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RoboCop (2014) Review

Im Jahre 2028 ist die Welt immer noch genauso wie heute: Es gibt Krieg und Unruhen, Gewalt und Verbrechen auf der einen Seite, die Kräfte der Ordnung und des Friedens auf der anderen. Es gibt noch immer gute Menschen und schlechte, gute Polizisten und solche, die weniger dafür geeignet sind. Die besten Polizisten sind jedoch die, die keine Menschen sind, sondern Maschinen. Das will uns zumindest Pat Novak (Samuel L. Jackson), Meinungsmacher im US-amerikanischen Fernsehen, glauben machen und wütet daher mit dem Zorn des Gerechten und allen Finessen der Fernsehtechnologie gegen den „Dreyfus Act“, der den Einsatz von Roboter-Gesetzeshütern auf dem amerikanischen Kontinent verbietet, während im Rest der Welt die metallenen Produkte der Firma „OmniCorp“ bereits für Recht und Ordnung sorgen.

Unter den menschlichen Polizisten im Detroit der nahen Zukunft ist Alex Murphy (Joel Kinnaman) einer der besseren. Unermüdlich und unbestechlich im Kampf gegen Unrecht und Korruption sowie ein liebender Familienvater nach Dienstschluss wird ihm die Suche nach dem Drahtzieher hinter dem Verschwinden von Waffen aus der Asservatenkammer des eigenen Polizeipräsidiums zum Verhängnis und er nach einem Autobombenanschlag zum Krüppel – und zum perfekten Versuchskaninchen für OmniCorp unter der Leitung von Raymond Sellars (Michael Keaton), der auf der Suche nach einem Weg ist, Polizeiroboter „menschlicher“ zu machen, um sie endlich auch dem amerikanischen Volk (und Staat) verkaufen zu können. Unter der technischen Leitung von Dr. Dennett Norton (Gary Oldman) beginnt somit die Arbeit an der Mensch-Maschine, die die Qualitäten beider Seiten in sich vereinen soll: Die notwendige Härte und Effizienz einer seelenlosen Kampfmaschine und die Fähigkeit zur Empathie und emotionalen Wärme des „homo sapiens“.

„RoboCop“ ist in erster Linie ein geradliniger Actionstreifen mit festgelegten Rollen und niedriger Alterseinstufung, in dem der Wissenschaftler gleichzeitig Psychologe, Psychiater, Ingenieur und Neurochirurg sein kann, der Chef der multinationalen Firma unverhohlen sein kapitalistisches und menschenverachtendes Gesicht zeigt und der namensgebende Protagonist Verbrecher lieber mit Stromstößen außer Gefecht setzt, als sie zu erschießen – und wenn es doch notwendig erscheint, so geschieht es verborgen außerhalb des Bildkaders oder gefiltert durch die Linse einer Wärmebildkamera, die alle Details verschwimmen lässt. Die schauspielerische Leistung ist wie der Rest des Films solide, wenn auch nicht überragend und die bekannteren Namen stehlen den weniger teuren Schauspielern die Schau. Samuel L. Jackson dominiert in seiner fiktionalen Fernsehsendung im Film das Bild und die Meinung der ebenso fiktionalen Zuschauer. Gary Oldman schlawinert sich durch den Film, ohne groß etwas richtig oder falsch zu machen und Joel Kinnaman porträtiert seinen Charakter bereits vor der Verwandlung in einen Cyborg ausreichend steif. Bedauerlich ist, dass Michael K. Williams als Alex Murphys Partner bei der Detroiter Polizei nicht mehr Spielzeit eingeräumt wurde, nachdem er sein Talent unter anderem in den Fernsehserien „The Wire“ und „Boardwalk Empire“ zur Genüge unter Beweis gestellt hat. „RoboCop“ unterhält, ohne zu langweilen und tut dies am besten, wenn Samuel L. Jackson polemisierend Gift und Galle spuckt, unliebsamen Gesprächspartnern das Wort abschneidet, und alles in allem Fox News‘ ultrakonservativen Moderator Bill O’Reilly in jeglicher Hinsicht zu übertreffen sucht, wobei er die Grenze zur Parodie mit Genuss überschreitet.

„RoboCop“ ist auch ein kritischer Kommentar zum US-amerikanischen Drohnenkrieg, der überall in der Welt geführt wird – außer in den USA. Eröffnet wird der Film mit einer Live-Reportage aus dem mithilfe von Kampfrobotern befriedeten Teheran, während der sehr schnell deutlich wird, dass die Stadt trotz der massiven Militärpräsenz alles andere als friedlich ist. Die Tötung eines mit einem Küchenmesser bewaffneten Jungen durch einen monströsen zweibeinigen Panzer steht stellvertretend für die Verrohung eines Krieges, bei dem Analysealgorithmen und nicht ein menschlicher Geist urteilen: Ein Mensch hätte verstanden, dass ein Küchenmesser keine Bedrohung für einen Panzer ist, erst recht nicht in der Hand eines Kindes. Der Algorithmus sieht nur die Waffe und nicht den verstörten Menschen, der sie hält.

In Detroit wird der mechanisierte Kampf gegen die Kriminalität hingegen mit großem Erfolg geführt. In seiner Funktion als nahezu unzerstörbarer RoboCop räumt Alex Murphy die Straßen auf und senkt im Alleingang die Verbrechensrate auf ein nie dagewesenes Tief. Der Gewinn für die Menge geht allerdings auf Kosten des Einzelnen, denn als Mensch in der Maschine ist er zu derartigen Aktionen nicht in der Lage. Erst wenn die Maschine unbemerkt und ungewollt die Kontrolle über den Menschen übernimmt, kann er Höchstleistungen erbringen – ist aber zugleich für Manipulation anfälliger, denn eine Eins oder Null an der falschen Stelle lässt den Computer ein Opfer töten und den Täter entkommen.

„RoboCop“ kritisiert nicht die Verwendung von Drohnen im außeramerikanischen Ausland und lobpreist sie im Inland. Vielmehr wird die Entmenschlichung eines jeden Drohnenkrieges angeprangert, in dem Menschen zu Zielen werden, die sich durch Druck auf eine Fernbedingung ausknipsen lassen und der vergessen lässt, dass es nicht ein Punkt auf dem Bildschirm ist, der verschwindet, sondern ein Leben. Leider lässt die mittelmäßige Präsentation kaum vermuten, dass sich hinter der Fassade eines durchschnittlichen Actionfilms tatsächlich eine pointierte Botschaft verbergen könnte. Und so bleibt am Ende nur Pat Novak, der mit dröhnender Stimme daran erinnert, dass Amerika die größte Nation der ganzen Welt ist und für immer bleiben wird – und die Frage, wie viele der Zuschauer das nur zu gerne glauben und danach wieder zu Fox News schalten werden, wenn der Film in einem halben Jahr in der Wiederholung läuft.

Autor: David Radtke

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