Hinterlasse einen Kommentar

The Fortress (2017/2019) Blu-ray-Kritik

© Koch Films

© Koch Films

„The Fortress“ (im Original „Namhansanseong“) ist ein südkoreanischer Historienfilm über die 47-tägige Belagerung der Festung Namhansanseong (heutiges Korea) durch die Mandschuren der Qing-Dynastie (heutiges China), in der sich König Inho (Hae-il Park) der Joseon-Dynastie verschanzt hat. Volk und Soldaten der Joseon sind den Mandschuren zahlenmäßig weit unterlegen, von der Außenwelt abgeschnitten und noch dazu einem außergewöhnlich langen und harten Winter ausgesetzt. Sie müssen mit Kälte, Hunger, internen politischen Intrigen und schließlich einer großen moralischen Entscheidung kämpfen, die den Ausgang der Belagerung entscheiden wird…

Regisseur Hwang Dong-hyuk dreht nach einer Reihe romantischer Komödien sein erstes Drama und fährt dafür neben der A-Riege des südkoreanischen Filmschauspiels beachtliche Ressourcen für Statisten, Kostüm und Ausstattung auf. Leider spielt sich ein Großteil der Handlung im klaustrophobisch engen königlichen Palast und während der darin stattfindenden Beratungssitzungen des Hofadels ab. Das funktioniert streckenweise als packendes Kammerspiel und philosophische Abwägung über die Verantwortung der herrschenden Klasse gegenüber ihrem Volk, zieht sich aber über die immerhin 140 Minuten Laufzeit und ist zu wenig mit epischen Schlachtszenen unterfüttert, um den normalsterblichen Zuschauer bei der Stange zu halten.

© Koch Films

© Koch Films

In seiner Inszenierung von Kriegsgeschehen kommt „The Fortress“ dabei weder an die tänzerische Bildgewalt der Wuxia-Epen von Yimou Zhang („Hero“, “House of Flying Daggers”) noch an die kinetische Brillanz von Kurosawa heran, der gekonnt sich bewegende Menschenmassen als kinematische Objekte inszenierte. Obligatorische epische Helikopteraufnahmen aufeinander-zu-wogender Soldatenmeere werden geschnitten auf obligatorische Wackelaufnahmen traumatischer Kampfmomente, die seit „Der Soldat James Ryan“ (1998) in keinem Kriegsfilm fehlen dürfen. Die schiere Masse an kostümierten Statisten und auch die für westliche Zuschauer ungewohnt-exotische Bekleidung kann zwar in Momenten visuell beeindrucken, wartet aber mit zu wenig Abwechslung auf und wird schnell eintönig. Farbenfrohe Setpieces wie bei Zhang sucht man umsonst, die Atmosphäre ist stattdessen nüchtern und realistisch gehalten – man könnte, in Entsprechung zum europäischen Historiendrama, vielleicht von einer biederen Mittelalter-Inszenierung sprechen, ganz ohne Erotik, ohne Anmut, vollständig humorlos und mit dem trockenen Duktus eines Kriegsstrategen vorgetragen. Der Farbton des Films changiert dröge zwischen dem glimmenden Orangerot des Schmiedefeuers und Kerzenlichts innerhalb der Festungsmauern und dem grau-blau-weißen Schneegestöber des frostigen Winters außerhalb. Der rhythmisch pochende Soundtrack von Ryuichi Sakamoto („Der letzte Kaiser“, „The Revenant“) erfüllt seinen Zweck, wertet den Film aber auch nicht auf.

Gegen Ende kommt dann noch einmal Stimmung auf, wenn sich die politischen Debatten im Palast des Königs zuspitzen. Am Beispiel zweier Minister (eindringlich gespielt von Byung-Hun Lee und Yoon-Seok Kim) stehen sich zwei mögliche Reaktionen auf die ausweglose Lage gegenüber: Angesichts der unausweichlichen Niederlage der Joseon gegenüber den Mandschuren gibt es zwei Möglichkeiten – Unterwerfung oder Tod. Aber wie hat sich der König zu entscheiden? Das Leben des Volkes bewahren um jeden Preis – notfalls mittels einer Unterwerfung unter die Gewinner? Oder die Würde des Volkes bewahren um jeden Preis – notfalls mittels dessen (scheinbar ehrenvollem) Tod?

© Koch Films

© Koch Films

Die Edition: Die von Koch Media vorgelegte Blu-ray-Fassung enthält Trailer, eine Einführung von Cast und Regisseur sowie ein kurzes Making-of des Films.

Autor: Paul Quast

Leave a Reply