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The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro (2014) Review

Der Schüler Peter Parker (Andrew Garfield) ist nunmehr seit einiger Zeit als Superheld Spider-Man in den Straßen von Manhattan unterwegs, um diese ein wenig sicherer zu machen. Dies empfindet er weniger als Aufgabe, sondern vielmehr als seine Bestimmung, die ihn mehr als erfüllt. Trotz seines Superhelden-Daseins findet er die Zeit, sein Teenager-Leben nicht zu vernachlässigen. So führt er eine glückliche Beziehung mit seiner Freundin Gwen Stacy (Emma Stone) und schließt auch alsbald die High-School ab. Es könnte für ihn nicht besser laufen, wären nicht die Ereignisse aus seinem vorherigen Abenteuer, an deren Ende er dem sterbenden Captain George Stacy (Denis Leary), dem Vater seiner Freundin, versprechen musste, Gwen aus allem Ärger heraus zu halten.

Mit seiner zweiten Inszenierung, „The Amazing Spiderman 2: Rise of Electro„, einem Abenteuer des verlorenen Marvel-Sohns Spider-Man, gelingt es Marc Webb, den Vorgänger qualitativ weit hinter sich zu lassen und ein Werk abzuliefern, welches sich durchaus sehen lassen kann. So wurden einige Veränderungen vorgenommen, die „The Amazing Spider-Man 2“ runder wirken lassen als seinen katastrophalen Vorgänger. Dennoch besteht nach wie vor viel Luft nach oben in allen Bereichen. Auch hier gibt es einige Sachen, welche von Webb noch besser inszeniert werden könnten.

Andrew Garfield ist die lange Anlaufzeit anzumerken, die es bedurfte, um sich in der Rolle von Spider-Man wohl zu fühlen und ihr seinen eigenen Stempel aufdrücken zu können. Er wirkt wesentlich sicherer und sehr souverän, wenn es um die schauspielerischen Aspekte seiner Rolle geht. Wirkte er im ersten Teil noch arrogant und aufbrausend, ist Peter Parker besonnener und humorvoller. Seine One-Liner wirken gut platziert, wobei sie das Gefühl vermitteln, dass sich die Drehbuchautoren nicht an der Vorlage Spider-Mans aus den Comics orientiert hätten, sondern vielmehr an Deadpool, einer anderen Comic-Figur aus dem Marvel-Universum, welche unter den Fans einen Kultstatus inne hat. Die auffällig extrovertierte Art des Titelhelden kann aber auch daraus resultieren, dass man sich deutlich von den Sam-Raimi-Filmen distanzieren möchte, in denen der Protagonist wesentlich mehr in sich gekehrt wirkte.

Trotz der großen Fortschritte bezüglich des Hauptcharakters fällt es auch wieder auf, dass es in den Rollendarstellungen von sowohl Peter Parker als auch von Spider-Man wenig bis gar keine signifikanten Unterschiede gibt. Dies mag zum einen natürlich an Garfields Performance bezüglich Auftreten und Körperhaltung liegen, zum anderen aber wohl eher an dem Drehbuch, welches für beide ein ähnliches Sprachmuster vorsieht. Zumindest zwingt das Drehbuch Garfield nicht mehr, als Spider-Man alle fünf Minuten seine Maske abzuziehen und diese damit quasi überflüssig zu machen.

Dazu kommt Dane DeHaan, der in diesem Teil den Oscorp-Erben Harry Osborn verkörpert. Es ist innovativ, die Verbundenheit zwischen Harry und Norman Osborn (Chris Cooper) nicht durch den Wahnsinn darzustellen, dem beide im Laufe ihres Lebens verfallen, bei Norman Osborn ausgelöst durch seine Verwandlung zum grünen Kobold, bei Harry Osborn durch den Drang, Spider-Man aus Rache zu töten, wie es die vorherigen Filme getan haben. Ihre Verbundenheit resultiert aus einer erblich bedingten Krankheit, die in der Regel zum Tod führt. Um nicht so elendig wie sein Vater an der nicht näher definierten Krankheit zu sterben, muss er ein Heilmittel finden. Die Forschungen seines Vaters führen ihn auf die Spur von Spider-Man. Harry ist der Überzeugung, aus dessen Blut ein geeignetes Medikament gewinnen zu können. Dieser ist, traumatisiert aus den Ereignissen des ersten Teils, nicht dazu bereit, sein Blut zur Verfügung zu stellen, was unweigerlich zu einer Konfrontation der beiden führt. Die Herangehensweise von Webb an die Familie Osborn und deren Verbindung zu Spiderman beweist, dass eine Alterierung der Vorlage nicht unweigerlich schlecht sein muss. Webb nimmt die bereits bekannten Elemente und setzt sie neu zusammen, damit selbst alteingesessenen Fans eine kleine Überraschung geboten werden kann.

Enttäuschend ist die Etablierung der Rolle des Electro/Max Dillon (Jamie Foxx). In seiner Rolle als titelgebender Antagonist wirkt er vielmehr wie versetzter One-Night-Stand denn als ernstzunehmender Gegenspieler. Seine Ablehnung gegenüber Spider -Man resultiert daraus, dass dieser sich seinen Namen (!!!) nicht merken konnte. Was bei der Beziehung zwischen Spider-Man und Harry Osborn richtig gemacht wurde, wurde hier ordentlich vermasselt. Auch schon vorher weiß die Rolle des Max Dillon nicht zu gefallen. Dies fängt bereits bei der Rollenbesetzung an. Foxx wurde sicherlich auch aufgrund seiner Mainstream-Kinotauglichkeit gecastet, doch in der Rolle als nerdiger Wissenschaftler wirkt er komplett fehlbesetzt. Man hätte sich dies denken können, hat er in seinen vorherigen Filmen überwiegend starke, männliche Rollen verkörpert, beispielsweise in „Django Unchained“ oder in „White House Down“. Hinzu kommt sein physisches Äußeres, womit er ebenfalls sehr auffällt. Man hat versucht dies mit einer schlecht verdeckten Glatze zu kaschieren, doch dies mag nur bedingt gelingen.

Hinzu kommt die größte Comicfilm-Sünde seit den Bat-Nippeln in „Batman & Robin“. Aus irgendeinem Grund wurde Foxx in seiner Rolle als Max Dillon eine Zahnlücke verpasst, die noch dazu äußerst schlecht umgesetzt wurde. Entweder wurde Foxx jene aufgemalt oder der schlechteste CGI-Spezialist, der aufgetrieben werden konnte, hat sich ans Werk gemacht, Foxx’s perfektes Lächeln zu verunstalten. Hätte man sich die Rolle komplett gespart, hätte man dem Film zwar einen anderen Titel geben müssen, wirklich vermissen würde man den Charakter aber nicht. Eine etwaige Ausklammerung der Rolle hätte dem Film auch einen Teil seiner Laufzeit erspart, welche eindeutig zu lang ist. Wo sind die Filmemacher, die sich trauen, einen soliden Film unter 100 Minuten laufen zu lassen? Muss heutzutage jeder Film epische zweieinhalb Stunden gehen? Wenn man sich auf das Popcorn-Kino konzentriert, sollte eine kurze Spielzeit auch absolut drin sein. Besonders ärgerlich ist die lange Laufzeit auch deswegen, weil in den letzten Sequenzen des Films ein Ereignis stattfindet, welches mehr Beachtung verdient hätte, als es bekommen hat. Auch die Auswirkungen auf Peter Parker/Spider-Man hätten durchaus etwas ausführlicher sein dürfen, einem Nachfolger etwa hätte man einen düsteren Unterton verleihen können. Wie man die Situation im Film handhabt, ist mehr als enttäuschend.

Was zum Ende des Filmes angedeutet wird, nämlich Harry Osborns „Avengers des Bösen“, verspricht ein Aufgebot an den feinsten Antagonisten aus dem Spider-Man-Universum getreu nach dem Motto: Villains aren’t born, they are created. Hierzu kann man feststellen, dass sich Sony von vornherein keine große Mühe machen möchte, den Antagonisten eine tiefere Background-Story zu geben, sondern ohne große Vorlaufzeit in den Kampf gegen Spider-Man zu schicken, wie am Ende dieses Films schon geschehen. Es bleibt nur zu hoffen, dass nicht jeder Schurke seinen eigenen Namen in die Kamera brüllt, kurz bevor er über den Helden herfällt.

Wenn man seine Erwartungen herunterschraubt, wenn man sich den ersten Film vorher noch einmal anschaut (um seine Erwartungen noch einmal zu senken, nicht um dem Film folgen zu können) und wenn man dann seine Erwartungen ein weiteres Mal senkt, ist „he Amazing Spiderman 2: Rise of Electro“ ein Film, der durchaus zu unterhalten weiß. Jedoch ist er qualitativ bestenfalls Mittelmaß. Da die Macher aber schon einmal bewiesen haben, dass sie zu signifikanten Besserungen fähig sind, darf man darauf hoffen, dass sie in den nächsten Jahren, in denen schon drei weitere Spinnenabenteuer versprochen wurden, einen Film drehen, der auch höheren Ansprüchen genügt. Sollte das aber nicht gelingen, sollte man hoffen, dass einer der nächsten Filme ein finanzielles Desaster für Sony darstellt, damit sie so lange von einem neuen Projekt abgeschreckt sind, bis die Rechte wieder an Marvel zurückfallen, damit Spiderman endlich ein Teil der Avengers werden kann.

Autor: Mamon Hassani

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