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Transformers: Ära des Untergangs (2014) Review

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Michael Bay ist ein Phänomen: Manche lieben ihn, viele hassen ihn, aber er lässt sich nicht in der Mission beirren, seine zu großen Teilen durch Product Placement und US-Militär finanzierten Filme auf den Zuschauer loszulassen. Trotz häufig negativer Kritiken schienen sich immerhin Fankreise noch einig zu sein, dass solche Werke wie „The Rock – Fels der Entscheidung“ (1996), „Armageddon“ (1998) oder auch die beiden „Bad Boys“-Filme (1995 und 2003) charmante Blockbuster ohne viel Hirn, aber mit reichlich rasanter Action waren. Spätestens „Transformers“ (2007) spaltete jedoch endgültig die Geister: Ein Film, basierend auf Spielzeugautos? Und auch als sich der erste Teil des Franchises als durchaus selbstironischer Actionstreifen entpuppte, führte spätestens der von fast allen Seiten verrissene zweite Teil (2009) die ohnehin schon dünne Story so komplett ad absurdum, dass jenseits von Schauwerten nichts mehr übrigblieb, was der dritte Teil (2011) nochmals konsequent fortführte. Entsprechend skeptisch bis ablehnend war die Resonanz, als die Planung des vierten Teils öffentlich wurde. Am besten lässt es sich so formulieren: „Transformers: Ära des Untergangs“ (keine Angst, hier geht nichts unter, denn dann wäre kein fünfter Teil mehr möglich) erfüllt die Erwartungen. Das kann je nach Perspektive gut oder schlecht sein, aber es ist nach allen Maßstäben ein Michael-Bay-Film. Hirn aus, Augen auf. Pocornkino in Reinkultur.

Die Dramaturgie ist wie immer: Gute Menschen (dieses Mal Mark Wahlberg und Nicola Peltz, später zusätzlich Jack Reynor) und gute Transformers (klar, Optimus Prime, Bumblebee und drei andere) müssen zunächst irgendwie zueinander finden. Dann gibt es die bösen Transformers (im Deutschen unter anderem gesprochen von Klaus-Dieter „Dr. House“ Klebsch), aber eigentlich gibt es auch noch die bösen Menschen aus Geheimdienst- und Wirtschaftskreisen (Kelsey Grammer als CIA-Agent, Stanley Tucci als Firmenboss und Titus Welliver als Auftragskiller), die sich für irgendein Ziel, meistens Geld, mit den bösen Transformers verbünden. Dann gibt es Gekloppe, dann wird eine Überraschung aus dem Hut gezaubert, die es den Guten kurzzeitig schwerer macht, ihr Ziel zu erreichen. Dann folgen coole Autos und noch mehr Gekloppe, woraufhin einer von den Guten ernsthaft in Gefahr gerät und/oder gefangen genommen wird, um ein Alibi für eine Action-Befreiungssequenz zu haben. Jemand wechselt kurz vor Schluss die Seiten, eine Stadt wird in Schutt und Asche gelegt und es kommt zum Showdown, der nur zu gewinnen ist, weil wieder jemand nicht auf das gehört hat, was ihm gesagt wurde. Any questions?

Womit sich die „Transformers“-Filme und damit auch der vierte Teil vor dem cineastischen Untergang retten können, ist ihre Einfachheit. Die Grundidee wird straight durchinszeniert, es gibt keine dämlichen Nebenhandlungen (sieht man von Elementen des zweiten Teils ab), nicht zu viele Bösewichte oder unnötige Wendungen. Gute Roboter gegen böse Roboter, das Konzept ist so simpel, dass es am besten dann funktioniert, wenn man es nicht mit etwas auflädt, was es inhaltlich nicht sein kann. Diesen Fehler begeht Bay auch nicht, Innovationen sind in „Transformers: Ära des Untergangs“ am ehesten visueller Natur, wichtig sind das Spektakel, die Show, womit der Film massiv punkten kann. Erste Neuerung sind die lang erwarteten Dinobots, daneben die von Stanley Tuccis Charakter entwickelten Transformers-Prototypen, die in der Lage sind, sich in kleinste Teile aufzulösen und dadurch eine fast flüssige Konsistenz anzunehmen vermögen. Beide Parteien machen in Verbindung mit (für Bay eher untypischen) längeren Einstellungen die Schlachtsequenzen tatsächlich spektakulärer, so dass man den Robo-Prügeleien definitiv nicht vorwerfen kann, irgendwann redundant zu werden. Bei einer derartigen Attitüde ist es in der Tat gut, dass ein Regisseur das Zepter schwingt, der sich immer dann am wohlsten fühlt, wenn er etwas auf der Leinwand kaputtmachen kann. Natürlich kommt auch dieser Bay-Film wie jeder andere nicht ohne inhaltliche wie visuelle Klischees aus; aber dass die Interessen der ganzen Welt stets mit den Interessen der USA gleichzusetzen sind, ist man ja schon zur Genüge gewohnt, ebenso dass Menschen aus aberwitzigen Höhen fallen, ohne sich zu verletzen. Und man verzeiht es „Transformers: Ära des Untergangs“ sowohl, dass der ausgebildete Profilkiller sein Magazin leerfeuert und kein einziges Mal trifft, wenn es sich bei seinem Ziel um Mark Wahlberg handelt, als auch, dass Menschen aus Autos generell in verkanteter Untersicht aussteigen müssen.

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Es muss gesagt werden: Auf stilistischer Ebene ist „Transformers: Ära des Untergangs“ herausragend. Die Actionsequenzen sind fantastisch durchkomponiert, Zeitlupe wird zusätzlich als wohldosiertes Mittel eingesetzt, das den Eindruck des Geschehens gezielt verstärkt. Die CGI sind top und der bombastische Soundtrack untermalt das spektakuläre Actionfeuerwerk mit dröhnenden Klangteppichen. Michael Bay ergeht sich im Attraktionskino und ihm dabei zuzusehen, macht einfach nur Spaß. Ja, „Transformers: Ära des Untergangs“ ist ein hoch durchkapitalisierter Film, erkennbar unter anderem daran, dass in wirklich fast jeder Einstellung Product Placement zu finden ist (man achte auf den „Victoria’s Secret“-Bus) und noch mehr daran, dass durch die Verlegung des Showdowns nach Shanghai sehr viel Wert auf asiatische Zuschauerschaft gelegt wird. Ja, die Story ist extrem dünn. Aber Bay ist wie ein kleiner Junge, der seine kindlichen Zerstörungs- fantasien noch im reifen Alter von 49 Jahren ausleben darf. Was er zur Genüge tut. Draufhauen und dabei draufhalten, so lautet die Devise und sie funktioniert.

Die Figuren werden logischerweise nicht wirklich charakterlich gezeichnet, erkennbar daran, dass man zehn Minuten nach Verlassen des Kino schon wieder vergessen hat, wie Mark Wahlberg eigentlich im Film heißt. Ein paar Stichworte müssen reichen: Er spielt eine Art modernen Daniel Düsentrieb, dessen Erfindungen natürlich nie funktionieren wie geplant. Er wohnt in Texas, wo es viele amerikanische Flaggen, wenig Arbeit und schöne Sonnenuntergänge gibt. Sein Job scheint anstrengend zu sein, ansonsten wäre er nicht zu Oberarmen mit der Dicke von Autoreifen gekommen. Seine Frau ist gestorben, weswegen er sich geschworen hat, seine Tochter vor allem Übel zu beschützen, zu ihrem Leidwesen zählen Jungs/Männer mit dazu. Dass sie einen Freund hat, der praktischerweise Rennfahrer ist, weswegen man ihn natürlich bei einer Verfolgungsjagd kennenlernt, ärgert ihren Vater massiv, doch die jüngere Generation schafft es, ihn davon zu überzeugen, dass sie keinen Unsinn anstellen. Eigentlich hätte eine Kondomfirma gut ins Product Placement gepasst.

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Mark Wahlberg ist dementsprechend unterfordert, er spielt seinen Texaner mit der nötigen „I don’t give a fuck“-Attitüde und muss zumeist nicht mehr tun, als wahlweise schockiert oder grimmig schauen und in der Gegend herumschreien, sei es aus Wut- oder Lärmgründen. Nicola Peltz übernimmt von Megan Fox und Rosie Huntington-Whiteley die Rolle des Eyecandys, worüber auch ihre im direkten Vergleich etwas bessere darstellerische Leistung nicht hinwegtäuschen kann. Stanley Tucci ersetzt John Turturro als für Comic-Relief-Momente zuständiger Overactor, Kelsey Grammer und insbesondere Titus Welliver genießen es augenscheinlich, mit Passion ihre Fieslinge zu verkörpern. Gefordert werden sie natürlich ebenfalls nicht. Jack Reynor spielt übrigens auch mit.

Die Theorie, dass Michael Bay eigentlich ein hochgradig subversiver Filmemacher ist, welcher seine glattpolierten Blockbuster als dekonstruktives Element einsetzt, um die bestehenden Herrschafts- verhältnisse zu kippen und dabei metareflexive Gedanken über die Möglichkeiten des menschlichen Seins in einer durch fortschreitende Technisierung unübersichtlich gewordenen Welt auf Zelluloid bannt, ist noch nicht vom Tisch. Denn die sich in rein visuellem Spektakel erschöpfende Substanz scheint sein Werkzeug zu sein, über die Leere des in der Moderne gefangenen Lebens zu meditieren. Und ein meditatives Element hat „Transformers: Ära des Untergangs“ allemal: Befreie den Geist von überflüssigem Ballast, öffne Augen und Ohren und lasse dich von der Kraft des Spektakels tragen! Dass ist der Weg zum inneren Frieden mit Michael Bay und die vermutlich einzige Möglichkeit, den Filmgenuss auch als solchen zu empfinden.

Autor: Jakob Larisch

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