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T2 Trainspotting (2017) Review

© Sony Pictures

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Choose life. Choose Facebook, Twitter, Instagram and hope that someone, somewhere cares. Choose looking up old flames, wishing you’d done it all differently. And choose watching history repeat itself.

„Independence Day“. „Ghostbusters“. „Jason Bourne“. „Star Trek“. Das Fortsetzen und Franchisen von Kultfilmen allein im letzten Jahr ist ziemlich gut dokumentiert und genauso schlecht rezipiert. Von Filmen, die es im ersten Versuch nicht zum Kult- oder Qualitätsstatus geschafft haben, ganz zu schweigen („Jack Reacher 2″, „Now You See Me 2″, „Bad Santa 2″, etc); wer nochmal erinnert werden möchte, höre sich den WSM-Flop-Podcast an. Zugegeben findet man mit „Findet Dory“, „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ sowie anderen auch Gegenbeispiele, trotzdem darf man sich als Fan von Danny Boyles Kultklassiker „Transpotting“ (1996) durchaus die Frage stellen, wieviel Qualität man (und ob man überhaupt Qualität) von seinem soeben im Kino erschienen „T2 Trainspotting“ erwarten kann.

Die Antwort sei hier gleich zu Anfang gegeben: Ja, man kann sich auf Qualität freuen und verdammt nochmal ja, es ist mehr Qualität in diesem Film als Heroin in Edinburgh (vielleicht)! Der Film spielt 20 Jahre nach den Geschehnissen im ersten Teil, ist aber 21 Jahre danach erschienen, diese skandalöse Asynchronität soll jedoch die größte Kritik bleiben. Unser Hauptcharakter Mark Renton (Ewan McGregor) lebt inzwischen in Amsterdam, kehrt aber aufgrund des Todes seiner Mutter nach Schottland zurück und wird dort mit seiner Vergangenheit und seinen drei Freunden konfrontiert: Daniel „Spud“ Murphy (Ewen Bremner), inzwischen Vater, aber immer noch genauso heroinabhängig und doppelt so verzweifelt wie vor 20 Jahren, Simon „Sick Boy“ Williamson (Johnny Lee Miller), der von Heroin auf Kokain, von Stehlen auf das Leiten eines Pubs sowie Erpressung umgesattelt hat, aber immer noch genauso blond ist und Francis „Franco“ Begbie (Robert Carlyle), den seine zahlreichen Gräueltaten inzwischen eingeholt und ihm einen sehr langen Aufenthalt in einer Haftanstalt eingebracht haben. In den folgenden zwei Stunden erleben wir Verrat, Rache, Freundschaft, Liebe, Neues und Altes.

Doch was hat „Trainspotting“, das andere Filme/Fortsetzungen/Franchises nicht haben? Da wäre erstens die Vorlage, auf der das Drehbuch von John Hodge, der ebenfalls den ersten Teil sowie „The Beach“ (2000) und „Trance“ (2013) für Boyle schrieb, basiert. Porno ist die 2002 erschienene Fortsetzung zu Trainspotting, geschrieben vom schottischen Kultautor Irvine Welsh (der wie auch im ersten Teil eine kleine Rolle als Mickey Forrester hat und in der Filmwelt zusätzlich bekannt ist als Autor von Filth/Drecksau); die Handlung lehnt sich zumindest an das Buch an. Dann ist da das gesamte restliche Personal: Neben Regisseur und Drehbuchautor ist es vor allem als großer Coup anzusehen, dass es gelungen ist, ALLE Hauptdarsteller aus dem Original wieder zu vereinigen. Und auch viele Nebenrollen sind in der gleichen Besetzung wieder zu sehen; genauso verhält es sich mit vielen Schauplätzen und Versatzstücken, ohne dass der Film jemals in pure Nostalgie oder Selbstbeweihräucherung abdriften würde.

© Sony Pictures

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Das führt uns schließlich zum Film selbst. Und vor allem hier kommt alles zusammen: Ein gutes Drehbuch, in dem einige kluge Ideen und grandios geschliffene Dialoge überzeugen, exzellentes Schauspiel, fehlerlose Regiearbeit mit einigen typischen inszenatorischen Danny-Boyle-Ideen, die aber immer genutzt werden, um den Film voran zu bringen und nicht zum Selbstzweck verkommen. Auf einen Lacher folgt sofort ein zynischer Kommentar, folgt eine Szene mit echter Emotion, folgt wieder jemand, der die Plastiktüte, mit der er sich ersticken will, vollkotzt, folgt ein beißender Seitenhieb über Gentrifizierung und Kleinkredite der EU, folgt echte Freundschaft. Immer und immer weiter dreht sich das Karussell, bis man fast denkt, man sei high. Garniert mit dem zweiten Teil des legendären „Choose life!“-Kommentars und abgerundet mit einem postmodernen Vierte-Wand-Bruch, bei dem einer der Charaktere am Ende des Films quasi Trainspotting schreibt.

Allein schon, weil er eben nicht aus dem Nichts kommt, ohne Stars und ohne Budget, allein weil es „Trainspotting“ nur einmal geben kann und weil er 20 Jahre später nicht mehr diese Wut und Wildheit, den Leichtsinn und den Spaß der Jugend haben kann, wird „T2 Trainspotting“ immer ein kleines Stück hinter dem Original zurück bleiben. Doch er will auch gar nicht eine Wiederholung sein, er ist das „Trainspotting“ für Erwachsene, 30 bis 40 Jahre alte Erwachsene, die nicht mehr in Hinterhöfen herum- oder an der Nadel hängen, aber die auch nicht mehr die Hoffnung und die Träume von Jugendlichen besitzen, die nicht mehr die Flucht in einen Rausch oder eine Party haben. So fällt auch der legendäre „Choose life“-Dialog nicht mehr ironisch und spaßig, sondern zynisch und bitter aus und auch der Film endet genauso bitter wie versöhnlich. Am Ende vielleicht mit der Erkenntnis, dass nur Weniges und Kurzes im Leben existiert, das für uns und andere wertvoll ist. Aber es existiert. Bis wir in 21 Jahren den drittem Teil im Kino bestaunen dürfen. Hoffentlich schon früher!

Grandioses Meisterwerk, welches nur an ganz wenigen Stellen dramaturgisch nicht komplett rund ist und das den absoluten Kultklassiker gebührend fortsetzt. Wer sich den manchmal nicht ganz leichten Dialekt zutraut, unbedingt im Original schauen. 9/10!

Autor: Laszlo Horvath

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