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The Place Beyond The Pines (2012) Review

Ryan Gosling fährt Motorrad und raubt nebenbei Banken aus? Klingt zunächst sehr nach „Drive“ 2.0, auch der Trailer zu „The Place beyond the Pines“ suggerierte Ähnliches, vermutlich hauptsächlich um Anhänger von Nicolas Winding Refns Independent-Noir-Hit von 2011 in die Kinos zu locken. Glücklicherweise schafft es Regisseur Derek Cianfrance, seinem Werk einen durchaus eigenständigen Charakter zu verleihen, was nicht zuletzt einigen dramaturgischen Haken geschuldet ist.

Der Stuntfahrer Luke (Ryan Gosling) trifft auf einem Jahrmarkt seine ehemalige Geliebte Romina (Eva Mendes) wieder und erfährt, dass sie zwischenzeitlich einen Sohn von ihm bekommen hat. Dies verleitet ihn dazu, seinen unsteten Job aufzugeben, um für Mutter und Kind zu sorgen. Mit seiner Arbeit in der Werkstatt von Robin (Ben Mendelsohn) verdient er jedoch nicht genug und versucht, mit Banküberfällen für das nötige Geld zu sorgen. Der Polizist Avery (Bradley Cooper) beginnt daraufhin, ihn zu jagen, hat jedoch eigene Probleme mit Korruption in seinem Department, wofür insbesondere sein Kollege Deluca (Ray Liotta) verantwortlich ist. Fünfzehn Jahre später freundet sich schließlich Averys Sohn AJ (Emory Cohen) mit Lukes Sohn Jason (Dane DeHaan) an, was in Drogenerfahrungen und zwischenmenschliche Konflikte mündet…

„The Place beyond the Pines“ besticht insbesondere durch seine markante Dreiteilung. Während sich der erste Teil auf das Umfeld und die Probleme von Luke konzentriert und seine Versuche zeigt, für die Familie zu sorgen, wird im zweiten Teil wiederum Avery zur Hauptfigur, der hin- und hergerissen ist zwischen der Loyalität zu seinen Kollegen und moralischem Restempfinden. Der dritte Teil schließlich ist durch den fünfzehnjährigen Zeitsprung klar abgegrenzt und fokussiert sich dabei auf die neue Generation, welche sich jedoch nie ganz von der vorhergehenden lösen kann. Mit der recht klaren dramaturgischen Spaltung schwankt jedoch auch die Qualität des Films. Ryan Goslings Part ist hierbei leider am schwächsten. Zu eindimensional ist seine Rolle, er schafft es nicht, sein Schicksal dem Zuschauer auf emotionaler Ebene näher zu bringen; diesen Part muss Eva Mendes für ihn mit übernehmen. Auch hat man zu Beginn des Films das Gefühl, als wären sowohl Kamera als auch Schnitt gerade aus der Mittagspause gekommen und müssten sich erst einmal warmlaufen, hinzu kommen einige Längen innerhalb der ersten Dreiviertelstunde. Der mit Abstand stärkste Teil ist jener mit Bradley Cooper, welcher tatsächlich zeigt, dass er auch ernsthafte Rollen stemmen kann und sich damit ein wenig von seinem „Hangover“-Image löst. Der dritte Part mit den beiden Jungschauspielern schließlich wirkt ein wenig wie ein angeklebtes Kurz-Sequel, hat jedoch durchaus starke Seiten und lebt von der trefflich verkörperten Schmierigkeit Emory Cohens sowie der aktiv ausgelebten Verzweiflung Dane DeHaans, welche sich damit beide für weitere Rollen empfehlen. Die zwei besten Darsteller sind jedoch jene, die eher als Randfiguren fungieren. Zum einen ist es schön, Ray Liotta mal wieder auf der Leinwand zu sehen, er spielt den korrupten Cop mit einer teilweise schon fast kalten Hingabe. Zum anderen bleibt massiv Ben Mendelsohn haften, welcher es durch kleinste Bewegungen seiner Mimik schafft, Ryan Gosling teilweise fast an die Wand zu spielen. Diesen beiden Charakteren hätte man deutlich mehr Screen-Time gegönnt, die ihnen jedoch leider verwehrt bleibt.

Zwischen den verschiedenen Zeitebenen werden immer wieder schöne Parallelisierungen eingebaut, die auf den untrennbaren Zusammenhang der einzelnen geschilderten Ereignisse verweisen. Cianfrance präsentiert durch seine Protagonisten eine bis an den Rand kaputte Gesellschaft, die offiziellen Stellen sind korrupt, die Familie ist zerstört und jeder Idealist, der versucht, etwas daran zu ändern, scheitern irgendwann an sich selbst oder den äußeren Umständen. Auch aus neuen Generationen erwächst keine Hoffnung, insbesondere dann nicht, wenn sie in Kleinstädten mitten im Nirgendwo abgeschottet vom Rest der Zivilisation festgehalten werden und ihnen weder Perspektive noch realistische Hoffnung auf ein besseres Leben geboten wird. Drogen, Alkohol und Partys sind ihre Wege, einen Ausbruch aus dem hier negativ konnotierten „American Way of Life“ zu wagen. Wege, die einem reinen Selbstzweck dienen, irgendwann in Probleme münden und eine Besserung erschweren. Viel ändern wird sich so nicht.

Trotz des ambitionierten Subtexts und teilweise starker Szenen wirkt „The Place beyond the Pines“ insbesondere im ersten Drittel etwas unausgegoren, kann sich jedoch über die folgende Laufzeit nicht zuletzt dank Bradley Cooper wieder etwas fangen. Gesellschaftlich relevantes Kino der etwas zurückhaltenderen Art, das in einigen Belangen durchaus nachdenkliche Seiten zeigt.

Autor: Jakob Larisch

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