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The Big Short (2015/2016) Review

© Paramount Pictures

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Im Jahr 2008 erreichte die Finanzkrise mit dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Bank „Lehman Brothers“ ihren vorläufigen Höhepunkt, deren Folgen die weltweiten Finanzmärkte immer noch in Mitleidenschaft ziehen. Doch was bekommt der Otto-Normalverbraucher in Deutschland davon überhaupt mit? Klar, dass die Commerzbank anno dazumal durch Steuergelder gerettet werden musste, ist sicherlich noch dem einen oder anderen im Kopf. Aber wenn man jetzt mal konsequent fragt, was damals eigentlich genau passiert ist und welche Auswirkungen die Finanzkrise auch noch heute hat, können sicherlich viele Menschen gar keine Antwort geben.

Mit „The Big Short“ kommt nun ein Film in die Kinos, der die Hintergründe und Mechanismen auf unterhaltsame Weise aufarbeitet. Gespickt mit einem All-Star-Cast (Brad Pitt, Christian Bale, Ryan Gosling, Steve Carell, Marisa Tomei & Melissa Leo) macht sich Regisseur Adam McKay („Die etwas anderen Cops“, „Anchorman – Die Legende kehrt zurück“) ans Werk, uns mit einer Mischung aus Komödie, Satire und Drama die Schatten der Finanzwelt näher zu bringen. Im Film wird die Geschichte von drei unabhängigen Teams erzählt, die kurzum als Gewinner der Finanzkrise bezeichnet werden können. Durch Analyse der aktuellen Wirtschaftszahlen und Geldbewegungen der Märkte finden sie heraus, dass die Finanzierung des amerikanischen Immobilienmarkts in naher Zukunft komplett einbrechen wird. Anhand dieser Prognosen wollen sie geschickt investieren und dadurch von dem bevorstehenden Kollaps profitieren.

Auch wenn das Thema vielleicht den einen oder anderen zum Einschlafen bringt, sollte man vorneweg sagen, dass „The Big Short“ zu keinem Zeitpunkt langweilig oder kompliziert ist. Man muss wahrlich kein VWLer oder Wirtschaftswissenschaftler sein, um an dem Film seinen Gefallen zu finden, da alle wichtigen Begriffe anhand von lebensnahen Beispielen durch Gaststars verständlich erklärt werden. In diesen Szenen wird die vierte Wand durchbrochen und der Zuschauer direkt angesprochen und das ist so unterhaltsam, dass man nicht mal am Thema interessiert sein muss.

© Paramount Pictures

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„The Big Short“ lebt von den Performances der Schauspieler, die ihren Job allesamt sehr gut machen, nicht umsonst sind Bale und Carell für den Golden Globe nominiert worden. Zudem gelingt es Adam McKay auch durch seine Einfälle, die dröge Thematik aufzulockern. Das größte Problem von „The Big Short“ ist allerdings dass er einerseits als Komödie gelabelt wird und diesen Eindruck auch beim Trailer erzielt, er aber andererseits gar nicht so viel Wert auf die Gags legt bzw. im Comedy-Bereich auch nicht so stark ist. Da fällt er im Vergleich zu einem „The Wolf of Wall Street“ deutlich ab, der mit seinem bitterbösen schwarzen Humor die Messlatte aber auch gewaltig nach oben legt. Hierbei muss man sagen, dass unsere Figuren in „The Big Short“ im Gegensatz zu Jordan Belfort absolut legal vorgehen und durch ihre geschickten Investitionen auch niemand zu Schaden kommt. Insofern haben wir es hier nicht mit rücksichtslosen Finanzhaien zu tun, auch wenn natürlich ihr Erfolg letzten Endes dadurch entsteht, dass der Finanzmarkt zusammenbricht.

Auf der anderen Seite kann der Film – obwohl er durchaus seine spannenden Momente hat – auch nicht gänzlich den Zuschauer fesseln, da dieser ja im Normalfall weiß, wie die Geschichte am Ende ausgeht. Trotz dieser Schwächen ist „The Big Short“ ein guter Film, der darüber hinaus verdammt wichtig ist, weil er uns Laien zeigt, wie eigentlich die Finanzmärkte funktionieren, wer die Verantwortung tragen sollte, wer sie in Wirklichkeit trägt, wer profitiert und wer am Ende darunter leidet. Das passiert auf wirklich unterhaltsame Weise und bringt einen gleichzeitig zum Nachdenken. Deswegen hat „The Big Short“ auch heute noch seine Wichtigkeit, da sich prinzipiell nicht wirklich viel an der Ungerechtigkeit des Systems und des praktizierten „Sozialismus für die Reichen“ geändert hat. Oder um es mit Henry Ford zu sagen: „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ Also fangt an zu verstehen und guckt euch diesen Film an. 7/10

Autor: Torsten Stenske

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