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Wish I Was Here (2014) Review

© EuroVideo Medien GmbH

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John Michael Dorian – kurz J.D. Oftmals auch Flachzange, Gladis, Klara, Janis, Britney, Linda, Carol oder Shakira genannt. Mit all diesen Namen wurde Zach Braff berühmt. „Scrubs“. Mehr Worte braucht es dazu nicht. Neben seiner Serienkarriere verfolgte Braff sein Ziel, als Autorenfilmer Fuß zu fassen. Mit “Garden State”, seinem ersten Spielfilm, gelang ihm ein durchaus nennenswerter Erfolg im Independentfilm-Bereich. Nun legt Braff mit “Wish I Was Here” nach. Dabei ähnelt sein neustes Werk nicht nur in der visuellen Gestaltung “Garden State”, sondern auch er selbst steht erneut vor der Kamera – denn es dreht sich in gewisser Weise wieder um ihn, um seinen persönlichen Werdegang.

Wie Braff selbst sagte, war “Garden State” eine Geschichte über die Hürden, die er in seinen Zwanzigern zu meistern hatte. “Wish I Was Here” wirft dieses autobiografische Bild nun zehn Jahre nach vorne und beleuchtet Braffs Mitte-Dreißiger-Dasein. Haus, Kinder, Frau – und immer noch erfolgloser Schauspieler. Motive, die den Kern von Braffs Filmen zu bilden scheinen. “Wish I Was Here” fühlt sich also nicht nur wie eine Fortsetzung an – es ist auch ganz bewusst eine.

Doch lange vor aller Kritik über die gestalterischen und inhaltlichen Aspekte des Films entflammte in der Öffentlichkeit ein kleines Lauffeuer. Denn Braff hat seinen zweiten Langspielfilm nicht aus eigener Tasche bezahlt oder mit Studios zusammengearbeitet, was der übliche Weg in Hollywood gewesen wäre. Er hat auf Crowdfunding gesetzt. Fast 47.000 Menschen haben über 3 Millionen US-Dollar gespendet, um dem filmischen Leben des Zach Braff einen Kickstart zu verpassen. Die Frage stellte sich, ob es für Braff wirklich keine andere Möglichkeit gab. Als Topverdiener der Hollywood-Serienbesetzung scheinen 3 Millionen US Dollar keine unerreichbare Summe. War die ganze Crowdfunding-Kampagne vielleicht eine Marketingaktion, um sich und das Projekt ins Gespräch zu bringen? Dass Braff allerdings den Weg über alternative Geldquellen sucht, ist verständlich: So etwas persönliches, soviel Herzblut wollte er nicht aus den Händen geben. Keine Zielgruppenausrichtung, keine strategischen Gewinn-/Verlustabwägungen. Besetzung, Motive, Figurenzeichnungen – er hatte eine klare Vorstellung, um einen sensiblen Mikrokosmos zu errichten, der seine eigene Gefühlswelt spiegelt.

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Und dies gelang ihm. Manchmal kurz vorm Kitsch, aber meistens verdammt zielführend erzählen Zach Braff und sein Bruder Adam Braff in ihrem Drehbuch die Geschichte von Aidan Bloom, dessen Welt gewaltig ins Wanken gerät, als sein Vater im Begriff ist, zu sterben. Im Grunde ist es abermals eine Coming-of-Age Story, in der ein infantiler und kindlich naiver Familienvater selbst eine Richtung im Leben finden muss – dabei muss beruflich sowie familiär aufgeräumt werden. Dass dies natürlich Braffs Paraderolle sein wird, war zu erwarten. Doch auch in der Charakterentwicklung zeigt sich sein Schauspiel durchaus überzeugend. Denn die emotionalen Szenen von “Wish I Was Here” sind dramaturgisch gut gesetzt. Die Braff-Brüder wissen, wie man auf die Tränendrüse drückt. Das grandiose Schauspiel von Mandy Patinkin, dem sterbenden Vater der Geschichte, rettet in den pathetischen Situationen des Films sogar über den ein oder anderen klischeehaften Moment hinweg.

So Standard der Mainplot auch sein mag, so frisch wirken die Nebenfiguren. Aidans Bruder, ein hauptberuflicher Blogger, der zwischen Fan-Fiction und Kindheitstrauma lebt, gibt der Geschichte in den richtigen Momenten Wind in die Segel. Auch Aidans Tagträume, die eine gelungene Hommage an die Abschweifungen aus Scrubs sind, bringen die Geschichte in Fahrt. Dabei wird nie zuviel in Gedanken schwadroniert oder sich versucht, in bedeutungsschwangere Monologe zu verlieren. Die Braff-Brüder beleuchten smart und vielschichtig ein Verständnis von Gott und nehmen in einem Atemzug Religion auf die Schippe. Das Timing von dramatischen Momenten, die sich mit humorvollen Einlagen abwechseln, lässt die Erzählung dabei ungemein kurzweilig wirken.

Geschmackssache: Feel-Good-Szenen wirken gekünstelt. Ein wenig gelbes Licht und Bloom hier. Slow-Motion, taumelnde Kamerabewegungen und lachende Gesichter da. Schon haben wir den Zuschauer ein wenig an der Nase herumgeführt und der Autor hat sich über eine der schwersten Aufgaben hinweggeholfen: Wie löse ich Emotionen aus? Das überlässt er nämlich dann dem Regisseur, der das Ganze wunderbar inszeniert. Zauberhafte Atmosphäre, aber was hat das mit der Handlung zu tun? Auch wenn die Story von “Wish I Was Here” kein originelles Monumentalwerk darstellt, so ist sie solide geschrieben und hätte solche Tricks nicht nötig gehabt. Die traurigen Momente des Films ergeben sich auch aus der Handlung – ebenso hätten es die heiteren und lustvollen Szenen verdient, die dem Zuschauer dann ein herzerwärmendes Lächeln aufs Gesicht malen. Gekünstelte Feel-Good-Szenen wirken hingegen wie ein Coca-Cola-Werbespot.

Doch “Wish I Was Here” schafft es trotzdem, einen Sinnzusammenhang im Kopf des Zuschauers zu konstruieren. Und auch wenn man dafür auf bewährte Mittel zurückgreift, wirkt es frisch und an einigen Ecken originell. Der humorvolle Nachfolger von “Garden State” ist dabei ein gelungener Film über Familie. Auch wenn in jedem zweiten Dialogfetzen wenig subtil auf das Thema Familie angespielt wird, so kreiert der Film allerdings auch eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl, was auf den Zuschauer übergeht.

Autor: David Daubitz

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