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Captain America: The Return of the First Avenger (2014) Review

„Captain America: The Winter Soldier“ (englischer Originaltitel) heißt bei uns ganz offiziell „The Return of the First Avenger“, wird aber wahrscheinlich ohnehin von jedem nur als „Captain America 2“ bezeichnet. Ob diese arg gezwungen wirkende Namensänderung daher ein gelungener Marketing-Schachzug war, darf zu Recht angezweifelt werden. Jeder Interessierte weiß doch mittlerweile, dass der Captain der erste Avenger war und in eben jenem Heldenkollektiv zum Stamm-Ensemble gehört. Disney und Marvel, was habt ihr euch dabei eigentlich gedacht? Mich konnte es natürlich auch nicht davon abhalten an der Kinokasse „Tickets für Captain America“ zu kaufen. Denn genau das ist es eben: das neue Abenteuer unseres Lieblingspatrioten im (zumeist) rot-weiß-blauen Dress mit der latent lächerlich aussehenden Maske, auf welcher im Stirnbereich ein großes „A“ prangt. Als Fan des ersten Teils, der bis auf einige unnötige politische Implikationen (ich sage nur Redskull) sehr spaßig und höchst unterhaltsam anzusehen war, hatte ich die Erwartungsmesslatte bei Caps zweitem Solo-Einsatz natürlich besonders hoch gesteckt. So ganz kann „The Return…“ die Erwartungen dann auch nicht erfüllen, doch ist der Film alles in allem erneut grundsolides Entertainment aus dem Hause Marvel geworden. Doch alles schön der Reihe nach.

The world needs you, Captain! Steve Rogers alias Captain America (Chris Evans), seines Zeichens erster Superheld der Welt, erhält gemeinsam mit Agenten-Kollegin Natasha Romanoff alias Black Widow (Scarlett Johansson) den Auftrag, mit Hilfe eines Einsatzteams eine Geiselnahme auf einem gekaperten Schiff von Director Nick Furys (Samuel L. Jackson) Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. zu beenden. Die Aktion gelingt natürlich, doch da Romanoff neben dem Hauptauftrag noch einen geheimen sekundären an Bord des Schiffs zu erledigen hatte, schürt dies Misstrauen beim Captain. Keine gute Ausgangslage für das Vertrauensverhältnis zwischen Rogers und Fury, das seit den Vorfällen in New York (siehe „Marvel’s The Avengers“) ohnehin etwas brüchig geworden ist. Daten, die Black Widow bei ihrem Einsatz auf dem S.H.I.E.L.D-Schiff auf einen USB-Stick herunterladen konnte, geben ebenfalls Anlass zur Sorge, weshalb sich Fury an Secretary Pierce (Robert Redford), Mitglied des Weltsicherheitsrats und hochrangiger S.H.I.E.L.D-Mitstreiter, wendet und ihn darum bittet, ein sich kurz vor seiner Fertigstellung befindendes geheimes Projekt zur allumfassenden 24/7- Überwachung und zum Schutz der Welt vorerst zu stoppen: Fury hat nämlich den Besorgnis erregenden Verdacht, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht und dass jemand eventuell beabsichtigen könnte, das als INSIGHT betitelte Militärprojekt für diabolische Zwecke zu missbrauchen. Kurz darauf wird ein Mordanschlag auf den Director verübt, den es dann für Rogers und Romanoff aufzuklären gilt, wobei sie im weiteren Verlauf der Handlung auch Unterstützung von Sam Wilson alias Falcon (Anthony Mackie) erhalten, der sich seine Sporen ebenfalls beim US-Militär in den unterschiedlichsten Krisenherden der Welt verdient hatte. Das Trio sieht sich alsbald mit einer riesigen Verschwörung, Verrat in den eigenen Reihen und dem mysteriösen Supersoldaten „Winter Soldier“ (Sebastian Stan) konfrontiert. Die Welt ist in Gefahr, doch unsere Helden sind bereit, ihrem Schicksal mutig entgegenzutreten. Bleibt nur noch eine Frage zu klären: Wem können sie vertrauen?

Der zweite „Captain America“-Film, der diesmal unter der Regie der Brüder Anthony und Joe Russo entstand, ist im Gegensatz zum mit Motiven des Kriegsactionfilms (und dabei ganz besonders mit denen des Prisoners of War Subgenres) gespickten ersten Teil ein moderner Actionthriller geworden, der sich in weiten Teilen seiner wendungsreichen Handlung klassischer Verschwörungs- und Paranoia -Elemente bedient. Aber dies bitte ja nie zu kompliziert! Auch wenn der Plot zunächst sehr undurchsichtig erscheint, ist es natürlich im weiteren Verlauf der Geschichte der Mainstream-Ausrichtung geschuldet, dass sich alles ganz klassisch und ja nicht zu verwirrend oder geistig allzu fordernd auflöst. Bei einem Film aus dem „Avengers“-Universum ist dies natürlich nicht weiter verwunderlich, da dort stets der Entertainment-Faktor im Vordergrund steht. Etwas mehr Mut und Synapsen-Verdreher beim Conspiracy-Thrill hätten dem Film aber sicherlich ebenfalls gut zu Gesicht gestanden, ohne das Publikum zu sehr zu überfordern. Denn merke, lieber Kevin Feige (Produzent der Marvel-Filme): unterschätze niemals das Publikum! Nichtsdestoweniger gefällt Caps neues Abenteuer aber dank seiner geradezu unmittelbar spürbaren und handfesten Action. Die Setpieces sind gut, allerdings auch altbekannt, im selben Atemzug dann natürlich aber auch als altbewährt zu bezeichnen. Kurzum: es wird wenig bis überhaupt nichts Neues geboten, aber das, was es zu bestaunen gibt, ist versiert in Szene gesetzt. Obwohl der Plot insgesamt eher ernst rüberkommt sitzen die Gags wieder einmal famos und auch die Chemie zwischen den Helden stimmt ganz wunderbar. Zudem gefällt der aktuelle weltpolitische Bogen, der mit Hilfe des INSIGHT-Projekts geschlagen wird. Themen wie der Einsatz von Drohnen, die geheimdienstlichen Abhörskandale und das damit verbundene Thema des gläsernen Bürgers kulminieren in jenem Geheimprojekt zum Schutze der Welt – militärpolitisch höchst brisante Streitfragen werden demnach aufgegriffen, verhandelt und auch kritisch unter die Lupe genommen. Schade ist dabei nur, dass Marvels neuer Streifen natürlich nicht den letzten Schritt hin zu einer Patriotismus- oder Militärkritik vollzieht: das, was augenscheinlich demokratischen Grundwerten in höchstem Maße zuwider läuft wird verurteilt, Amerikas vaterlandstreue und pro-militärische Grundeinstellung wird indes nicht kritisiert. Auch hier kann man erneut konstatieren: schade drum, Chance vertan bzw. ganz bewusst ungenutzt gelassen.

Insgesamt ist der Verschwörungsplot vielleicht etwas allzu weit gespannt worden und im Grunde genommen auch sehr simpel geraten, doch „The Return…“ kann dieses Manko kurz vorm Finale mit einer höchst selbstreflexiven Szene sehr clever kompensieren: der emotionale Höhepunkt und die (leider) einzig wirklich denkwürdige Szene des Films beschreiben in einem Gänsehaut-Moment, warum Amerika die Figur des Captains liebt und braucht. Nämlich weil er als Personifikation der Grundwerte der amerikanischen Nation und – global gesehen – als Personifikation der Demokratie betrachtet werden kann. Captain America als Rückgrat der amerikanischen Nation, als ihr gutes Gewissen, ihre Seele, ihr Fels in der Brandung. Manch einer mag die betreffende Szene als zu pathetisch abtun, aber Zuschauer, die das Zitat „Befehl vom Captain!“ im betreffenden Moment emotional nicht berührt, sitzen ohnehin im falschen Film. Man kann Marvel für einige militärisch-patriotische verbale Entgleisungen nicht wirklich böse sein, denn genau deshalb lieben wir alle doch die Abenteuer von Steve Rogers. Er, der quasi der Pfadfinder im Avengers-Kollektiv ist: ehrlich, integer, charmant und mit Chris Evans einfach perfekt besetzt.

„The Return of the First Avenger“ ist ein handwerklich höchst professionell und ansehnlich gestalteter Actionthriller, der die Mysterien seines teilweise fast schon hanebüchenen Verschwörungs-Plots vielleicht etwas zu früh offenlegt und in einigen Actionszenen einen Tick zu unübersichtlich geraten ist, dies aber mit gelungenen und einfallsreichen Kampf-Choreographien, einigen besonders stylischen Einstellungen, sowie charismatischen Figuren auf beiden Seiten wieder wett macht. Das patriotische und teils konservative Geschwafel über den Wert der Freiheit ist zwar ein ums andere Mal hart an der Schmerzgrenze, aber auch immer wieder verzeihlich. Rogers‘ zweiter Einzelfilm ist insgesamt betrachtet also ein Popcornfilm durch und durch: kein cineastischer Meilenstein, aber ein grundsolider Actionthriller, der gerade mit seiner handgemachten Action (Stichworte: Verfolgungsjagden und Schiff-Infiltration) begeistert. Der Film der Russo-Brüder muss sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, dass inhaltlich weitaus mehr drin gewesen wäre, denn in der vorliegenden Form wirkt der Streifen oftmals wie jeder andere Actionthriller auch. Doch die Helden liegen einem am Herzen und der Score von Henry Jackman fetzt ordentlich. Die 3D-Konvertierung ist zwar wieder einmal für die Katz bzw. ein relevanter Faktor hinsichtlich der Profitsteigerung, doch bei aller Kritik muss man dem Film dennoch lassen, dass er zwei Stunden lang richtig gut unterhält. Das obligatorische Stan Lee Cameo und auch die traditionellen Mid-Credit- und Post-Credit-Szenen sind natürlich ebenfalls vorhanden. Filmfreunde erfreuen sich übrigens noch an einem ganz besonderen filmischen Querverweis, der in der letzten Szene kurz ins Auge fällt – mehr soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden. Alles in allem verbleibe ich daher mit folgendem Ratschlag: Actionthriller- und Avengers-Fans schlagen bedenkenlos zu, alle anderen sollten es sich noch einmal überlegen. Befehl vom Captain!

Autor: Markus Schu

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