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Was macht eigentlich #7 David Lynch

Der Meister des Surrealen hat seit „Inland Empire – Eine Frau in Schwierigkeiten“ (2006) keinen neuen Spielfilm mehr veröffentlicht und macht auch keine Anstalten, daran etwas zu ändern. Einem Interview mit Regie-Kollege Abel Ferrara zu Folge hat Lynch nämlich überhaupt keine Lust mehr, Filme zu drehen. Der Altmeister scheint sich also weiterhin in seiner fragwürdigen transzendentalen Meditation zu üben und konzentriert sich in letzter Zeit eher auf seine Musikkarriere und das Drehen von Kurzfilmen. Fragwürdig war außerdem seine Crowd-Funding-Aktion im Jahr 2010, bei der er es seinen Fans ermöglichte, gegen eine Geldspende von 50 US-Dollar Förderer des letzten Parts seines dreiteiligen Dokuprojekts „LYNCHthree“ (über Lynchs Karriere und die Produktion seines Films „Inland Empire“) zu werden. Dafür erhalten die edlen Spender dann auch den Zugang zu „exklusivem Filmmaterial“ und die Möglichkeit, den Inhalt der Dokumentation zu beeinflussen, indem sie Fragen beifügen, die die Macher der Doku dann dem Regie-Exzentriker stellen sollen. Außerdem würden sie noch mit einer Replik eines von Lynch gemalten abstrakten Selbstporträts (oder alternativ mit einem T-Shirt mit dem Porträt als Aufdruck) belohnt werden. Klingt irgendwie arg narzisstisch und ziemlich absurd.

Doch abseits seiner seltsam anmutenden Eskapaden gab es in künstlerischer Hinsicht, wie bereits oben angedeutet, auch Positives zu vermelden: Lynchs Debütalbum als Musiker erschien im November 2011 unter dem Titel „Crazy Clown Time“ und ist (wie nicht anders zu erwarten) überaus experimentell geraten, doch wurde es auch zumeist wohlwollend von Musikkritikern aufgenommen. Für Louis C. K.‘s Comedy-Drama-Serie „Louie“ hat er 2012 zwei Episoden inszeniert und ein Musikvideo zu der ersten Singleauskopplung aus seinem Debütalbum (der Track hört auf den gleichen Namen wie das Album) hat er im letzten Jahr ebenfalls abgedreht und veröffentlicht. Im Bereich der Kurzfilme hat er 2010 bei einem 16-minütigen Internet-Promotion-Spot für Dior unter dem Titel „Lady Blue Shanghai“ mit Marion Cotillard in der Hauptrolle Regie geführt, 2011 hat er einen Clip für die Viennale mit dem Titel „The 3 Rs“ inszeniert. Über die Zukunft von Lynchs Spielfilmkarriere gibt es leider keine aktuellen Informationen und alle Fans dürfte das sicherlich bitter enttäuschen. Eine Aussicht auf Änderung ist zwar leider nicht in Sicht, doch schließlich wusste auch Sean Connery anno 1983 schon: Sag niemals nie! Also, die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt.

Als besonderes Schmankerl für Lynch-Aficionados findet ihr hier neben seinem Musikvideo „Crazy Clown Time“ bzw. neben seinem Werbespot „Lady Blue Shanghai“ bzw. neben seinem Viennale-Clip „The 3 Rs“ noch einen „Dirty Dancing“-Fake-Trailer, der an den außergewöhnlichen Stil des Regisseurs angelehnt ist. Wonderful!




Autor: Markus Schu

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