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Kansas City (1996) Blu-ray-Kritik

© Koch Films

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„Kansas City“, 1996 gedreht von Robert Altman und seinerzeit für die Goldene Palme in Cannes nominiert, ist ein stimmiger Schauspielerfilm, eine Milieustudie von Kansas City der 1930er-Jahre, besonders der kriminell unterlaufenen, schwarzen Jazz-Szene. Typisch für Altman stechen die Figuren aus dem Geschehen hervor und mit ihnen die Schauspieler, die sie mit Gusto zum Leben erwecken.

Harry Belafonte spielt Seldom Seen, den Besitzer eines Jazz-Establishments, in dessen Hinterzimmern er diversen Mafiageschäften nachgeht. Jennifer Jason Leigh ist Blondie, eine resolute Angestellte, deren Mann sich in die Angelegenheiten von Seems Gang verwickelt und von ihm festgehalten wird. Blondie entführt kurzentschlossen die Ehefrau eines regionalen Politikers, um durch ihn eine Befreiung ihres Mannes zu erzwingen. Leigh wedelt wild mit einem Colt um sich, bleckt ungesund braune Zähne – in ihrer dreist-ehrlichen, unwirschen Art erinnert sie dabei ein wenig an Renée Zellwegers Auftritt in „Unterwegs nach Cold Mountain“ (2003). Blondie zieht mit der Politikerfrau, ihrerseits verschreckt, naiv und benommen, weil opiumabhängig (ideal besetzt: Miranda Richardson) durch das nächtliche Kansas City. Die beiden sehr unterschiedlichen Frauen treffen dabei auf eine Reihe von Gestalten: Ein 14-jähriges schwarzes Mädchen sollte am Bahnhof von Bekannten abgeholt werden und muss nun alleine den Weg zur Schwangerschaftsklinik finden; ein Barbesitzer (hervorragend abfällig: Steve Buscemi) lädt seine Stammkunden in Lastwagen und fährt sie zum Wahllokal, wo sie nach seinen Vorgaben zu wählen haben; ein Tankstellenangestellter flüchtet vor Maschinengewehrfeuer irgendeiner Gang hinter die Theke und gibt Blondie die Gelegenheit, mit einem gefüllten Benzinkanister abzuhauen. Das ist die Welt und Atmosphäre, die man aus Pre-Code-Gangsterfilmen kennt, „Scarface“ (1932) oder „The Public Enemy“ (1931) beispielsweise – Altman richtet hier die Perspektive auf bisher unerforschte Aspekte, vor allem auf die Lebens- und Unterwelt der schwarzen Kultur. Die Erlebnisse der beiden Frauen, die auf die Ankunft des einflussreichen Ehemanns warten, ist parallel geschnitten zu den Ereignissen rund um den Jazzclub, in dem Blondies Mann Johnny (Dermot Mulroney) festgehalten wird. Belafonte zählt Geld und gibt im Zigarrendunst seine Variante des Brando-Paten zum Besten, während auf der Bühne der Kneipe pausenlos die Big Band spielt. Musiker kommen und gehen, erheben sich spontan aus dem Publikum und betreten die Bühne für ein Solo, ringsherum das vollständig afroamerikanische Publikum, rauchend, trinkend, begeistert tanzend und applaudierend oder, wie ein junger Charlie Parker (Albert J. Burnes), mit einem Saxophon um den Hals aus dem Rang mit gebanntem Blick starrend, völlig sicher, dass er hier auf seine glorreiche Zukunft schaut (von den dunklen Geschäften, die im Schatten der Musik abgewickelt werden, ahnt er nichts).

© Koch Films

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Jazz durchzieht den gesamten Film, begleitet die beiden Frauen auf ihrer Irrfahrt und Belafonte bei seinen skrupellosen Geschäften. Altmans Kamera hält sich dabei, bis auf die obligatorischen Spiegel-Spielereien und die eine oder andere dramatische Heranfahrt weitestgehend zurück. Die Bilder sind elegant und klassisch, nicht so geschmackvoll natürlich wie die von Gordon Willis in der „Pate“-Trilogie oder so dynamisch wie jene von Michael Ballhaus in „Goodfellas“, aber nichtsdestotrotz geschmackvoll, angenehm und ihren Zweck erfüllend. Das Ende ist schockierend und zutiefst pessimistisch; aber man erwartet auch nichts Anderes.

Die Edition: Koch Media legt ein Mediabook mit hervorragender Abtastung des Films vor. Das ursprüngliche Silbernitrat-Printing, das Altman anwandte, um den Retro-Look zu erreichen (identisch zu dem Schatten und Kontraste hervorhebenden Verfahren, das David Fincher ein Jahr zuvor für „Se7en“ verwendet hatte), kommt auf der Blu-ray wunderbar zur Geltung. Das Bonusmaterial umfasst einen Regiekommentar, Produktionsfotos, Aufnahmen vom Set, Interviews mit Altman und den Schauspielern, sowie eine Einführung und einen kurzen, hervorragenden analytischen Essay von Filmhistoriker Luc Lagier. Eine DVD des Films ist zusätzlich enthalten. Das Mediabook erscheint am 13. Juni 2019.

Autor: Paul Quast

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KurzCast #22 Godzilla II: King of the Monsters

 

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um japanische kaiju, den Zusammenhang von schlechtem Wetter und einem künstlichen Look sowie Einfallslosigkeit in Bezug auf Actionszenen. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Godzilla II: King of the Monsters“!

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Polaroid (2019) Review

© capelight pictures

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Die Gefahren des Digitalen sind eigentlich ein zuverlässiger Stichwortgeber für das Horror-Genre, das sich ja mit Ängsten aller Art auseinandersetzt. Was liegt hierbei näher als die Angst vor unkontrollierbarer Technik? Filme wie „The Call“ (2003), dessen Remake „Ein tödlicher Anruf“ (2008), „Antisocial“ (2013). „Unkown User“ (2014), „Unfriend“ (2016) oder die Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (2016) beschäftigen sich alle auf die eine oder andere Weise mit den Tücken und Gefahren moderner Technik. „Polaroid“ hingegen dreht diese Prämisse um: Hier ist es nicht das Digitale, sondern das Analoge in Gestalt einer Sofortbildkamera, aus dem das Grauen erwächst. Der Blick auf eine technisierte Gegenwart wird durch den Blick in die Vergangenheit abgelöst, die ihren Einfluss immer noch auf finstere Weise geltend zu machen weiß. Was auf dem Papier nach einer spannenden Idee klingt, erweist sich jedoch als Rohrkrepierer.

Der Film basiert auf einem gleichnamigen Kurzfilm, ebenfalls von Regisseur Lars Klevberg. Der Transfer von Kurz- zu Langfilm, der bei „Lights Out“ (2016) noch funktionierte, stößt hier allerdings an seine Grenzen. Die Ausdehnung auf 90 Minuten tut der Handlung um eine von einem Geist besessene Polaroid-Kamera, die jeden dem Tod ausliefert, der von der Kamera fotografiert wird, nicht gut, auch weil das eigentliche Rätsel rund um die Kamera viel zu sehr im Hintergrund steht und erst im letzten Drittel des Filmes in den Fokus rückt. Bis dahin tritt die Story meist auf der Stelle und das, obwohl die verschiedenen Protagonisten schnell von der übernatürlichen Natur der Sache überzeugt sind. Die für entsprechende Horrorfilme so nervigen „ich glaube dir/euch nicht, das ist doch nicht möglich“-Momente bleiben einem daher immerhin erspart. Die Rolle der Nervensäge übernimmt stattdessen Devin (Keenan Tracy), der sich in Fremdbeschuldigungen ohne Grundlage ergeht und den Rest der Gruppe rund um die Protagonistin Bird (Kathryn Prescott) auch schon einmal unnötig in Gefahr bringt. Möge er doch die Klappe halten, denkt man, was für einen Horrorfilm kein gutes Omen ist. Und dann sagt er auch noch: „Ich komme gleich wieder.“ „Scream“ (1996) wäre stolz.

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Der Film denkt zudem kaum über standardisierte Genremuster hinaus. Die zahlreichen Jump-Scares sind in vielen Fällen maßgeblich antizipierbar, es fehlt meist an Ideen, sie wirklich erschreckend zu machen. Immer wieder läuft es so ab: Irgendetwas Ungewöhnliches passiert, eine Figur geht dem Ganzen nach, hinter ihr bewegt sich etwas, Umschnitt auf das Gesicht der Figur, Soundebene wird leise, 3, 2, 1 – Schreckmoment. Der Film macht es sich dabei selbst sehr leicht, indem natürlich fast jede Person, die dies betrifft, die Existenz von Lichtschaltern vergisst. Einmal lässt sich das eventuell noch verzeihen, doch drei, vier, fünf Mal? Nicht einmal eine dramaturgische Erklärung wird geboten, wie beispielsweise Stromausfälle oder eine Manipulationen des Stromnetzes. Nein, im Dunkeln lebt es sich anscheinend leichter. Und es stirbt sich häufiger. Auch hier sei der Verweis auf „Lights Out“ erlaubt, der seinen Charakteren einen gesunden Menschenverstand mit an die Hand gab und trotzdem ein guter Film war. Was passiert, wenn im Bad das Licht anfängt zu flackern und man bereits weiß, dass eine übernatürliche Entität im Haus ist? Richtig, man geht einfach aus dem Raum. Teresa Palmer macht es vor.

Auch inszenatorisch weiß Klevberg offensichtlich nicht, was er mit seinem Breitwandformat anfangen soll. Zwar gibt es durchaus einige gelungene Einstellungen, doch alles in allem ist das zu wenig, um eine kohärente und vor allem spannende Atmosphäre erzeugen zu können. Sogar solche Szenen, die geradezu nach einem Spiel mit verschiedenen Bildebenen rufen, sind eher einfallslos inszeniert. Die spannendste Idee des Filmes, dass alles, was man mit den Fotos anstellt, sich auf die darauf Abgebildeten überträgt (so wird an einer Stelle versucht, das Foto einfach zu verbrennen, mit dem Resultat, dass der Arm der fotografierten Person Feuer fängt), wird kaum weiter verfolgt und ist lediglich am Ende relevant, wobei die Charaktere natürlich sehr lange brauchen, bis sie zur Auflösung kommen. Fotos, die den Tod einer Figur prognostizieren: Das hatte „Final Destination 3“ (2006) deutlich spannender und kreativer hinbekommen.

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Am Ende geht alles wieder seinen geordneten Gang, das Trauma ist bekämpft, die Vaterfigur ist überwunden, das Halstuch ist ab (dieser Kommentar wird nach Sichtung des Filmes verständlich) und das Vertrauen in staatliche Institutionen ist wiederhergestellt. „Polaroid“ lässt auch noch den kleinsten Teil Subversion vertrocknen, der eigentlich schon nicht wirklich einer gewesen wäre. Und das Analoge? Ließen sich einige Szenen als Ansatz eines Kommentars auf technischen Fortschritt lesen (so weiß die oberflächlich-fiese KlischeeMitschülerin natürlich nicht, dass man Polaroid-Fotos an der Luft schwenken muss, um sie zu entwickeln), verpufft all dies jedoch wie ein Blitzlicht in der Sommersonne. Die implizite Verknüpfung des negativen emotionalen sowie historischen Ballastes der Vergangenheit mit analoger Technik ist eine problematische Sicht des Filmes auf die gesellschaftlichen Gegebenheiten, denn das Analoge bedeutet im Gegensatz zum Digitalen vor allem eines: Freiheit.

Autor: Jakob Larisch

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Manhattan Queen (2018/2019) Review

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Als „Manhattan Queen“ mit Jennifer Lopez angekündigt wurde, dürften sich viele gefragt haben, ob sie den Film nicht schon längst gesehen hätten. Angesichts des Titels und des Plots – Lopez‘ Figur nimmt eine falsche Identität an und wird Teil der High Society – ist das auch kein Wunder. Vor 16 Jahren schlüpfte Lopez in „Manhattan Love Story“ als alleinerziehende Hotelfachfrau Marisa in die Rolle der reichen Caroline, um das Herz des wohlhabenden Politikers Christopher (Ralph Fiennes) zu gewinnen. In Peter Segals („50 Erste Dates“, „Get Smart“) „Manhattan Queen“ spielt Lopez nun die Supermarktangestellte Maya, die beim Identitätswechsel zwar ihren Namen behält, diesem aber einen gefälschten Lebenslauf inklusive Harvard-Abschluss hinzufügt. Im Gegensatz zu Marisa in „Manhattan Love Story“ geht es Maya hierbei allerdings nicht um die Gunst eines Mannes, sondern um beruflichen und sozialen Aufstieg. „Manhattan Queen“, der nun auf Blu-ray und DVD erscheint, verzichtet fast vollständig auf eine Liebesgeschichte und konzentriert sich stattdessen auf die Karriere der Protagonistin und ihre Beziehung zu Kollegin Zoe (Vanessa Hudgens, „Spring Breakers“). Das gender- und gesellschaftskritische Potential, das sich aus der Abkehr vom klassischen Aschenputtel-Plot ergeben könnte, wird jedoch kaum genutzt, und die schablonenhaft anmutenden Charaktere können mit ihren platten Sprüchen und inhaltsleeren Lebensweisheiten weder wirklich erheitern noch ernsthaft berühren.

Maya Vargas (Lopez) arbeitet seit 15 Jahren in einem Value Shop-Supermarkt in Queens. Dank ihrer Erfahrung verfügt sie über viele clevere Ideen und hat ihrer Filiale schon mehrere Umsatzsteigerungen beschert. Als Maya sich um die Stelle der Filialleiterin bewirbt, erhält jedoch ihr Mitbewerber Arthur (Dan Bucatinsky, „Scandal“) den Job, obwohl er kaum Erfahrung und noch weniger Gespür für die Bedürfnisse von Mitarbeiter*innen und Kund*innen mitbringt. Der Grund: Im Gegensatz zu Maya, die als Pflegekind aufgewachsen ist und die Schule früh abgebrochen hat, verfügt Arthur über einen Universitätsabschluss. Als die völlig niedergeschlagene Maya kurz darauf ihren 40. Geburtstag feiert, hat ihr Patensohn Dilly (Dalton Harrod, „The Miseducation of Cameron Post“) eine ganz besondere Geschenkidee. Der IT-Profi erstellt verschiedene Social-Media-Profile, auf denen Maya als Mandarin sprechende Harvard-Absolventin mit perfektem Lebenslauf präsentiert wird. Dank dieser neuen Identität kann Maya einen Job als Topberaterin bei der angesehenen Kosmetikfirma Franklin & Clarke ergattern. Zoe (Vanessa Hudgens), die Tochter des CEOs, steht den originellen Ideen ihrer neuen Kollegin skeptisch gegenüber und fordert sie kurzerhand zum Duell um die beste Naturkosmetiklinie heraus. Während sich Maya kopfüber in die Arbeit stürzt, beginnt es sowohl in der Beziehung zu ihrem Freund Trey (Milo Ventimiglia, „Creed II“) als auch in ihren Freundschaften zu kriseln.

Positiv fällt zunächst auf, dass „Manhattan Queen“ das Konkurrenzverhältnis zwischen Maya und ihrer Kollegin Zoe überaus genreuntypisch inszeniert. Die beiden Frauen überbrücken ihre Differenzen relativ schnell und finden durch Kommunikation auf Augenhöhe zu respektvoller und produktiver Zusammenarbeit. Schon bald stellt sich allerdings heraus, dass die Annäherung letztlich nur als Vorbereitung dazu dient, die in der Vergangenheit liegende Verbindung zwischen den beiden zu offenbaren. Und so liest sich der Bruch mit der Rom-Com-Genrekonvention des klassischen „Zickenkriegs“ zwischen zwei Frauen nicht mehr als mutige Absage an überkommene Geschlechterstereotype, sondern lediglich als wenig raffinierter Kniff, einen zweiten Handlungsstrang in die Geschichte zu integrieren. Auch dass Maya keine Kinder will und deshalb sogar einen Streit mit Freund Trey in Kauf nimmt, ist nicht auf eine bewusste Entscheidung ihrerseits, sondern auf ein Trauma aus ihrer Vergangenheit zurückzuführen. Die Nebencharaktere lassen leider ebenfalls keine Abwendung von stereotypen Vorstellungen erkennen, eher im Gegenteil. Mayas Kolleginnen aus dem Supermarkt (Leah Remini, „King of Queens“, Lacretta, „Gotham“ und Dierdre Friel, „Little Boxes“) sind nicht nur laut und überwiegend korpulent, sondern auch unfähig, Harvard von Hogwarts zu unterscheiden oder mit einem Mann zu sprechen, ohne ihn sofort aggressiv anzuflirten. Ähnlich klischeehaft sind Ariana (Charlyne Yi, „Beim Ersten Mal“) und Chase (Alan Aisenberg, „Orange Is The New Black“), Mayas Mitarbeiter*innen im Kosmetikinstitut, dargestellt. Optisch sofort als typische Nerds erkennbar, bringen sie natürlich auch Zwangsneurosen und spezielle sexuelle Vorlieben mit.

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© Tobis / Universum Film

Wie perfekt sich Maya im Gegensatz hierzu in die Hochglanzwelt des Kosmetikkonzerns einfügt, ist wirklich erstaunlich. Abgesehen von ihrem Lebenslauf muss sie kaum etwas verändern, um sich den selbstbewussten und edel gekleideten Führungskräften anzugleichen. Ihre ohnehin schon perfekte Frisur tauscht sie einfach gegen eine andere perfekte Frisur, und aus ihrem ohnehin schon schicken Outfit wird ein anderes schickes Outfit. Auch ihr Auftreten ist von Beginn an so souverän und ihre Ausdrucksweise so eloquent, dass ihre Mitarbeiter*innen sofort ihre Autorität anerkennen. Doch genau hier liegt leider das größte Problem von „Manhattan Queen“. Mit ihrem natürlichen Habitus passt Maya so hervorragend in ihre neue Umgebung, dass es kaum Reibungspotentiale gibt, aus denen sich amüsante oder spannende Momente ergeben könnten. Mayas Kolleginnen Joan, Suzi und Big Ant hätten mit ihrer saloppen Ausdrucksweise und ihren fülligeren Figuren mit Sicherheit für größere Aufruhr in der steifen High Society gesorgt und dem Publikum von „Manhatten Queen“ damit bestimmt auch mehr Spaß beschert.

Gleichzeitig wirft „Manhattan Queen“ aber eine interessante Frage auf, nämlich die, ob die hohe Bedeutung, die Bildungsabschlüssen für gesellschaftlichen Aufstieg zugewiesen wird, überhaupt gerechtfertigt ist. Aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung weiß Maya genauso gut wie (oder sogar besser als) ihre studierten Kolleg*innen, wie sich Kosmetikprodukte optimal vermarkten lassen. Auch die zahlreichen Zusatzqualifikationen von Arthur (Mayas Konkurrent im Rennen um die Filialleitung im Supermarkt) erweisen die sich in der Realität als vollkommen nutzlos. Als der zertifizierte Spezialist für Teambildung seine Mitarbeiter*innen mit einem Baguette zu Rittern einer eingeschworenen Tafelrunde schlagen will, erntet er nur verwirrte Blicke. Mayas IT-begabter Patensohn Dilly macht eigentlich einen guten Punkt, während er laut darüber nachdenkt, sein Studium in Standford zu schmeißen: „Warum vier Jahre vergeuden für ein Papier, auf dem steht, dass ich etwas machen kann, das ich jetzt schon draufhabe?“ Mayas Chef Mr. Weiskopf (Larry Miller, „Get Smart“) scheint die Antwort darauf jedenfalls nicht zu kennen. Als Maya ihn fragt, wieso sie unbedingt einen Uniabschluss benötigt, um Filialleiterin zu werden, wechselt er einfach schnell das Thema. Die in gewisser Hinsicht wohl durchaus berechtigten Zweifel am Sinn hoher Bildungsabschlüsse konsequent weiterzuverfolgen, traut sich „Manhattan Queen“ dann aber doch nicht. Mit einer kurzen Ansprache kann Maya Dilly davon überzeugen, sein Studium fortzusetzen und „nicht die gleichen Fehler“ wie sie zu machen. Und als ihr eigener Schwindel schließlich auffliegt, kann sie den Job in der Kosmetikfirma nicht behalten, obwohl sie dieser Millionen eingebracht hat.

So gut sich Maya in der „oberen Liga“ auch geschlagen hat: aufgrund ihrer Herkunft und ihres Lebenslaufs kann sie eben doch nie wirklich dazugehören. Die Binsenweisheiten, die Maya und ihre Freunde unentwegt herunterbeten („Nur einer ist dazu fähig, dich aufzuhalten. Du selbst“ oder „Es sind nicht unsere Fehler, die uns im Weg stehen, sondern unsere Ängste“) erscheinen angesichts dessen nicht nur einfallslos, sondern schon fast zynisch. Denn es sind ja eben nicht Mayas Fähigkeiten oder ihr Verhalten, sondern gesellschaftliche Strukturen und Erwartungen, die ihrem beruflichen und sozialen Aufstieg entgegenstehen. Welche Rolle es spielt, dass Maya nicht nur Schulabbrecherin, sondern auch eine Woman of Color ist, wird leider nicht thematisiert, obwohl hierüber sicherlich einiges hätte gesagt werden können. Dass Maya letztendlich trotzdem glücklich wird (durch eine wie aus dem Nichts auftauchende Lösung), versteht sich von selbst.

© Tobis / Universum Film

© Tobis / Universum Film

Ein Stück weit retten kann sich „Manhattan Queen“ dank seiner engagiert aufspielenden Darsteller*innen. Neben Jennifer Lopez verstehen es vor allem Leah Remini, Charlyne Yi und Alan Aisenberg, ihren schablonenhaft angelegten Charakteren wenigstens einige individuelle Züge zu verleihen und auch in den komödiantisch am wenigsten gelungenen Momenten einen gewissen Charme zu versprühen. Insgesamt ist „Manhattan Queen“ jedoch trotz seiner gut aufgelegten Darsteller*innen sowie einiger interessanter Gedanken zur Frage, was Qualifikation eigentlich wirklich bedeutet, eine wenig amüsante und deutlich zu zahme Komödie, die kaum lange im Gedächtnis bleibt.

Autorin: Johanna Böther

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Podcastserien: Game of Thrones (Staffel 8, Folge 4 & Folge 5) – Die Letzten der Starks & Die Glocken

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Meggy Missandei, Mamon Targaryen und Torsten Starkske führen die Therapiesitzung für die letzte Staffel Game of Thrones fort. Es wird gnadenlos gespoilert.

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Podcastserien: Game of Thrones (Staffel 8, Folge 3) – Die lange Nacht

© Helen Sloan / HBO

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Meggy Melisandre, Mamon Targaryen und Torsten Starkske führen die Therapiesitzung für die letzte Staffel Game of Thrones weiter. Es wird gnadenlos gespoilert.

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Brawl in Cell Block 99 (2018/2019) Review

© capelight pictures

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Das deutsche Jugendschutzrecht ist schon ein unnachgiebiger Geselle. In wohl keinem anderen Land Europas kann die Freigabe eines Filmes für Erwachsene aus Gründen der Jugendgefährdung verweigert werden. Wenn in Großbritannien ein Film von der dortigen Prüfstelle BBFC ab 18 Jahren freigegeben wird, so geht man davon aus, dass er nicht für Jugendliche, sondern ausschließlich für Erwachsene geeignet ist. In anderen Ländern liegen die Grenzen noch niedriger: Die höchste Freigabe für Spielfilme in den Niederlanden und in Frankreich ist diejenige ab 16 Jahren. In Deutschland hingegen unterscheidet das Jugendschutzgesetz (JuSchG) zwischen einer Jugendbeeinträchtigung sowie einer einfachen und einer schweren Jugendgefährdung. Filme, die von der deutschen Freigabeinstanz FSK als schwer jugendgefährdend eingestuft werden, erhalten weder für eine Kino- noch für eine Heimkinoveröffentlichung eine Freigabe; Filme, die als einfach jugendgefährdend eingestuft werden, erhalten zwar eine Freigabe „ab 18“ für eine Kino-, jedoch keine für eine Heimkinoauswertung. Nur solche Filme, die für alle Alterskohorten unter 18 Jahren als lediglich jugendbeeinträchtigend angesehen werden, bekommen für das Heimkino die höchste Freigabe. Dies folgt der Annahme, dass es für Jugendliche (potenziell) einfacher ist, einen Film für das Heimkino zu erwerben als einen nur für Erwachsene freigegebenen Film nach einer doppelten Überprüfung (Kasse und Ticketkontrolle) im Kino rezipieren zu können. Doch wäre damit de facto nicht nur das komplette Freigabesystem der Widersinnigkeit ausgesetzt, auch stellt sich im Sinne eines möglichst ungehinderten Zugangs zu kulturellen Erzeugnissen die Frage, warum eine Freigabe für Erwachsene nach Maßstäben der Jugendgefährdung gefällt wird.

Filmen ohne FSK-Freigabe ist aufgrund von Selbstverpflichtungsmaßnahmen deutscher Kinoverleiher und -betreiber eine Kinoauswertung versperrt, allerdings steht es jedem Verleih oder Heimkinolabel frei, seine Filme ungeprüft in den Handel zu bringen. Doch geht damit eine enorme Rechtsunsicherheit einher, denn bei einem später festgestellten Verstoß gegen eventuelle Strafrechtsnormen (beispielsweise § 131 des Strafgesetzbuches, der bestimmte Formen der Gewaltdarstellung unter Strafe stellt), wird kein so genannter „strafloser Verbotsirrtum“ mehr angelegt, so dass man als Verleih daher in vollem Umfang strafrechtlich haftbar gemacht werden kann. Eine Möglichkeit, dem zu begegnen, besteht in einem Gang zur Juristenkommission der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO/JK). Diese kann zwei weitere Kennzeichen vergeben: „SPIO/JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung“ (im Falle einer einfachen Jugendgefährdung) oder „SPIO/JK: strafrechtlich unbedenklich“ (im Falle einer schweren Jugendgefährdung). Im Gegensatz zu von der FSK freigegebenen Filmen können solche mit SPIO/JK-Freigabe jedoch im Anschluss durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert werden (womit Werbe-, Präsentations- und Verbreitungsverbote sowie folglich die dezidierte Einschränkung der Möglichkeit einer Kenntnisnahme entsprechender Werke einhergehen), im äußersten Fall kann sie gar ein Verbot ereilen, jedoch ist man in diesem Fall als Verleih immerhin vor Strafverfolgung geschützt. Auch wenn die FSK in den letzten Jahren deutlich liberaler wurde, so gibt es immer noch vereinzelt Filme, die mit einer SPIO/JK-Freigabe in den Handel kommen, zuletzt beispielsweise der indonesische Actionfilm „Headshot“ (2016), „Death Race: Anarchy“ (2018) oder eben „Brawl in Cell Block 99“. Dass capelight pictures sich jüngst die Mühe gemacht hat, den mit Kosten verbundenen Gang zur SPIO/JK anzutreten, ist ihnen dabei hoch anzurechnen, da im Falle einer möglicherweise später erfolgenden Indizierung Umsatzeinbußen durchaus im Rahmen des Möglichen sind.

„Brawl in Cell Block 99“ bekam dabei das Siegel „keine schwere Jugendgefährdung“, weist nach Meinung der SPIO/JK also lediglich eine einfache Jugendgefährdung auf. Doch was ist damit gemeint? Ein Blick in § 18 des JuSchG schafft Abhilfe. Dort werden sowohl „unsittliche, verrohend wirkende, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizende Medien“ als einfach jugendgefährdend klassifiziert wie auch „Medien in denen
1. Gewalthandlungen wie Mord- und Metzelszenen selbstzweckhaft und detailliert dargestellt werden
2. Selbstjustiz als einzig bewährtes Mittel zur Durchsetzung der vermeintlichen Gerechtigkeit nahe gelegt wird.
Der Begriff des Unsittlichen ist mit Blick auf den vorliegenden Film vermutlich auszuschließen, ebenso wie das Anreizen zu Verbrechen oder Rassenhass. Vielmehr dürften Faktoren in Frage kommen, die sich auf die Darstellung von Gewalt beziehen, denn „Brawl in Cell Block 99“ ist ein stellenweise enorm brutaler Film. Doch der Reihe nach: Wie wird das Ganze kontextualisiert?

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Ein Großteil der teils eruptiv auftretenden Gewalt ist erst in der zweiten Hälfte bzw. insbesondere im letzten Drittel des Filmes zu sehen. Zuvor handelt es sich um ein teils durchaus realistisch grundiertes Charakterdrama um den arbeitslos gewordenen Bradley (Vince Vaughn), der beginnt, als Drogenkurier zu arbeiten, auch um seine Ehe zu retten. Nachdem ihn dies wieder finanziell auf Vordermann bringt und seine Frau Lauren (Jennifer Carpenter) schwanger ist, geht jedoch eine Drogenübergabe schief, so dass Bradley ins Gefängnis kommt. Da der Auftraggeber jedoch viel Geld verloren hat, wird Bradley erpresst und muss dafür sorgen, dass er in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt wird, um dort einen Auftragsmord zu begehen. Der Film ist hierbei in kalten, meist blau- oder grünstichigen Bildern gehalten, wobei die Einstellungen in der Regel genau durchkomponiert sind und Musik nur minimalen Einsatz findet. Die Trostlosigkeit des Vorstadtlebens am unteren Ende der Mittelklasse wird greifbar, ebenso die Verzweiflung, die Bradley umtreibt, (wieder) zum Drogenkurier zu werden. Ein latent sozialkritischer Unterton kommt hier zum Vorschein, jedoch nie forciert, sondern stets sehr zurückhaltend und gerade deshalb so effektiv. Die eingestreuten Verweise auf US-Flaggen und Patriotismus unterstützen dabei den Subtext, dass die politischen Strukturen solche Menschen mit ihren Problemen schon lange allein lassen. Bradley ist jedoch kein stereotyper Redneck, sondern trotz seines Hangs zu schnellem Ausrasten (der sich allerdings nie gegen seine Frau richtet) eine zwar einfach gezeichnete, aber dennoch komplexe Figur, die durchweg als Identifikationsplattform dient und taugt.

Nachdem er ins Gefängnis kommt, wandelt sich die Atmosphäre des Filmes, er wird noch düsterer, noch brutaler und teils auf eine stimmige Weise absurd, insbesondere nach Bradleys Transfer in das Hochsicherheitsgefängnis. Dass seine Kleidung hierbei an Gefangene im US-Militärgefängnis Guantanamo erinnert, dass Folter eine Rolle spielt und das Gefängnis auf fast schon entrückte Weise in einer alten Burganlage situiert ist, die auch aus einem Film über Hexenverbrennungen stammen könnte, unterstützen den inquisitorischen Impetus der Vertreter staatlichen Handelns: Hier soll jemand ihrer Meinung nach nicht nur eine Strafe für ein Verbrechen absitzen, hier soll jemand leiden. Dementsprechend ist der Gefängnisaufseher (Don Johnson) auch ein ausgemachter Sadist. Dass die Fehler staatlichen Handelns, die ökonomischen Zusammenhänge, die beispielsweise Bradley erst seinen Job gekostet haben, nicht in den Dialogen erwähnt werden, ist da nur folgerichtig, werden sie doch im gesellschaftlichen Diskurs ebenfalls tagtäglich ausgeblendet. Dies heißt jedoch nicht, dass sie nicht vorkommen, nur thematisiert „Brawl in Cell Block 99“ sie trotz seiner teils schockierenden Heftigkeit schlicht deutlich subtiler.

Zu der abgründigen Stimmung passt das Auftreten von Vince Vaughn als Bradley. Meist bewegt er sich auch in emotional schwerwiegenden Momenten mit äußerster Ruhe und seine Fähigkeiten im Nahkampf sind derart bemerkenswert, dass sie auch nicht mit einem Verweis darauf erklärt werden können, dass er mal geboxt habe. Es gibt einiges an Schlägereien in diesem Film und wenn Bradley kurzerhand drei Gangmitglieder auf dem Gefängsnishof ausschaltet, dann ist das nicht nur exzellent choreografiert, ohne dabei in Martial-Arts-Unsinn abzugleiten, zudem tragen die meist statischen Bilder zu einer Form des Realismus bei, wo eigentlich keiner zu finden ist. Regisseur S. Craig Zahler schneidet nicht wie wild umher, sondern beobachtet scheinbar die Gewalthandlungen von außen. Die entsprechenden Szenen entwickeln auf diese Weise eine ganz eigene Kraft, so dass sich die erstaunlichen Kampfkompetenzen Bradleys in das teils irreal scheinende und doch nie den Kontakt zur Realität verlierende Szenario vollkommen einpassen. Der Film ist in der Folge auch deshalb enorm geradlinig erzählt, hält sich nicht lang mit Nebenschauplätzen auf, sondern fokussiert sich maßgeblich und sehr wirkungsvoll auf das Ausarbeiten seiner Story.

Zurück zur Jugendgefährdung. Gerade einige Auseinandersetzungen gegen Ende des Filmes sind von enormer und sehr drastischer Brutalität gekennzeichnet, die jedoch niemals in die Länge gezogen wird. Die Folgen der Gewalt werden letztlich realistisch bebildert und eigentlich ist doch genau dies wünschenswert: Gewalt in ihrer ganzen schockierenden Auswirkung zu zeigen. Ob diese Darstellungen folglich verrohend oder zu Gewalttätigkeit anreizend wirken (ersteres bezieht sich auf die Formung des Charakters, zweites auf mögliche nach außen gerichtete Handlungen), mag bezweifelt werden, zumal das Szenario sehr weit weg von der Lebensrealität deutscher Jugendlicher liegen dürfte. Gewalt wird dabei zu keiner Stelle affirmiert, zumal Bradley stets auf äußere Gegebenheiten reagiert und nicht von sich selbst aus tätig wird. Er ist quasi ein Gefangener der Umstände, seine Wahl ist nur eine Pseudo-Wahl: Verliere alles oder verliere dich selbst.

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Nächster Punkt: Selbstzweckhafte Gewaltdarstellungen? Was auch immer genau darunter zu verstehen ist; so wohnt Film als Medium ein gewisses selbstzweckhaftes Moment stets inne. Die US-amerikanische Filmtheoretikerin Kristin Thompson nannte dies einst den „Exzess“: Ab dem Moment, in dem die Motivation für einen bestimmten filmischen Faktor in den Hintergrund trete oder ganz fehle, könne man von Exzess sprechen. Eine sinnvolle Definition, denn Film ist kein rein erzählendes Medium: Natürlich braucht man Verfolgungsjagden im Actionfilm nicht, um die Handlung zu verstehen, doch stechen sie als ein Moment des Spektakels heraus. Ähnlich verhält es sich mit Momenten der Darstellung von Gewalt, die aus Gründen falsch verstandener Moral im öffentlichen Diskurs deutlich öfter angegangen werden. Eine drastische Darstellung von Gewalt greift indirekt auch den Körper des Zuschauers an, gegen derart somatische Empfindungen kann man sich kaum wehren. Die Kunst kontrolliert folglich den Körper, ein Dorn im Auge kulturkonservativer Apologeten, die andersherum am liebsten die Kunst kontrollieren würden, damit ja nichts Subversives an die Oberfläche drängt.

Nun thematisiert „Brawl in Cell Block 99“ jedoch durchaus Selbstjustiz, in welcher Form genau, soll an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen nicht ausgeführt werden. Auch hier ist die FSK in den letzten Jahren sehr viel liberaler geworden, so wurde der jahrelang indizierte „Ein Mann sieht rot“ (1974) kürzlich vom Index gestrichen und in der Folge ab 16 Jahren freigegeben. Auch Filme wie „96 Hours“, „John Wick“ oder „The Equalizer“ wären vor 20 Jahren garantiert nicht unbeschadet durch die Altersfreigabeprüfung gekommen. Warum also „Brawl in Cell Block 99“? Ein nicht ganz von der Hand zu weisendes Argument ist hierbei, dass in den genannten drei zeitgenössischen Beispielen die Selbstjustiz ausübenden Akteure stets Ex-Auftragsmörder, Ex-Agenten oder Ex-Polizisten waren und somit in einen eindeutig der Realität enthobenen Kontext gestellt wurden. Dies ist zwar bei „Ein Mann sieht rot“ schon anders, doch dürften hier veränderte Zeitumstände eine Rolle gespielt haben. Bradley hingegen ist letztlich ein normaler Bewohner suburbaner Gegenden, auch wenn seine Fähigkeiten wie erwähnt in einigen Fällen (bewusst) über ein realistisches Maß hinausgehen. Doch dürfte das letzte Drittel des Filmes nicht zuletzt wegen seiner teils irrealen Stimmung wiederum keine Überschneidungen zur bereits erwähnten Lebensrealität von Jugendlichen aufweisen. Auch kommt hier wieder die Frage nach einer Wahl an Handlungsmöglichkeiten zum Tragen: Natürlich hat Bradley eine Wahl, doch ist diese Wahl erneut eine Nicht-Wahl. Sie steht sinnbildlich für das Scheitern staatlicher Strukturen, hier maßgeblich repräsentiert durch den Strafvollzug, und für ein Misstrauen gegenüber der momentanen Ausformung solcher Strukturen. Die Frage ist, ob eine politische Kontextualisierung an dieser Stelle nicht sinnvoll wäre und seitens der jugendschutzrechtlichen Institutionen ermöglicht werden sollte. Anstatt dort jegliches Misstrauen gegenüber staatlichen Strukturen als Untergraben der eigenen demokratischen Struktur zu bewerten (was in dieser simplifizierten Kausalität zudem keinesfalls stimmt, man kann staatliche Strukturen kritisieren und gleichzeitig für demokratische Strukturen plädieren), könnte man die Gründe für eine solche Kritik elaborieren, bewerten, erarbeiten, selbst dann, wenn man ihnen nicht zustimmt. Das reflexhafte Beargwöhnen von Selbstjustiz scheint jedoch mit einer Angst vor der eigenen Courage zusammenzuhängen: Denn wenn unser demokratisches Gemeinwesen nicht in der Lage ist, mit solchen kulturellen bzw. filmischen Tendenzen offen umzugehen, sie sachlich einzuordnen und gegebenenfalls argumentativ an sich abprallen zu lassen, dann sollten wir uns Gedanken über die Verfasstheit und Stabilität unserer Gesellschaft machen. Vielleicht ist „Brawl in Cell Block 99“ in der Tat an einigen Stellen zu explizit bzw. drastisch in seiner Darstellung, um ihn Jugendlichen zugänglich zu machen. Dann ist er jedoch weder verrohend noch zu Gewalttätigkeit anreizend, sondern eher potenziell traumatisierend. Nicht für jeden, aber die Möglichkeit kann nicht ausgeschlossen werden. Vielleicht sollte man Jugendschutz weniger nach außen auf den Rest der Gesellschaft richten, sondern eher nach innen und einfach wörtlich nehmen: Die Jugend schützen, vor Einflüssen, die nicht ganz stabile, weil noch in der Entwicklung befindliche zerebrale Strukturen schädigen können (nicht müssen). Doch liegt der Fehler hierbei im System: Eine Altersfreigabe ab 18, ja. Nur für Volljährige, vollkommen in Ordnung. Doch dann aber 1) ungeschnitten und dies 2) mit dem Segen einer Altersfreigabebehörde, die sich nicht einer skurrilen und latent willkürlichen Trias mehrerer Stufen von Jugendbeeinträchtigung bzw. -gefährdung herumschlagen muss. Man sollte mehr Vertrauen haben, in die Jugend wie gleichermaßen in die Strukturen, die sie hervorbringen. Und wenn man dieses Vertrauen nicht hat: einfach die Strukturen stärken anstatt nur Symptome mit Hilfe kulturpolitischer Einschränkungen zu bekämpfen.

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Die Edition: Nachdem Universum Film zuvor eine geschnittene Fassung mit FSK-Segen veröffentlicht hat, in der jedoch viele Gewaltspitzen und nahezu der komplette Handlungsstrang um das Ausüben von Selbstjustiz fehlten, bringt capelight pictures nun die ungeschnittene Fassung von „Brawl in Cell Block 99“ in der altbewährten Mediabook-Reihe auf den deutschen Markt, mit „leichter“ SPIO/JK-Freigabe, die bis zu einer etwaigen Indizierung sogar frei in den Läden stehen darf, was die innere Logik des JuSchG vollkommen ad absurdum führt (siehe den ersten Absatz), wobei die Wahl zwischen einer 4K-UHD-Blu-ray sowie einer Standard-Blu-ray geboten wird. Das Booklet stammt gewohnt informativ und lesenswert von Marcus Stiglegger, als Bonus gibt es ein Q&A mit Cast und Crew sowie ein Making-Of.

Autor: Jakob Larisch

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KurzCast #21 Der Fall Collini

© Constantin Film

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um Romane von Ferdinand von Schirach, um das Schauspiel von Elyas M’Barek und um die etwas aufdringliche Gestaltung von Soundtracks in deutschen Filmen. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Der Fall Collini“!

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Podcastserien: Game of Thrones (Staffel 8, Folge 2) – Ein Ritter der Sieben Königslande

© HBO

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Mamon the Mountain, Meggy Martell und Torsten Starkske führen die Therapiesitzung für die letzte Staffel Game of Thrones weiter. Es wird gnadenlos gespoilert.

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Podcastserien: Game of Thrones (Staffel 8, Folge 1) – Winterfell

© HBO

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Laszlo Martell, Mamon of Tarth und Torsten Starkske beginnen die Therapiesitzung für die letzte Staffel Game of Thrones. Es wird gnadenlos gespoilert.

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KurzCast #20 Hellboy: Call of Darkness

© Universum Film

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um schlechte CGI-Effekte, richtig schlechte CGI-Effekte und ein vollkommen inkonsistentes Drehbuch. Was für eine Erfahrung! Dies und weiteres in unserer Episode zu „Hellboy: Call of Darkness“!

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Quigley der Australier (1990) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

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Der Western: das ur-amerikanische Genre schlechthin. Von der Herausbildung einer eigenen staatlichen Identität wird erzählt, errungen durch den langwährenden Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei. So zumindest das Bild vieler romantisierender Western, das mit dem Aufkommen des Italowestern in den 1960er-Jahren erstmals Risse erfuhr. Ambivalente Helden gab es dort, denen es meist eher ums Geld als um die Prinzipien ging. Und ein Western wie Clint Eastwoods „Ein Fremder ohne Namen“ (1972) verortete die Barbarei dann auch nicht mehr auf Seiten der Indianer (die in dem Film gar nicht vorkommen), sondern auf Seiten der (eigentlich) zivilisierten Stadtbewohner. Das Genre entwickelte sich, es gibt Spätwestern, Antiwestern und Filme, die Motive des Western aufgreifen (beispielsweise „Brokeback Mountain“) oder den Western in die urbane Gegenwart verlegen: der so genannte Großstadtwestern wie „Assault – Anschlag bei Nacht“, „Coogans großer Bluff“ oder „Die Warriors“. Auch die deutschen Karl-May-Verfilmungen lassen sich im weitesten Sinne als Western klassifizieren. Doch was geschieht, wenn man den Western nicht nur auf Produktionsseite in andere Länder verlegt (und dann beispielsweise in Kroatien oder Spanien dreht), sondern auch inhaltlich ein anderes Land bespielt? Diese Idee nimmt sich „Quigley der Australier“ vor, der – wie der deutsche Titel es vermuten lässt – die Westernmythologie nach Australien verlegt, dabei zentrale Bestandteile bewahrt, aber dennoch einiges anders macht.

Gleich bleibt die Figur des Westernhelden, der auch hier ein US-Amerikaner ist. Matthew Quigley (Tom Selleck, wie immer mit „Magnum“-Schnauzer), einer der besten Schützen des Westens, kommt nach Australien, um dort auf der Farm von Elliot Marston (Alan Rickman) als Wächter zu arbeiten. Dachte er ursprünglich, es ginge um die Jagd von wilden Tieren, um das Wild zu schützen, so zeigt sich, dass Marston ihn eigentlich eingestellt hat, um die auf seinen Ländereien befindlichen einheimischen Aborigines zu töten. Quigley weigert sich und wird gemeinsam mit der „verrückten Cora“ (Laura San Giacomo) ausgesetzt, die ihn immer wieder für ihren verstorbenen Mann zu halten scheint. Doch sie überleben, woraufhin Quigley sich Rache schwört. Der Film ist folglich recht simpel, aber sehr effektiv strukturiert. Interessant ist hierbei eine für den Spätwestern typische Identifikationsverschiebung: So sind die angeblich „zivilisierten“ Australier rund um Alan Rickman ziemlich widerwärtige und sadistische Ekel und auch die dort stationierte britische Armee ist nicht besser. Hingegen werden die australischen Ureinwohner ausnahmslos positiv besetzt und stellen mehr als einmal eine Hilfe für Quigley und Cora dar. Aufgrund der Sprachbarriere, die der Film nicht überwindet, finden hierbei zwar keine tiefgreifenden Charakterisierungen statt, doch werden die Aborigines mit einigen wenigen Zügen als eine friedliebende und in Harmonie mit der Natur lebende Gemeinschaft gezeichnet. Zwar stellt „Quigley der Australier“ die große systemische Frage wie auch viele eigentlich durchaus kritische US-Western nicht; dass es sich nämlich in den USA wie in Australien (und Neuseeland und Südamerika und…) eigentlich von vornherein um das Land der Ureinwohner handelt, das ihnen rechtswidrig weggenommen wurde, doch nimmt er das Verhältnis von Natives und westlichen Siedlern immer noch verhältnismäßig progressiv in den Blick. Dass dann aber derjenige, der als Retterfigur auftritt, natürlich ein US-Amerikaner ist und man nicht von vornherein den Konflikt inner-australisch halten konnte; nun gut. Immerhin ist er ab und an auf die Ureinwohner angewiesen und auch Cora bekommt ihre Momente, in denen sie aktiv ins Geschehen eingreifen darf.

© capelight pictures

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Der Film geht recht schnell in medias res, so dass der Schwenk hin zu einem Rachewestern rasch vollzogen ist. Marston merkt sehr bald, dass Quigley nicht tot ist und schickt immer wieder neue Leute auf die Suche, die Quigley stets auszuschalten vermag. Der Kreis zieht sich nach und nach enger um die Farm und auch wenn letztlich immer klar ist, wie der Film endet, so vermag „Quigley der Australier“ aufgrund der einer-nach-dem-anderen-Dramaturgie, in der auch nicht immer alles glatt läuft für den Protagonisten, konstant seine Spannung zu halten: Es ist weniger die Frage nach dem Was, als vielmehr die Frage nach dem Wie, die der Handlung ihre Motivation gibt. Quigley ist letztlich so etwas wie ein aus der Zeit gefallener Superheld: Er kann mit seinem aufgerüsteten Gewehr schier irrsinnig gut schießen, was er auch immer wieder unter Beweis stellt, findet aus den meisten brenzligen Situationen einen Ausweg und ist nebenbei noch moralisch integer.

„Quigley der Australier“ hat zwar einige äußerst dramatische, aber immer wieder auch humorige Momente, gerade im Rahmen der Reibereien und Wortgefechte zwischen Quigley und Cora, die beide wie in einer RomCom erst merken müssen, dass sie eigentlich ziemlich gut zueinander passen. Der Film ist ein äußerst unterhaltsamer Quasi-Western mit einer politisch durchaus progressiven Note, sehr guten Darstellern und immer wieder fantastischen Bildern, die erneut unter Beweis stellen, dass es sich atmosphärisch lohnt, on location zu drehen und Studiokulissen zu vermeiden.

© capelight pictures

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Die Edition: capelight pictures veröffentlicht „Quigley der Australier“ in der altbekannten und -bewährten Mediabook-Reihe im schicken matten Look, wie immer mit Booklet (zudem erscheint der Film als Single-DVD). Als Bonus gibt es ein Interview mit Cora-Darstellerin Laura San Giacomo, ein sehr interessantes Featurette über die Waffen des Filmes und die Frage ihrer historischen Akkuratesse sowie die üblichen Trailer.

Autor: Jakob Larisch

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Trash Talk Reboot #9 Captain Marvel

© Disney / Marvel

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Laszlo, Meggy und Torsten klettern ohne Hilfsmittel in die höchsten Filmsphären des MCU und der diesjährigen Oscarverleihung

Review: „Captain Marvel“
00:00:00 – 01:03:00

Review: „Green Book“
01:03:00 – 01:32:45

Review: „Free Solo“
01:32:46 – 02:03:11

Besetzung: Torsten, Meggy und Laszlo

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Between Worlds (2018/2019) Heimkino-Kritik

© EuroVideo Medien

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Der Oscar-Gewinner Nicolas Cage kann schon auf eine interessante Karriere zurückblicken. Zunächst startete Cage seine Karriere als Schauspieler in Indie-Filmen bekannter Regisseure, wie z.B. seines Onkels Francis Ford Coppola, den Coen-Brüdern oder Alan Parker, bis er eben jenen heißbegehrten Academy Award für seine Rolle in „Leaving Las Vegas“ (1995) bekam. Mitte der 90er drehte Cage dann kurz hintereinander drei Action-Streifen: „The Rock“ (1996), „Con-Air“ (1997), „Face/Off“ (1997), die in jede gut sortierte 90er-Jahre-Filmecke gehören. Im Anschluss diffundierte Cage zwischen Action und Drama hin und her, dabei wechselten sich Flop und Erfolg immer wieder ab. Seine filmischen Wutausbrüche, der blanke Wahnsinn seines Spiels sowie die ausladenden Gesten ließen ihn darüber hinaus im Social-Media-Zeitalter zu einem Meme werden. Mittlerweile hat in puncto Rollenauswahl und Schauspiel der Dr. Jekyll in Cage mehr und mehr die Überhand gewonnen und angesichts des hohen Arbeitspensums scheint er fast nur noch Angebote zu bekommen, die man nicht ablehnen kann. Entweder das oder die Messlatte liegt inzwischen recht tief.

„Between Worlds“ ist nun also der nächste Eintrag in sein „Direct-to-DVD/VoD“-Oeuvre. Cage kann man aber im Gegensatz zu anderen Pionieren dieses Sektors nicht vorwerfen, dass er immer den gleichen Film drehen würde. So ist auch „Between Worlds“ zwar wahrlich kein guter Film, aber auch keiner von der Stange. Nicolas Cage spielt den Fernfahrer Joe, der eines Tages auf einer Tankstellen-Toilette Julie (Franka Potente) vor dem Würgeangriff eines älteren Mannes rettet. Doch ist diese ihm dafür nicht dankbar, denn Julie ist ein Medium, sie kann Kontakt zu Geistern aufnehmen und wollte ihrer Tochter Billie (Penelope Mitchell) das Leben retten, die gerade auf der Intensivstation eines Krankenhauses liegt. Voraussetzung dafür ist, dass sie selbst eine Nahtoderfahrung erleidet und der übliche Weg dabei ist es, Julie zu würgen. Trotzdem freunden sich Julie und Joe an und beginnen eine Affäre, da beide ihren jeweiligen Partner verloren haben. Als Billie gesund und munter wieder nach Hause kommt, scheint sie allerdings irgendwie verändert und dann beginnt „Between Worlds“ eine Mischung zwischen „Ghost Whisperer“ (2005-2010) und „Das Biest“ (1993) zu werden.

© EuroVideo Medien

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„Between Worlds“ ist insgesamt ein Erotik-Thriller geworden, der sich nur lohnt, um seine Fähigkeit zu schulen, schnell Filme zu vergessen. Sicherlich ist die hanebüchene Story eher symbolisch als wortwörtlich zu interpretieren, dennoch bleibt der Zuschauer letztendlich mit der Frage zurück, was denn dieser Film nun eigentlich sollte. Unterhaltsame Cage-Momente sind natürlich auch hier zu bewundern, trotzdem gibt es auch dafür wesentlich prägnantere Filme. Man muss allerdings festhalten, dass Cages Performance gar nicht übel ist und gerade in den späteren Szenen sogar sehr gut zu der surrealen Handlung des Filmes passt. „Between Worlds“ ist allerdings weder spannend noch wirklich interessant inszeniert und somit eigentlich nur relevant, weil eben Nicolas Cage mitspielt.

Autor: Torsten Stenske

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In Kino Veritas #11 Die Top-Filme des Kinojahres 2018

© Marvel Studios 2018

© Marvel Studios 2018

 

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Ja, wir können auch Latein! Dass im Kino die Wahrheit liegt, wussten wir ja schon länger, aber nun ist die Zeit gekommen, es auszusprechen. Heute diskutieren wir ausgiebig und garantiert subjektiv die besten Filme des letzten Jahres!

Wir hoffen, ihr habt ebenso viel Spaß wie wir und freuen uns auf Anregungen, Lob und Kritik.

Die Besetzung: Jakob, Mamon, Manuel, Simon und Torsten!

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KurzCast #19 Dumbo (2019)

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um Elefanten, Michael Keaton und das Remake-Portfolio von Disney. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Dumbo“!

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Trash Talk Reboot #8 Glass

© Disney / Jessica Kourkounis

© Disney / Jessica Kourkounis

 

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Laszlo, Meggy und Torsten schauen bei der neunten Episode des Trash-Talk-Reboots an, ob M. Night Shyamalans neuestes Werk halb voll oder halb leer ist.

Review „Glass“
00:00:00 – 00:27:40

Spoilertalk: „Glass“
00:27:41 – 01:00:00

Coming Soon (Superbowl Special)
01:00:01 – 01:36:56

Besetzung: Torsten, Meggy und Laszlo

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In Kino Veritas #10 Die Flops des Kinojahres 2018

© 20th Century Fox Home Entertainment

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Ja, wir können auch Latein! Dass im Kino die Wahrheit liegt, wussten wir ja schon länger, aber nun ist die Zeit gekommen, es auszusprechen. Heute diskutieren wir ausgiebig und garantiert subjektiv die schlechtesten Filme des letzten Jahres!

Wir hoffen, ihr habt ebenso viel Spaß wie wir und freuen uns auf Anregungen, Lob und Kritik.

Die Besetzung: Jakob, Mamon, Manuel, Simon und Torsten!

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KurzCast #18 Captain Marvel

© Disney / Marvel

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um den neuen Eintrag im Marvel Cinematic Universe, um das Alter von Samuel L. Jackson und um die Qualität von CGI. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Captain Marvel“!

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Die Wikinger (1958) Review

© capelight pictures

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Schlichte Filmtitel sind manchmal am sinnvollsten „Die Wikinger“ heißt der Film von Richard Fleischer aus dem Jahre 1958, simpel und einfach, auch der Originaltitel beschränkt sich mit „The Vikings“ auf das Nötigste. Letztlich ist damit auch die Essenz dieses Werkes gegeben, da reißerische Titel wie „Schlacht der Wikinger“, „Reise nach Walhalla“ oder „Mit dem Schwert in der Hand“ zwar allesamt eine Entsprechung im Rahmen der Handlung gefunden hätten, aber eben nicht die filmische Essenz abdecken: Denn es geht um Wikinger, ihr Verhalten untereinander und ihre Auseinandersetzungen mit ihren Feinden. Und dann geht es noch um Liebe, Familienzwiste, Rivalitäten, ausgestochene Augen, magnetische Metalle und Glaubensfragen. Das Übliche eben, für einen Film dieser Zeit.

Kirk Douglas und Tony Curtis spielen zwei verfeindete Wikinger, einer der Sohn des Königs (Ernest Borgnine), einer ein Sklave, die beide um die Liebe einer englischen Prinzessin (Janet Leigh) buhlen, die wiederum von den Nordmännern entführt wurde. Das Ganze wird eingebettet in einen Kontext, der sich sehr lose an historischen Begebenheiten orientiert, aber diese letztlich eher als Folie für die Entfaltung zwischenmenschlicher Konfliktlinien nutzt. Doch hebt sich „Die Wikinger“ hierbei maßgeblich von vielen anderen US-amerikanischen Produktionen der ausgehenden 1950er-Jahre ab, da der Großteil des Filmes on location in Norwegen (sowie in Frankreich und Kroatien) gedreht wurde. Dies war zur Zeit des Classical Hollywood eher die Ausnahme als die Regel, denn zumeist waren es Studios, in denen die Filme entstanden. Der Aufwand (die Dreharbeiten dauerten acht Monate) macht sich jedoch bezahlt, denn dass der Film spürbar in der freien Natur gedreht wurde, dass die Sonne scheint, dass echte Schiffe über echtes Wasser fahren und sich der Shwodown in einer echten Burg abspielt, dies alles gibt der Seherfahrung eine ganz eigene Unmittelbarkeit, auch wenn der Film trotz einer gewissen, die Ausstattung betreffenden historischen Akkuratesse oft auf der Klaviatur der (visuellen) Wikinger-Stereotypen spielt. Ein wenig verhält es sich wie mit der heutigen Debatte um CGI: Je mehr auf digitale Effekte verzichtet wird, desto haptischer wird der Film, letztes Jahr besonders gut erkennbar bei „Mission: Impossible – Fallout“. Eine teils etwas trockene Studioatmosphäre wird folglich eingetauscht gegen einen Wechsel in reale Landschaften, was den Film sprichwörtlich frischer macht.

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Die Intrigen, die hier geschmiedet werden, sind zwar alles in allem nicht neu und man hat ein wenig das Gefühl, dass hier und da etwas Shakespeare’sches Drama mit ins Drehbuch einfloss, doch ist „Die Wikinger“ insgesamt durchaus spannend, auch wenn er gemäß seiner Entstehungszeit selbstverständlich etwas langsamer erzählt wird. Die Ambivalenz der Hauptcharaktere ist dabei stellenweise bemerkenswert, ebenso wie die grundlegende Sympathieverlagerung hin zu den „Barbaren“. Der von Kirk Douglas gespielte Einar ist auf der einen Seite ein ziemlicher Grobian und erfüllt ein wenig das Klischee des unzivilisierten Wilden, bekommt jedoch durchaus auch ein, zwei nachdenkliche Momente. Sein von Tony Curtis gespielter Gegenspieler Eric wird gleichermaßen als ein zwiespältiger Charakter eingeführt, er jedoch entwickelt sich mit der Zeit aber, man muss es so sagen, zur moralischen Leitfigur, die von nichts als der Liebe getrieben wird.

Trotz einer letztlich sehr klassischen Rollenverteilung ist interessant, dass das Wikinger-Dasein als eine Art kleines Utopia fungiert: Leben in und im Einklang mit der Natur, viel Essen, viel Trinken, viel Feiern, kurz: eine gewisse Form der Freiheit. Im Gegensatz dazu steht die englische Aristokratie, korrupt, verkommen, nicht mit Natur assoziiert, da meist nur in Innenräumen zu sehen. Man würde wohl deutlich zu weit gehen, diesem Film einen obrigkeitskritischen Subtext zu unterstellen, da die auf Seite der Wikinger ebenfalls existierende aristokratische Struktur nicht hinterfragt wird, doch bleiben auf einer soziologischen Ebene einige Dinge wie gewisse Spitzen gegen die christliche Religion durchaus haften, deren Regeln und Normen immer wieder als einengend beschrieben werden.

Ein klassischer und dann nicht ganz so klassischer Film: „Die Wikinger“ ist ein Film seiner Zeit, der jedoch auf Ebene der Produktionsweise sich sehr positiv vom Geist der ausgehenden 1950er-Jahre abhebt, den Mut findet, die freie Natur zu seiner Kulisse zu machen und dadurch etwas unmittelbarer zu wirken vermag. Der Film sieht durchgehend schick aus und wartet mit einem aufwändigen Showdown auf, der durchaus intensiv daherkommt und nicht nach allzu kurzer Zeit wieder vorbei ist. Wer mal wieder nostalgisch in die Filmgeschichte eintauchen will, der ist mit „Die Wikinger“ bestens bedient.

© capelight pictures

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Die Edition: Dies dürfte der vermutlich älteste Film sein, den capelight pictures im Programm hat, zum zweiten Mal nach „Das Urteil von Nürnberg“ ein Film der klassischen Hollywood-Ära. „Die Wikinger“ erscheint im Rahmen der altbekannten und bewährten Mediabook-Reihe mit einem schicken matten Cover und dem obligatorischen Booklet (sowie parallel als Single-DVD). Als Bonus gibt es neben Trailern eine interessante halbstündige Dokumentation, in der Regisseur Richard Fleischer die Dreharbeiten Revue passieren lässt und einige Einblicke in die Produktionshistorie gewährt.

Autor: Jakob Larisch