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Tops und Flops 2013 – Die erste Perspektive

Flop 5

5. The Grandmaster

Wong Kar-Wais entschleunigt-elegisches Porträt des legendären Yip-Man hat insgesamt zu wenige Martial-Arts-Momente zu bieten und die, die präsentiert werden, sind dann zumeist sehr eigenwillig fotografiert. Handlungstechnisch dominiert zumeist die Langeweile, die Figuren lassen einen seltsam kalt und Kar-Wais spezielle Art und Weise der Zeitlupen-Inszenierung passt so gar nicht zu den grundsätzlich beeindruckenden Kampf-Choreographien. Hat mich nicht gefesselt, hat mich nicht sonderlich gut unterhalten. „Hero“ und „Tiger and Dragon“ gehören zu meinen All-Time-Favorites, doch „The Grandmaster“ hat sich in diesem erlauchten Kreis leider keinen Platz verdient. Mit dem Konzept konnte ich nichts anfangen.

4. World War Z

Marc Forsters verwackelt-unübersichtlicher und harmloser PG-13-Horroractioner bietet eine gähnend langweilige und uninspirierte Geschichte, die lediglich von Brad Pitt noch irgendwie über Wasser gehalten wird. Das Resultat ist enttäuschend, das lächerliche Zombiedesign tut sein Übriges.

3. Elysium

Die Raumstation Elysium sieht schlichtweg fantastisch aus und auch sonst kann sich Neill Blomkamps Sci-Fi-Dystopie optisch wahrlich sehen lassen. Das war es aber auch schon. Denn „Elysium“ bietet ansonsten eine mäßig spannende Geschichte, die vorne und hinten keinen Sinn ergibt und ihr enormes Potenzial nicht ausschöpfen kann. Beim nächsten Mal nur die Story liefern und das Drehbuch besser von einem Fachmann schreiben oder überarbeiten lassen, lieber Neill. Und am besten weniger Budget veranschlagen. Als launig-überdrehte und brachiale Gesellschaftskritik in einem vielleicht nicht ganz so seriösen Gewand hätte der Film wahrscheinlich prima funktioniert. Im Stile eines Paul Verhoeven oder so wie „District 9“. Moment, der war doch von Blomkamp?!

2. Oblivion

Nach dem audiovisuellen Rausch „Tron: Legacy“ hatte ich ziemlich hohe Erwartungen an Joseph Kosinskis neues Projekt und wurde in so ziemlich allen Belangen enttäuscht. Eine Sci-Fi-Story vom Reißbrett mit krudem Twist, einer Handvoll stylischer Bilder, zwei wunderschönen Frauen, einem routiniert aufspielenden Tom Cruise und Morgan Freeman als Untergrund-Kämpfer. Weder innovativ noch spannend.

1. Star Trek Into Darkness

Ich vergöttere den Prolog von J.J. Abrams erstem Ausflug ins Trekkie-Universum und halte auch ansonsten sehr viel von seinem „Star Trek“-Reboot aus 2009. Umso enttäuschter war ich dann von dessen Sequel. Nichts konnte mich wirklich begeistern, nichts konnte mich wirklich mitreißen oder irgendwie überraschen. In Erinnerung bleiben dann nur die womöglich dümmste Abschiedsszene der Filmgeschichte und Benedict Cumberbatchs herrlich subtiles Minenspiel. Eine Fortsetzung ohne Charme und Esprit. Eine Geschichte, die an Schlichtheit kaum zu übertreffen ist. Außer Lens Flare nix gewesen.

Top 10

10. Das ist das Ende

Schauspieler, die sich in parodistisch übersteigerter Form selber spielen, ihre ganze Zunft und ihr filmisches Werk aufs Korn nehmen und sich für keinen noch so großen Blödsinn zu schade sind: willkommen beim (Gaga-)Gag-Feuerwerk des Jahres! Die Geschichte ist natürlich wie zu erwarten äußerst schlicht geraten, was zählt, sind ohnehin nur die zahllosen humoristischen Pointen, die dem Ensemble in fast jeder Situation gelingen: Franco, Rogen, Baruchel und Konsorten ist nichts heilig und das ist auch gut so. Ich musste im Kino wahrscheinlich noch nie so sehr lachen, wie in dieser humoristischen Offenbarung. Wer schon immer wissen wollte, wie ein zweiter Teil von „Ananas Express“ aussehen würde, wer heutzutage eigentlich noch Pornomagazine liest, was bei einem Exorzismus alles schief laufen und welch herrlichen Unfug man trotz der drohenden Apokalypse noch mit einem Camcorder anstellen und einfangen kann, der wird hier fündig. Ein anarchischer Spaß für alle Fans von Gross-out-Komödien und herrlich überdrehter, selbstironischer und selbstreferentieller, absurd-brachialer Blödsinns-Komik. Das dürfte es soweit eigentlich recht gut zusammenfassen. “Fuck your house, Franco!” I loved it.

9. Django Unchained

Quentin Tarantinos postmodernes Zitatekino geht in die nächste Runde und siehe da: es zeigen sich fast keinerlei Abnutzungserscheinungen. Das in Blut getränkte und – wie vom Regisseur gewohnt – sensationell unterhaltsame Werk verbeugt sich u.a. vor zynischen Spaghetti-Western à la Corbucci und Leone und begeistert mit einem coolen Helden- und nicht minder denkwürdigen Antagonisten-Duo. Auch wenn sich storytechnisch bei seinem Rache-Western mitunter ein paar Längen eingeschlichen haben: Filmfreak Tarantino unterhält auf fast konstant hohem Niveau, was nicht zuletzt den brillant geschriebenen Dialogen und dem entfesselten Splatter-Shootout kurz vorm Finale zu verdanken ist. Sein erster offizieller Beitrag zum Western-Genre ist ihm voll und ganz gelungen, die meisterlichen Performances von Samuel L. Jackson und Leonardo DiCaprio haben daran einen Löwenanteil. Völlig überzogen, grotesk-brutal, verdammt lustig und in seinen stärksten Momenten einfach nur sauspannend und zudem perfekt bebildert. Und am Schluss stellt Tarantino unmissverständlich klar: The real cool guys DO look at explosions!

8. Pacific Rim

Von den Trailern war ich ja nicht sonderlich begeistert. Trotzdem hatte ich es dann im Endeffekt gewagt, mir Guillermo del Toros Monster-vs.-Roboter-Klopperei auf der großen Leinwand zu genehmigen. Und ich wurde positiv überrascht. Die Story ist in sich stimmig, die Brawls abwechslungsreich, die Figuren (größtenteils) mega-sympathisch, der Score augenzwinkernd-episch und der Humor kommt auch nicht zu kurz. Das Design der Kaiju (die Aliens) und der Jaeger (die Maschinen) ist schlichtweg atemberaubend, die Schauwerte dominieren ganz klar den Film, untergraben aber niemals die Handlung. Ein spaßiger Film mit dem Herzen am rechten Fleck. Cancel the apocalypse!

7. Ganz weit hinten

Verkrampft agierende, verhuschte und introvertierte Jugendliche in der Pubertät. Die erste Liebe. Anarchische Sidekicks. Dysfunktionale Familien. Haben wir alles schon gesehen. Zuhauf. Aber die eigenwillige Art von Regie- und Autorenduo Nat Faxon und Jim Rash gefällt. Der Humor überzeugt. Die emotionalen Momente gelingen. Die Charaktere sind lebendig. Der Plot ist stimmig. Ein brillanter Indiefilm, der von der Spielfreude seiner Akteure und den unerwarteten und skurrilen humoristischen Einfällen lebt. Man sieht den Figuren zu, wie sie durch ihr Leben stolpern. Man schließt die Helden der Geschichte ins Herz. Man erkennt sich in ihnen wieder und erinnert sich daran zurück, wie beschissen und gleichzeitig wundervoll die Pubertät doch war. Angereichert mit überbordender Komik wird so die Zeit der Jugend zur mythischen Übergangsphase (v)erklärt: Da scheint es dann sogar möglich zu sein, andere auf einer Wasserrutsche zu überholen. Und aus ganz weit hinten wird dann gemeinsam ganz weit vorne. Ein ganz fantastischer kleiner Film.

6. Frances Ha

Das Autorenduo hinter „Frances Ha“, bestehend aus der großartigen Hauptdarstellerin Greta Gerwig und Regisseur Noah Baumbach, zeichnet ein ziemlich genaues Porträt einer Generation in der (Sinn-)Krise. Mit Liebe zu den Figuren und ihren liebenswürdigen Spleens. Mit viel Geschick und Gespür für das, was es unter der Oberfläche zu entdecken gilt. Nicht zu verkopft, niemals zu hip: ihr Film trifft zu fast jeder Sekunde den richtigen Ton. Und präsentiert uns eine (bzw. unsere) Generation, die voller Widersprüche ist: zu allem bereit und doch immer am Zweifeln. Stets motiviert und ständig verunsichert. Auf der Suche nach dem richtigen Ton, dem richtigen Rhythmus, dem Funken Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Gerwig und Baumbach haben all dies gefunden. Danke dafür. Denn zusammen ist man weniger allein.

5. Love Stories

Josh Boones Indie-Geheimtipp lebt von gleich mehreren Faktoren. Die episodenhaft ineinandergreifende Geschichte über eine Familie, in der alle vier Mitglieder auf der Suche nach Liebe sind, ist zum einen wundervoll geschrieben: sowohl was die Dialoge angeht, als auch den Plot, auch wenn einige Story-Überleitungen arg rasch von statten gehen. Zum anderen ist sie von Greg Kinnear, Jennifer Connelly, Nat Wolff und Lily Collins auch noch großartig gespielt. Was den Film aber so lange nachhallen lässt, ist seine authentische Emotionalität und Boones Gespür dafür, die Seele eines tragischen Moments einzufangen. Es sind dann auch die Details, die den Zuschauer zutiefst bewegen, ihn mitleiden lassen, ihm in Erinnerung bleiben, ihm das Herz in der Brust zerreißen, nur um es am Ende wieder zusammenzusetzen. Wer liebt, bleibt niemals unversehrt: „Ich hab nicht vor, dir weh zu tun“, sagt Logan Lerman (schauspielerisch die positivste Überraschung des Films) an einer Stelle. Geschehen wird es trotzdem. Ein Film über die Zerbrechlichkeit der Liebe, über Vergebung, über die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern, Erwartungen, Hoffnungen und Enttäuschungen. Ein Film über (ver)zweifelnde Menschen, die sich gegenseitig Halt geben. Ein großer Film. Poetisch und herzberührend.

4. Ame & Yuki – Die Wolfskinder

Mamoru Hosodas Anime-Meisterwerk fasziniert mit fast schon überbordender Knuffigkeit und Dramatik. Eine junge Frau muss ihre beiden Kinder alleine großziehen, nachdem der Vater auf tragische Weise ums Leben gekommen ist. Das Besondere dabei: Der Vater war ein Gestaltwandler – halb Mensch, halb Wolf – und auch die Kinder besitzen nun diese Gabe. Der entbehrungsreiche Versuch der Mutter, ihre Kinder auf dem Land alleine großzuziehen, ihnen dadurch eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen und somit ihren animalischen und menschlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist der Dreh- und Angelpunkt des Films. Das herzzerreißende Fantasy-Drama kompensiert die vielen schwermütigen Momente mit einer gehörigen Portion Comic Relief und ist visuell wunderschön geraten. Einige dramaturgisch vielleicht etwas zu holprige oder schlichte Übergänge verzeiht man gerne, zu sehr ist man beeindruckt von dieser starken Frauenfigur, die größte Opfer bringt, um ihren Kindern ein Heranwachsen zu ermöglichen, das sie in ihrer Entwicklung nicht einschränkt und ihnen die Möglichkeit zur freien Entfaltung gewährt. Zugleich melodramatisch und äußerst humorvoll. Bewegend und schlichtweg begeisternd.

3. Gravity

Selten wurde ein Überlebenskampf so effektiv, spannend und künstlerisch ambitioniert in Szene gesetzt wie in „Gravity“. Alfonso Cuarón gelingt eine spektakuläre, kluge und temporeiche Achterbahnfahrt, die zeigt, zu was das Blockbusterkino in seinen größten Momenten im Stande ist. Man fiebert mit, man staunt, man verzweifelt, man hofft und bangt. Cuaróns Weltraumthriller ist mitreißend von der ersten Minute an. Ein Sci-Fi-Film, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hat. Ein Ausnahmewerk. Klassisches und brillant bebildertes Spannungskino, so fesselnd wie es nur sein kann. Außergewöhnlich gefilmt und inszeniert. Der Meister der Plansequenzen hat wieder zugeschlagen. It’s good to have you back, Alfonso.

2. Silver Linings

Die Protagonisten von David O. Russells meisterlicher Tragikomödie sind alle ein wenig verrückt. Zum Glück. Denn genau daraus bezieht „Silver Linings“ seinen liebenswerten Charme. Die Darsteller begeistern durch die Bank, die Kameraführung ist kongenial. Eine schwungvolle Romanze über zwei gebrochene Figuren, die von der Welt als Loser abgestempelt worden sind und es im Duett schaffen, sich gegenseitig zu heilen. Skurril, humorvoll und mit viel Verve in Szene gesetzt.

1. Man of Steel

Viel wurde geschrieben über Zack Snyders Neuinterpretation von Superman. Und oftmals nichts Wohlwollendes. Dennoch ist sein Werk für mich der Film des Jahres: Nicht so sakral, wie die Trailer es suggerierten, aber dafür dank der Zeitsprünge clever erzählt, dramatisch, fesselnd und einfach nur bombastisch. Die Epik, die dem Blockbusterkino so lange gefehlt hat, ist endlich zurück. Das Antagonisten-Problem ist gelöst. Und was ist mit den Logiklöchern? Die gibt es. Aber diese sind bei Weitem nicht so schlimm, wie viele behaupten. Einiges geschieht zum Selbstzweck, einiges eher unmotiviert, aber im Endeffekt fällt dies so gut wie kaum ins Gewicht. Zack Snyders opernhaft-brachiale Destruktionsorgie hat mich zu Tränen gerührt, mit fiebern und staunen lassen. „Man of Steel“ hat all das, was ein richtig guter Entertainmentfilm braucht: denkwürdige Zitate, einen epochalen Score, perfekt inszenierte Action, emotional mitreißende Momente. „Mein Sohn hat gesehen, was Clark getan hat.“ Ich auch. Und ich bin restlos begeistert. Auch nach viermaligem Sehen noch. Alles richtig gemacht. Faust auf den Boden: Dö-dö!!!

Autor: Markus Schu

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