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Thor – The Dark Kingdom (2013) Review

Im Gegensatz zu Teilen meiner WSM-Kollegen bin ich ja gar kein allzu großer Fan des Marvel Cinematic Universe (MCU). Ich fand die ersten beiden „Iron Man“-Filme (2008 / 2010) nur solide, Louis Leterriers „Der unglaubliche Hulk“ (2008) und Joss Whedons „The Avengers“ (2012) ebenfalls. „Captain America“ (2011) fand ich hingegen sehr nett, „Iron Man 3“ (2013) sogar großartig, aber mit „Thor“ (2011) konnte ich nicht viel anfangen. Sci-Fi und nordische Mythologie? Ein Farbiger und ein Asiate in Asgard? Irgendwie erschien diese Heterogenität etwas merkwürdig. Und irgendwie war mir Kenneth Branaghs Film weder ernst noch episch, geschweige denn stylisch genug. Was mir von alldem in Erinnerung blieb: eine Handvoll großartiger Szenen („Anotha!!!“), eine arg gewöhnungsbedürftige Kameraführung (oft verkantet, aber WARUM?), Kostüme an der Grenze zur Lächerlichkeit, ein starker Tom Hiddleston, ein ziemlich lahmer Jeremy Renner (okay, ganz ehrlich: wer mag schon Hawkeye?) und ein komplett blödsinniger Endkampf mit einem Riesenroboter.

Branagh räumte dann den Regieposten und machte Platz für Alan Taylor, seines Zeichens TV-Experte, u.a. für düstere Epik, was er durch das Inszenieren einiger „Game of Thrones“-Episoden unter Beweis stellen konnte. „Thor“ sollte also ein neuer Look verpasst werden und Taylor schien dafür zumindest auf dem Papier ein geeigneter Mann zu sein. Im Endeffekt sollte diese Herangehensweise und Neuausrichtung dann auch voll und ganz funktionieren.

Der Prolog des Films wirft uns mitten hinein in eine Jahrtausende alte Vergangenheit: Odins (Anthony Hopkins) Vater Bor (Tony Curran) vernichtet die Dunkelelfen unter dem Kommando ihres Anführers Malekith (Christopher Eccleston), der sich mit Hilfe des magischen Äthers die Vorherrschaft über die neun Welten sichern wollte. Malekith und ein paar seiner Gefährten entkommen jedoch und der Äther wird von Bor und seinen Männern versteckt. Zurück im Jetzt: Nachdem von Loki (Tom Hiddleston) in „The Avengers“ angerichteten Chaos in New York City hat Thor (Chris Hemsworth) nun auch in den anderen sieben Welten alle Hände voll zu tun, um den Frieden im Universum wieder herzustellen und schwingt daher unablässig den Hammer – natürlich mit erneuter tatkräftiger Unterstützung seiner Gefährten aus dem ersten Teil. Loki wird indes ins Verlies geschickt und die sogenannte Konvergenz der neun Welten bahnt sich erneut an: In Kürze werden alle Welten in einer Linie zueinander stehen, wodurch die Übergänge zwischen den Dimensionen für kurze Zeit durchlässig(er) sein werden. Genau der Moment, auf den Malekith seit seiner Niederlage bei der letzten Konvergenz gewartet hat. Und wie es der Zufall dann eben so will, geht dann auch alles ratz-fatz: Der eigentlich alles sehende Heimdall (Idris Elba) berichtet Thor, dass er dessen Angebetete Dr. Jane Foster (Natalie Portman) aus den Augen verloren hat und schickt den Donnergott daraufhin per Bifröst schnurstracks nach Midgard (also zur Erde). Jane kam nämlich mit etwas in Berührung, zu dessen Wirtskörper sie geworden ist, woraufhin Thor sich entschließt, sie mit nach Asgard zu nehmen, damit sie dort untersucht werden kann. Natürlich ist dieses Etwas der Äther gewesen, eine Art Antimaterie, die im Stande ist, alles und jeden zu vernichten.

Thor 2 2

Der Äther ist also gefunden, Malekith greift Asgard an und droht mit der Unterwerfung der neun Welten. In seiner größten Not sieht sich Thor nach dem verheerenden, aber vorerst abgewendeten Angriff der Dunkelelfen dann zum größtmöglichen Verrat gezwungen, um doch noch alles irgendwie zum Guten wenden zu können: Er befreit mit Unterstützung seiner Freunde seinen Adoptivbruder Loki und handelt daraufhin auf eigene Faust und gegen den Willen seines gramgebeugten Vaters, um nicht nur die Liebe seines Lebens zu retten, sondern auch um alle Welten vor der Unterwerfung durch Malekith zu bewahren. Okay, die Story klingt zwar eigentlich nach mehr als sie tatsächlich ist, aber dennoch wohnen ihr genug epische Züge inne. Klar, es ist im Grunde eine sehr klassische und standardisierte Heldengeschichte, aber diese ist so unverschämt unterhaltsam, wie sie Hollywood nur in seinen stärksten Momenten aus dem Mainstreamhut zaubert.

So fiel es mir persönlich bei „Thor 2 – The Dark Kingdom“ (warum eigentlich nicht „Thor 2 – The Dark World“ wie im englischen Original?) auch wesentlich einfacher, mich mit dem erneuten Genre-Crossover anzufreunden: Fantasy und Sci-Fi gehen Hand in Hand, Laserwaffen und Raumschiffe treffen auf Hammer, Schild, Mantel und Degen. Thors heterogene Welt ist mittlerweile vollends etabliert, an ihr wird sich nun nichts Gravierendes mehr ändern. Ob es nun daran liegt oder am düsteren Grundton, dass ich mich diesmal mehr mit dem Grundkonzept anfreunden konnte, kann ich leider nicht genau sagen. Aber das Konglomerat aus an sich Widersprüchlichem ergibt in „Thor 2“ entweder plötzlich Sinn oder es wirkt vielleicht auch einfach stimmiger, weil man es nun ohnehin als gegeben hinnimmt bzw. hinnehmen muss. Und der Entertainment-Faktor wurde definitiv auf die höchste Stufe geschaltet. So bin ich beim zweiten Abenteuer des Donnergotts auch Fan von Idris Elba als Heimdall: dass Elba ein cooler Typ ist, hat er ohnehin schon zur Genüge bewiesen. Dass er als Schwarzer einen nordischen Gott spielt, geht im zweiten Teil auch nicht mehr zu Lasten der Glaubwürdigkeit. Im Grunde ist es natürlich immer noch (im Sinne der mythologischen Grundlage) totaler Quatsch, aber Elba ist einfach ein viel zu cooler Hund und bekommt daher auch gleich zwei starke Momente spendiert: einen per Dialog und einen actionreichen, bei dem klar gestellt wird, dass mit dem Hünen definitiv nicht zu spaßen ist. Und auch die an „Star Wars“ und „Transformers“ angelehnten Raumschiff-Schlachten und -Verfolgungsjagden, sowie die Design-Anleihen an die „Alien“-Reihe kann man als Sci-Fi und Fantasy-Fan einfach nur mit einem wohlwollenden und breiten Grinsen quittieren.

Es finden während des Films immer wieder Location-Wechsel statt, sodass die Erde dieses Mal nicht mehr im absoluten Mittelpunkt der Handlung steht (außer im Finale), was der Story aber auch zu Gute kommt, vor allem in visueller Hinsicht. Die Balance aus beeindruckender CGI-Opulenz, Tragik und Epik, Humor und grimmiger Ernsthaftigkeit steht Taylors Film hervorragend zu Gesicht. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass Marvel ganz bewusst auf Wünsche und Vorlieben/Interessen der Fanbase einzugehen scheint, was insbesondere an Hiddlestons Charakter festzumachen ist: So wird Loki, der sich zu einem der beliebtesten Charaktere des MCU gemausert hat und ohnehin vom grandiosen Hiddleston (okay, vielleicht ein, zwei Mal verdächtig nah am Overacting) phänomenal verkörpert wird, noch mehr Tiefe verliehen, durch welche er sowohl seine unbestreitbaren Antagonisten- als auch seine Heldenqualitäten unter Beweis stellen darf.

Hätten die zwei Schlachten zu Beginn etwas mehr Epik und Seriosität verstreut (es dauert eine Zeit lang, bis man die Laserwaffen als gegeben hinnimmt und darüber hinwegsehen kann, dass Thors erste Schlacht im Film doch arg ungute Erinnerungen an RTL-Sonntag-Nachmittag-Trash-TV à la „Xena“ und „Herkules“ weckt), wäre der potenzielle „Bitchfight“ zwischen Lady Sif (Jaimie Alexander) und Jane mehr (bzw. überhaupt) ausgespielt worden und würden die Kostüme und Waffen nicht allzu oft nur gerade so an der Grenze zur Lächerlichkeit vorbeischrammen, dann wäre „Thor 2“ wohl noch einen Tick stärker geworden.

Was am Ende bleibt, ist dann aber ein fast perfekter Entertainmentfilm: ein Blockbuster, der zwar nach Schema F, aber keineswegs plump oder lieblos inszeniert worden ist und genug Charme und vor allem Humor versprüht, um seine prinzipielle Schlichtheit zu kaschieren. Ja, der Bösewicht ist eigentlich einfach nur eindimensional böse, aber wen kümmert das schon? Es knallt und scheppert an allen Ecken, die Epik (Vorsicht, Wortspiel) donnert ungefiltert auf den Zuschauer ein und vieles wird ein ums andere Mal mit einem Augenzwinkern präsentiert.

Die Story weiß durchaus zu fesseln, die Invasion der Dunkelelfen ist visuell höchst beeindruckend ausgefallen, die Parallelisierung der Planung und Durchführung von Thors Idee zur Befreiung von Loki versprüht eine enorme Lässigkeit, Stellan Skarsgård als Dr. Erik Selvig und Kat Dennings als Praktikantin Darcy sind getrost als kongenial-lustige Sidekicks von Jane und Thor zu beurteilen und der Running Gag im Finale, in welchem Thor und sein Hammer durch allerlei Dimensionslöcher immer wieder voneinander getrennt werden, ist schlichtweg als brillanter humoristischer Einfall zu bewerten, der wie etliche andere Szenen den selbstironischen Marvel-Grundton hervorhebt. Dass die Dimensionslöcher dann auch noch wunderbar die Deus-Ex-Machina Funktion erfüllen, kann man dann entweder als großartig oder allzu simpel auffassen, dem Spaß tut dies aber definitiv keinen Abbruch, da diese Funktion sehr humorvoll etabliert worden ist. Obligatorisch gibt es natürlich noch einen tollen Stan-Lee-Cameo-Auftritt, sowie eine Mid-Credit- und eine Post-Credit-Szene zu bestaunen. Während des Abspanns sitzen zu bleiben, lohnt sich daher wieder einmal.

Das MCU expandiert also immer weiter. Ob das in rückwirkender Gesamtbetrachtung noch irgendeinen Sinn ergibt, darf zu Recht angezweifelt werden. Spaß macht’s aber auf jeden Fall. Daher gibt’s von mir ein dickes Dignity und eine zweite Chance für den ersten Teil. Mehr davon!!!

Autor: Markus Schu

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