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Stuber – 5 Sterne Undercover (2019) Review

© 2019 Twentieth Century Fox

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Übermensch trifft auf Uber-Mensch. So will die stumpfe Sommer-Actionkomödie „Stuber – 5 Sterne Undercover“ uns ihre Prämisse zumindest verkaufen. Ein Film, der sich in Zeiten der Auflösung klassischer Geschlechterrollen mit dem Stereotyp des Männlichen beschäftigt.

Dafür vereint der Film zwei in Hollywood gerade sehr angesagte Darsteller: Ex-Wrestler Dave Bautista, der als einer der „Guardians of the Galaxy“ im „Marvel Cinematic Universe“ gerade ordentlich Kohle in Disneys klingelnde Kassen spült und Comedian Kumail Nanjiani, welcher kürzlich als Drehbuchautor und Hauptdarsteller von „The Big Sick“ mit der tragikomischen Verfilmung seiner realen Ehe einen Kritikerliebling produzierte. Der eine gibt den knallharten bulligen Cop beim LAPD namens Vic, der seinen Gegnern lieber erst in den Kopf schießt, bevor er sie verhaften kann. Allerdings fällt es ihm schwer, Gefühle zu zeigen, vor allem seiner eigenen Tochter gegenüber. Der andere spielt einen erfolglosen und sanftmütigen Schwächling, der auf den Namen Stu hört und sich mit seinem geleasten Elektroauto als Uber-Fahrer etwas dazuverdient. Schließlich hat er seiner besten Freundin, in die er heimlich verliebt ist, ein komplettes Fitnessstudio mitfinanziert, da er hofft, sie so für sich zu gewinnen.

Nach einem verpatzten Einsatz, bei dem die Zielperson entkommen kann und Vics Partnerin als Folge ihr Leben verliert, (in einer Gastrolle: Bautistas Co-Guardian Karen Gillan) lässt dem Polizisten der Fall keine Ruhe. Sieht er sich doch für ihren Tod verantwortlich, da der Täter aufgrund von Vics Sehschwäche entkommen konnte. Er lässt sich die Augen lasern und begibt sich fortan fast blind auf Gangsterjagd. Da er in diesem Zustand kein Auto fahren kann, gerät er an Stu. Das klingt im ersten Moment sehr konstruiert, wie der Film es aber erzählt, ergibt durchaus Sinn. Fortan hastet das ungleiche Duo in L.A. von Schauplatz zu Schauplatz und erledigt die Bösen so, wie das formelhafte Drehbuch es von ihnen verlangt.

© 2019 Twentieth Century Fox

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Stuber ist eine typische überraschungsarme 08/15-Actionkomödie, die nur durch Nanjianis vereinzelt sitzende Pointen halbwegs erträglich ist. Der Humor des Films setzt sich zusammen aus Einzeilern von Stu und seinen Reaktionen auf die harte Welt der Kriminalität – und Slapstick, welcher aber genauso schlecht geschnitten ist wie die Action. Diese ist in „Stuber“ leider das große Manko. Man bekommt den Eindruck vermittelt, für gutaussehende Actionszenen war im Budget kein Platz mehr: eine wackelige Handkamera ist immer viel zu nah dran und die schnellen Schnitte verhindern dann vollends einen generellen Überblick über die Situation. Zwar ist Stuber in seiner Gewaltdarstellung ziemlich explizit, Kopfschüsse sind immer klar und deutlich im Bild. Dafür sehen diese (und vor allem das dabei spritzende Blut) aber leider so sehr nach CGI aus, dass man eine emotionale Distanz zum Geschehen auf der Leinwand entwickelt. In der Anfangssequenz erscheint es außerdem zunächst regelrecht unglaubhaft, dass irgendjemand Dave Bautista im körperlichen Zweikampf die Stirn bieten kann. Durch die visuelle Beeinträchtigung, die seine Figur kurz darauf erlebt, bessert sich das aber wieder. Sie funktioniert als Einschränkung seiner Kraft, seiner Männlichkeit.

Die Frage der Männlichkeit und was diese ausmacht, ist dem Film immanent. Für Vic sind Stärke und mentale Stabilität wichtig. Er sieht Stu nur als halben Mann, da er ihn für verweichlicht hält. Stu sorgt sich sehr um das Auto, er betont mindestens zehn Mal, dass es ja nur geleast ist. Außerdem ist er sehr darum besorgt, von möglichst vielen Fahrgästen eine 5-Sterne-Wertung zu erhalten, deswegen ist er überfürsorglich und freundlich, was für Vic Schwäche bedeutet. Besonders deutlich wird seine Haltung Stu gegenüber in den Diskussionen während der Autofahrten, an einer Stelle fragt er ihn: „What do you know about being a man?“ Natürlich ist die Moral, dass Vic lernen muss, dass es in Ordnung ist, sich selbst auch mal Schwäche einzugestehen und dass diese nicht gleichzusetzen ist mit Unmännlichkeit. Jedoch ist die Fortschrittlichkeit, die der Film damit suggerieren will, nur Behauptung: Die Lebenslektion nimmt Bautistas Figur nur an, nachdem sich Stu bewiesen hat und damit die Klischees eigentlich wieder bestätigt sind.

Frauenfiguren sind in diesem Film eher funktionaler Natur anstatt richtige Charaktere. Sie gieren nach Erfolg und Anerkennung von den männlichen Charakteren und definieren sich so nur über sie, so zum Beispiel Vics Tochter. Stu möchte in erster Linie mit seiner Freundin schlafen, weil er hofft, sie über diesen Weg emotional an sich zu binden. Der Film selbst deklariert diese Einstellung als armselig, lässt Stu über diesen Zustand hinauswachsen, nur um ihn am Ende wieder über seine Libido zu definieren, da er mit Vics Tochter zusammenkommt. Aus diesem Mix vermeintlich unterwanderter Klischees, gelegentlich witziger Gags und schwieriger Action entsteht ein mehr als halbgarer Film, der leicht verdaulich für ein Massenpublikum sein soll, darum letztendlich keinen eigenen Geschmack hat und schon bald wieder vergessen sein wird. Die Handlung ist formelhaft, traut sich keine unkonventionellen Wege zu und ist damit auch eigentlich feiger als alle Figuren, die sie erzählt. So bleibt „Stuber“ am Ende sicher nur „the stupid Uber-Film“ und bekommt keine 5-Sterne-Wertung. Sorry, Stu!

Autgor: Nino Steffeck

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