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You’re Next (2011/2013) Review

Regisseur Adam Wingard lässt es in seinem neuen Film ganz klassisch angehen: nach dem Sex wird ein junges Paar scheinbar grundlos von Menschen in Tiermasken umgebracht. Zuerst die Dame, dann der Herr des Hauses, dessen trauriges Schicksal ihm die Killer mittels blutigem Schriftzug bereits am Fenster angekündigt hatten: „You’re Next.“

Willkommen zum neusten Beitrag im Subgenre des Home-Invasion-Horrorfilms, der sich verschiedenster Motive des Slasherfilms bedient. Die Regeln der beiden Horror-Unterkategorien dürften weitgehend bekannt sein, ebenso die damit einhergehenden Standardsituationen und Figuren und der obligatorische Twist, der seit „Scream“ (1996, Wes Craven), DEM postmodernen Slasher-Manifest, natürlich auch nicht fehlen darf. Wer sich also im Horrorgenre auch nur etwas auskennt, der wird sich in Wingards Film größtenteils wie zu Hause fühlen. Die Ausgangssituation gestaltet sich relativ simpel: eine Feier zu Ehren des Hochzeitstages von Mr. und Mrs. Davison (Rob Moran und Barbara Crampton) soll Eltern und Kinder mit jeweiligen Partnern endlich mal wieder alle vereint an einen Tisch bringen. Gefeiert wird in einer Art Landhaus, natürlich etwas abseits vom Schuss gelegen, geradezu ein Traum für etwaige irre Killer. Als die geschwisterlichen Zwistigkeiten beim Abendessen drohen, den Höhepunkt zu erreichen, wird das Treiben jäh durch einen Armbrustbolzen unterbrochen, der durch das Fenster schlägt und Tariq (Ti West), den Freund von Tochter Aimee (Amy Seimetz) tödlich verwundet. Die eingangs erwähnten Mörder mit den Tiermasken sind zurück und trachten der Familie nun nach dem Leben. Und wäre da nicht Erin (Sharni Vinson), die furchtlose Freundin von Crispian (A. J. Bowen), dann würde das den maskierten Angreifern auch womöglich gelingen. Doch Erin stellt sich ihnen mit allen Mitteln entgegen und dreht den Spieß um: Vorhang auf für das härteste Final Girl der Horrorfilmgeschichte!

Wingards Film plätschert in den ersten 20 Minuten etwas lustlos dahin (was u.a. aber auch den anfangs etwas uninspiriert wirkenden Dialogen oder womöglich eher noch der zu Beginn arg gewöhnungsbedürftigen Synchronisation zur Last gelegt werden kann/muss), nimmt dann aber spätestens mit Einbruch des Terrors in die vermeintliche Landhausidylle an Fahrt auf und mixt gekonnt Home-Invasion- mit Slasher-Elementen. Ein großer Verdienst von Regisseur Wingard und Autor Simon Barrett ist dabei auch die Tatsache, dass der augenzwinkernde schwarze Humor nicht zu kurz kommt. Sowohl die straffe Inszenierung, die zuweilen sehr clevere Konzeption des Plots, der u.a. mit Erwartungshaltungen spielt, sowie damit, dass der Zuschauer oftmals mehr weiß als die Protagonisten (suspense at its best), die geschickt eingesetzten und teilweise herrlich überdrehten Splatter-Effekte, als auch der herausragende Synthie-Score, der ein ums andere Mal an den großen John Carpenter erinnert, wissen absolut zu gefallen. Vor allem Genrefans sei „You’re Next“ daher besonders ans Herz gelegt – die obligatorischen Zitate durch die Horrorfilmgeschichte tun dementsprechend ihr Übriges.

Fazit: Adam Wingards schwarzhumoriger Horrormix vereint gekonnt Stilelemente unterschiedlicher Subgenres, ist nach der etwas langwierigen und langweilenden Exposition unverschämt unterhaltsam, bietet eine im Großen und Ganzen mehr als solide und zumeist stimmige Story, die von Minute zu Minute spannender wird und krönt das Ganze mit einem zynisch-brillanten und bösartig-lustigem Finale. Die bisher vor allem durch „Step Up 3D“ in Erscheinung getretene australische Schönheit Sharni Vinson darf neben ihrer Fitness hier nun auch endlich mal ihre mimischen Qualitäten unter Beweis stellen und muss unweigerlich als DIE Offenbarung und positive Überraschung des Films angesehen werden. Scream Queens waren gestern, die taffe Erin ist die Frau oder besser gesagt das Girl der Stunde. Neve Campbell aus der „Scream“-Tetralogie hat in ihr nun endlich eine mehr als ebenbürtige Nachfolgerin gefunden. Im Olymp der legendären Final Girls des Horrorfilms heißt das dann konsequenterweise folgendes: You’re Next, Sharni Vinson.

Autor: Markus Schu

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