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The Thing (2011) Review

„The Thing“ ist bereits die dritte Adaption der Erzählung „Who goes there?“ von John W. Campbell Jr. 1951 wurde sie erstmals von Christian Nyby und Howard Hawks unter dem Titel „Das Ding aus einer anderen Welt“ verfilmt, 1982 vom bekennenden Hawks-Fan John Carpenter wieder aufgegriffen und neu interpretiert bzw. visuell komplett neu ausgerichtet und nun 2011 als Mischung aus Carpenter-Prequel und –Remake ein weiteres Mal neu verfilmt. Da ich das Original von Hawks und Nyby leider noch nicht gesehen habe, beschränke ich mich darauf, im Laufe meiner Rezension Matthijs van Heijningen Jr.‘s „The Thing“ mit Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ zu vergleichen, da sich dieser Vergleich auch aufgrund der Ausrichtung des aktuellen Films, der zwar ein Prequel sein möchte, wohl aber eher doch ein Remake ist, ein ums andere Mal aufdrängt.

Zunächst einmal zur Story: Die Paläontologin Kate Lloyd (Mary Elizabeth Winstead, bekannt durch ihre Rolle als John McClanes Tochter in „Stirb Langsam 4.0“) wird von Dr. Sander Halvorson (Ulrich Thomsen, „Adams Äpfel“, „Flickering Lights“) und seinem Assistenten gebeten, sie in die Antarktis zu begleiten, da dort ein norwegisches Forschungsteam unter der Leitung von Halvorsons Freund Edvard Wolner eine außerordentliche Entdeckung gemacht hat. Komplettiert wird die Großgruppe dann noch vom amerikanischen Helikopter-Dreiergespann unter der Führung von Pilot Sam Carter (Joel Edgerton, Gawain in „King Arthur“), der dem Publikum gemeinsam mit Winstead als Identifikationsfigur dienen soll und leider nur rein optisch an den großartigen Kurt Russell aus Carpenters Verfilmung erinnert. Winstead macht als amazonenhafte Forscherin zwar eine relativ gute Figur, doch wie bei Edgerton und auch dem Rest des Casts (u.a. auch Adewale Akinnuoye-Agbaje, Mr. Eko aus „Lost“) lässt sich leider festhalten, dass alle Charaktere relativ austauschbar konzipiert worden sind, ihre Eindimensionalität verhindert einen echten emotionalen Zugang zu den Figuren. So plätschert die fade Horrorgeschichte aus der Feder von Eric Heisserer („Final Destination 5“) meistens belanglos vor sich hin, ohne über die Laufzeit von 102 Minuten ein paar wirkliche Höhepunkte setzen zu können. Auch Standard-Sätze à la „Oh mein Gott, er ist tot! Aber er war doch Vater von zwei Kindern…“ locken niemanden mehr hinter dem Ofen hervor.

Die simple Story vom im ewigen Eis abgestürzten Alien, das die Gestalt von Organismen annehmen kann, indem es diese in sich aufnimmt und ihre Zellen kopiert, und so im Laufe der Handlung versucht, sämtliche Mitglieder der Forschungsstation zu vernichten, hat dank Carpenters exzellentem Gespür für Atmosphäre im 82er Film auch noch wunderbar funktioniert. Van Heijningen Jr. hingegen gelingt es kaum Atmosphäre oder Spannung aufzubauen: wo Carpenter eine gefährliche, raue und unheilvolle Grundstimmung schuf, schwankt das Remake zwischen glatter Hochglanz-Ästhetik mit Sci-Fi-Optik (z.B. durch die dank J.J. Abrams bekannt gewordenen Lenseflare-Effekte), zu schnell geschnittenen Actionszenen und leblosen, allzu künstlich erscheinenden digitalen Ekel-Effekten. Auch wenn Rob Bottins 80er Jahre Effekte aus dem Vorgängerfilm aus heutiger Sicht vielleicht manchmal unfreiwillig komisch wirken, verbreitet Carpenters Film dank der handgemachten Effekte dennoch mehr Horrorstimmung und Unbehagen als der Digital-Mist des Remakes. Auch die neue Ausrichtung des Films, der verstärkt auf Horroraction, denn auf Spannungsaufbau setzt, kann und will nicht ganz funktionieren bzw. überzeugen. Das Spiel mit der allgegenwärtigen Bedrohung, das in Carpenters Film so konsequent genutzt worden ist, geht der Neuverfilmung fast völlig ab. Die kammerspielartige und klaustrophobische Enge, sowie das Misstrauen unter den Protagonisten, welches im 82er „Das Ding aus einer anderen Welt“ ein ums andere Mal für höchste Spannung sorgte, wird nun in „The Thing“ meistens zu Gunsten einer plumpen Action- und Schock-Dramaturgie geopfert. Ja, ich muss zugeben, dass ich zwei, drei Mal wirklich erschrocken bin, weil die Schockmomente der neuen Version teilweise doch relativ unerwartet kommen, doch die Spannung und das unangenehme Gefühl, das der Film von 1982 erzeugt, werden im neuen Film nicht erreicht.

Ganz nett sind allerdings die Reminiszenzen an den Vorgängerfilm: die ähnliche Dramaturgie, die teilweise ganze Szenen zuerst kopiert und (meistens wenigstens ein bisschen)neu arrangiert (z.B. die „Wer ist ein Alien?“-Szene), das Zitieren der Originalmusik von Morricone und Carpenter, sowie das veraltete Universal-Logo, das zu Beginn des Films eingeblendet wird. Apropos Musik: auch Marco Beltrami, der durch seine Scores zu Filmen wie der „Scream“-Tetralogie von Wes Craven oder dem ersten „Hellboy“ von Guillermo del Toro eigentlich über genug Erfahrung im Bereich des Horrors bzw. des Phantastischen verfügt, gelingt es diesmal leider kaum musikalische Akzente zu setzen.

Im Endeffekt lässt sich sagen, dass es dem Film eigentlich nur schadet, dass er sich relativ akribisch an Carpenters Version orientiert. Das „Prequel-Remake“ hinterlässt einen faden Beigeschmack und lässt den Mut zur Umsetzung von eigenen Ideen vermissen. Besonders negativ bemerkbar macht sich das in der offensichtlichen Anlehnung an das Monsterdesign von „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982), welches einfach nicht begeistern will und aufgrund der Künstlichkeit der digitalen Effekte, die den Großteil der im Film verwendeten Effekte ausmachen, auch verhältnismäßig ungruselig ist. Die Carpenter-Geschichte mit den stilistischen Eigenheiten des heutigen Kinos einfach nur zu wiederholen ist daher zum Scheitern verurteilt; als Neuinterpretation des bekannten Stoffes hätte „The Thing“ vielleicht sogar richtig gut werden können. Doch der unnötige Sci-Fi-Ballast am Ende des Films, der als Hinleitung zu Carpenters Film dienen muss und die sich aufdrängende Frage, was denn nun eigentlich mit Kate geschehen wird, sind weitere Punkte, die dazu beitragen, dass der Film leider nicht als gelungen bezeichnet werden kann.

Also ein klarer Fall von: Chance vertan. Daher mein Tipp: Besser zum Carpenter-Remake greifen, das auch fast 30 Jahre nach seiner Erstaufführung immer noch zu überzeugen weiß.


Via Youtube

Autor: Markus Schu

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