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The Raid 2 (2014) Review

© Koch Media

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Der knallharte indonesische Polizist Rama (Iko Uwais) ist zurück. Erneut kämpft er gegen die mafiöse Unterwelt seines Heimatlandes, diesmal auch aus persönlichen Gründen. Er ermittelt nun undercover unter dem Namen Yuda und freundet sich als Gefängnisinsasse mit dem Sohn eines Gangsteroberhauptes an. Nach seiner Entlassung ist er dann Teil von deren Familie. Er soll Beweise für ihre Machenschaften finden und so die Organisation von Bangun (Tio Pakusadewo) zu Fall bringen. Doch dessen Sohn Uco (Arifin Putra) verfolgt ganz andere Ziele. Inmitten von drei unterschiedlichen Parteien, die durch eine Finte des geradezu mephistophelischen Bejo (Alex Abbad) nun um die Vorherrschaft in der Unterwelt streiten, muss Rama dann letzten Endes nur noch ums eigene Überleben kämpfen. Denn auch das gezeigte Polizeibild gestaltet sich im Endeffekt mehr als trostlos: Hilfe kann der Cop nämlich von (fast) niemandem erwarten. Inmitten von Korruption, Verrat, Rache und Gewalt ist Rama ganz allein auf sich gestellt.

Bereits Gareth Evans‘ Vorgängerfilm begeisterte weltweit die Actionfans, Teil 2 wurde gar als „Der ‚The Dark Knight‘ des Actionkinos“ angepriesen und auf eine Stufe mit „Der Pate – Teil II“ gestellt. Das Lob kommt auch nicht von ungefähr. War „The Raid“ (2012) schon in allen Belangen stark und zudem stringent inszeniert, ist „The Raid 2“ nun in sämtlichen Bereichen brillant und absolut episch in Szene gesetzt. Bot Teil 1 mit seiner Prämisse „eine Polizeieinheit stürmt ein Hochhaus voller Gangster“ noch eine schlichte Geschichte, hat Drehbuchautor und Regisseur Evans bei seinem Nachfolger nun sämtliche Register gezogen. „The Raid 2“ ist nie zu verkopft und man wird auch nie überfordert, doch der Plot ist sehr breit angelegt und gestaltet sich als furioses Gangster-Action-Epos mit mindestens vier unterschiedlichen Parteien. Auch hier ist die Story im Endeffekt zwar wieder recht überschaubar und simpel, doch wie das Ganze allerdings erzählt wird, ist absolut herausragend. Das liegt zum Einen an der brillanten Kameraarbeit, zum Anderen am famosen Schnitt und natürlich an der (teilweise) verschachtelt erzählten Geschichte. Hätten andere Regisseure die Exposition ganz schlicht in chronologischer Reihenfolge abgearbeitet, geht Evans hier zum Beispiel hin und springt zwischen den verschiedenen Orten und Zeitebenen hin und her, um so erst nach und nach dem Zuschauer portionsweise Informationen zu vermitteln. Auch bei der Action gelingen ihm, seinen Choreografen (u.a. Hauptdarsteller Iko Uwais), dem Kameramann und dem Editor (Evans selbst war Co-Editor) künstlerische Kabinettstückchen, die Ihresgleichen suchen: epische Plansequenzen, brillante Bild-Kompositionen, geradezu unmöglich erscheinende Kamerafahrten und eine Kinetik, die sich in den Handgemengen dank der Parallelbewegungen der Kamera zu den Schlägen der Protagonisten unmittelbar auf den Zuschauer überträgt.

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Natürlich ergibt es keinen Sinn, dass sich in 80% der Fälle nur geprügelt und relativ selten geschossen wird, aber die Geschichte ist in ihrer fast opernhaften Übertreibung natürlich keineswegs auf Realismus angelegt. Man kann Evans für seine großartigen Regieeinfälle gar nicht genug loben und auch sein geschicktes Erzählen und seine brillante Informationsvergabe treffen im Actiongenre nur in wenigen Ausnahmefällen auf ebenbürtige Konkurrenz. Beispiel gefällig? Die Kamera gleitet in einer Erzählebene einer Parallelmontage ganz langsam durch ein Dickicht und steigert so die Spannung bis ins Unermessliche: man rechnet jederzeit damit, dass irgendetwas Brutales geschieht. Dies passiert dann allerdings erst in dem Moment, als bereits das Blut eines Protagonisten auf ein Blatt gespritzt ist – die Prügelei kann nun beginnen, die Szene ist auf unkonventionelle und bedächtige Art und Weise eingeführt worden und endet nun in einer Gewalteruption. Besonders hervorheben muss man zudem Hauptdarsteller Iko Uwais, der erneut in seiner Rolle als integrer Polizist glänzt und dem Publikum eine sympathische und unkaputtbare Identifikationsfigur bietet. „The Raid 2“ ist großes Kino, ultrabrutal, bis ins kleinste Detail durchdacht und einer der besten Actionfilme, die jemals gedreht worden sind. Es sei an dieser Stelle noch darauf hingewiesen, dass man Teil 1 unbedingt zuvor gesehen haben sollte, da das Sequel nahtlos an seinen Vorgänger anknüpft.

Ja, es stimmt: „The Raid 2“ ist ein mit bemerkenswerter Ruhe, perfektem Rhythmus und exzellentem Timing inszeniertes Meisterwerk. Ein kunstfertiger Actionfilm, dem es an nichts mangelt: er ist spannend, aber niemals hektisch, übertrieben, aber niemals lächerlich. Auch Julie Estelle als absurd wirkende taubstumme Hammerkämpferin (sicherlich ein Kniefall vor Park Chan-Wooks „Oldboy“) und Very Tri Yulisman als ihr schlagkräftiger Bruder mit einem Faible für Baseballschläger fügen sich hervorragend ins Gesamtbild ein – denn was wäre ein Actionfilm auch ohne Typen? Jeder Actioner steht und fällt natürlich auch mit seinen Antagonisten und die sind in Evans‘ Geniestreich durch die Bank grandios. Die Martial-Arts-Choreografien sind perfekt und niemals repetitiv, der Endkampf in der Küche ist überragend, die Regie über jeden Zweifel erhaben, der Soundtrack fetzt. „The Raid 2“ ist ein mitunter shakespearehaftes Actionjuwel, das sich kein Genrefan entgehen lassen darf. Ich ziehe den Hut vor so viel kreativ-durchdachtem Wahnwitz und solch episch-infernalischer Action. Summa summarum: 10/10.

Autor: Marku Schu

2 Responses to “The Raid 2 (2014) Review”

  1. 1
    admin Says:

    Wusstest du eigentlich schon, dass Evans das Drehbuch zu Berandal bereits vor dem ersten geschrieben hatte? Er war Jahrelang auf der Suche nach Geldgebern und stellte schließlich fest, dass Berendal zu groß und zu teuer war, um es finanzieren zu können. The Raid von 2012 ist also als Bewerbungsfilm für die Finanzierung des 2ten Teils zu verstehen. Daher wohl auch die eher schlichte Handlung des ersten Teils. Es ging darum seine neue Kampfästhetik und sein visuelles Vorhaben für Teil 2 zu zeigen ;-)

    Greetz,
    Batman

    P.s. Quelle: Slashfilm.com

  2. 2
    Markus Says:

    Wusste ich noch nicht, aber geile Story! Thx für die Infos!
    LG,
    Markus

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