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The Expendables 3 (2014) Review

© WVG Medien / Splendid Film

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Das Design von Kinoplakaten ist über die Jahrzehnte zu einer ganz eigenen Kunstform geworden. Zu Recht, denn es ist sowohl zur Werbung wie auch für den späteren Wiedererkennungswert wichtig, ein einprägsames Bild zu kreieren, das die Stimmung des Films einfängt. So kennt jeder geneigte Kinogänger mindestens ein Dutzend Kinoplakate, die einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen und mindestens zehn mal mehr, die man direkt wieder vergisst. Der Designer für das „The Expendables 3“-Poster hatte es da irgendwie leichter: Schließlich müssen sowieso der Titel und die Namen der Schauspieler, die den Zuschauer ins Kino locken sollen, prominent platziert sein. Und bei „The Expendables 3“ ist damit auch schon 80% des Kinoplakats voll. Und die Stimmung des Films? (Zwangsläufig) gequetscht wie auf einem Klassenfoto sind die Darsteller nochmal in der Mitte zu sehen, in voller Kampfmontur, schwer bewaffnet und…lachend! Ziemlich akkurate Wiedergabe der Atmosphäre.

Im dritten Teil von Sly Stallones Allstar-Action-Franchise kriegen die Expendables unter der Führung von Barney Ross (Stallone) es mit ihrem bislang härtesten Gegner zu tun: Conrad Stonebanks (ein sehr gut aufgelegter Mel Gibson), ehemaliger Mitgründer der fröhlichen Söldnertruppe, zwischenzeitlich totgeglaubt und nun zum skrupellosen Waffenhändler aufgestiegen. Und obwohl das Team vor der ersten Konfrontation mit ihm extra noch einen weiteren ehemaligen Expendable, „Doc“ (Wesley Snipes), befreien, verlieren sie den Kampf und werden so verletzt zurückgelassen, dass Barney Ross das Team sogar auflöst. Sein Wunsch nach Rache wird dadurch natürlich keinesfalls geschmälert und er stellt ein neues Team aus jüngeren Kämpfern auf, das ihm helfen soll, Stonebanks für die CIA, die jetzt nicht mehr von Bruce Willis, sondern von Harrison Ford als Major Drummer verkörpert wird (ein würdiger Ersatz), zu schnappen und ihn in Den Haag vors Kriegsgericht zu stellen. Als aber auch dieser Versuch scheitert, müssen schließlich doch die alten Haudegen reaktiviert werden, um im finalen und gewohnt epischen Showdown gegen Stonebanks und die halbe Armee eines fiktiven Balkanstaates ins Feld zu ziehen.

© WVG Medien / Splendid Film

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Das Gute vorweg: Die Erfolgszutaten der ersten zwei Filme sind auch hier wieder in großer Fülle vorhanden. Knackige Action, coole Stunts, eine Story, die im Hintergrund bleibt, aber absolut ausreichend ist, um den diesmal zweistündigen Film zu tragen, unterhaltsame Dialoge und Oneliner und vor allem ein ständiges doppeltes Augenzwinkern und Einarbeiten der Rollengeschichte der Schauspieler. So ist es beispielsweise Wesley Snipes‘ erste Rolle nach Absitzen seiner dreijährigen Haftstrafe wegen Steuerbetrugs und prompt muss er am Anfang aus einem Gefangenentransport befreit werden. Auf die Frage, warum er überhaupt eingesperrt war, hat er nur eine Antwort: „Steuerhinterziehung!“ Auch Harrison Ford darf in der Action mitmischen und stellt sich prompt als begabter Hubschrauberpilot heraus, in einer Szene, in der plötzlich gefühlte 20 Jahre von ihm abfallen und man mit feuchten Augen wieder den coolen Han Solo vor sich sieht, der im „Millenium Falcon“ sitzt und auch im heißesten Luftkampf noch einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Besonders erwähnt sei auch Antonio Banderas, der als lustiger Söldner-Sidekick alle Register zieht und jede einzelne Szene stiehlt.

Leider hat „The Expendables 3“ aber auch einige Schwächen, mehr als die üblichen, die man bei einem im Endeffekt anspruchslos-unterhaltsamen Actionspaß erwarten würde. Allen voran die Entscheidung, die Gewalt so zu inszenieren, dass man in den USA ein PG-13-Rating (also eine Altersfreigabe ab 13) erhält. Ein Film, in dem die Protagonisten schmunzelnd und spaßend dutzende Menschen auf alle erdenkliche Art und Weise umbringen, sollte sowieso nicht unbedingt für 13-jährige geeignet sein und die Auswirkungen von Kugeln, Messern und Schlägen auf den menschlichen Körper einfach nicht zu zeigen, macht die Gewalt nicht weniger schlimm, sondern nur weniger realistisch und unterhaltsam. Die CGI-Blutspritzer der ersten beiden Filme werden schmerzlich vermisst. So sehr, dass sich das CGI-Team ganz offensichtlich gedacht hat: „Wenn wir kein Blut mehr animieren dürfen, dann machen wir zur Strafe alle anderen Animationen extra schlecht.“ Dies ist leider auch geglückt. Viele Szenen sind weiterhin mit echtem Material und Schauspielern/Stuntmen gedreht worden, aber dort, wo mit Computern nachgeholfen wurde, sehen die Explosionen, die einstürzenden Häuser und die Hintergründe aus, als wären sie aus den Filmen übernommen, die Stallone und Schwarzenegger gemacht haben, als die Hälfte der „The Expendables 3“-Schauspieler noch zu jung war, um besagte Filme sehen zu dürfen.

© WVG Medien / Splendid Film

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Wie alle Filme mit einem solchen Cast ist der Film natürlich überfrachtet und man wünscht sich mehr Screentime für jeden einzelnen Charakter; ist dies zwar ein Luxusproblem, wird es aber doch genau dann zum Problem, wenn die Charaktere, die zu sehen sind, nicht an die anderen herankommen. So geschehen bei dem neuen, jungen Team der Expendables (Jungstar Kellan Lutz, MMA-Fighterin Ronda Rousey, Weltergewichtschampion Victor Ortiz und Glen Powell). Diese absolvieren ihre Schauspiel- und Actioneinlagen zwar absolut souverän, trotzdem wünscht man sich als Zuschauer mehr Screentime für die älteren Herren, deretwegen man im Kino sitzt. War es daneben im Vergleich zwischen dem ersten und zweiten „The Expendables“ noch ein merklich positiver Unterschied, dass Stallone nicht mehr im Regiestuhl saß und sich so mehr auf Drehbuch, Produktion und Schauspiel konzentrieren konnte, so sollte man für den bereits geplanten „The Expendables 4“ und das Spin-Off „The Expendabelles“ vielleicht auf einen routinierteren Regisseur zurückgreifen, der nicht wie Patrick Hughes erst einen Langspielfilm gedreht hat.

„The Expendables 3“ ist ein insgesamt gelungener, teils grandioser, teils aber nur durchschnittlicher Action-Blockbuster, der zu gefallen weiß, aber doch hinter den zwei knallharten und gleichzeitig urkomischen Vorgängern zurückbleibt. Auch wenn der Film auf der großen Leinwand ein ganz besonderes Spektakel ist, lohnt es sich hier vielleicht, auf die ungeschnittene Version fürs Heimkino zu warten, die härter und länger zu werden verspricht. Vor allem da man dann auch leichteren Zugang zur Originaltonspur hat, da in der Übersetzung zwangsläufig einige Momente verloren gehen. Trotzdem ist der Film für jeden Actionfan, der müde von Capes und Superkräften ist, absolut zu empfehlen und um im „Wir sind Movies“-Jargon zu bleiben: 7/10!

Autor: Laszlo Horvath

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