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Zoolander No. 2 (2016) Review

© Paramount Pictures

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Wow, satte 15 Jahre hat es gedauert bis Ben Stiller ein Sequel zu „Zoolander“, seiner Klamotte über das Modebusiness und all ihrer schrulligsten Figuren, auf die Beine, oder besser den Laufsteg, stellen konnte. Eine Fortsetzung, nach der überhaupt irgendjemand geschrien hat? Späte Sequels sind weder neu noch von vornherein zu verachten, schließlich bekommen wir für jeden „Terminator: Genisys“ einen „Mad Max: Fury Road“ und der vierte „Indiana Jones“ ist schlicht als späte Rache für den zweiten Teil vom „Paten“ zu sehen. Allerdings muss man sich schon wundern, dass Stiller mit seinem „Twolander“ gerade diese Lizenz wieder anpackt, genießt der Erstling weder Kultstatus mit loyaler Anhängerschaft oder spülte damals außergewöhnlich viel Geld in die Kassen.

Denkbar wäre hier ein Update, das an Humor von all dem profitiert, was sich in den letzten 15 Jahren geändert haben mag, beispielsweise der Aufstieg sozialer Netzwerke, der sicherlich für eine Branche um Mode, Glamour und Co. nicht unerheblich war. Daher setzt die Handlung auch innerhalb des Films fast zwei Jahrzehnte später an, eine rasche Montage im Vorspann bringt den Zuschauer auf den neusten Stand. Das “The Derek Zoolander Center for Kids Who Can’t Read Good and Wanna Learn to Do Other Stuff Good Too” ist nur Tage nach seiner Eröffnung zusammengestürzt, hat Dereks Frau in den Trümmern begraben und sein ehemaliges Konkurenzmodel /Schrägstrich/ nun besten Freund Hansel (Owen Wilson) furchtbar entstellt. Zoolander (Ben Stiller), mit der Erziehung seines Sohnes komplett überfordert, macht die Behörden auf sich aufmerksam, verliert das Sorgerecht für seinen Sohn und beschließt, als „Einsiedlerkrebs“ ab nun in der Pampa zu leben und von der Bildfläche zu verschwinden. Bis heute, wo die Interpol-Agentin für Modeangelegenheiten Melanie Valentina (Penélope Cruz) sich auf die Suche nach ihm begibt. Denn immer mehr Musik-Größen werden nach und nach tot aufgefunden, nur durch ein Zeichen vereint: Zoolanders ikonischer „Blue Steel“-Blick auf ihrem Gesicht.

Was bescheuert klingt, ist es über die größte Laufzeit des Films auch. Obwohl „Zoolander 2“ sich jeglicher Rechtfertigung für ein Sequel entzieht, zünden zu Beginn die meisten Gags ganz gut. Wie schon der Vorgänger kann auch der zweite Teil auf eine große Riege von Gaststars und Cameo-Auftritten setzen, die mit gelungener Selbstironie oftmals die besten Pointen setzen. Ob Kiefer Sutherland als Teil von Hansels Harem, das kollektiv ihre Beziehung einen Schritt weiter führen möchte oder Justin Biebers Ausflug ins Action-Genre gleich zu Beginn des Films: mit Auftritt seiner Gaststars ist der Film oftmals am stärksten. Wie viele andere Komödien wagt auch „Zoolander 2“ damit einen gefährlichen Drahtseilakt, stürzt ein um das andere Mal sogar fast ab, kann sich aber glücklicherweise meistens rechtzeitig wieder fangen. Besonders da ein herrlich schräg unangenehmer Gastauftritt von Benedict Cumberbatch als Model „All“ einen Rohrkrepierer wie Katy Perrys Auftritt locker aufzuwiegen weiß.

© Paramount Pictures

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Neben den Gastauftritten ist die große Spielzeit aber natürlich vom alteingesessenen Cast zu tragen, hauptsächlich Owen Wilson und Ben Stiller. Ihre Darstellung auf Autopilot laufend, langt dies völlig um die ausreichenden Zoten im Script ordentlich auf die Leinwand zu bringen, am besten sind die beiden und ihre dümmlich-naiven, aber gutherzigen Modelfiguren aber natürlich im Miteinander. So steht Wilsons Hansel fast den ganzen Film über an Stillers Seite, auch wenn die Story einige Haken schlagen muss, um ihm irgendwas an Relevanz zukommen zu lassen. Stiller dagegen hat als Daddy ohne Plan, der nun alles besser machen will, natürlich deutlich mehr zu tun, bekommt mit Penélope Cruz auch eine solide Nebendarstellerin an die Seite, die ganz großen Wunder bleiben aber trotzdem aus. Auch weil „Zoolander 2“ sich kaum aktueller medial-gesellschaftlicher Veränderungen annimmt, ein paar Seitenhiebe auf Selfies, das war’s. In Zeiten, wo über transparentere Produktionsketten in der Modeindustrie und die Rollenarmut für nicht mehr ganz junge Frauen im Show-Business diskutiert und geklagt wird, wären hier sicher noch mehr und bissigere Zoten möglich gewesen. Stellvertretend für den Mangel an Innovation darf auch Will Ferrell als Bösewicht Mugatu aus Teil 1 nicht fehlen und auch hier gilt: Alles soweit in Ordnung, aber es fehlt an der nötigen Frische.

Wie zu erwarten ist Stillers zweiter „Zoolander“ natürlich keine Revolution, noch nicht einmal wirkliche Evolution, aber dank unaufdringlicher Blödelei und einer Spielzeit von knapp über 100 Minuten weder nervig noch wirklich langweilig. Wie im Genre üblich, fällt das Finale etwas Gag-ärmer aus, wenn alle Handlungsfäden zusammengeführt werden wollen. Bevor es aber zum großen Gähnen kommen kann, wird das Ende schnell durch den flotten Abspann abgelöst, der den Zuschauer in einer Mischung irgendwo zwischen Gag-Reel, Musikvideo und Trailer mit guter Grundstimmung aus dem Kino spielen will. Es ist ein alter Spruch, aber „Fans des ersten Teils dürften auch mit Teil 2 ihren Spaß haben“. Es gibt auch kaum jemanden, dem „Zoolander 2“ wirklich sauer aufstoßen bzw. ihn zu Tode langweilen sollte – dafür ist das Tempo hoch genug, die Gastauftritte abwechslungsreich und der Humor harmlos genug. Dennoch dürften die meisten den Gedanken nicht abschütteln können, dass Stillers neuster Film zwar nett ist, sicherlich aber die Entwicklungen in der Comedy der letzten Jahre, ob „Hangover“ oder „Brautalarm“, weitestgehend verschlafen hat.

Autor: Simon Traschinsky

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