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Ungewöhnliche Helden – Große Erfolge: Eine „Turtles“-Retrospektive

© Winkler Film

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Die „Teenage Mutant Ninja Turtles“ sind eine global erfolgreiche Marke. Und das sind sie schon seit dem Hoch Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre. Deswegen gab in der derzeit alles überschattenden Markenwelt Hollywoods 2014 eine filmische Neuauflage, die 2016 nun ihre Fortsetzung findet. An dieser Stelle lohnt es sich, einen Blick zurück zu werfen auf die ersten drei Kinofilme des Kanons, in der unsere Helden Leonardo, Michelangelo, Donatello und Raphael noch nicht via Motion Capturing, sondern von Darstellern in Kostümen zum Leben erweckt wurden.

Im Jahr 1990 inszenierte Steve Barron den ersten Teil „Teenage Mutant Ninja Turtles“ (deutscher Titel: „Turtles – Der Film“). Wenn heute jedoch Paramount und Michael Bay als Produzenten auftreten, so war dieser Film einst noch eine Independent-Produktion ohne große und bekannte Investoren im Rücken. Prominente Namen, die man mit dem Projekt in Verbindung brachte, waren Corey Feldmann, der Donatello seine Stimme lieh und Jim Henson, der sich für das Design der Turtles-Kostüme verantwortlich zeichnete. Mit einem Budget von 13,5 Millionen US-Dollar spielte der Film allein in den USA 135.265.915 Millionen US-Dollar ein und bewies, dass Blockbuster auch mit wenig Geld entstehen können. So  könnte man „Teenage Mutant Ninja Turtles“beinahe als Independent-Perle bezeichnen.

Das Original erzählt die Origin Story der vier Helden und ihres Meisters Splinter. Bei ihrem Kampf gegen den Foot-Clan, der von dem sinistren Shredder angeführt wird und die Stadt terrorisiert, lernen sie die toughe Reporterin April O’Neil und den Vigilanten Casey Jones kennen. Zusammen wollen sie Shredder und den Foot Clan besiegen, um New York wieder sicherer zu machen. Die Story klingt altbekannt und das ist sie auch. Interessant ist jedoch die Umsetzung. Fernab von budgetären Zwängen war es den Machern möglich, eine durchaus düstere Umsetzung der eigentlich so kinderfreundlichen Helden auf die Leinwand zu bringen, zu denen sie die TV-Serie gemacht hatte. Natürlich war die Marke zu diesem Zeitpunkt in erster Linie Entertainment für Groß und vor allem Klein. Fast schon peinlich berührt, aber auch voller kindlicher Freude beobachtet man den noch nicht mutierten Splinter, wie er als Hausratte seines Meisters versucht, im Käfig dessen Kampftechniken nachzuahmen. Aber immer wieder blitzen die Einflüsse der ursprünglichen Comicvorlage von Kevin Eastman und Peter Laird auf, die vor allem durch ihre gewalttätige und parodistische Darstellung auf sich aufmerksam machte. So drückt Casey Jones ganz beiläufig auf den On-Schalter einer Müllpresse, in die Shredder nach dem alles entscheidenden Kampf gefallen ist. Insgesamt ist Teil 1 ein durchaus ernstzunehmender Film, der es schafft, neben der Action und den Kampfeinlagen durchaus Interesse und Sympathie für diese eigentlich absonderlichen Helden zu wecken.

Nur etwa ein Jahr später hieß es dann „Go Ninja, go Ninja, go!“. Doch angesichts der Anpassungen, die beim zweiten Teil der Reihe vorgenommen wurden, möchte man doch eher „No, Ninja, no!“ ausrufen. Der Erfolg des ersten Teils sollte den Machern ihr Konzept eigentlich bestätigt haben. Doch eine Beschwerdewelle von besorgten Eltern angesichts des unkommentierten Waffeneinsatzes und die damit verbundene Aussicht auf höhere Gewinne bei mehr Massentauglichkeit führten dazu, dass „Teenage Mutant Ninja Turtles II: The Secret of the Ooze“ (deutscher Titel: „Turtles II – Das Geheimnis des Ooze“) ein recht unspektakuläres Unterhaltungsprodukt wurde. Bei ihrem Kampf gegen den wiederauferstandenen Shredder, der sich neben dem Foot-Clan dieses Mal noch Unterstützung durch Rahzar und Tokka, die mutierten Restbestände der Henson-Kreativschmiede holt, werden die Waffen der Ninjas nun durch Jo-Jos und andere nicht-tödliche Gegenstände eingetauscht. Die düstere Umgebung wird durch einen farbenfroheren Look ersetzt und im Showdown während eines Vanilla Ice-Konzerts, bei dem die Turtles eine Tanzeinlage zum Besten geben, besiegt sich Shredder quasi selbst.

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Der jugendlich-verspielte Charme der Turtles ist durchaus noch vorhanden, doch der Plan, Unterhaltung auch für die jüngsten Zuschauer im Publikum anzubieten, war nicht von Erfolg gekrönt. Das wird am Einspielergebnis des Films von 78.656.812 Millionen US-Dollar (US-Markt) deutlich, das weit unter dem des ersten Teils lag. Zwei Jahre sollte es dauern, bis eine weitere Fortsetzung mit dem Namen „Teenage Mutant Ninja Turtles III“ (deutscher Titel: „Turtles III“) in die Kinos kam. Beim Blick sowohl auf die Einspielergebnisse von 42.273.609 Millionen US-Dollar (US-Markt) als auch auf den Kritikerspiegel mag der dritte Teil der Sargnagel für die Kino-Karriere der Turtles gewesen sein, bis das Franchise im neuen Jahrtausend wiederbelebt wurde. Doch wahrscheinlicher ist es, dass schon der zweite Teil das Kino-Grab ausgehoben hat. Es mag eine unpopuläre Meinung sein, doch der dritte Teil ist dem Originalfilm durchaus ebenbürtig und übertrumpft ihn teilweise sogar in Bezug auf Ideenreichtum und Dramaturgie. Statt eines weiteren Kapitels im Kampf gegen Shredder reisen die vier Helden hier zurück in die Vergangenheit.

Als ihre Freundin April O’Neil den Turtles ein antikes Zepter mitbringt, betätigt sie dieses unbeabsichtigt und landet im feudalen Japan zur Zeit der Ninja und Samurai. Die Turtles reisen ihr hinterher, um sie zurückzuholen. Doch bei ihrer Reise in die Vergangenheit geraten sie in eine Auseinandersetzung zwischen Feudalherren und Rebellen. Den Turtles gelingt es jedoch, den Konflikt zu beenden und April zu befreien. Geehrt durch all die Anerkennung überlegen die vier Helden, dort zu bleiben, um sich nicht mehr wie in ihrer Zeit in den Abwässerkanälen von New York verstecken zu müssen. Doch dann entschließen sie sich, zurückzureisen, da sie das Leben im feudalen Japan zu sehr beeinflussen würden.

Zugegebermaßen ist der Aufhänger für die Geschichte sehr beliebig. Ähnlich schnell und lieblos werden auch die Regeln der Zeitreise für diesen Film vorgestellt. Doch sobald die Handlung im feudalen Japan fortgeführt wird, zeigen sich die Möglichkeiten des neuen Settings. Der Fokus der Geschichte ist nun weitaus größer und vermittelt gleichzeitig auf spielerische Weise historische Fakten. Schon der Einstieg in den Film ist eine wunderbar fotografierte Szene und gleichzeitig Hommage an japanische Epen, in der vier japanische Krieger auf Pferden vor einem rot leuchtenden Sonnenuntergang entlang reiten. Ohnehin ist die Idee, die Ninja Turtles auf echte Ninja treffen zu lassen und sie so mit ihrem eigenen kämpferischen Ursprung zu konfrontieren, äußerst gelungen. So mag „Teenage Mutant Ninja Turtles III“ der Teil der Reihe sein, der am wenigsten Erfolg hatte, doch verdient hatte der Film dies nicht.

Vorbei war es scheinbar an diesem Punkt mit der Turtles-Manie. Oder doch nicht? So ganz verschwunden waren sie jedenfalls nie, nur waren die Turtles nicht auf der großen Leinwand zu finden. Die originale Zeichentrickserie, die 1987 auf Sendung ging, lief noch bis 1996 über die Fernsehbildschirme. Und auch danach fanden sich immer wieder Neu-Interpretationen der vier mutierten Schildkröten im TV sowie irgendwann ebenfalls wieder im Kino. 2007 erschien der schlicht betitelte Animationsfilm „Teenage Mutant Ninja Turtles“, bevor 2014 und 2016 die von Michael Bay produzierten Varianten in die Kinos kamen. Die Turtles begleiten uns also schon zuverlässig seit Jahrzehnten und erfahren auch für nachwachsende Generationen immer wieder Neu-Interpretationen. So kann jedes Kind, jeder Jugendliche oder eben mittlerweile jeder Erwachsene weiterhin teilhaben an den akrobatischen Kämpfen, dem ausufernden Merchandise, dem jugendlichen Charme und dem brüderlichem Zusammenhalt.

Autor: Michael Schmidt

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