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The LEGO Movie (2014) Review

Das Medium Film ist bereits seit seiner Entstehung gleichzeitig damit geplagt und gesegnet, dass sich andere Medien sowie Erzählformen und –gegenstände auf der Leinwand austoben. Vermutlich mehr als die Hälfte ALLER Spielfilme (wahllose und unbegründete Schätzung des Autors) beruhen auf anderen Filmen, Literatur, Theaterstücken, „wahren Begebenheiten“, etc. Aber eine Geschichte ist nunmal eine Geschichte, egal durch welches Medium sie erzählt wird. Interessant wird es dann, wenn nicht narrative Systeme zum Inhalt eines Films werden. Interessant auf die eher weniger gute Weise, wenn der Spielzeugkonzern Hasbro das Spiel „Battleships“ oder gleich vier Mal die Transformers-Spielzeuge auf die Leinwand bringen muss; interessant auf die gute Weise, wenn die legendären Legosteine ihren Weg ins Kino finden.

Das Legomännchen Emmet ist ein ganz normaler Bauarbeiter in Brickbury, er hält sich täglich an die Anleitung, die von Präsident Business an alle Einwohner der Stadt ausgegeben wurde, kauft überteuerten Kaffee, hört Chartmusik im Radio und baut auch in seinem Job immer brav nach der Anleitung. Das alles ändert sich, als er auf der Baustelle die (für eine Legofigur) wunderschöne und geheimnisvolle Wildstyle trifft, die auf der Suche nach einem wundersamen Stein ist, den Emmet findet und damit schlagartig zum Auserwählten einer Prophezeiung und zum Feind des doch nicht so freundlichen Präsidenten Business wird. Dieser verachtet nämlich die Praxis der sogenannten Meisterbauer, die ihre Legoumwelt nach Belieben umbauen und plant daher, alle Steine in den Legowelten für immer zu fixieren. Emmet und Wildstyle, immer verfolgt von den Schergen des Bösen, berufen den Rat der Meisterbauer ein, der unter anderem aus so illustren Charakteren wie Superman, Abraham Lincoln, Gandalf, Batman und vielen mehr besteht. Werden sie es schaffen, die Welt zu retten?

Mit „The Lego Movie“ legen Phil Lord und Christopher Miller ihren dritten Film nach „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ und „21 Jump Street“ vor und etablieren sich als aufstrebendes Team im Comedy-Genre. Der Film ist ein „Film für die ganze Familie“ und auch wenn das normalerweise bedeutet, dass es ein Film für Kinder ist, in dem sich die Erwachsenen langweilen, ist dies hier definitiv nicht der Fall. Die Geschichte ist eine wilde Achterbahnfahrt durch überraschend gut inszenierte Actionsequenzen hinein in absurd-komische Slapstick-Einlagen, wieder hinauf durch Querverweise und Zitate auf die gesamte Medienwelt und schließlich sogar einige ehrlich rührende und emotionale Momente. Auch wenn der Film vielleicht ein oder zweimal zu sehr die Geschichte zur Seite schiebt, um eine weitere Szene mit Batmans neuen Subwoofern im Batmobil und seinem selbstgeschriebenen autobiographischen Emo-Dubstep-Song „Untitled Self Portrait“ zu platzieren, so sind diese einzelnen Szenen unterhaltsam und der Plot gut genug erzählt, dass der Film in keinem Fall zu absurd oder chaotisch wird. Über die Geschichte von Emmets Weg vom Normalo zum Weltenretter bauen die Autoren ein Plädoyer für kreatives Spiel, für das Zur-Seite-Legen von Spielanleitungen und für den Mut, die eigenen Vorstellungen zu äußern. Diese Eigenschaften, die in den letzten 50 Jahren aus dänischen Plastikbauklötzen einen Welterfolg machten, werden ganz bewusst von den Filmemachern auf unsere Gesellschaft übertragen und regen die Zuschauer auch außerhalb des Kinderzimmers dazu an, auch mal unkonventionell zu denken oder sich nicht an die Anleitung zu halten. Zum Ende hin gelingt dem Film noch die Etablierung einer Metaebene, die man in Animationsfilmen bis jetzt allerhöchstens im „Spongebob Schwammkopf Film“ gesehen hat.

Insgesamt bewegt sich der Film kosntant zwischen Spannungsfeldern: Zweifellos handelt es sich im Kern um einen gigantischen Werbefilm, der die Marke Lego weiter stärken und auch ein paar tausend Packungen buntes Plastik über den Ladentisch gehen lassen soll, genauso zweifellos ist aber genug Liebe und Arbeit in den Film geflossen, dass es sich um ein eigenständiges Kunstwerk handelt. Sicherlich muss man gerade für einen 3D-Film komplett digital arbeiten, trotzdem zeigt sich auch deutlich eine (Rück)besinnung auf Traditionen, wenn es den Filmemachern gelingt, ein wenig den Eindruck zu vermitteln, der Film sei in Stop Motion gedreht und man könne die Einzelteile, die auch alle tatsächlich existieren, beinahe anfassen. Auch der einfarbige Astronaut weiß, dass er aus den 80ern kommt und eigtl schon ein wenig ausrangiert ist, findet aber schließlich doch seinen Platz in der Legowelt.

Abschließend sei noch auf den ausgezeichneten Soundtrack hingewiesen, sowie auf die Vielzahl von Prominenten, die im englischen Original den Charakteren ihre Stimmen leihen. Aber auch in der deutschen Übersetzung sind einige „Schmankerl“ zu finden, allen voran David Nathan, der Christian Bale in den Batman-Filmen synchronisierte und dem lego-Pendant auch hier seine Stimme leiht (im Gegensatz zu Christian Bale, der im Original nicht zu hören ist).

Bei „The Lego Movie“ handelt es sich um einen Film, der nur deshalb kein Geheimtipp ist, weil er an den Kinokassen bereits mehr als das 5fache seines Budgets eingespielt hat. Nahezu alles funktioniert wie es soll, einige ganz kleine Schwächen in der Story sind zu bemängeln, fallen aber kaum ins Gewicht. Wie bei vielen Animations-/Kinderfilmen wird auch dieser wieder von Leuten, die ihn nicht gesehen haben, belächelt und nicht sonderlich ernst genommen werden, aber wer ihn sieht, wird ihn so schnell nicht vergessen. Ein rührender und vor allem lustiger Film, der uns wieder einmal lehrt, dass man große Kunst manchmal an den unwahrscheinlichsten Orten findet. Unbedingt ansehen!

Autor: Laszlo Horvath

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