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Mandy (2018) Review

© Koch Media

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Während die ersten Worte des Abspanns über die Leinwand flimmern, kann man gar nicht anders, als erleichtert ausatmen. Endlich ist es vorbei, ist er, der Film, vorbei. Es ist ein Gefühl der Fassungslosigkeit, gemischt mit Wut. Denn „Mandy“ ist ein hundsmiserabel schlechter Film. So richtig schlecht. Nicht nach der Kategorie „so schlecht, dass er wieder gut ist“, also irgendwie unterhaltsamer Trash. Nein, „Mandy“ ist derart mies, dass man sich hinterher fragt, ob der Regisseur überhaupt das Konzept Kino verstanden hat. Panos Cosmatos heißt der Mann, der für dieses filmische (V)erbrechen verantwortlich ist, der Nachname könnte dabei einigen bekannt vorkommen. Panos ist der Sohn von George P. Cosmatos, der für 1980er-Jahre-Kracher wie „Rambo II – Der Auftrag“ oder „Die City-Cobra“ bekannt wurde, stumpfe, aber unterhaltsame und sehr straight inszenierte Actionfilme. Von diesem ja durchaus vorhandenen inszenatorischen Talent ist allerdings nichts bei seinem Sohn gelandet. Doch wo anfangen? „Mandy“ scheitert als Film auf jeglicher Ebene derart krachend, dass sich kein zentraler Faktor ausmachen lässt. Hier stimmt einfach gar nichts. Es wäre unterhaltsamer, dem sehr kitschigen gleichnamigen Song von Barry Manilow und im Anschluss der Coverversion der irischen Boygroup Westlife jeweils zwanzig Mal zuzuhören, als sich auch nur ein Mal „Mandy“, den Film, anzuschauen. Denn „Mandy“ ist so schlecht, dass er ohne Zögern in die Kategorie „verschwendete Lebenszeit“ eingeordnet werden kann. Eigentlich braucht man eine Schmerztablette, um ihn adäquat überstehen zu können.

Nicolas Cage spielt die Hauptrolle und nach wohl nahezu übereinstimmender Meinung US-amerikanischer Kritiker soll dieser Film sein großes Comeback darstellen, nachdem der einstige Star und Oscarpreisträger in den letzten Jahren aufgrund finanzieller Probleme in den Untiefen des Direct-to-Video-Sektors verschwunden war. Dem muss man ein entschiedenes Nein entgegenhalten. Nicolas Cage spielt so wie eh und je, sein in den 1990er-Jahren fast schon charmantes Overacting wirkt nun aber nur noch wie ein müder Aufguss seiner selbst. Es ist auch nicht ganz klar, ob „Mandy“ nun eine Komödie oder eine total ernste Beschäftigung mit dem Thema Verlust darstellen soll. Die ersten zwei Drittel lassen letzteres vermuten, Witze werden keine gemacht, der Film ist düster und brutal. Kaum bringt eine Sekte jedoch die Frau des von Nicolas Cage gespielten Charakters um, bricht das Ganze völlig unpassend auf. Plötzlich zieht sich der Protagonist kiloweise Koks in die Nase, erschießt Gegner, weil sie sein Lieblingsshirt beschmutzt haben und liefert sich einen Kettensägenfight, der in anderen Kontexten tatsächlich enorm lustig gewesen wäre. Allein, in „Mandy“ wirkt das Ganze wie eine schlecht zusammengenähte Wunde, die sich nun überflüssigerweise zu entzünden beginnt. Ein Schwanken zwischen zwei Dingen muss nicht immer auch eine gelungene Ambivalenz darstellen, manchmal ist man auch einfach nur betrunken. So wie vermutlich Panos Cosmatos, als er das Drehbuch auf Papier schrieb, das als Einkaufszettel eine sinnvollere Verwendung gefunden hätte. Wobei man mit dieser Aussage aufgrund der ihr inhärenten Absolution des Regisseurs wohl Alkohol beleidigen würde.

Es ist augenfällig, dass Panos keine eigene künstlerische Vision hat und daher verzweifelt versucht, filmische Vorbilder wie Nicolas Winding Refn, Harmony Korine oder Gaspar Noé zu kopieren. Doch er übertreibt dabei maßlos und ohne jegliches Formgefühl, wenn er beispielsweise drei Viertel aller Einstellungen in Rot, Blau oder Pink taucht, ohne auch nur ein Mindestmaß an Reflexion erkennen zu lassen. Das ist nicht mehr visuell ansprechend, das ist einfach nur noch arbiträr. Man macht es, weil es cool ist, weil man es woanders gesehen hat, nicht, weil man etwas Bestimmtes zum Ausdruck bringen möchte. „Mandy“ ist die „The Asylum“-Produktion unter den neonfarbenen Filmen, mit dem Unterschied, dass diese Produktionsfirma weiß, dass sie billige Nachzügler populärer Filme produziert und gar nicht den Anspruch hat, große Kunst zu erschaffen. Im Gegensatz zu Cosmatos, offensichtlich, den genau dieser Anspruch zu treiben scheint, wobei er nicht einmal in Ansätzen realisiert, dass seine Bilder neben den wunderschön bemalten Leinwänden der genannten Regie-Meister nur lausiges Kindergarten-Gekritzel sind. Untermalt wird das Ganze zudem von dem wohl miesesten Soundtrack seit Jahrzehnten, der so klingt, als wäre der (tragischerweise viel zu früh verstorbene) Komponist Jóhann Jóhannsson mit voller Wucht auf einem verstimmten Synthesizer eingeschlafen und man hätte ihn die komplette Laufzeit nicht mehr aufwecken können. Der Film dröhnt ungerührt und nahezu ohne Pause vor sich hin, als ginge es ihm darum, sein eigenes ästhetisches Unvermögen zu übertönen. Mehr passiert hierbei nicht.

© Koch Media / Jo Voets

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Auch was an Story geboten wird, spottet jeglicher Beschreibung. Wo die drei erwähnten Regie-Vorbilder teils verschachtelt erzählen oder gewisse Fragen aufwerfen, die dann nicht beantwortet werden, da sie entweder der Fantasie des Zuschauers überlassen sind oder schlicht keine Rolle spielen, so geht Cosmatos den umgekehrten Weg: Er gibt Antworten auf Fragen, die keiner gestellt hat und die auch keinen interessieren. Die Hintergründe des Handelns, die Wendungen, die genutzten Waffen, die plötzlich auftauchenden Figuren, all das ergibt nicht im Mindesten Sinn. So macht man es sich schlichtweg sehr einfach, wenn man nachgerade Dinge behaupten und etablieren kann, ohne jegliche Rechtfertigung vorzulegen. Wir brauchen einen magischen Dolch? Hier ist er. Wir brauchen eine Motorradgang aus Dämonen? Hier ist sie. Wir brauchen eine religiöse Ebene und durchgeknallte Sektenführer? Hier sind sie. Wo jeder Drehbuchratgeber schon weinend zusammengebrochen wäre, stopft Cosmatos sein Skript mit immer mehr Zufällen und immer mehr Wahllosigkeiten voll, die jeden Film von Michael Bay wie ein intellektuell kohärentes Werk wirken lassen. Die Fantasy-was-auch-immer-Fundierung sollte man zuletzt schlechthin unter den Tisch fallen lassen, denn sonst wird es einfach zu peinlich für den Regisseur. Es wirkt, als würde Cosmatos alles, was er einmal im Nachmittagsprogramm des Discovery Channel über Mythen und Märchen gesehen hat, in einen Schnellkochtopf schmeißen und es dann anbrennen lassen. Das Ergebnis ist, wie zu erwarten, ungenießbar. Und zwar in einer Art und Weise, die im Restaurant zur Geldrückgabe berechtigen würde.

„Mandy“ ist ein Zeugnis filmischer Inkompetenz und Stümperhaftigkeit, in Film gegossene Langeweile, als hätte ein lernunfähiger und wegen einer zu selbstgefälligen Attitüde von der Filmhochschule geflogener Amateur krampfhaft versucht, zu den großen Jungs zu gehören, nur um daran dann gnadenlos und krachend zu scheitern. Dieser prätentiöse Schwachsinn gehört im Keller der Filmgeschichte in diejenige Ecke, die niemals jemand aufräumt. Einfach um andere davor zu bewahren, sich dem in jeglichem Sinne grauenhaften Erlebnis einer Sichtung von „Mandy“ aussetzen zu müssen.

Autor: Jakob Larisch

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Tully (2018) Review

© DCM

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Da haben sich zwei gefunden. Zum dritten Mal nach „Juno“ (2007) und „Young Adult“ (2011) kooperieren mit „Tully“ Drehbuchautorin Diablo Cody und Regisseur Jason Reitman miteinander, beide haben ihren ganz eigenen Stil, doch beiden Stile passen wiederum sehr gut zueinander. Reitman dürfte sich ohnehin in den letzten Jahren (spätestens seit „Juno“, doch damit würde man negieren, wie exzellent „Thank You For Smoking“ (2005) war) einen Spitzenplatz unter den Regie-Mavericks (Außenseitern) in Hollywood erarbeitet haben, was eigentlich ein Widerspruch in sich ist, seine Position aber wohl relativ gut umschreibt. Speziell „#Zeitgeist“ (2014) ist nach wie vor einer der vermutlich besten Filme über die Digitalisierung und ihre Folgen.

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BuyBust (2018) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

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Asiatische Actionfilme? Einiges könnte einem da einfallen. Die Action-Epen aus Hongkong, auch „Heroic Bloodshed“ genannt (inszeniert von Regisseuren wie John Woo oder Ringo Lam). Die Muay-Thai-Klopper aus Thailand, wie „Ong Bak“ oder „Revenge of the Warrior“. Aus Südkorea Filme wie „A Bittersweet Life“ oder „The Villainess“. Aus Japan Werke wie „Battle Royale“, ein größerer Teil der Filme von Takashi Miike, von absurder Splatter-Action à la „Tokyo Gore Police“ ganz zu schweigen. Jüngst die „The Raid“-Choreografie-Exzesse aus Indonesien. Aber von den Philippinen? Da gab es vor drei Jahren den Anarcho-Knaller „Ruined Heart“, doch mehr dürfte erst einmal nicht in den Sinn kommen. Mit „BuyBust“ bekommt dieser nun immerhin etwas Gesellschaft im Kreise der internationalen (Genre-)Aufmerksamkeit.

Die Prämisse ist so simpel wie effektiv: Ein schwer bewaffnetes Drogenfahndungsteam soll in den Slums von Manila im Zuge einer Nacht einen Drogenboss dingfest machen. Ein Film, ein überschaubarer Ort, ein überschaubarer Zeitraum. Natürlich läuft nicht alles so wie geplant; eigentlich läuft nichts so wie geplant und das Team sieht sich sowohl den Schergen des Bosses wie auch den Einwohnern der Slums gegenüber, die von ihm zu Solidarität erpresst werden. Daneben hat die Einheit einen Verräter in ihren Reihen. Ring frei für ein Actioninferno, das sich gewaschen hat. Denkt man. Ist aber leider nicht so.

Denn „BuyBust“ entwickelt die längste Zeit kaum Dynamik. Viele Actionsequenzen, gerade die ersten Konfrontationen sind eher langsam inszeniert, teils ist offen sichtbar, dass die Darsteller nur so tun, als würden sie sich ordentlich eins auf die Mütze geben, untermalt von Geräuschen, die auch aus einem Bud-Spencer-Prügelwestern stammen könnten. Nun muss sich natürlich nicht jeder neue Actionfilm am indonesischen fast-schon-Nonplusultra „The Raid“ 1 & 2 messen, allerdings sucht man visuelle Dynamik, die dort durch sehr lange ungeschnittene Einstellungen und exzellent durchchoreografierte Fights evoziert wurde, in „BuyBust“ vergebens. Einige Momente sind zudem sehr stark zerschnitten, was den Film nicht besser macht und jegliche kinetische Wirkung im Keim erstickt. Das ist sehr bedauerlich, denn die Atmosphäre stimmt eigentlich, der immer wieder einsetzende Regen und die oft neonfarbene Beleuchtung sorgen für eine ganz eigene Stimmung, auch die zeitliche und räumliche Begrenzung ist sinnvoll. Als Zuschauer fühlt man sich in den labyrinthischen Slums bald ebenso verloren wie die Agenten, zumal die Ausgänge nach und nach systematisch versperrt werden. Doch wird die Spannung auch immer wieder gekappt, da Regisseur Erik Matti selten die Gratwanderung zwischen prägnantem Erzählen und spannungsreichem Ausreizen gelingt. Viele Szenen gehen über ebenjenen Punkt hinaus, an dem die Spannung ausgereizt wäre, so dass regelmäßig Durchhänger entstehen.

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Auch gibt es einige Irritationen in der Figurenzeichnung, denn außer der Hauptfigur Nina Manigan (Anne Curtis) wird hier niemand so ausreichend charakterisiert, dass man irgendwie mit dem Team mitfühlen könnte, was im Lichte der lange Zeit unbefriedigenden Spektakel-Ebene umso mehr ins Auge fällt. Selbst Manigan ist auch eher nur deswegen die Protagonistin, da sie schlicht den erzählerischen Ankerpunkt des Filmes darstellt; ihre mehrfach angedeutete und am Ende äußerst knapp gelöste Hintergrundgeschichte wirkt folglich forciert. Allerdings ist Hauptdarstellerin Anne Curtis sowohl charismatisch genug als auch eine entsprechend fähige Schauspielerin, um den Film locker stemmen zu können. Zumindest diese Ebene funktioniert, auch mit ihrem Kollegen Brandon Vera, der aussieht wie Dwayne Johnson, eine entsprechende Rolle spielt und in der deutschen Fassung von dessen Synchronsprecher Ingo Albrecht synchronisiert wird, vermag sie vorbehaltlos zu harmonieren.

Es wirkt, als müsse sich „BuyBust“ äußerst schleppend warmlaufen und in Anbetracht der Tatsache, dass er mit seinen über zwei Stunden Laufzeit deutlich zu lang ist, muss man sich erst einmal gute 90 Minuten durch den Film stehen, um dann den tatsächlich spannend und dynamisch in Szene gesetzten Showdown zu erleben (der jedoch wiederum eher kurz ist). Auf einmal scheint es, als habe Matti das Inszenieren doch für sich entdeckt, auf einmal wartet „BuyBust“ mit einigen cleveren visuellen Spielereien auf wie ein Kampf, der ausschließlich aus einer 90°-Vogelperspektive eingefangen wird oder eine grandiose, etwa fünfminütige Plansequenz (eine lange Einstellung ohne Schnitt), die in Häuser hinein, auf Dächer hinauf, wieder herunter, durch Fenster und Gassen geht. Plötzlich ist sie da, die visuelle Dynamik, die Kinetik der Bewegung, die für den Actionfilm so konstituierend ist. Plötzlich entwickelt die Action in „BuyBust“ für zumindest ein knappes Viertel von dessen Laufzeit eine entsprechende Wucht, akkurat untermalt durch teils sehr drastische Gewaltmomente.

Immerhin. Denn dann ist da noch die gesellschaftspolitische Ebene des Filmes, der anscheinend auch einen Kommentar zur diesbezüglich aktuellen Situation auf den Philippinen liefern will. Korruption im Polizeiapparat, die verfehlte Drogenpolitik der Regierung, Armut, all dies ist hier ohne Zweifel vorhanden und auch ein Actionfilm kann einen entsprechenden Subtext unbestreitbar mit sich führen. Doch wird das Ganze lediglich in den letzten Szenen direkt angeschnitten und wirkt ein wenig wie angeklebt, zumal es hauptsächlich über Dialoge transportiert wird. So ist „BuyBust“ in der Gesamtbetrachtung ein Film der Kategorie „gute Prämisse, schwach umgesetzt“. Das Potenzial ist ohne Frage da, es ist sichtbar, wird dann aber nur unzureichend ausgespielt. Gerade mit Blick auf den Showdown, der zeigt, was aus dem Film hätte werden können, ist das tatsächliche Ergebnis mithin enttäuschend.

© capelight pictures

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Die Edition: capelight pictures veröffentlicht „BuyBust“ in seiner altbekannten Mediabook-Reihe sowie parallel als Single-Blu-ray und Single-DVD. Das Mediabook weist ein äußerst schickes gezeichnetes Cover auf und beinhaltet ein sehr lesenswertes Booklet von Daniel Wagner, das den Film im Rahmen der politischen Hintergründe der Philippinen kontextualisiert. Als Bonus gibt es ein ausführliches Making-Of, was bei Actionfilmen nie verkehrt ist sowie die üblichen Trailer.

Autor: Jakob Larisch

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Der Buchladen der Florence Green (2017/2018) Review

© Lisbeth Salas

© Lisbeth Salas

Es ist nicht so einfach zu sagen, welche Geschichte diese Romanadaption von Regisseurin und Drehbuchautorin Isabel Coixet jetzt eigentlich erzählen möchte. Die Geschichte davon, wie Florence Green versucht, sich mit ihrem Buchladen in den 1950er-Jahren in einer kleinen britischen Stadt durchzusetzen, mit lauter schrulligen Charakteren?  Die Geschichte einer Kriegswitwe, die über ihre Liebe zu Büchern den Verlust ihres Mannes mit der Eröffnung einer Buchhandlung überwindet? Die Geschichte von der Buchladenbesitzerin, die eine enge Bindung zu dem fast schon buchfanatischen Eigenbrötler der Stadt aufbaut? Die Geschichte, wie die Buchladenbesitzerin das kleine und viel zu intelligente Mädchen beeinflusst, das ihr aushilft, aber keine Bücher mag? Eine Geschichte über die Liebe zu Büchern? Die Geschichte vom Kampf der  Kriegswitwe, die ganz naiv oder voller Courage – was auch immer nun letztlich besser passt – versucht, sich gegen die lokalen Machtstrukturen mit Geld und Einfluss durchzusetzen, die lieber ein Kunstzentrum eröffnen möchten? Oder doch die Geschichte um den Zwiespalt von Milo North (James Lance), der für die BBC was-auch-immer macht, zwischen Buchladenbesitzer und Buchladengegner? Irgendwie versucht der Film alles davon und nichts so wirklich.

Florence Green (Emily Mortimer) liebt Bücher und das Lesen. Nachdem sie früh ihren Ehemann im Zweiten Weltkrieg verloren hat, beschließt sie Ende der 1950er, einen Buchladen in ihrem Wohnort Hardborough, einem kleinen britischen Küstenstädtchen, zu eröffnen. Nach einigen Monaten Vorbereitungszeit ist es so weit, der Laden öffnet in dem zuvor sieben Jahre lang leer stehenden sogenannten „Old House“. Leider hat Violet Gamart (Patricia Clarkson), die mit ihrem Mann ebenfalls in Hardborough lebt und Geld, Einfluss und Verbindungen bis nach London besitzt, andere Pläne für das Gebäude: Sie möchte dort lieber ein Kunstzentrum eröffnen. Auch die anderen Bewohner des Ortes scheinen eher skeptisch gegenüber der Eröffnung. Der Einzige, der sich wirklich über den Buchladen zu freuen scheint, ist der in seinem Landhaus zurückgezogen lebende Mr. Brundish (Bill Nighy), der eigentlich nur noch liest, aber mit Menschen nichts mehr anfangen kann. Er möchte zwar den Buchladen nicht betreten und zunächst auch Florence nicht großartig begegnen, bittet aber um regelmäßige Buchsendungen. In dem zunächst gut anlaufenden Laden hilft Florence die kleine Christine (Honor Kneafsey), die jedoch wiederum nicht gerne liest. Schon bald bedrohen Violet Gamarts Intrigen Florence, ihren Laden und damit ihre Existenzgrundlage sowie ihr Zuhause.

Man lernt – abgesehen von Florence und vielleicht noch Mr. Brundish – die Charaktere viel zu wenig kennen, um irgendetwas mit ihnen zu verbinden oder deren Motivationen zu verstehen. Häufig bekommt man selbst ihre Schlüsseleigenschaften nicht oder nur teilweise mit und viel zu vieles davon – auch bei Florence und Mr. Brundish – wird nie ausgespielt, sondern fließt lediglich über die weibliche Erzählstimme aus dem Off ein, wodurch einige der Details kontextlos im Raum stehen. So bekommt man das Gefühl, dass der Film gerade in Verbindung mit der Erzählstimme eine Verliebtheit zu schrulligen Details zelebriert, die vielleicht die Romanvorlage hatte, die der Film allerdings entweder überhaupt nicht und wenn, eher unzureichend besitzt. Er schafft es auch nicht, das Ganze durch Dialoge aufzufangen. Nicht weil die Dialoge schlecht wären, einige sind wirklich interessant oder amüsant, sondern dadurch, dass zu wenig Interaktion ausgespielt stattfindet und wenn, letztlich meist nicht ganz funktioniert. Ständig hat man – auch durch definitiv zu häufige und zu lange Sprechpausen – das Gefühl, dass neben dem eigentlich Gesagten noch eine ganze Menge mehr im Raum steht. Eher selten ist allerdings ersichtlich, was dies denn sein soll, da man zu wenig über die Sprecher weiß. Definitives Highlight des Films sind allerdings die Begegnungen zwischen Charakteren, die tatsächlich  stattfinden, insbesondere die zwischen Florence und Mr. Brundish. Das liegt nicht zuletzt  daran, dass man, wie erwähnt, über diese beiden noch am meisten erfährt. Allerdings ist neben den erwähnten Ungereimtheiten bezüglich Mr. Brundish – alleine schon deutlich an der mangelnden Erwähnung seines Vornamens – Florence als Charakter nicht immer ganz schlüssig. So fragt man sich in Bezug auf sie zum Beispiel, wie die Erzählstimme über eine Kriegswitwe des 2. Weltkriegs die Aussage „Florence had managed to live life thus far by pretending that human beings were not devided into exterminators and exterminated with the former at any moment predominating“ treffen kann, selbst in Großbritannien und selbst in den 1950er-Jahren (an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass in der deutschen Synchronisation der Satz „Florence hatte ihr Leben bisher unter der Prämisse gelebt, dass Menschen nicht in Befehlende und Untergebene zu unterteilen sind und die erstgenannten dabei jederzeit vorherrschen“ lautet, was beim besten Willen nicht dieselbe Aussage ist, tatsächlich aber besser passt).

© Lisbeth Salas

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Auch Florence‘ so oft von verschiedenen Instanzen erwähnte Courage spiegelt sich nur teilweise wider in dem, was sie tut. Es wird vor der Eröffnung der Buchhandlung zwar mehrfach deutlich, dass sie durchaus in der Lage ist, für sich und ihr Vorhaben einzustehen, als der Laden dann allerdings geöffnet ist und die Probleme erst wirklich anfangen, verschwindet das zunehmend. Man fragt sich, warum eine so couragierte Person dann nicht einmal eine direkte Konfrontation mit Violet sucht, was den Konflikt zwischen den beiden zusätzlich forciert wirken lässt. Außerdem wirkt Florence in ihrem Handeln dadurch häufig vielmehr naiv und inwiefern sich mangelndes Bewusstsein für mögliche Folgen noch als Courage auslegen lässt, sei dahingestellt. Die unzureichende Stringenz der Charaktere ist in jedem Fall nicht auf eine schlechte Leistung der Schauspieler zurückzuführen, eher im Gegenteil. Besonders stechen auch hier Florence und Mr. Brundish hervor. Emily Mortimer trägt den Film – soweit es ihre Rolle zulässt – hervorragend und Bill Nighy gibt die einzige weitere Figur mit Hintergrund genial wieder. Erwähnenswert sind aber auch James Lance mit dem perfekten Maß an Schmierigkeit, der es schafft, dem einseitigen Charakter von Milo North zumindest eine Idee von Tiefe zu verleihen und Patricia Clarkson in ihren viel zu seltenen Auftritten zwischen affektierter Mäzene und Unnahbarkeit.

Genauso unzulänglich wie auf die Charaktere wird auch auf die quasi dritten Akteure des Films eingegangen: die Bücher und auch die Liebe zum Lesen. Es wird zwar sehr viel darüber geredet, aber wirklich dargestellt wird das Verhältnis zwischen Menschen und Büchern und Auswirkungen und Veränderungen diesbezüglich kaum. So wird zum Beispiel Nabokovs „Lolita“ in diesen Topf aus halbgaren Geschichten geworfen und die Frage, ob Florence das Buch in großer Zahl verkaufen möchte, als Aufhänger für eine erste Begegnung zwischen ihr und Mr. Brundish genutzt. Es wird auch deutlich, dass das Buch wohl großes Interesse  hervorruft, aber irgendeine Reaktion der Käufer auf das Buch wird nicht gezeigt und der Inhalt erst gar nicht erwähnt. Allenfalls bei Mr. Brundish wird im Laufe der Handlung eine Veränderung durch die Bücher deutlich, die Florence für ihn auswählt, was aber wiederum in Anbetracht der Tatsache, dass er bereits vorher eigentlich nichts anders tat als Lesen, nicht wirklich nachvollziehbar ist. Vielleicht mit Ausnahme von Christine wird auch sonst niemand überhaupt richtig mit Büchern konfrontiert. Der einzige diesbezüglich gelungene Kniff ist die Metaebene, aufgeworfen mit dem Auftauchen von Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ in Verbindung mit dem Städtchen, das sich gegen einen Buchladen wehrt. Das Thema Bücher und auch die Nebencharaktere werden zugunsten des Konflikts zwischen Violet und Florence zurückgestellt oder lediglich dafür genutzt. Dadurch wird dieser verstärkt, da Violets Bestrebung aufgrund ihres erheblichen Einflusses den Bewohnern von Hardborough einen von ihr unabhängigen Zugang zu Büchern – also im Prinzip Kunst und Bildung – verwehrt.

Gleichzeitig aber entzieht es der Erzählung die Grundlage für diesen Aspekt des Konflikts, weil die Problematik über Florence‘ persönliche Belange hinaus gar nicht erfassbar wird. Dementsprechend ist die Kritik an Violets Verhalten extrem einseitig, da sich der Film gar nicht erst auf den tatsächlichen Umstand einlässt, dass alles unter Violets Kontrolle steht und weder die Problematik einer mehr oder weniger von der reichen Elite bestimmten Bildung und Kultur noch eine Alternative aufzeigt. Emotional nachvollziehbarer wird die Geschichte durch den Mangel an tatsächlich gezeigtem Einfluss des Ladens auch nicht unbedingt, da man als Zuschauer nur teilweise eine Beziehung zu ihm und zu dessen Existenzberechtigung aufbauen kann. Zusätzlich ist der Konflikt zwischen den beiden Frauen auch nicht schlüssig, da nicht deutlich wird, warum sowohl Violet als auch Florence unbedingt das „Old House“ benutzen möchten. Bei Florence wird nicht angesprochen, warum sie sich neben allen anderen Möglichkeiten gerade dafür entschieden hat und bei Violet wird nicht deutlich, warum sie in den sieben Jahren, in denen das Haus bereits leerstand, keine Anstalten gemacht hat, ihr Kunstzentrum zu eröffnen. Es geht aus dem Film auch in keiner Weise hervor, ob Violet einfach nur um jeden Preis ihren Wunsch umsetzen möchte oder ob sie vielleicht doch eher gerade jetzt mit ihrem Plan anfängt, weil sie konkret ein Problem mit einem Buchladen hat, der ihren Einfluss untergräbt. Der Konflikt wird einfach zu plakativ und oberflächlich dargestellt, als dass tatsächlich deutlich werden könnte, wie weit die Problematik an Violets rücksichtsloser Einmischung eigentlich reicht. Am Ende des Films könnte man demnach durchaus zu dem Schluss kommen, dass Florence die Einzige ist, die etwas verloren hat; nicht, dass das nicht auch ein Problem wäre, ab er es geht doch eigentlich um viel mehr als um die Frage, ob Florence ihren Traum von einem Buchladen verwirklichen kann oder nicht.

© Lisbeth Salas

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Zudem ist der Film zu lang. Vielleicht hätten ein paar der besagten Sprechpausen sowie ein paar weniger Landschaftsaufnahmen von fließendem Wasser, Bäumen im Wind und dem Blick aus dem Lieferwagen, von dem Florence ihre Bücher erhält, unterlegt mit trauriger Musik, dem Handlungsstrang des Filmes ganz gut getan, ersetzt durch mehr Interaktion zwischen den Charakteren und Charakteren mit Büchern. So zieht sich der Film irgendwie sehr und gleichzeitig ist man am Ende sehr überrascht, dass es jetzt schon vorbei ist und fragt sich, wie man da genau gelandet ist. Der Handlungsverlauf wirkt merkwürdig zerfasert, da man eben nicht immer gänzlich nachvollziehen kann, wie man von A nach B  kam und wie das zusammen passt. Bedingt wird dieser Eindruck auch dadurch, dass es absolut unmöglich ist, zu erfassen, über welche Zeit die Handlung sich denn jetzt eigentlich abgespielt hat, was in Bezug auf den Inhalt doch recht interessant wäre. Das Wetter, das wiedergegeben wird, ist eigentlich immer eher trüb und zu Anfang teilt die Stimme aus dem Off mit, dass man manchmal in diesem Ort alle Jahreszeiten an einem Vormittag erlebt, was schon an sich eine wirklich seltsame Aussage ist, gleichzeitig aber die Orientierung über verstrichene Zeit nicht unbedingt einfacher macht. Man bekommt durch die Handlung eher den Eindruck, dass sich die Geschichte mindestens über mehrere Monate zieht, aber das immer gleiche trübe Wetter und die sich nicht verändernde Kleidung unterstützen das nicht.

Letztlich schneidet der Film vieles nur an, dass man sich auf nichts wirklich einlassen kann und wirkt dadurch insgesamt eher nichtssagend, obwohl eigentlich viel passiert und viele Charaktere auftreten. Zusätzlich funktionieren die verschiedenen inhaltlichen Aspekte des Films, so wie sie dargestellt werden, einfach nicht richtig zusammen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass Florence Green immerhin viel Courage und eine große Leidenschaft für Bücher hat und die Frage, was man denn jetzt eigentlich anderes erwartet hatte.

Autorin: Clara Roos

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KurzCast #15 Verschwörung

© Sony Pictures

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um die mittlerweile dritte Inkarnation der schwedischen Hackerin Lisbeth Salander, die Frage, ob Mikael Blomkvist für diesen Film überhaupt eine Rolle spielt und warum es nichts bringt, mit Maschinengewehren in den Schnee zu schießen. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Verschwörung“!

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Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (2018) Review

Schon 2016 konnte man sich mit Blick auf „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ fragen, ob es denn sowohl J.K. Rowling als auch Warner Bros. wirklich nötig hätten, ein im Harry-Potter-Universum angesiedeltes Schulbuch (das es immerhin auch in der „realen Welt“ in Buchform gibt, wenn auch unter 100 Seiten lang) zu verfilmen. Doch wo Geld zu holen ist, ist Geld zu holen und so wurde der entsprechend betitelte Film zu einer Vorgeschichte der in den sieben Romanen und acht Filmen geschilderten Ereignisse umgeformt, mit einer erstaunlich guten Besetzung, nebenbei bemerkt. Zwar merkte man dem fertigen Werk seine ökonomische Fundierung definitiv an, allerdings war er eine leidlich launige Revue komödiantischer Momente, die immer dann ganz nett funktionierte, wenn man sich nicht bemühte, die sehr dünn gestrickte Handlung weiterzuverfolgen. Teil 1 war dabei an einer dramaturgischen Schnittstelle angesiedelt: Zum einen ging es darum, dass der von Eddie Redmayne gespielte Protagonist Newt Scamander seine titelgebenden magischen Tierwesen, die ihm in New York entflohen waren, wieder einsammeln musste, zum anderen wurde bereits der erweiterte Blick auf ein ein (neues) ganzes Franchise deutlich, denn die Geschichte um den bösen Zauberer Grindelwald (Johnny Depp), die wiederum nichts mit dem anderen Handlungsbogen zu tun hatte, sah sich lediglich angeschnitten. Im nun erschienenen Teil 2 wird sie zwar fortgeführt, aber nur sehr rudimentär, schließlich muss noch genug für die weiteren drei geplanten Filme zu erzählen bleiben. Doch fehlt hier die Story, welche ausschließlich in diesem Film aufgeworfen und auch gelöst wird (wie eben die Handlungslinie um das Wiederfinden der Tierwesen in Teil 1), so dass man eher den Eindruck eines Brückenfilms bzw. einer viel zu langen Serienepisode erhält.

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Haus der 1000 Leichen (2003) Review

© STUDIOCANAL

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Die ersten rund zehn Minuten fassen „Haus der 1000 Leichen“ gut zusammen: Der Film eröffnet mit einer fiktiven Halloween-Fernsehsendung, in der auch Captain Spauldings „Museum of Monsters & Madmen“ angepriesen wird. Nach einer Überblendung befinden wir uns im Museum, das kurz darauf überfallen wird. Nach ausuferndem Beleidigungsaustausch werden die zwei Kriminellen von den Besitzern getötet und wir kommen zur Titelsequenz. Die Credits werden von Archivaufnahmen, Filmausschnitten, Negativfilm und einem Metal-Song begleitet.

In ähnlichem, durchaus holprigem Stil wendet sich der Film dann der eigentlichen Geschichte zu. Zwei Teenage-Pärchen fahren durch die Vereinigten Staaten und sammeln Anekdoten über Highway-Kuriositäten. Auf dieser Reise kehren sie auch bei Spaulding ein und nach einer Tour durch das Museum begeben sich die Jugendlichen auf die Suche nach dem Baum, an dem der sagenumwobene Dr. Satan erhängt wurde. Auf dem Weg nehmen sie die Tramperin Baby mit und treffen bald darauf ihre Familie.

Zombies Interessen werden sehr schnell klar. Der prototypische Plot dient nur als Aufhänger für die zahlreichen visuellen (und da Zombie auch an dem Soundtrack mitgearbeitet hat: auditiven) Experimente. Schnelle Schnitte, Albtraumsequenzen in Negativfilm mit delirischen Farben, visuell opulente Folter- und Ritualsequenzen. Die einzelnen Sequenzen greifen nicht immer fließend ineinander, aber eine gewisse Grundfaszination bleibt durch den eigenwilligen und frontalen Stil erhalten. Offensichtliche Genre-Rückgriffe auf „The Texas Chainsaw Massacre“ werden mit einer Walter-Benjamin-Referenz zu einem postmodernen Mix vermengt und der Film steht auch nicht darüber, ein „Creature from the Black Lagoon“ im Bildmittelpunkt zu präsentieren.

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Zombies Inszenierung ist in fast allen Aspekten brachialer als die gewohnte Mainstream-Studio-Kost: Charaktere fluchen und schreien permanent, die Kamera klebt eng an den Figuren, der Gore ist drastischer und die gesamte Stimmung anarchischer. Schon 2003 lief der Film ungeschnitten in den deutschen Kinos, nun erscheint er mit einer ansprechenden Vielzahl an Special Features erstmals ungekürzt und mit FSK-Freigabe versehen auf Blu-ray.

Autor: Martin Klein

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Rambo I-III (1982, 1985, 1988) 4K-UHD-Blu-ray-Kritik

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Nun hat also auch die Rambo-Trilogie ein neues Face-Lifting erhalten und ist ab sofort in einer 4K-Version fürs Heimkino zu erwerben. Die Frage ist: Lohnt sich das Update?

Was das Bild angeht, auf jeden Fall! Kristallklar ballert sich die 80er-Actionikone über die heimischen Fernsehgeräte und lässt die Filme wirken, als wären sie erst in kürzlich vergangenen Jahren erschienen. Beim Ton hätte man aber durchaus mehr Arbeit investieren können. Sowohl der englische O-Ton als auch die deutsche Synchronfassung sind lediglich in 5.1 abspielbar, eine Dolby-Atmos-Überarbeitung wäre hier sicherlich auch möglich gewesen. Aber nun zu den Filmen an sich:

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„Rambo“ (1982):
Der ehemalige Special-Forces-Kämpfer John Rambo (Sylvester Stallone) kehrt sichtlich gezeichnet aus dem Vietnamkrieg zurück und muss erfahren, dass alle seine ehemaligen Kameraden bereits verstorben sind. Enttäuscht versucht er, in einer Kleinstadt etwas Ruhe zu finden, doch muss zu seinem Entsetzen feststellen, dass er hier nicht willkommen ist. Sheriff Teasle (Brian Dennehy) nimmt ihn in Gewahrsam. Im Bezirksgefängnis wird Rambo physisch misshandelt, was traumatische Kriegserinnerungen in ihm hervorruft. Er flieht aus dem Revier und sucht im Wald Unterschlupf vor der lokalen Polizei. Ein neuer Kampf entfacht und Rambo wird vom Gejagten zum Jäger.

Obwohl der erste Teil eine simple Prämisse hat, steckt in dem Streifen doch überraschend viel Tiefe und auch Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen. Die Kritik am Vietnamkrieg als solchem und der schwere Weg zurück für die heimgekehrten Soldaten sind neben der Action die prägenden Themen dieses Klassikers. Ein emotionaler Zusammenbruch Rambos am Ende inszeniert diese Thematik außerordentlich gut. Der erste „Rambo“ Film ist und bleibt ein Action-Klassiker, der vor allem in der 4K-Version auch heute noch Eindruck schindet.

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„Rambo II – Der Auftrag“ (1985):
Während Rambo aufgrund seiner Taten im ersten Film seine Zeit im Gefängnis absitzt, bekommt er die Chance auf eine vorzeitige Freilassung, doch dazu muss er eine Mission durchführen. Sein ehemaliger Colonel Trautman (Richard Crenna) überzeugt ihn von dem Auftrag, in vietnamesischer Gefangenschaft verbliebene US-Soldaten zu befreien. Die Mission entpuppt sich jedoch als reine Farce, da der operierende Marshall Murdock (Charles Napier) gar nicht an der Befreiung der gefangenen US-Soldaten interessiert ist, wodurch er Rambos Zorn auf sich zieht.

„Rambo II“ versucht vieles ähnlich wie der erste Film zu machen, jedoch mit deutlich mehr Action. Zwar ist auch hier die Kritik am Umgang mit ehemaligen US-Soldaten noch immer zugegen, jedoch längst nicht mehr so ausgeprägt wie im ersten Teil. Ebenso erhält Rambo hier in Co Bao (Julia Nickson-Soul) einen weiblichen Sidekick. Nickson-Soul verpasst es aber, eine charismatische Performance zu bieten und jegliche erotische Annäherungen wirken eher ungewollt komisch. Nichtsdestotrotz ist „Rambo II“ noch immer ein gelungener Actionfilm, der dem Zuschauer am Ende einmal mehr eine ausdrucksstarke Botschaft mit auf den Weg gibt. „I want my country to love me in the same way that i love my country.“

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„Rambo III“ (1988):
Nach den gewaltsamen Ereignissen der Vergangenheit hat sich Rambo in ein thailändisches Kloster zurückgezogen. Doch als sein Vertrauter Colonel Trautman in Afghanistan in sowjetische Gefangenschaft  gerät, setzt Rambo alles daran, seinen einzig verbliebenen Freund zu retten.

Der große Unterschied zwischen „Rambo III“ und seinen Vorgängern ist äußerst wichtig: Das dritte Kapitel lässt nahezu jede Kriegskritik auf der Fußmatte liegen und fokussiert sich nur noch auf die reine Action, was den ganzen Film etwas platt erscheinen lässt. Eine Szene versucht sogar, den Kriegseinsatz der amerikanischen Truppen zu rechtfertigen. Die Action als solches ist noch immer gut inszeniert und Stallone spielt den wortkargen Supersoldaten charismatisch wie immer. Vor allem die Chemie zwischen ihm und Trautman zählt zu den besseren Aspekten des Films. Was bleibt, ist einer der besten Dialoge der Filmgeschichte: „What does the blue light do?“ – „It turns blue.“

Autor: Oliver Drautzburg

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The Inhabitant (2017/2018) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

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Eine Gruppe jugendlicher Einbrecher, die sich ein vermeintlich lukratives Ziel gewählt haben und dann merken, dass das ausgesuchte Haus etwas Böses beherbergt: Klingt nach „Don’t Breathe“. Ist natürlich auch „Don’t Breathe“, ist aber ebenfalls der mexikanische Nicht-wirklich-Haunted-House-Film „The Inhabitant“ – nur wird der blinde Mann ausgetauscht gegen eine von einem Dämon besessene Tochter. Könnte funktionieren, tut es jedoch nicht.

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Summer of ’84 (2018) Review

© Pandastorm Pictures

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Derzeit bekommen wir in der Film- und Fernsehwelt – neben zahlreichen Comicverfilmungen – auch eine richtige Packung Nostalgie geboten, insbesondere die 1980er-Jahre feiern dabei ein Revival. Nicht zuletzt durch die Serie „Stranger Things“ der Duffer-Brüder oder Andrés Muschiettis Neuauflage von „Es“ (2017), der die Geschichte um den Club der Verlierer sogar extra von den 50ern in die 80er verlegt hat, steht dieses Jahrzehnt in der Liste ganz oben, wenn man seinen Horror-Mystery-Coming-of-Age-Familienfilm-Cocktail dreht. Im Falle des kanadischen Regie-Trios Francois Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell (u.a. „Turbo Kid“, 2015) und auch der Duffer-Brüder liegt die Vermutung nahe, dass sie sich von den Filmen ihrer Kindheit inspirieren lassen und sich deswegen – oberflächlich betrachtet – an Beispielen wie „Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers“ (1986), „E.T. – Der Außerirdische“ (1982), „Die Goonies“ (1985) oder „Poltergeist“ (1982) orientieren. Trotzdem stellt sich unweigerlich die Frage, an welche Zielgruppe sich diese Filme und Serien denn eigentlich richten sollen? Bei „Summer of ’84“ ist diese Frage gar nicht so einfach zu beantworten.

In „Summer of ’84“ geht es um die vier Jungen Davey (Graham Verchere), Eats (Judah Lewis), Woody (Caleb Emery) und Farraday (Corey Gruter-Andrew), die sich gerade mitten in der Pubertät befinden und bei denen sich abwechselnd alles um „Krieg der Sterne“ (1977), „Gremlins“ (1984), Mädchen (bzw. Sex), ihre Fahrräder, Verschwörungstheorien und Abenteuer dreht. Allerdings treibt im Sommer von 1984 auch ein Serienkiller in Oregon sein Unwesen, der bereits für das Verschwinden von dreizehn Teenagern verantwortlich ist. Als Davey dann verdächtiges Verhalten bei seinem Nachbarn Wayne Mackey (Rich Sommer) beobachtet, beschließen die vier Jungs, den Polizisten zu beschatten und erleben dabei ihr Abenteuer des Jahres 1984.

„Summer of ’84“ entwickelt sich im Laufe der Spielzeit zu einer Mischung aus „Das Fenster zum Hof“ (1954) bzw. „Disturbia“ (2007) und den bereits im ersten Absatz genannten Coming-of-Age-Filmen. Den Plot könnte man in der Tat eins-zu-eins auch so in „Stranger Things“ wieder finden, aber auf Horror-Elemente oder mit „Turbo Kid“ vergleichbare Gore-Effekte wird überhaupt nicht zurückgegriffen. Gerade bei den voyeuristischen Szenen und den Beinahe-Konfrontationen mit dem vermeintlichen Serienmörder wird allerdings viel Potenzial für mögliche Spannung verschenkt. So richtig mitfiebern wird der Zuschauer mit den vier Protagonisten daher sicherlich nicht in solchen Szenen, in denen sie das Haus oder die Garage des vermeintlichen Täters durchsuchen oder ihn selbst beschatten. Dies liegt auch an der relativ einfältigen Inszenierung: Wir bekommen einen generischen Synthie-Soundtrack serviert, ab und zu das Rattern einer alten Heizung, ein-bis-zwei POV-Shots und leicht abgedunkeltes Licht. Auf der anderen Seite sind die Szenen ziemlich vorhersehbar und manchmal wird die drohende Gefahr, dass beispielsweise der Nachbar früher als erwartet nach Hause kommt, absolut nicht spannend inszeniert.

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Die größte Schwäche von „Summer of ’84“ ist allerdings, dass die vier Jungs als Figuren einfach nicht interessant genug sind. Natürlich handelt es sich bei den Protagonisten von „Stand By Me“, „Stranger Things“ oder „Es“ auch mehr oder weniger um Archetypen, aber diese Figuren haben trotzdem etwas Echtes und lassen uns mit ihnen mitfiebern. In „Summer of ’84“ fällt es sogar schwer, die Archetypen zu identifizieren, da die einzelnen Figuren derart profillos sind und die vier auch sonst keine Chemie in ihrem Umgang miteinander haben. Einzig der Running-Gag, dass Eats auf die Mutter von Woody steht, bleibt einigermaßen hängen, aber das nicht unbedingt, weil diese Szenen so lustig sind. Ansonsten haben wir (mutmaßlich) den „Nerd“ (Farraday), den „coolen Draufgänger“ (Eats), den „Dicken“ (Woody) und eben die „Hauptfigur“ (Davey). Aber selbst diese Klischees wurden besser bei der Vermarktung von 90er-Jahre-Boygroups umgesetzt als in diesem Film. Selbst in den Diskussionen der Protagonisten um Dinge, die ihnen wichtig sind (können Ewoks wirklich Sturmtruppen besiegen? Fährt das heiße, ältere Mädchen von nebenan auf Davey ab?) wird das Bild von ihnen nicht wirklich deutlich. Das ist sehr schade, weil „Summer of ’84“ dadurch der emotionale Unterbau fehlt.

© Pandastorm Pictures

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Somit ist es insgesamt ein sehr unspektakulärer Film geworden, der im Prinzip einem Rezept folgt und kaum davon abweicht – einzig das Ende des Films weiß etwas zu überraschen, macht das Seherlebnis letztlich aber auch nicht viel interessanter. Trotzdem richtet sich der Film wohl an Leute, die entweder ein Faible für die 80er haben oder zumindest mit den Filmen der 80er aufgewachsen sind und nochmal in Erinnerungen schwelgen wollen. Gerade Leute, die an „Turbo Kid“ Gefallen gefunden haben, dürften hier aber enttäuscht werden, denn „Summer of ’84“ schwimmt mehr auf der 80er-Nostalgie-Welle mit, als dass er irgendwie eine Bereicherung darstellt. Wenn man an anderen Vertretern des „Genres“ Gefallen gefunden hat, braucht man hier nicht zuzugreifen, weil prinzipiell alles, was der Film zu bieten hat, schon woanders zu sehen war, so dass sich qualitativ bessere Werke dieser Neuaufguss-Welle finden lassen. Die Einfallslosigkeit von „Summer of ’84“ ist aber ein Indikator dafür, dass dieses „Nostalgiarrhö“ ein baldiges Ende hat und die Industrie sich eine neue Welle suchen muss.

Autor: Torsten Stenske

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KurzCast #14 Operation: Overlord

© Paramount Pictures

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um die Sinnhaftigkeit des Einbauens einer Handlung in Nazi-Zombie-Filme. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Operation: Overlord“!

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Wildling (2018) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

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Auch wenn die Zeit klassischer Märchen im Geiste der Gebrüder Grimm lange Zeit vorbei ist, so finden sich doch auch in populärer Kultur immer wieder Überbleibsel, in der einen wie der anderen Weise verarbeitet, zitiert oder referenziert. Seien es visuelle Muster, seien es dramaturgische Anleihen: Die Bandbreite reicht von parodistischen Bearbeitungen klassischer Stoffe wie „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ (2013) über deren Neuinterpretationen wie „Maleficent – Die dunkle Fee“ (2014) bis hin zu oftmals im Horror-Genre zu findenden und eher auf einer abstrakten stilistischen sowie gleichermaßen semantischen Ebene funktionierenden Entlehnungen. „Wildling“, das Regiedebüt des deutschen Regisseurs Fritz Böhm, lässt sich in die letzte Kategorie einordnen: Eine Art moderne Mischung klassischer Topoi, düster im Tonfall und äußerst versiert in der Ausführung.

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Das Urteil von Nürnberg (1961) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

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Mit dem Begriff der so genannten „Nürnberger Prozesse“ verbindet man vor allem das Gerichtsverfahren gegen die nach dem Zweiten Weltkrieg noch lebenden Vertreter der nationalsozialistischen Führungsriege wie Hermann Göring, Rudolf Heß, Joachim von Rippentrop oder Alfred Speer, das von November 1945 bis Oktober 1946 dauerte. Doch gab es in den daran anschließenden Jahren zahlreiche Folgeprozesse, in denen sich Mitglieder aller Teile des nationalsozialistischen Bürokratie-Apparates verantworten mussten. Einer davon war der „Juristenprozess“ von Februar bis Dezember 1947, der Richter, Staatsanwälte und andere Juristen des NS-Regimes unter Anklage stellte. Diesem widmet sich auch Stanley Kramers 1961 entstandener Film „Das Urteil von Nürnberg“, der ganz in der Tradition des Hannah Arendt’schen Diktums der „Banalität des Bösen“ (deren entsprechendes Buch allerdings erst zwei Jahre später veröffentlicht wurde) bewusst den Blick von der Nazi-Elite abwendet und ihn primär auf die Funktionäre, die angeblichen „Rädchen im System“ und sekundär auch auf Teile der Bevölkerung sowie damit verbunden Fragen nach Schuld und Verantwortung lenkt.

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KurzCast #13 Nur ein kleiner Gefallen

© STUDIOCANAL

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um eine Freundschaft zwischen Anna Kendrick und Blake Lively sowie um Genre- und Drehbuchfragen. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Nur ein kleiner Gefallen“!

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Bohemian Rhapsody (2018) Review

© 20th Century Fox

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Der junge Modestudent Farrokh Bulsara (Rami Malek) verfolgt als Roadie die Auftritte der lokalen Studentenband „Smile“. Nach einem Auftritt in einem Pub spricht Bulsara die beiden Bandmitglieder Brian May (Gwilym Lee) und Roger Taylor (Ben Hardy) an und übergibt ihnen einige Vorschläge zu neuen Songs. Doch die beiden blasen gerade Trübsal: Ihr Leadsänger hat soeben die Band verlassen.

Mit dem Release von „Bohemian Rhapsody“ geht ein fast zwölfjähriger kreativer Prozess zu Ende. Ein Prozess, der so viele Hauptdarsteller, Produzenten und Regisseure verschlissen hat, dass man fast meinen könnte, eine neue DC-Comics-Verfilmung zu erwarten. Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass die beiden Hauptverantwortlichen des Mammutprojekts, die Bandmitglieder Roger Taylor und Brian May, eigentlich überhaupt keine Lust auf die Verfilmung der Erfolgsgeschichte ihrer Band, gar der ihres Freundes hatten, der irgendwann damit anfing, auf den Namen Freddie Mercury zu hören, kann man schon das schlimmste befürchten.

Der Film beginnt mit den unmittelbar letzten Vorbereitungen Freddie Mercurys zu dem wohl legendärsten Auftritt von Queen: dem „Live Aid“-Konzert 1985 im Londoner Wembley-Stadion. In einer langen und das schillernde Leben Mercurys zelebrierenden Sequenz betritt der Zuschauer beinahe mit diesem als letztes Bandmitglied die famose Bühne von „Live Aid“, während auf der anderen Seite des Vorhangs die Menge nach ihrer Legende lechzt. Doch gerade als Mercury die Menge für sich vereinnahmen möchte, springt die Erzählung in die Vergangenheit und der Zuschauer lernt den jungen Farrokh Bulsara kennen, der mit scheinbar jeder Aktion seinen Vater zur Weißglut treiben kann.

Nachdem Mercury und die anderen die Band Queen gegründet haben, lässt der Erfolg der Band nicht lange auf sich warten. Die Konzerthallen werden größer, das Equipment professioneller und die Band experimentierfreudiger. Kurz darauf wird die Band von John Reid (Aidan Gillen) entdeckt, der ihnen ihren ersten Plattenvertrag bei EMI Records verschafft. Die Erfolge werden dabei hauptsächlich mit der Entstehung und Komposition ihrer wohl bekanntesten Hits visualisiert. So bekommt der Zuschauer einen Einblick, wie die Songs entstanden sind und dass die Gründe für den Erfolg der Band tatsächlich in den Reibereien, Meinungsverschiedenheiten und teilweise handgreiflichen Auseinandersetzungen lagen. Denn egal, wie sehr der Konflikt hochkochte, am Ende entstand daraus ein Hit. Man kann hier die nostalgische rosarote Brille der am Drehbuch involvierten Bandmitglieder vermuten, deren Wunden von der Zeit geheilt wurden oder ihnen die Geschichte genauso abnehmen. Einige Ereignisse wurden aus dramaturgischen Gründen umgeschrieben, was für ein Biopic jedoch nichts Ungewöhnliches darstellt. Dem Auftritt bei „Live Aid“ ging beispielsweise keine mehrjährige Trennung der Band voraus. Doch diese kleinen Freiheiten von der Wahrheit verzeiht man dem Film problemlos, weil er eine in sich geschlossene, harmonische Geschichte von einem besonderen Mann erzählt, der viele Freunde und Bewunderer auf der Welt hinterlassen hat.

© 20th Century Fox

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Taylor und May war bewusst, dass es früher oder später einen Film über das Leben von Freddie Mercury geben würde. Der extravagante und über alle Maßen charismatische Leadsänger war eine Ikone seiner Zeit, der die Massen auch noch heute verzaubern kann, man denke nur an seinen posthumen Auftritt bei der Abschlussveranstaltung von Olympia 2012 in London. Beide wussten also, dass eine Verfilmung unausweichlich war. Also erklärten sie sich bereit, die Rechte hierzu freizugeben, unter der Bedingung, dass sie bei Fragen zum Drehbuch das letzte Wort haben. So kam es dann auch, dass beispielsweise Bryan Singer als Regisseur und Sacha Baron Cohen als Hauptdarsteller das Projekt „Bohemian Rhapsody“ nach mehreren Jahren wieder verlassen mussten, Singer sogar kurz vor der Fertigstellung des Films. Cohen, der physikalisch wie für die Rolle gemacht schien, wollte sich eher auf das extravagante und exzessive Partyleben Mercurys konzentrieren und dem kometenhaften Aufstieg der Band nicht allzu viel Beachtung schenken.

Ob uns durch die strikten Vorgaben der Band ein vielleicht besserer Film verwehrt geblieben ist, wird sich wohl nie beantworten lassen. Jedoch kann man einen Eindruck davon gewinnen, wie eng die Freundschaft der vier Bandmitglieder gewesen sein muss. Auch Jahre nach seinem Tod beschützen sie Mercurys musikalisches Erbe und lassen die Erinnerung daran wiederaufleben, statt uns ein weiteres Kapitel aus dessen Leben zu präsentieren. Was genau möchten wir als Zuschauer sehen? Den genialen Musiker oder doch den wilden partyliebenden Exzentriker? Eine Mischung aus beidem? Müssen wir Mercury inmitten einer wilden Drogen- und Sexorgie erleben, um seine musikalischen Werke besser zu verstehen? Der Film schneidet das Thema um seine Sexualität zwar mehrmals an, entscheidet sich dann jedoch, nicht explizit darauf einzugehen. Es wird gerade so viel darüber erzählt, wie es für die Handlung der filmischen Geschichte förderlich ist.

„Bohemian Rhapsody“ ist ein gefühlvolles und respektvolles Biopic über eine der schillerndsten Figuren seiner Zeit. Recht unterhaltsam wird der Aufstieg der Band Queen und ihres Leadsängers präsentiert und keine der 135 Minuten wirken verschwendet. Vor allem das Ende des Films weiß zu überzeugen, wenn der legendäre Auftritt bei „Live Aid“ 1985 nachgestellt wird, wobei mehrere Lieder von Rami Malek und den anderen Schauspielern in voller Länge performt werden, womit man tatsächlich das Gefühl erhält, sich einen alten Auftritt von Queen anzuschauen. Empfehlung!

Autor: Mamon Hassani

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Beyond Re-Animator (2003) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

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Ganze dreizehn Jahre sollte es dauern, bis sich Regisseur Brian Yuzna und sein Hauptdarsteller Jeffrey Combs zusammenfanden, um einen dritten Teil der Mad-Scientist-Fun-Splatter-Exzess-“Re-Animator“-Reihe zu drehen. Waren zwischen „Re-Animator“ (1985, bei welchem noch Stuart Gordon unter der Produzenten-Ägide von Yuzna Regie führte) und „Bride of Re-.Animator“ (1990) lediglich fünf Jahre vergangen, hatte man es nun mit einem deutlich größeren Zeitraum zu tun und natürlich auch mit der Frage, wie sich dies auf die Ebene der Figuren und der Story auswirkt. Was ist also mit Herbert West in der Zwischenzeit passiert?

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25 km/h (2018) Review

© Sony Pictures

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2010 drehten sie „Friendship“ zusammen und nun sind Regisseur Markus Goller und Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg wieder vereint. Wieder mit einem Roadmovie, diesmal geht die Reise allerdings nicht nach der Öffnung der DDR quer durch die USA, sondern auf Mofas vom Schwarzwald an die Ostsee. Auch machen nicht zwei junge Freunde ihren ersten großen Trip, sondern zwei Brüder holen nach 30 Jahren die Reise nach, die sie mit 15 geplant haben.

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KurzCast #12 Halloween (2018)

© Universal Pictures

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um eine nach 40 Jahren erfolgte Fortsetzung und die Frage, ob sie nicht viel eher als Hommage zu begreifen ist. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Halloween“!

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KurzCast #11 Der Vorname

© Constantin Film

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Direkt nach der Sichtung des Filmes werfen wir in der gebotenen Kürze einen Blick auf Zeitgenössisches aus der Filmwelt. Heute geht es um ein bürgerliches Streitgespräch und dessen komödiantisches Potenzial. Dies und weiteres in unserer Episode zu „Der Vorname“!

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Pacific Rim: Uprising (2018) Review

© Universal Pictures Home Entertainment

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Wie sehr das chinesische Kinopublikum mit seinem Film-Geschmack inzwischen die westlichen Kino-Märkte beeinflussen kann, dürfte seit den späteren „Transformers“-Teilen auch beim Durchschnittszuschauer angekommen sein. Was allerding hinter dem Vorhang passiert, ist noch einmal einen Zacken interessanter. Wo Duncan Jones‘ viel zu späte „World of Warcraft“-Verfilmung hinter den Einspielerwartungen insgesamt zurückblieb, fand der Film beim Publikum in Fernost doch ordentlichen Anklang und mögliche Sequel-Überlegungen werden nun ganz gezielt mit dem chinesischen Markt im Fokus durchexerziert. Wo bei Orks und Elfen noch vorsichtig abgewartet wird, kann „Pacific Rim: Uprising“ also als mech-großes Pilotprojekt verstanden werden, um die Hypothese zu testen, dass ein schwaches Einspiel des Vorgängers keine Flop-Garantie für Teil 2 sein muss, solange ein Interesse aus Übersee da ist. Denn Guillermo Del Toros Actionspektakel fand damals bei den Kritikern zwar Anklang, enttäuschte aber ebenfalls an den (westlichen) Kinokassen – und beim Sequel sollen es daher jetzt die chinesischen Zuschauer richten, wenn auch, großes Manko, ohne Del Toro an Bord.

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