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Was macht eigentlich #18 das Trio aus „Stranger than Paradise“

Nach seinem Abschlussfilm „Permanent Vacation“ (1980) war „Stranger than Paradise“ (1984) der erste Film von Jim Jarmusch, den er jenseits der Filmhochschule fertigstellte. Mit Hilfe materieller Unterstützung von Wim Wenders sowie finanzieller Unterstützung des deutschen Filmproduzenten Otto Grokenberger schuf er 1982 zunächst einen 30-minütigen Kurzfilm, welcher zwei Jahre später zu einem Langfilm erweitert wurde. „Stranger than Paradise“ begleitet drei suchende Personen, doch was sie suchen, ist nicht ganz klar. Sich selbst? Glück? Sinn? Mit einer fast progressiven Ästhetik begibt sich Jarmusch mit seinen Protagonisten Willie (John Lurie), Eddie (Richard Edson) und Eva (Eszter Bálint) auf die Reise und schuf ein faszinierendes Porträt von Heimat- und Rastlosigkeit. Die Hauptdarsteller des Roadmovies, welches dann doch keines ist, verschwanden später jedoch nach und nach von der öffentlichen Bildfläche.

Die ungarische Musikerin Eszter Bálint wurde von Jarmusch bei einer Theateraufführung in New York entdeckt; „Stranger than Paradise“ stellte den ersten Film der damals 18-jährigen dar. Es folgte ein Kurzauftritt in der TV-Serie „Miami Vice“ sowie Rollen in „Bail Jumper“ (1990, Christian Faber), „The Linguini Incident“ (1991, Richard Shepard) an der Seite von Rosanna Arquette und David Bowie, Woody Allens „Shadows and Fog“ (1991) sowie Steve Buscemis „Trees Lounge“ (1996). Jedoch konzentrierte sich die Violinistin und Sängerin die meiste Zeit eher auf eine musikalische Karriere, teils an der Seite anderer Musiker, die größtenteils aus dem Independent-Bereich stammten, und veröffentlichte zwei Alben: „Flicker“ (1999) und „Mud“ (2004). Als Musikerin scheint sie nach wie vor zu arbeiten, seit 2005 gibt es jedoch nicht mehr wirklich Neuigkeiten ihrerseits.

John Lurie kannte Jarmusch schon länger, in einer kleinen Rolle als Saxophonist war er bereits in „Permanent Vacation“ zu sehen, zwischenzeitlich spielte er des Weiteren in „Paris, Texas“ (1984, Wim Wenders). Darüber hinaus steuerte der ebenfalls als Musiker aktive Lurie den Soundtrack zu „Stranger than Paradise“ bei, blieb Jarmusch in dieser Rolle danach bei „Down by Law“ (1986), in welchem er ebenfalls als Schauspieler mitwirkte, sowie „Mystery Train“ (1989) treu und komponierte daneben die Musik zu unter anderem „Animal Factory“ (2000, Steve Buscemi) oder „Get Shorty“ (1995, Barry Sonnenfeld), welche ihm eine Grammy-Nominierung einbrachte. Auf Nebenrollen in Filmen wie „The Last Temptation of Christ“ (1988, Martin Scorsese), „Wild at Heart“ (1990, David Lynch) oder „New Rose Hotel“ (1998, Abel Ferrara) folgten Anfang des 21. Jahrhunderts TV-Engagements in den Serien „Oz“ (2001-2003) und als Erzähler im Dokumentarformat „Mobsters“ (2010-2011). Erwähnenswert ist daneben seine eigene TV-Serie „Fishing with John“ (1991), in welcher er mit Prominenten wie Jim Jarmusch, Tom Waits, Willem Dafoe, Matt Dillon oder Dennis Hopper fischen geht, sich mit ihnen unterhält und dabei vermeintlich merkwürdige Dinge geschehen. Weiterhin besitzt Lurie ein Musiklabel namens „Strange & Beautiful Music“, auf welchem die posthumen Aufnahmen des afrikanischen Musikers Marvin Pontiac veröffentlicht wurden, ein fiktiver Charakter, welcher von Lurie selbst erschaffen wurde. Zusätzlich ist er, unter anderem aufgrund einer Borreliose-Erkrankung, welche ihn am Schauspielen und Musizieren hindert, als Maler aktiv; einige seiner Werke wurden sogar in die ständige Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art aufgenommen. Von den Jahren 2010 bis 2012 machte jenseits aller künstlerischen Aktivitäten ein mutmaßlicher Stalker Luries von sich reden. Die diesbezüglichen Reportagen der Zeitschrift „The New Yorker“ gipfelte im August 2012 in einem offenen Brief zahlreicher Persönlichkeiten der Kunst- und Kulturszene an das Magazin, in welchem sie sich über eine verfälschende Berichterstattung beschwerten.

Schauspielerisch am umtriebigsten ist Richard Edson, dessen Engagements sich zwar zumeist auf Neben- und Kleinstrollen beschränken, der in dieser Funktion allerdings in Filmen wie „Ferris Bueller’s Day Off“ (1986, John Hughes), „Platoon“ (1986, Oliver Stone), „Good Morning, Vietnam“ (1987, Barry Levinson), „Do the Right Thing“ (1989, Spike Lee), „Strange Days“ (1995, Kathryn Bigelow), oder „Starsky and Hutch“ (2004, Todd Phillips) zu sehen war. Hinzu gesellten sich Gastauftritte in TV-Serien wie „Homicide“ (1995), „Emergency Room“ (1997), „CSI: Miami“ (2003) oder „Numb3ers“ (2010). Auch Edson ist musikalisch veranlagt, so war er 1981 der erste Stammschlagzeuger der Alternative-Rock-Band „Sonic Youth“, welche er jedoch 1982 wieder verließ. Von allen dreien ist er darüber hinaus der einzige, der nach wie vor schauspielerisch aktiv ist; so erscheint er in Roman Coppolas „A Glimpse Inside the Mind of Charles Swan III“ (deutscher Kinostart: 02.05.2013), spielt die Hauptrolle in „Averageman“ (2012, Steve Hanft) und wird im sich in der Nachproduktion befindlichen Drama „Dutch Book“ (2013, James Repici) zu sehen sein.

Autor: Jakob Larisch

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