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What the F***??? (2014/2015) DVD-Kritik

© EuroVideo Medien

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Rémi Gaillard ist vielen Menschen vermutlich besser bekannt als der Franzose, der auf Youtube durch seine abgefahrenen Videoclips mit versteckter Kamera ahnungslose Mitbürger zum Wahnsinn treibt und immer wieder verrückte Aktionen durchzieht. Beispielsweise sein erfolgreichstes Video „Kangaroo“, oder als er sich 2002 als Spieler der Siegermannschaft des französischen Pokals verkleidete und an allen feierlichen Zeremonien der Mannschaft vor dutzenden Kameras teilnahm. Über eine Milliarde Klicks hat Gaillard schon mit seinen Videos erzielen können und vermutlich hat jeder, der sich etwas auf Youtube rumtreibt, hat zwangsläufig schon mal eines seiner Videos gesehen. Da war es ein vielleicht unumgänglicher Schritt, dass mit dem Provokateur und Komiker auch ein Langspielfilm gedreht wird.

Die Handlung ist dabei recht simpel: Angetrieben von seiner Freundin (Nicole Ferroni) entscheidet Gaillard, sich zur Ruhe zu setzen. Sie wünscht sich nämlich, eine Familie zu gründen und mit Ende dreißig noch infantile Youtube-Videos zu drehen und Anarcho-Aktionen durchzuziehen passt da nicht so gut zusammen. Seine Kumpels haben auch alle inzwischen Familie und können Gaillard nur noch sporadisch beim Filmen unterstützen; darüber hinaus fühlen sie sich schlecht behandelt, weil nur Gaillard im Rampenlicht steht. Also zieht Gaillard aufs Land und beginnt, in der Firma seines Schwiegervaters (Patrick Raynal) zu arbeiten. Gaillard steht nun allerdings vor der Aufgabe, seine Fantasie und sein Talent zur Anarchie zu unterdrücken…

Über Gaillard selbst und seine Aktionen kann man sich sicherlich auch streiten, aber eigentlich muss man die Videos und den Typen mit seinen Ideen einfach lieben. Ansonsten outet man sich tatsächlich als Spießer, der zum Lachen in den Keller geht. Bei „What the Fuck???“ sieht das Ganze allerdings etwas anders aus. Gaillards Humor funktioniert nämlich in einem Standard-Spielfilm nicht so gut. Alles, was in dem Film als Handlung und Situationskomik passieren soll, ist ziemlich schwach. Die Gags sind vorhersehbar, hölzern rübergebracht und die Szenen auch einfach langweilig. Gaillard wirkt in dem Film auch nicht wie der talentierteste Schauspieler unter der Sonne. Gerade weil die letzten Exportschlager der Franzosen richtige Kracherkomödien beinhalteten wie eben „Ziemlich beste Freunde“ (2011) oder „Monsieur Claude und seine Töchter“ (2014), wirkt „What the Fuck???“ im Vergleich dazu ausgesprochen lahm. Dabei muss man auch sagen, dass genannte Filme sich mehr getraut haben und kompromissloser waren. Das muss man sich mal vor Augen halten: Der provokante Youtuber lässt sich von Mainstream-Filmen mit FSK-Freigaben von 6 bzw. 0 Jahren den Schneid abkaufen, was Kompromisslosigkeit angeht.

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In „What the Fuck???“ werden auch einige seiner Youtube-Klassiker gezeigt und mehr oder weniger geschickt in die Handlung eingebunden. Der Film bekommt dadurch den Charakter einer Nummern-Revue, bei der die filmische Dramaturgie nur dazu dient, irgendwie alte Streiche von Gaillard einzupflegen. Einerseits geschieht das sehr hölzern und andererseits tut das eben auch dem eigentlichen Film nicht sonderlich gut. Da die Youtube-Aktionen jedoch das Coole an dem Film sind, kommt einem die filmische Handlung dazwischen wie zäher Brei vor, der sich unglaublich hinzieht. Ein Film, der 80 Minuten geht, hat Längen?! Im letzten Akt werden auch noch neue Aktionen von Remi Gaillard gezeigt, die dann einfach hintereinander abgefeuert werden und vermutlich als „unique selling point“ des Films fungieren sollen. Eingebettet in einen Spielfilm kommen diese aber auch leider nicht mehr so spontan und ungekünstelt rüber und man fragt sich, ob diese Aktionen nicht vielleicht extra für den Film inszeniert und vielleicht Schauspieler dafür engagiert wurden. Natürlich will ich ihm das nicht unterstellen und ich glaube auch nicht, dass es so war. Aber es funktioniert eben nicht so richtig.

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„What the Fuck???“ ist auf unserer Seite eigentlich etwas deplatziert, da es kein wirklicher Film ist, sondern mehr ein Vehikel, um irgendwie Gaillards Aktionen in eine Geschichte zu pressen. Dabei schmälert die Rahmenhandlung sogar noch die Stärken des Filmes – die verrückten Aktionen mit versteckter Kamera. Insofern muss „What the Fuck???“ sich als Spielfilm tatsächlich das Prädikat „gescheitert“ aufstempeln lassen. Jeder, der Gaillards Aktionen abfeiert und sehen will, fährt mit einer Youtube-Playlist deutlich besser und schafft es eventuell bei richtiger Sortierung, eine bessere Dramaturgie zu erzeugen. Für die Youtube-Videos im Film gibt es 8/10, für das Drumherum nur 1/10.

Autor: Torsten Stenske

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