaus interessanter Dreh hinzugefügt, den der Film allerdings zu keiner Zeit konsequent ausspielt und der zudem nach bereits kurzer Zeit derart vorhersehbar ist, dass es kaum zu überraschen vermag, wenn er dann knapp vor dem Ende überdeutlich verbalisiert wird. Ein junger Mann bringt sich in einem kanadischen 200-Einwohner-Dorf um, das Ganze wird verdrängt, insbesondere die Bürgermeisterin weiß bei jedem passenden und unpassenden Anlass zu betonen, dass man hier seine Probleme selbst löse und nicht auf Hilfe von außen angewiesen sei. Nun ja. Das Hauptproblem von „Ghost Town Anthology“ ist dabei, dass er kaum dramaturgische Haken setzt, auf der anderen Seite als filmische Collage gleichwohl ebenfalls nicht überzeugt. Dafür bleibt er zu sehr an der Oberfläche, dafür passiert auf jeglicher Ebene schlicht zu wenig, so dass der Film auch aus der Frage, worauf denn das Ganze nun eigentlich mit Blick auf die dramaturgische Gestaltung oder die Figurenzeichnung hinausläuft, keinerlei Energie zu ziehen vermag. Die körnige 16-mm-Optik verleiht der visuellen Präsentation zwar eine ganz eigene rauhe Note, retten kann das diesen enorm drögen Wettbewerbsbeitrag allerdings nicht.

Demons (Daniel Hui, SGP 2018)
Forum

„Experimentell“ wäre wohl am ehesten das Wort, mit dem sich „Demons“ passend und gleichermaßen neutral umschreiben ließe. 4:3-Bildformat, keine kohärente Story, viele assoziative Bildcollagen, eine (sehr) surreale Note und ein, nun ja, aufdringliches Sounddesign. Grundlegend geht es um eine Schauspielerin, die für einen Film gecastet wird und Probleme mit dem Regisseur hat, eigentlich geht es nach etwa der Hälfte des Films aber gar nicht mehr um sie, sondern um ebenjenen Regisseur und dann geht es zudem noch um Kannibalismus, um innere Dämonen, um Doppelgänger und um eine per Anruf zu beschwörende Geisterfrau, die allerdings parallel ihre Kinder erziehen muss. Irgendwo zwischen Videokunst und Experimentalfilm angesiedelt, ist „Demons“ jedoch eigentlich nur prätentiöser Schwachsinn. Die pseudo-tiefgründigen Dialoge verlaufen ins Nichts, die Darsteller sind vielerorts äußerst hölzern und die fragmentarisch-assoziative Erzählweise vermag dem Ganzen keinen Mehrwert zu verleihen, da sie nicht einmal eine innere, also eigene und für sich sprechende Kohärenz aufweist, sondern eher wie belangloses Stilmittel-Roulette wirkt. Dazu der Ton: Nach „Monos“ schon der zweite Film dieser Berlinale, der das Publikum fast dauerhaft mit dröhnenden Geräuschen bombardiert. Vielleicht versucht man so, die filmische Leere akustisch zu übertünchen, was jedoch zum exakten Gegenteil führt: Schließlich hallt es in leeren Körpern nur deutlich lauter.

Autor: Jakob Larisch

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Berlinale 2019, Tag 2: „Das Mädchen aus dem Fahrstuhl“, „Light of My Life“ & „Monos“

Das Mädchen aus dem Fahrstuhl (Herrmann Zschoche, D 1991)
Berlinale Special

Ein großartiger DEFA-Film, der leider nie im deutschen Fernsehen gezeigt wurde, ein Stück (ost-)deutscher Filmkunst, mitten aus dem Leben, aus dem Alltag. Die letzten Monate der DDR werden hier bebildert, in denen ein Schüler zwischen Hochbegabung und erster großer Liebe beginnt, das noch von Fahnenappellen und FDJ geprägte System in Frage zu stellen, da Schulnoten seiner Meinung nach nicht den Werdegang des oder der Einzelnen bestimmen sollten. Dafür soll er aus der FDJ ausgeschlossen werden, was ihm ein Studium verwehren würde; mehrere Mitschüler, zwei Lehrer und auch seine Eltern solidarisieren sich jedoch mit ihm gegen die hartherzig agierende Schulleiterin. „Das Mädchen aus dem Fahrstuhl“ ist geprägt von einem trocken-poetischen Humor und einer berührenden Liebesgeschichte, doch die tragische Note des Ganzen lässt sich nicht übertünchen, was dem Film bei aller zurückhaltenden Ruhe eine gewisse Wucht verleiht.

Light of My Life (Casey Affleck, USA 2019)
Panorama

Vater (Casey Affleck) und Tochter (Anna Pniowksy) ziehen durch eine post-apokalyptische Zukunft, in der durch ein mysteriöses Virus nahezu alle Frauen ausgelöscht wurden. In entsprechender Gefahr lebt die etwa zehnjährige Tochter, die der Vater aus diesem Grund als Sohn tarnt. Der Film spielt seine Prämisse konsequent durch, den Bildern meist verregneter oder verschneiter Landschaften, durch welche die beiden Hauptfiguren ziehen, um möglichst viel Abstand zum Rest der Zivilisation zu halten, werden auf den Punkt geschriebene Dialoge über Fragen der Moral, über Fragen der Erziehung und über die stets drohende Gefahr gegenüber gestellt, welche die Tochter noch nicht vollumfänglich zu erfassen in der Lage ist sowie der Vater ihr gleichermaßen teils auch nicht zutraut, akkurat erfassen zu können. Doch die Gefahr ist omnipräsent, manchmal wird sie auch akut. Der Film weist zwar ab und an sehr offenkundige messianische Untertöne auf, ist aber trotz oder gerade wegen seiner Reduziertheit äußerst spannend und gleichermaßen sehr nachdenklich.

Monos (Alejandro Landes, COL/ARG/NL/D/S/ROU 2019)
Panorama

Eine Präsentation kolumbianischer Filme sowohl im Kino als auch im Heimkino ist hierzulande eher rar gesät, umso interessanter ist es, mal einen sehen zu können. Denkt man. Denn interessant? Nein, „Monos“ ist schlicht unfassbar langweilig und wirkt streckenweise, als hätte der Regisseur versucht, im Stile von Alejandro Jodorowsky eine Pseudo-Arthouse-Version von „Auslöschung“ (2018) zu drehen, nur eben noch viel schlechter, und daran dann auch noch zu scheitern. Ein paar Jugendliche, die für eine ominöse „Organisation“ militärische Dienste verrichten, sind in den Bergen und später im Dschungel stationiert, sie bewachen eine Kriegsgefangene und als der Kommandant zeitweise abreist, eskaliert die Situation. Grabenkämpfe, das Bedürfnis, unbedingt einen auf dicke Hose zu machen und schlichte Dummheit führen zu einem dauerhaften Konflikt, der irgendwann nur noch nervt. Zum einen taugt keiner, absolut keiner der beschränkten Jugendlichen als Identifikationsfigur, so dass man sich fragt, warum zum Teufel man hier eigentlich mitfühlen oder warum einen das Ganze überhaupt interessieren soll. Zum anderen ist der Sound derart aufdringlich und scheint permament dem Publikum ins Gesicht zu schreien, wie unglaublich DRAMATISCH oder WICHTIG das Gezeigte ist, dass ab einem gewissen Zeitpunkt das Bedürfnis ins Unermessliche wächst, den Lautstärkeregler zu kapern, um die Ohren der Zuschauer zu schonen. Filme müssen nicht immer subtil sein, aber „Monos“ übertreibt es einfach nur maßlos. Dieser Film wird wie seine Landeskollegen voraussichtlich ebenfalls keinen deutschen Kino- oder Heimkinostart erfahren, doch in diesem Fall ist es absolut nicht schade darum.

Autor: Jakob Larisch

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Berlinale 2019, Tag 1: „Out Stealing Horses“ & „Der Goldene Handschuh“

Ud og stjæle hester / Out Stealing Horses (Hans Petter Molland, N/S/DK 2019)
Wettbewerb

Die Natur Skandinaviens eignet sich hervorragend für malerische Bilder, dies stellt auch „Out Stealing Horses“ unter Beweis. Stellan Skarsgård spielt einen älteren Einsiedler im Schnee Schwedens, der vor seiner Vergangenheit in die Einsamkeit geflohen ist, wobei der Film einen Großteil seiner Geschichte per Flashback in den Sommer des Jahres 1948 und die damaligen schicksalhaften Erlebnisse des zu jener Zeit fünfzehnjährigen Protagonisten erzählt. Das Handeln der Figuren wird dabei immer wieder mit grandiosen Naturaufnahmen parallelisiert, teils hervorgehoben durch exakt gesetzte Zeitlupen, zudem ist insbesondere das Sounddesign fantastisch geraten. Dies kulminiert in der wohl besten Szene von „Out Stealing Horses“, in welcher zwei Männer Baumstämme auf ein Floß verladen, was in einer rhythmischen Klang-Bild-Montage dargestellt wird. In der zweiten Hälfte des knapp zweistündigen Films schleichen sich allerdings einige Längen ein, so dass die Handlung immer wieder auf der Stelle tritt. Warum schließlich noch historische Bezüge eingebunden werden müssen und auf einmal die Zeit des Nationalsozialismus thematisiert wird, bleibt schlussendlich ein Rätsel, zumal dieses Sujet nach knapp 15 Minuten keine Rolle mehr spielt. Etwas unausgegoren.

Der Goldene Handschuh (Fatih Akin, D 2019)
Wettbewerb

Die Verfilmung des Romans von Heinz Strunk, der auf wahren Begebenheiten beruht und die Taten des Serienmörders Fritz Honka im Hamburg der 1970er-Jahre thematisiert, wird von Fatih Akin förmlich auf die Leinwand geprügelt. Der für Filme wie „Gegen die Wand“, „Soul Kitchen“, „Tschick“ und jüngst „Aus dem Nichts“ bekannte Regisseur legt einen enorm brutalen Thriller vor, der allerdings auf ganzer Linie scheitert. Akin inszeniert die Morde des von Jonas Dassler beängstigend eindringlich verkörperten Honka äußerst drastisch, doch verweist die Darstellung der Gewaltakte immer nur auf sich selbst und erschöpft sich in reiner Provokation. Akin gruppiert den Rest der Story, soweit vorhanden, quasi um die ausgedehnt dargestellten und mit der Zeit zynischerweise redundanten Mordsequenzen herum, so auch einen eher lose angebundenen Handlungsstrang um den Schüler Willi (Tristan Göbel), der versucht, mit seiner Klassenkameradin Petra (Greta Sophie Schmidt) anzubandeln und sie dafür in die titelgebende Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“ einlädt. Zwei Mal kreuzen sich die beiden Stränge, doch wirkt die Einbindung dieses Subplots vollkommen unmotiviert, zumal er nur derart rudimentär angerissen wird, dass die beiden Jugendlichen de facto kaum vorkommen. Auch als Psychogramm eines Mörders taugt „Der Goldene Handschuh“ nicht: Der Film ist in keiner Weise an psychologischen, geschweige denn gesellschaftlichen Hintergründen interessiert und gestaltet sich, anders als beispielsweise ein thematisch ähnlich gelagertes Werk wie „Henry: Portrait of a Serial Killer“ (1986), vollkommen oberflächlich. So bleiben einige schräge Charaktere, die für ein paar unpassend humorige Momente sorgen und die zweifelhafte Erkenntnis, dass eigentlich ja nur der Alkohol Schuld ist. Diesen filmischen Quatsch hat Akin, pun intended, komplett an die Wand gefahren.

Autor: Jakob Larisch

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Safari – Match Me If You Can (2018) Review

© Concorde Home Entertainment

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Die Idee, Arthur Schnitzlers „Reigen“ in einen gegenwärtigen Stoff zu verwandeln, hatte Rudi Gaul nach eigener Aussage bereits vor etwa zehn Jahren. Die Geschichte über zehn Menschen, die über mehr oder weniger zufällige sexuelle Begegnungen miteinander in Verbindung treten, kam ihm allerdings stets „zu konstruiert“ vor, um sie glaubwürdig ins Heute zu übertragen. Als der Drehbuchautor und Regisseur jedoch begann, sich mit Dating-Apps wie Tinder auseinanderzusetzen, erschien ihm „Reigen“ plötzlich aktueller denn je und so nahm er sein ursprünglich bereits verworfenes Vorhaben erneut in Angriff: In „Safari – Match Me If You Can“ begleitet Gaul sieben Münchener auf ihren Streifzügen durch den Online-Dating-Dschungel, wobei er einige treffende – und gerade im Hinblick auf die Hintergründe falscher Selbstinszenierung im Internet auch durchaus interessante – Beobachtungen macht. Leider vermag Gauls vierter Kinofilm es aber nicht, seine Figuren mit der erforderlichen Glaubwürdigkeit auszustatten oder die eigentlich spannende Thematik wirklich kritisch aufzuarbeiten.

München im Sommer. Sieben Großstädter vereinbaren über die Dating-App „Safari“ unverbindliche Treffen, von denen sie sich ganz Unterschiedliches erhoffen. Harry (Justus von Dohnányi – „Der Vorname“), Mitte fünfzig, ist von seinem tristen Alltag und der Distanziertheit seiner Ehefrau frustriert und gibt sich online als weltmännischer Pilot aus, um junge Frauen zu One-Night-Stands in luxuriösen Hotelzimmern zu bewegen. Eine dieser Frauen ist Laurie (Elisa Schlott – „Spieltrieb“), deren Vorliebe für schnelle Sex-Dates im krassen Gegensatz zu der totalen Enthaltsamkeit steht, die sie auf ihrer erfolgreichen Instagramseite propagiert. Laurie trifft sich nicht nur mit Harry, sondern auch mit dem 24-jährigen David (Max Mauff – „Patong Girl“, „Victoria“), der unter seinen Freunden als Womanizer bekannt, tatsächlich aber noch Jungfrau ist. Flirttipps holt er sich auf dem YouTube-Channel von Pick-Up-Artist Arif (Patrick Abozen – „Kein Sex ist auch keine Lösung“). Zu dessen Safari-Matches zählt wiederum Fanny, eine idealistische Frau in ihren Dreißigern, die schon seit Jahren nach der großen Liebe sucht und so schnell wie möglich eine Familie gründen will. Mona (Juliane Köhler – „Der Untergang“, „Vielmachglas“), eine alleinerziehende Mutter Ende vierzig, hat hingegen die Nase gestrichen voll davon, sich um ihre mittlerweile erwachsene Tochter zu kümmern, und will nach Jahren der Entbehrungen endlich wieder Spaß und Abenteuer erleben. So trifft sie auf Life (Sebastian Bezzel – „Sauerkrautkoma“), der seinen Lebensunterhalt als Kinderclown verdient und unbedingt eine neue Mutter für seine kleine Tochter finden will.

Wenn so unterschiedliche Charaktere, Wünsche und Erwartungen aufeinandertreffen, sind Missverständnisse und Chaos natürlich vorprogrammiert, und damit eigentlich zugleich optimale Voraussetzungen für eine Komödie geschaffen. Dass es bei „Safari – Match Me If You Can“ trotzdem überraschend wenig zu lachen gibt, liegt nicht etwa daran, dass dessen Gags nicht zünden, sondern vielmehr daran, dass er offenbar gar keine Komödie sein will.

© Concorde Home Entertainment

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Selbstverständlich wäre es auch falsch zu behaupten, dass es die ganze Zeit über todernst zuginge. Der Film ist von Anfang bis Ende von einer lockeren Grundstimmung geprägt, die nicht zuletzt durch die bunte Optik und den poppigen Soundtrack von Laing-Leadsängerin Nicola Rost kreiert wird. Ohne Frage gibt es auch viele komödiantisch angelegte Szenen. Besonders amüsant wird es immer dann, wenn Gaul das nicht nur in der Onlinewelt omnipräsente Spannungsverhältnis von Schein und Sein aufs Korn nimmt. Als sich Harry nach einem One-Night-Stand im Luxushotel auf den Weg zur Arbeit macht, verwandelt er seine schicke Pilotenuniform durch das Tauschen der Abzeichen innerhalb weniger Augenblicke in eine gewöhnliche Straßenbahnfahrerkluft. Eindrucksvoll beweist er, wie man seinen gesellschaftlichen Status mit nur wenig Aufwand gravierend anheben kann. Auch die Szene, in der Laurie, die Social-Media-Berühmtheit mit Traumfigur, zu Werbezwecken ein Stück von einer Bratwurst abbeißt, dieses nach vollendetem Selfie aber sofort wieder ausspuckt, ist sehr gelungen inszeniert.

Der Blick, den „Safari – Match Me If You Can“ auf seine Figuren richtet, ist jedoch nur selten von humoristischer Distanz oder gar sarkastischer Überheblichkeit, sondern vielmehr von einem ernsthaften Interesse an ihren Beweggründen und Interaktionen motiviert. Selbst in den besonders unangenehmen und peinlichen Situationen – von denen es wahrhaftig einige gibt – konzentriert sich die Kamera in zahlreichen Großaufnahmen schon fast feinfühlig auf die Zweifel und Unsicherheiten der Figuren, anstatt sie zugunsten eines platten Witzes einfach nur bloßzustellen. Dass man sich in vielen Momenten trotzdem schlichtweg fremdschämt, liegt vor allem daran, dass die Figuren viel zu eindimensional sind, als dass man ehrlich mit ihnen mitfühlen oder mitleiden könnte. Gerade die Frauenrollen fallen überaus klischeehaft aus. Die überzeugte Vegetarierin meditiert konsequent im WWF-Shirt und die reife, einsame Frau findet in SM die sexuelle Erfüllung. Hinzu kommt, dass sich die Figuren sowohl bei der Online- als auch bei der Offlinekommunikation einer so plumpen und gewollt abgespaceten Sprache bedienen, dass ihre Dialoge absolut unauthentisch wirken. An dieser Stelle kommt es dem Film wirklich zugute, dass Gaul zum ersten Mal in seiner Karriere ein größeres Budget zur Verfügung hatte und einige starke Schauspieler für sein Projekt gewinnen konnte. Grimme-Preisträger Max Mauff spielt seinen David zwar merkwürdig überdreht und lässt ihn damit zur anstrengendsten Figur im ganzen Film werden, doch gerade Sebastian Bezzel und Juliane Köhler verleihen ihren flachen Charakteren mit einfühlsamem Spiel zumindest ein paar sympathische Züge. Leider reichen aber auch diese nicht aus, um den Figuren über 109 Minuten mit Interesse zu folgen. Dass am Ende viele Töpfe doch noch ihre Deckel finden oder es schaffen, die Liebe für ihre alten Deckel wieder zu entfachen, ist dann auch nicht weiter überraschend – auch wenn positiv auffällt, dass zumindest einige Figuren ihr Glück letztendlich auch ohne das perfekte Match finden.

Die Gliederung in sieben Episoden hätte dazu beitragen können, den Film etwas kurzweiliger zu gestalten. Die einzelnen Geschichten sind aber so verworren und uneinheitlich, dass ohne die Texteinblendungen vor jeder Episode wirklich schwer zu sagen wäre, um wen genau es denn nun eigentlich gehen soll. Und so nimmt die Unterteilung dem Film eher an Dynamik, als ihm zu mehr davon zu verhelfen.

© Concorde Home Entertainment

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Auf eine kritische Auseinandersetzung verzichtet „Safari – Match Me If You Can” größtenteils, obwohl sich seine Thematik – die durch Social Media und Dating-Apps veränderte zwischenmenschliche Kommunikation – gerade aufgrund ihrer Aktualität perfekt dafür angeboten hätte. Hierdurch verschenkt der Film einiges an Potenzial, denn es wird tatsächlich recht spannend, sobald Gaul (wenn auch aus neutraler Beobachterperspektive) weitergehende Fragen aufwirft. Warum zum Beispiel strahlt Harry in seiner Pilotenuniform auch dann noch viel mehr Selbstbewusstsein aus, wenn seine potenziellen Eroberungen überhaupt nicht in Sichtweite sind? Verstellen wir uns wirklich nur für andere? Oder wollen wir in Wahrheit vor allem uns selbst besser gefallen, wenn wir ein falsches Bild von uns entwerfen? Immerhin erlaubt sich der Film noch einen Hinweis darauf, wie vergänglich durch falsche Selbstdarstellung erlangter Ruhm sein kann. Laurie, die auf ihrem Instagramprofil damit angegeben hatte, auf „den Richtigen“ zu warten, sieht sich einem heftigen Shitstorm ausgesetzt, nachdem eine ihrer Safari-Bekanntschaften sie im Bett fotografiert und das Bild auf Facebook geteilt hat. Das unechte Image, auf dem Laurie ihre gesamte Existenz aufgebaut hat, ist innerhalb weniger Sekunden zerstört, ihr Leben wird zum absoluten Albtraum. Obwohl sich für Laurie schließlich doch noch ein kleiner Hoffnungsschimmer ergibt, verzichtet Gaul erfreulicherweise darauf, die Auswirkungen des Shitstorms herunterzuspielen oder wieder zu relativieren. Nichtsdestotrotz hätte es „Safari – Match Me If You Can” gerade angesichts der Tatsache, dass seine Figuren kaum Identifikation zulassen, gutgetan, sich etwas von dem satirischen Biss seines Vorbildes „Reigen“ abzuschneiden.

© Concorde Home Entertainment

© Concorde Home Entertainment

Insgesamt ist „Safari – Match Me If You Can” ein zumindest streckenweise unterhaltsamer Ensemblefilm mit interessanten Ansätzen, der jedoch zu unglaubwürdig, unausgewogen und unkritisch ist, um wirklich zu überzeugen.

Autorin: Johanna Böther