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Ich bin dann mal weg (2015) Review

© Warner Bros.

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100 Wochen auf Platz 1 der Sachbuch-Bestsellerliste, mehr als vier Millionen verkaufte Exemplare, ein Anstieg der deutschen Pilger auf dem Jakobsweg im Folgejahr um 71 Prozent und nun kommt auch der Film zu Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“. Kerkeling selbst übernimmt im Film allerdings keine Rolle, sondern wird von Devid Striesow verkörpert. Dieser macht seinen Job zwar sehr gut und hat auch die Manierismen und das leichte Augenzwinkern, das jeden gesprochenen Satz begleitet, sehr gut verinnerlicht, allerdings ist die Persona Hape Kerkeling vielleicht einfach noch zu stark präsent, so dass es schwer fällt, ihn vollständig als Hape Kerkeling anzunehmen. Das wäre eigentlich kein Problem, wenn man nicht permanent daran erinnert werden würde, dass das ja Hape Kerkeling ist. Dennoch ist das Schauspiel die größte Stärke, denn auch Martina Gedeck als Stella und Karoline Schuch als Lena wissen in ihren Rollen ebenfalls zu brillieren und zusammen sind die drei ein sympathisches Gespann.

Das Problem von „Ich bin dann mal weg“ ist, dass der Film sonst nichts so richtig gut macht. Die Witze und flotten Sprüche von Kerkeling gehen ziemlich am Zuschauer vorbei, da sie entweder zu platt sind oder das Timing fehlt. Pures Comedy-Gold sind aber die Flashbackszenen, die einen jungen Kerkeling mit seiner Truppe „latente Talente“ zeigen, welche vor seiner Verwandtschaft Auftritte bestreitet. In den bewegenden und zermürbenden Szenen können die Schauspieler ihren Stempel aufdrücken und somit auch an den Zuschauer die Emotionalität übertragen. Was aber die Belastungen und Anstrengungen angehen, die so eine Reise mit sich bringen, das wird nur recht spärlich rübergebracht. Denn Regisseurin Julia von Heinz fängt zwar die Landschaft ansehnlich ein, das hat aber mehr etwas von Urlaubsbildern beziehungsweise Dias von unseren Großeltern. Das sieht sehr schön aus, allerdings hätte man die Aufnahmen besser dazu nutzen können, um die Einsamkeit der Figuren und die Belastungen besser zu versinnbildlichen. Dennoch schafft es „Ich bin dann mal weg“ wie viele Selbstfindungstrips, dass man auch über sich und sein eigenes Leben nachdenkt, was sicherlich eine Stärke ist.

Schlussendlich kann man wohl festhalten, dass die Übertragung des Buches auf ein anderes Medium eher gescheitert ist. Die Stärken des Film werden nicht ausgenutzt und in puncto Tiefgang kann man sowieso nie davon ausgehen, ein Buch zu übertreffen. Da ist man als geneigter Zuschauer, der über sich selbst philosophieren möchte und vielleicht auch den einen oder anderen Schmunzler auf die Lippen gezaubert bekommen will, mit dem Buch wohl doch besser beraten.

Autor: Torsten Stenske

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