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The Walking Dead – Staffel 1 (2010) Review

© WVG Medien

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„In der Hölle ist kein Platz mehr. Hat früher immer mein Großvater erzählt. Schon mal was von Makumba gehört? Oder Voodoo?“ Okay, Spaß beiseite. In der postapokalyptischen Welt von „The Walking Dead“ ist eben auch kaum Platz für Humor. Staffel 1 – wohlgemerkt. Weiter bin ich bisher noch nicht gekommen. „True Detective“ steht gerade noch auf dem Plan. Also lasst mich euch kurz meine Gedanken zu einer seit vier Jahren erfolgreich laufenden TV-Serie mitteilen. Ja, ich bin spät dran. Aber ich habe erst jetzt einen Zugang zur Serie gefunden. Vor ein bis zwei Jahren hat mich die Pilotfolge nicht bei der Stange halten können. Jetzt sieht die Ausgangslage aber anders aus. Kurzum: Ich will die Serie von Frank Darabont eigentlich nur abfeiern. Warum? Weil sie es verdient hat. Frisches Blut fürs Subgenre vom Studio AMC. Fancy Zombie-Wortspiele meinerseits. All das und noch viel mehr, wenn ihr weiterlest.

Frank Darabont steht für gutes Erzählkino: Nicht umsonst werden „Die Verurteilten“ und „The Green Mile“ immer wieder gerne genannt, wenn es um die besten Filme aller Zeiten geht. Und das auch zu Recht. Dieser Frank Darabont hatte es sich dann 2010 zum Ziel gesetzt, die Graphic-Novel-Reihe „The Walking Dead“ von Robert Kirkman, Tony Moore, Charlie Adlard und Stefano Gaudiano als TV-Serie zu adaptieren. Bietet sich als serielles Format geradezu an, bedenkt man, dass die Comics ja schließlich auch in Alben vorliegen. „TWD“ existiert mittlerweile als ziemlich beeindruckendes Media-Franchise mit einem seltsamen Werdegang: Comic-Reihe, TV-Serie, Indie-Videospiel. Und in allen unterschiedlichen Bereichen überaus erfolgreich. Staffel 4 der Fernsehserie ist gerade auf DVD/BluRay erschienen, die 5. Season läuft aktuell im Pay-TV. Faszination Zombies. Faszination Postapokalypse. Woher?

In „TWD“ folgen wir Officer Rick Grimes (Andrew Lincoln), der im Krankenhaus aus dem Koma erwacht und das Hospital verlassen vorfindet. Nun ja, von allen Lebenden zumindest, denn relativ früh stellt er fest, dass die Welt, wie er sie kannte, nicht mehr existiert: überall schwanken die Untoten. Er macht sich daraufhin auf den Weg nach Atlanta und hofft dort, seine Familie zu finden. Das genügt als Ausgangspunkt, das soll an dieser Stelle auch an grober Inhaltszusammenfassung reichen. Der aufmerksame Leser/Zuschauer hat es bereits gemerkt: Jemand erwacht aus dem Koma? Die Welt wurde von Zombies überrannt bzw. überschlurft? Die Zivilisation ist quasi zusammengebrochen? Klingt verdächtig nach dem Boyle/Garland-Horror-Meisterwerk „28 Days Later.“ Und ja, eigentlich ist das Subgenre des Zombiefilms auch ziemlich ausgelutscht, man könnte fast sagen: tot. Alles war schon mal da, man kennt sich aus als horroraffiner Zuschauer. Überraschend ist dementsprechend auch so gut wie nichts in dieser Serie. Dass sie dennoch sehenswert ist, liegt in der Variation der bekannten Zombie-Topoi begründet. Man kennt das alles. Und man will das alles auch verdammt nochmal sehen. Unsere Helden: Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten, Menschen mit den unterschiedlichsten Backgrounds, Menschen unterschiedlichster Hautfarbe: und alle müssen sich zusammen raufen, um zu überleben. Das ist schon seit Romeros Klassiker „Night of the Living Dead“ so. Und das ist auch gut so, denn eben genau das ist der Puls des Zombiegenres. Und genau das beschert „TWD“ solch beeindruckende Einschaltquoten. Der (Zombie-)Horror scheint im TV im Mainstream angekommen zu sein. Im Kino funktioniert das maximal mit „Zombieland“ (auch super, aber natürlich komplett anders geartet).

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Reichlich plakativ werden wir in diese postapokalyptische Welt hinein geworfen. Der erste Kill: ein kleines Mädchen. Ganz allein. Kopfschuss. Durch einen Polizisten. Doch sie war kein Mädchen. Nicht mehr. Darabont gibt uns gleich die Stoßrichtung vor: Hey, wir sind zwar eine TV-Serie, aber wir knallen so richtig rein. Wenn sich Rick und Glenn (Steven Yeun) in Folge 2 mit allerlei Gedärm einschmieren, um „Shaun of the Dead“-mäßig an den lebenden Toten vorbei zu laufen, dann wird uns bewusst: Der Ekel ist zwar so richtig eklig, aber er gehört eben auch dazu. Davon lebt das Subgenre. Aber vielmehr lebt es von seinen Figuren, von der Gruppendynamik. Von den ganz alltäglichen, normalen, realen Konflikten, die nun eine neue Bühne spendiert bekommen, um uns die Tragweite der Handlungen noch bewusster zu machen. Da liebt der beste Freund plötzlich deine Ehefrau. Und niemand ist der Buhmann. „TWD“ hat mich mitgerissen und perfekt unterhalten. Auch wenn nicht alles Sinn ergibt in dieser Serie – da wird einem Menschen schon mal ein hygienisch nicht gerade einwandfreier Pfeil ins Gesäß geballert, doch in puncto Infektionsgefahr herrscht trotzdem Fehlanzeige – egal! Und auch wenn die deutsche Synchro nicht immer auf der Höhe ist: kleinere Abstriche, die nimmt man in Kauf, sind nicht der Rede wert.

Es sind die intensiven Momente, die, in denen das Ende der Zivilisation konsequent zu Ende gedacht worden ist: Menschen, die sich ergeben und nicht mehr weiter wollen. Menschen, die an sich denken. Und trotzdem sind es Helden. Unsere Helden. Wir sind das. Es scheint in „TWD“ um nichts konkret zu gehen. Nur ums Überleben. So wie im echten Leben. Und wie das endet, ist ja auch klar. Idyllische Momente? Wenn, dann nur kurz. Und im Anschluss bricht abrupt die Hölle über die Protagonisten herein. Frank Darabont ist zwar mittlerweile gefeuert worden und seit 2011 läuft die Serie nicht mehr unter seiner Ägide, aber ich habe trotzdem vor, dran zu bleiben, auch wenn der Meister als Showrunner sicherlich fehlen wird. Ich will mehr von dem, was das Horror-Genre bereit ist, uns seit jeher zu geben: unsere tiefsten Ängste, damit wir sie verstehen, akzeptieren und überwinden lernen. So oder so ähnlich hat das einmal der Großmeister Stephen King höchstselbst formuliert. Der Bogen zu Darabont wäre damit also wieder geschlagen. Das Zombiegenre – es war schon tot. Schon immer. Und es ist Gott sei Dank lebendiger als je zuvor. Denn es zeigt uns – wie schon immer – wer wir wirklich sind. „Mein Großvater war Priester in Trinidad. Er pflegte zu sagen: wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde.“ Sollen sie doch kommen, ich bin bereit.

Autor: Markus Schu

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