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The Counselor (2013) Review

Er wird von allen nur als der „Counselor“ bezeichnet, da er eben genau das ist: Ein Anwalt, der exemplarisch für die Gier der Menschen stehen soll und sich von anderen nur über seinen Beruf unterscheidet. Denn gierig sind wir alle. Nach Sex, Macht und Geld. Michael Fassbender verkörpert eben diesen Counselor, der sich mit den falschen Leuten auf illegale Drogen-Geschäfte einlässt, um seinen aufwendigen Lebenswandel finanzieren zu können. Doch der Anwalt soll auf bitterböse Weise erfahren, dass dieses Spiel nur Verlierer kennt, es sei denn, man selbst gesteht sich ein, dass Moral und Integrität dort keine Rolle mehr spielen und verlässt sich auf die (sexuell konnotierte) animalische und  skrupellose, triebhafte Seite des eigenen Selbst: auf das Raubtierhafte, das Jägerische, das Destruktive und Selbsterhaltende, das weder Freund, noch Feind kennt und den Menschen nach und nach seiner Seele beraubt.

Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy hat mit „The Counselor“ sein erstes Originaldrehbuch geschrieben, nachdem bereits einige seiner  Werke wie  „The Road“ (Regie: John Hillcoat, 2009) und „No Country for Old Men“ (Regie: Ethan und Joel Coen, 2007) für die Leinwand adaptiert worden sind. Auf dem Regiestuhl hat Ridley Scott Platz genommen, der sich vor der Kamera auf Schauspielgrößen wie Javier Bardem, Brad Pitt, Penélope Cruz, Cameron Diaz und den oben bereits erwähnten Michael Fassbender verlassen kann. Doch das Konzept geht nur bedingt auf: McCarthys artifizielle Sprache pendelt zwischen brillant und prätentiös, nichts Wohlwollenderes lässt sich bei Scotts Stil konstatieren, da der Regisseur die Geschichte leider zu selten mit visuellen metaphorischen Kommentaren anreichert und sein neustes Werk viel zu oft ohne eigene Note daherkommt. Auch die Schauspieler wirken teilweise etwas deplatziert in Scotts neuem Film: Sie alle mühen sich sichtlich, aber das Drehbuch macht ihnen in Form der Dialoge ein ums andere Mal einen Strich durch die Rechnung. Ihre Figuren bleiben zumeist blass, lediglich Bardem als Reiner und Diaz als Malkina erwecken so etwas wie Interesse und Faszination beim Zuschauer.

Wirklich überzeugend ist nur die Konzeption des Plots, der auf kluge Art und Weise die Teufelsspirale der Habgier erzählerisch beleuchtet und vorantreibt, durch welche fast alle Protagonisten im Chaos zu versinken drohen. Einige einzelne (Schlüssel-)Momente sind diesbezüglich auch herausragend oder zumindest sehr überzeugend ausgefallen und dienen dem Betrachter als Anhaltspunkte, um das teilweise etwas arg sperrige Treiben zu entschlüsseln. Bestimmt hat sich Scott etwas bei seiner oberflächlichen und standardisierten, geradezu sinnentleerten Werbe-Ästhetik gedacht und auch McCarthys Dialogpassagen bedienen sich des selben Konzepts, um die Leere und Verdammnis der Charaktere zu erforschen und aufzudecken, doch irgendwie mag sich beim Zuschauer keine sonderliche Lust am Betrachten einstellen, was dem Film letztendlich das Genick bricht. Das Schicksal der Charaktere ist dem Publikum prinzipiell egal, der Ton des Films wechselt zwischen todernst und satirisch und weiß sich nicht so recht zu entscheiden.

Als besonders fesselnd oder spannend ist der Film ohnehin nicht zu bezeichnen. Es gibt gute Ideen und tolle Ansätze en masse, aber „The Counselor“ ist sicherlich ein Film der verpassten Chancen geworden. Mit stärkerer und subtilerer Bildsprache, sowie mit zackigeren Dialogen und einer gehörigen Prise mehr von den durchaus vorhandenen klugen und irritierenden Drehbucheinfällen (wie z.B. die immer und immer wieder gezeigten Geparden, Diaz‘ Windschutzscheiben-Sex oder die Anekdote über das vierte Fass beim Drogenschmuggel) hätte uns mehr als das nun vorliegende durchschnittliche Entertainment erwartet. „The Counselor“ ist daher nur ein wirklich interessantes Ideenkonzentrat geworden, das die Mechanismen von Macht und Gier mit Hilfe der eigentlichen Hauptdarstellerin Cameron Diaz aufzuhebeln und zu erforschen versucht. Ihre geradezu nihilistische Femme Fatale dient daher als Schlüsselfigur zum Enträtseln des Geschehens, das allerdings durchgehend etwas zu lustlos vor sich hin plätschert und sich teilweise arg profaner Bilder und Story-Versatzstücke bedient, in denen die Entscheidungen der Protagonisten einfach nicht nachvollziehbar erscheinen. In seinen seltenen oben angesprochenen symbolisch-kommentierenden Momenten zeigt „The Counselor“ was er hätte werden können, wenn nur etwas mehr Sorgfalt und Feinschliff auf die Drehbuchkonzeption verwendet worden wäre und die Bilder mehr Ausdrucksstärke besäßen.

So bleibt am Ende eine nur wenig zufriedenstellende, aber mit enormem Potenzial angereicherte Tragödie, die sich mit der wortwörtlichen Bestie Mensch und ihrer Habsucht und Scheinheiligkeit auseinandersetzt und aufzeigt, welch große (destruktive) Kraft vom Zufall ausgehen kann, auch wenn dessen dramaturgische Funktion in einzelnen Momenten etwas arg konstruiert erscheint. Von solchen (Hollywood-)Größen vor und hinter der Kamera hätte man aber definitiv mehr erwarten dürfen. Die Zutaten für ein großes Werk sind zwar allesamt vorhanden, harmonieren als fertiges Endprodukt aber nur bedingt. Ein nur leidlich unterhaltsamer Thriller.

Autor: Markus Schu

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