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Zoomania (2016) Review

© Disney

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„Zoomania“, die Stadt, wo sich Fuchs und Hase im wahrsten Sinne gute Nacht wünschen! Denn in der Welt von Disneys neustem Animations-Abenteuer haben Beute- und Raubtiere vor vielen Jahren Frieden geschlossen und leben nun im friedlichen Mit- und Nebeneinander. Daher lässt sich auch Häschen Judy Hopps, geboren in eine Familie mit 200 Karottenfarmern als Geschwister, nicht von ihrem Traum abbringen, Polizistin zu werden – auch wenn sie unter all den Tigern, Büffeln und Elefanten im öffentlichen Dienst den ersten Hasen abgibt und sich damit einigem Spott aussetzt. Dem Motto „In Zoomania kann jeder sein, was er will“ hat sich ebenfalls Fuchs Nick verschrieben, wenn auch sicher nicht auf die gewünschte Art und Weise. Denn der charismatische Schlaumann/Fuchs nutzt sein schnelles Mundwerk lieber für allerlei Trickbetrügereien und gerät damit unausweichlich schnell mit der idealistischen und übermotivierten Hopps aneinander. Diese kann seine Hilfe allerdings dringend gebrauchen, um einen Fall verschwundener Raubtiere aufzuklären. Nicht nur kennt Nick alle Ecken und Enden Zoomanias, auch kann Häschen Hopps von Seiten ihrer Kollegen nicht auf viel Unterstützung hoffen. So macht sich das ungleiche Paar ganz in Buddy-Cop-Manier auf die Suche nach den Vermissten und kommt dabei natürlich Größerem auf die Spur als nur ein paar verschwundenen Fleischfressern.

Obwohl Disney-Animation gerade in den 2000ern gerne mal im Schatten des eigenen, angekauften Pixar-Studios stand, hat sich die Traditionssparte in den letzten Jahren wieder als zweites Standbein etabliert. Wo „Ralph reicht’s“ 2012 den Anfang machte, ist spätestens seit dem darauffolgenden Knaller „Die Eiskönigin“ klar, dass die Animation-Studios zurück sind. Und wie schon bei dem Märchen-Abenteuer um Eisprinzessinnen und Schwesternbande setzt auch „Zoomania“ auf einen Mix aus alten Traditionen und thematischen Weiterentwicklungen, unweigerlich natürlich verpackt in fantastisch animierte Bilder. Denn was seine Präsentation angeht weiß das tierische Buddymovie schon früh die richtigen Akzente zu setzen. Erst mit einer humoristischen Theatereinlage als Exposition in die Welt aus versöhnlichen Raub- und Beutetieren, die dank der kindlich-tierischen Lebewesen schon ein direktes Trommelfeuer auf Zuschauers Herz starten will. Denn wer bitte kann sich knuddeligen Hasen, Igeln und Tigern mit runden Gesichtern und noch runderen Augen widersetzen? Der optimistische Grundton wird dann schon bald durch eine ordentliche Portion Bombast erweitert, denn wenn der Zuschauer Seite an Seite mit der herangewachsenen Hopps per Zug erstmals Zoomania erkundet, ist das an Schauwerten und Ideenreichtum kaum zu überbieten. Schließlich soll die Stadt allen Tieren ein Zuhause bieten und bringt damit nicht nur vom tropischen Dschungel über trockene Wüste bis zur eisigen Polarlandschaft alle denkbaren Stadtviertel mit, sondern nimmt sich außerdem ausgiebig Zeit um sich einige Späßchen mit den Größenunterschieden zu erlauben. Der Stand eines Slush-Verkäufers muss ja eine Giraffe genauso als Kunden bedienen können wie einen Hamster. Bei diesem visuellen Ideentornado verkommt ein Seitenhieb, dass auch im Tierreich das Smartphone die Aufmerksamkeit des Alltags einnimmt, fast schon zur zweiten, wenn auch nicht weniger lustigen Geige. Und selbst wenn der Film später natürlich etwas zurückfährt, um sich auf den eigentlichen Kriminal-Plot zu konzentrieren, bleibt die Umgebung doch immer angenehm auffällig Teil der Handlung – ob nun Zeugensuche im modrigen Regenwaldviertel bei Nacht oder eine irrwitzige Verfolgungsjagd durchs Miniaturviertel für alle Kleintiere.

© 2016 Disney

© 2016 Disney

In der eigentlichen Handlung ist „Zoomania“ wie schon erwähnt ein absolutes Kind seiner Zeit. Ein Animationsfilm mit sprechenden Tieren, wie Disney ihn im Kern erfunden und groß gemacht hat, gut vermengt mit den Anleihen des Buddy-Cop-Genres wo sogar Riggs und Murtaugh die Lauscher aufrichten würden. Hier ist alles mit drin, vom ungleichen Ermittlerduo über den übel gelaunten Polizeichef bis sogar hin zu den genre-üblichen 48 Stunden um den Fall zu lösen. Im kindgerechten Mantel feiert „Zoomania“ also sowohl seine eigenen Wurzeln, denn natürlich gibt es allerlei tierbezogenen Humor wie Faultiere als Räder im Beamtenapparat, als auch eine Parodie auf den Detektivfilm, macht aber, statt sich nur darauf zu beschränken, noch ein weiteres, hochaktuelles Fass auf. Denn die Koexistenz zwischen wildem Raubtier und harmlosem Hüpfer ist nicht nur simpler Aufhänger, sondern wird schnell zum zentralsten Motiv für alle Figuren sowie die Handlung. Dabei nutzt „Zoomania“ sein eigentlich harmloses Grundgerüst für einige tiefe Sticheleien in Richtung Gesellschaft. Denn Hopps muss schnell feststellen, dass der „Animal Dream“ vom ordentlichen Miteinander nur Fassade ist, unter der Oberfläche stattdessen Misstrauen und Vorurteile brodeln, die für viele nur darauf warten, bestätigt zu werden. Diese Ideen sind mehr als löblich und ihr Abhandeln ein willkommenes Novum, aber gleichzeitig der (wenn auch einzige) Hinkefuß des Films. Da natürlich alles einen guten Abschluss erhalten muss, wird „Zoomania“ nicht daran vorbeikommen, sich für die meisten erwachsenen Zuschauer als naiv-optimistisch zu entlarven und eigentlich möchte man dem Film daraus auch auf gar keinen Fall einen Vorwurf machen. Wären da nicht die Momente, welche durch Genre-Konventionen vogeschrieben sind, egal wie unmotiviert sie sich auch aus der Handlung ergeben. Punkte wie Selbstzweifel unserer Heldin, Streit mit dem Partner und die unverhoffte Lösung sollen nun einmal abgehakt werden. Wohl gemerkt, die jüngeren Zuschauer dürfte all das nicht betreffen, für die Kleinen ist „Zoomania“ eine uneingeschränkte Empfehlung. Für die meisten Erwachsenen dürfte sich das Zoo-Abenteuer aber in diesen Momenten unglaublich „filmisch“ anfühlen, ein Kritikpunkt, den gerade die hauseigene Konkurrenz Pixar so gut zu umgehen in der Lage ist und wie zuletzt erst bei „Alles steht Kopf“ stattdessen voll auf Gefühle von Jung und Alt abzuzielen weiß.

Disneys „Zoomania“ ist ein Rundumvergnügen und eine klare Empfehlung für alle Interessierten, das mit verspielten Bildern sowie einer aufgeweckten Heldin gerade den Kleinen furchtbar gut gefallen sollte. Manch einem älteren Semester dürfte aufgrund der vorhersehbaren Beats im Drehbuch und der simplen Lösungen für die aufgeworfenen komplexen Themen das tierische Vergnügen etwas verdunkelt werden. Natürlich ist „Zoomania“ ein Animationsfilm, der vorranging Kindern gefallen will und auch wird, dass sich das aber nicht ausschließen muss, beweist gerade Pixar ja immer wieder. Nichtsdestotrotz hat Disneys neuster Animations-Spaß das Herz absolut am rechten Fleck und bietet Familien-Unterhaltung auf Höchstniveau, die sich wunderbar fürs Sonntags-Kino eignet.

Autor: Simon Traschinsky

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