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The Shallows: Gefahr aus der Tiefe (2016) Review

© Sony Pictures Releasing

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Als Steven Spielberg 1975 „Der Weiße Hai“ auf die Leinwand brachte, hat er vermutlich nicht geahnt, welch großen Stempel er der Filmhistorie damit aufdrücken würde. Sicherlich ist die Genese des Blockbuster-Kinos ein kleiner, nicht zu vernachlässigender Faktor, viel schwerer wiegt aber ganz bestimmt die Erfindung des Haifilm-Horror-Genres. Natürlich gab es schon vorher Versuche, wie „White Death“ (1936) und „Outsider“ (1969), jedoch zog keiner dieser Filme eine derartige Resonanz wie Spielbergs Meisterwerk nach sich. Nicht nur, dass jeder Zuschauer von dort an unter Selachophobie litt, nein, auch viele Filmemacher versuchen sich heutzutage an ihren eigenen Hai-Filmchen. Die meisten bekannten Vertreter dieses Genres sind dabei einer der beiden Kategorien „charmante Trashfilme“ oder „einfach nur ärgerlich“ zuzuordnen. Gerade in den letzten Jahren sind so einige Filme aus der untersten Schublade aufgetaucht, bei denen meist der Titel und das Poster das Beste am ganzen Film darstellen. Wirklich erfrischend kommt in diesem Umfeld der Versuch von Jaume Collet-Serra daher, mit „The Shallows: Gefahr aus der Tiefe“ einen ernsthafteren und realitätsnahen Hai-Film zu drehen, der vielleicht wirklich etwas besser an die Tradition von „Der Weiße Hai“ anknüpfen kann.

Die Surferin Nancy (Blake Lively) begibt sich auf einen Trip zur Trauerbewältigung. So grast sie einige Stationen ab, die im Leben ihrer Mutter eine wichtige Rolle gespielt haben, da diese vor kurzem verstorben ist. Zu diesen Orten gehört auch ein wunderschöner, versteckter und abgelegener Strand in Mexiko, zu dem nur eine Handvoll Leute überhaupt den Weg kennen und an welchem auch Nancys Mutter vor einigen Jahren gesurft ist. Zunächst scheint alles so zu sein, wie Nancy es sich vorgestellt hat: Die Landschaft ist idyllisch, das Wetter traumhaft und die Wellen einfach perfekt. Bis sie plötzlich von einem Hai vom Brett geholt wird. Daraufhin entwickelt sich ein harter Überlebenskampf, nur knappe 150 Meter vom rettenden Ufer entfernt.

© Sony Pictures Releasing

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Jaume Collet-Serra ist mit „The Shallows“ ein solider Film gelungen, der stellenweise richtig packend ist. Blake Lively kann den Film durch ihr Schauspiel weitestgehend allein tragen und auch sonst gibt’s eigentlich nicht viel zu meckern. Leider hat „The Shallows“ aber auch keine herausstechenden Momente, die einem für längere Zeit im Gedächtnis bleiben, was unter anderem daran liegt, dass dem Film zwischendurch die Ideen ausgehen. Das Setup von „The Shallows“ ist zwar sicherlich die große Stärke, denn gerade durch die vermeintliche Nähe zum Strand und den begrenzten Handlungsort überträgt sich die Hilflosigkeit von Nancy unmittelbar auf den Zuschauer. Dennoch mangelt es „The Shallows“ an Hindernissen, die es für Nancy zu überwinden gilt. Insgesamt wissen allein die Momente, in denen sie von A nach B kommen muss, vollständig zu überzeugen. Nur wäre das eben zu langweilig, wenn der Film ausschließlich aus solchen Szenen bestehen würde.

Eine Portion mehr Mut hätte „The Shallows“ vermutlich zu einem besseren Film gemacht. Denn letztendlich sind die SMS und die Videotelefonate von Nancy mit ihren Familienmitgliedern ganz nett, um ein wenig Hintergrundinfos über die Figur zu gewinnen, aber dazu hätte auch das Gespräch mit ihrem Guide Carlos (Óscar Jaenada) zu Beginn des Films gereicht, der sie zu dem Strand fährt. Anscheinend dachten die Macher, dass der bloße Überlebenskampf eines Menschen für den Zuschauer zur Identifikation mit der Hauptfigur nicht ausreicht oder sie haben gemerkt, dass sie nur mit Szenen im Wasser nicht auf die geforderte Spielzeit kommen, ohne immer das Gleiche zu machen. Am ärgerlichsten ist aber sicher ein Plotpoint, bei dem die Gezeiten ins Spiel kommen und sich Nancy extra die Uhr stellt, damit sie weiß, wann der Wasserpegel steigt, dieser sich aber visuell über den ganzen Film hinweg überhaupt nicht verändert. An solchen Kleinigkeiten krankt „The Shallows“ leider stellenweise.

Durch das Motiv des nackten Überlebenskampfes einer Person und den begrenzten Handlungsort erinnert „The Shallows“ vielleicht noch ein wenig mehr an „127 Hours“ (2010) oder „Open Water“ (2003) als an den Spielberg-Klassiker, kann sich aber trotz einiger Schwächen als einer der besten Hai-Filme seit „Der Weiße Hai“ behaupten.

Autor: Torsten Stenske

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