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Tops und Flops 2013 – Die vierte Perspektive

Flop 10

10. Broken City

Auf dem Regiestuhl nahm Allen Hughes Platz, der zuvor mit seinen Bruder den vor allem visuell berauschenden Film „Book of Eli“ abgeliefert hatte. Die Hauptrollen spielen Mark Wahlberg und Russel Crowe. Doch statt eines meisterlichen düsteren Thrillers über Machtmissbrauch in einer Großstadt ist „Broken City“ erschreckendes Mittelmaß. Nur selten glänzt der Film mit Szenen, die das Potential erkennen lassen. Stattdessen dominieren über weite Strecken weit hergeholte Verwicklungen und platte Dialoge. Eine verpasste Chance!

9. Taffe Mädels

Der Nachfolger zu Paul Feigs großartiger Komödie „Brautalarm“ ist eine kleine Enttäuschung. Die Buddy-Comedy besteht aus vielen alten und bekannten Standardsituationen und leidet unter einer inspirationslosen Regie mit vielen repetitiven Momenten. Viele Gags scheitern an dem schwachen Timing und lahmen Pacing vieler Szenen. Seinen Unterhaltungswert bezieht der Film nur aus seinen beiden gekonnt agierenden Hauptdarstellerinnen.

8. Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben

John McClane – das war ein im besten Sinne ein „Working Class“-Hero, der vor allem mit ruppigen Charme und Durchschlagskraft glänzt. Doch sein Charme geht in dem Dauerfeuer an Action nahezu komplett verloren. Nur vereinzelt blitzen kleine Szenen in den kurzen Atempausen auf, die die alten Trademarks beschwören. Das ist alles recht kurzweilig und sieht gut aus, doch es fehlt das Herz.

7. Olympus Has Fallen

„Attacking the White House“, die erste: „Olympus Has Fallen“ versucht ein kompromissloser Actionfilm der alten Schule zu sein und scheitert dennoch aufgrund seines mangelnden Tempos und fehlenden zündenden Ideen, um wirkliche Hochspannung zu erzeugen. Nur der bestens aufgelegte Gerard Butler versprüht den Charme einer Abrissbirne.

6. White House Down

„Attacking the White House“, die zweite: Auch der zweite Film dieses Jahres über die eigentlich hochspannende Idee, den mächtigsten Mann der Welt als Geisel zu nehmen, scheitert. „White House Down“ ist im direkten Vergleich die heitere Variante geworden. Sobald jedoch die Action stärker in den Vordergrund tritt, erweist sich die humorvolle Ausrichtung als Stimmungskiller. Stellenweise wirkt der Film, als wolle er seine eigene Parodie gleich mitliefern. Ohne das Rummelplatz-Feeling wäre der gesamte Film stilsicherer geworden und der Zuschauer könnte seine ohnehin zu aufgeblähte Handlung ernster nehmen. Ein Rückschlag für die Karriere von Channing Tatum, der sich so nicht als Actiondarsteller empfehlen konnte.

5. Wolverine – Weg des Kriegers

Der Film ist kein Totalausfall wie „Man of Steel“, aber ein so vergessenswerter Film, dass es sowohl für den Zuschauer als auch für die charismatische Figur Wolverine und ihren Hauptdarsteller ähnlich enttäuschend ist. Die Idee, Wolverines dunkle Seiten zu ergründen, bleibt, ähnlich wie alle weiteren inhaltlichen Elemente des Films, im Ansatz stecken. Speziell die tragische Seite des Anti-Helden wird oberflächlich bis zuweilen penetrant abgehandelt. Auch der recht bodenständige Verschwörungskomplott, der als Antithese zu anderen gigantomanischen Produktion gesehen werden kann, wird zu beliebig heruntergespult.

4. Das ist das Ende

Der Film ist gemessen an den Erwartungen – ausgehend von seiner grundlegenden Idee und den kreativen Köpfen vor und hinter der Kamera – ein sehr schwacher Film. Die Verquickung von Komödie und Horrorfilm funktioniert in keine der beiden Richtungen: Die vereinzelten Schockeffekte werden viel zu selten eingesetzt. Stattdessen liegt der Fokus bei dem Überlebenskampf der Prominenten auf dialoglastigen Passagen und Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Charakteren. Diese Teile des Films pendeln zwischen anstrengend und leidlich humorvoll, da viele Pointen und Anspielungen recht sympathiefrei vorgetragen werden.

3. Escape Plan

Zusammengefasst mit einem Wort: unterwältigend! Zwei der Archetypen des Actionkinos treffen endlich in einem Film zusammen, der auf ihre breite Brust zugeschneidert wurde. Das Endergebnis könnte nicht dürftiger sein. Auch Actionfilme brauchen eine Vision. Bei „Escape Plan“ wird deutlich, dass hier schlichtweg keine vorhanden war. Das hochtechnologische Gefängnis dient als Schauplatz für eine hanebüchene Geschichte mit grenzwertigen Dialogen und einer verschenkten Nebendarstellerriege. Und was ist mit dem Aufeinandertreffen der beiden Actionikonen? Statt Gänsehaut nur ein müdes Lächeln. Abgesehen vom Schwelgen in vergangenen Tagen kann dieser inspirationslose Film kaum Stimmung und Entertainment-Value erzeugen. Eine verpasste Chance, alte Heroen in der Neuzeit agieren zu lassen.

2. Passion

Brian De Palma liefert mit Passion weder ein spannendes Ränkespiel von Frauen in Machtpositionen ab, noch entwirft er ein packendes erotisches Verwirrspiel. Passion ist schlichtweg ein schwacher Trash-Film in Hochglanzoptik und das ist mehr als ein enttäuschendes Ergebnis für den Altmeister, von dem sich die Zuschauer und die Kritiker eher ein starkes Comeback im europäischen Exil erwartet hatten.

1. Man of Steel

Der Film ist eine einzige große Enttäuschung: „Man of Steel“ ist ein unausgegorener Versuch, Action mit Tiefe zu verbinden. Die sprunghafte Dramaturgie mit den viel zu schnell voranschreitenden Handlungsfäden lassen ein wirkliches Einfühlungsvermögen vermissen und beinhalten einige Logiklöcher. Auch die Action kann nichts aufwerten. Bei einem so hohen Budget ist es erstaunlich, wie wenig Kreativität in den Set-Pieces steckt. Dass Aliens eine Großstadt angreifen, scheint dabei mittlerweile zur Standardsituation zu verkommen. Alles ist schlichtweg laut und ohne Sinn für Stil oder Übersichtlichkeit, so dass dem Film der letzte Unterhaltungswert geraubt wird. Nein, super war das leider nicht. Ben Affleck kann einem jetzt schon leidtun, wenn er sich nach dem viel gescholtenen „Daredevil“ nun in der Fortsetzung auf filmisches Glatteis begibt.

Top 10


10. The Counselor

Ein Anwalt gerät aus Geldgier in den brutalen Sumpf von Drogengeschäften. Schon an der Zusammenfassung lässt sich herauslesen, dass genau dieses schwache Story-Konstrukt den höheren Ansprüchen des Films nicht gerecht wird. In Kombination mit einer elliptischen und anspielungsreichen Erzählart wird deutlich, dass genau die Handlung ein zu kühler Zufallsreigen ist. Dennoch schaffen es Ridley Scott und seine ausgefeilt agierenden Darsteller, mit den wenigen erklärenden Szenen den Abstieg in die durch Geldgier gesteuerten Abgründe begreifbar und fühlbar zu machen. Speziell die deutungsschwangeren Dialoge vermitteln dabei die Aura einer omnipräsenten Gefahr für alle Beteiligten. So bleibt ein Film, der zu einer näheren Auseinandersetzung mit seinem Stoff einlädt und das oftmals belohnt.

9. Iron Man 3

Dem Film gelingt die Mischung aus buntem Comic-Eskapismus und einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Psyche seines menschlichen Helden über weite Strecken sehr gut. Eingepackt ist das alles in eine Action-Thriller-Geschichte wie aus den besten 90er-Jahre-Blockbuster-Zeiten. Das macht Spaß, bringt viele Schauwerte mit sich und schafft auch nahezu durchgängig die der Reihe eigene Balance aus Ernsthaftigkeit und Selbstironie. Noch mehr Ironie, noch mehr Eskapismus und noch weniger Tony Stark ohne Anzug würden der Reihe jedoch nicht gut tun. Hier ist es nochmal gut gegangen, so dass am Ende ein sehr guter Unterhaltungsfilm entstanden ist.

8. Pain & Gain

Michael Bay präsentiert mit „Pain & Gain“ eine gelungene Mischung aus Satire, schwarzer Komödie und Thriller. Sein Film behandelt die höchst amoralische Suche nach dem „American Dream“ und das Streben nach diesem dunklen Paradies. Der oberflächliche Reiz, der diesen Traum auszeichnet, wird perfekt durch Michael Bays wunderbar aussehende Hochglanz-Inszenierung eingefangen und kann allein schon als äußerst stimmiger Kommentar dazu gelten. Die zweite Hälfte konzentriert sich mehr auf den Kriminalplot und auf manche Kuriosität, doch das tut dem Unterhaltungswert des Films nur bedingt einen Abbruch.

7. Thor – The Dark Kingdom

Die Überraschung des Jahres: Die Figur Thor, die wohl nach Iron Man die gelungenere Verfilmung erhalten hat, erhält mit der Fortsetzung einen noch besseren Film. Die Exponiertheit des gesamten Universums wird in einer weitaus epischeren Ausführung verpackt und mit einfallsreichen Bildern und vor allem augenzwinkerndem Humor kombiniert. Der eigentlich interessante theatralische Ansatz des Originals wird zugunsten dieses epischen Entertainment-Konzepts zurückgefahren. Ab und an tritt der Film zwar erzählerisch auf der Stelle und verliert sich in Selbstironie, doch nachdem die Zukunft von Iron Man unklar ist, darf Thor gerne so weitermachen.

6. Star Trek Into Darkness

Der neue Film der „Star Trek“-Reihe gibt von Beginn an Vollgas. Und dennoch schafft es dieser atemlose Film  nebenbei auch eine wirkliche Geschichte zu erzählen und die aus dem ersten Teil etablierten Charaktere weiterzuentwickeln. Die ganz straight erzählte Story um Kirks Begegnung mit der dunklen Seite der Föderation bietet genug Raum für spannende Set-Pieces und große Action-Momente. Das lässt insgesamt vergessen, dass nicht alles bis in Perfektion ausgearbeitet ist. „Star Trek Into Darkness“ ist ein beeindruckender und launiger Blockbuster mit der nötigen Balance aus der Erkundung düsterer Sphären und humorvoller Momente. So will man gerne wieder mit der Enterprise neue Abenteuer erleben.

5. Dead Man Down

Niels Arden Oplevs US-Debüt beweist mit Intelligenz und Emotionalität, wie das Rachemotiv in einem Film mit den entsprechenden Nuancen packend aufbereitet werden kann. Der Film brilliert mit einer verschachtelten, symbolisch aufgeladenen Erzählweise und düsteren Noir-Bildern, die den Zuschauer in den Bann ziehen. Nach dem vertrackten Einstieg wartet „Dead Man Down“ mit immer mehr Szenen auf, die bis hin zum furiosen Finale eine emotionale Sogwirkung entfalten. Herzstück des Films sind die beiden Hauptfiguren, die angetrieben durch ihr Rachemotiv zueinander finden und den Zuschauer berühren. Dafür sorgen vor allem die beiden Hauptdarsteller. Noomi Rapace kann in diesem US-Film endlich ihr Talent entfalten und ein ausgefeilt auftretender Colin Farrell beweist, dass er in schwierigen Filmen immer am besten ist.

4. Spring Breakers

„Spring Breakers“ ist ein Rausch auf Bild- und Tonebene. Hier wird alles auf die Spitze getrieben. Die Farben, die Kameraeinstellungen, die Montage und der Einsatz von Musik dienen einer absoluten Stilisierung und damit dem Film selbst. Er will ein exzessiver Traum sein, mit der berechtigten Frage: Was darf ich alles tun, wenn die titelgebende Party schon als Basis dient? Harmony Korine nimmt dabei trotz aller Einfälle eine beobachtende Stellung ein, wenn die gegen ihr Image besetzen Schauspielerinnen immer weiter alle Hemmungen und Moral fallen lassen. Dabei ist er weniger an einer spannenden Handlung interessiert, sondern vielmehr an dem Weg hinein in den immer schriller werdenden, filmisch grenzenlosen Exzess. Das ist gekonnt dargestellt, das ist gekonnt filmisch umgesetzt: Ein Film, der mehr ist als ein oberflächlicher Partyrausch, sondern die subversive Beobachtung einer Situation, in der alles möglich zu sein scheint.

3. Fast & Furious 6

Der neueste Teil der Reihe lässt die gesamte aktuelle Actionkonkurrenz alt aussehen. Da zeigt sich, dass Filme wie „The Expendables“ wirklich entbehrlich sind und auch die Actionreihe „Stirb langsam“ nach dem fünften Teil ruhig schneller von der Leinwand scheiden könnte. Denn die Zukunft gehört diesen (nicht mehr ganz so) jungen Wilden. Auch Teil 6 versteht es, was gute Actionfilme ausmacht: Zu den grandiosen kinetischen und actionhaltigen Momenten gehören auch sympathische, zur Identifikation dienende  Charaktere, bei denen der Zuschauer mitfiebern kann. Dabei ist es dann auch egal, wie wenig Bodenhaftung der Film bietet, wenn es schlichtweg gut gemachte Unterhaltung ist. So ging die Aufstockung des Budgets hier auch wirklich Hand in Hand mit der Qualität des Films: Denn hier bedeutet „größer, schneller, weiter“ auch kurz gesagt: mehr Spaß!

2. 2 Guns

„2 Guns“ ist die Überraschung des Jahres! Der Film erfindet das Rad nicht neu, aber ist sicherlich die Edel-Limousine im Bereich der Action-Thriller: cool, stylisch und schnell. Denzel Washington und Mark Wahlberg gehören zu den derzeit gefragtesten Action-Darstellern und „2 Guns“ ist ein ideales Vehikel, um beide zu vereinen. Der Film beinhaltet die richtige Mischung aus Ernsthaftigkeit und lockerer Unterhaltung. Es geht mal zynisch-cool, mal hart und konsequent und mal dramatisch zu. Es zeigt sich also, dass nicht oberflächlicher Glanz, sondern Stil, Einfallsreichtum und Sympathiewerte immer noch die Trümpfe im Actionkino sind. In dieses Gefährt steigt man gerne nochmal ein.


1. Prisoners

Wenn das Böse in unser Umfeld hineintritt, wird selbst der gute Mensch schnell zum Sünder. Es gibt wohl kaum einen anderen Film, der sich dermaßen umfassend mit dem Thema Selbstjustiz auseinandersetzt. Dabei stellt „Prisoners“ die moralische Frage: Wie weit darf ich gehen, um mir mein Recht zu verschaffen? Die Antworten, die der Film gibt, sind unbequem. Kein Charakter bekommt ohne weiteres einen moralischen Freifahrtschein ausgehändigt. Alle Beteiligten sind dabei Gefangene; entweder im ganz wahrhaftigen Sinne, wie die entführten Mädchen, oder im übertragenen Sinne, wie die suchenden Erwachsenen, die Gefangene ihrer eigenen Handlungen sind. Regisseur Denis Villeneuve nutzt eine ganz typische Kriminalgeschichte, um sein Hauptthema zu ergründen. Er lädt seine Handlung dabei mit zahlreichen religiösen Symbolen auf, um die Wirkung zu verstärken und die jeweiligen (Ab-)gründe zu beleuchten. Das geschieht mit einer enorm hohen Intensität, getragen durch ausgezeichnete Darstellerleistungen. „Prisoners“ ist packend und tiefgehend zugleich und der beste Film 2013.

Autor: Michael Schmidt

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