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Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (2013) Review

John McClane is back! Der mittlerweile fünfte Aufguss der „Stirb langsam“-Reihe beehrt die Kinos und zeigt einen alternden Helden im Konflikt mit seinem Sohn…und natürlich einigen Russen, aber das scheint im Vergleich nicht ganz so wichtig zu sein. Die Action kracht und knallt teilweise herausragend, dramaturgisch machen sich trotz des Schauplatzwechsels jedoch mittlerweile einige Abnutzungs- erscheinungen bemerkbar. Wer darüber hinwegsehen kann und sich einfach mal 90 Minuten lang gepflegt das eigene Hirn um die Ohren knallen lassen will, der macht mit „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ allerdings nichts falsch.

Nachdem John McClanes (Bruce Willis) Sohn Jack (Jai Courtney) in Moskau wegen eines Auftragsmordes inhaftiert wurde, macht sich der New Yorker Cop auf den Weg, seinen Sprössling zu befreien. Dieser ist jedoch in ein Ränkespiel zwischen dem Russen Komarov (Sebastian Koch) und dessen Erzfeind Chagarin (Sergei Kolesnikov) verwickelt und muss Komarov, der wichtige Informationen besitzt, die einen Umsturz in Russland verhindern könnten, vor andauernden Angriffen der Gegenseite beschützen. McClane Senior wird in das ganze Spiel mit hineingezogen, lässt jedoch nicht locker und beginnt, seinen Sohn zu unterstützen. Gemeinsam kommen sie einem Komplott auf die Spur, welches sich kniffliger zu lösen gestaltet, als zu Beginn gedacht und auf ein Finale an einem ungewöhnlichen Ort hinausläuft…

John McClane scheint ein zumindest schwieriger Vater gewesen zu sein, was eventuell erklären mag, warum man seine Kinder vor dem vierten Film nie zu Gesicht bekam. Nach seiner komplizierten Aussöhnung mit Tochter Lucy (Mary Elizabeth Winstead) in „Stirb langsam 4.0“ (2007), die im fünften Teil übrigens einen charmanten Kurzauftritt spendiert bekommt, muss er sich nun mit seinem Sohn Jack herumärgern. Dieser scheint die gleichen Probleme mit seinem Vater zu haben wie Lucy sechs Jahre zuvor und nennt ihn ebenfalls konsequent „John“ (statt „Dad“). Wie es sich für einen amerikanischen Film gehört, müssen sich Vater und Sohn natürlich im Angesicht einer tödlichen Bedrohung und unter permanentem Maschinengewehrfeuer irgendwann mal aussöhnen, die Dialogmomente zwischen den beiden gehören zu den nachdenklicheren Momenten des Films und sorgen für Zeiten des Durchatmens während der permanenten Adrenalinschübe.

Es ist interessant, dass mal wieder Russen die Bösen sind, was seit 1989 in amerikanischen Actionfilmen deutlich seltener der Fall ist. McClane hatte in den vorangegangenen Teilen ja tendenziell Probleme mit häufig deutschen Terroristen, die jedoch eher durch ziemlich falsche Grammatik auffielen („Schieß dem Scheibe!“). Der Film verfällt allerdings zum Glück nicht zu sehr in platte Stimmungsmache, die Gefahr für die USA geht mit Blick auf das reale Russland nicht von einer auszuschaltenden Regierung aus, sondern alternativ von größenwahnsinnigen Privatleuten, die wollen, was man als Terrorist in Filmen eben so will: Chaos, Zerstörung, mehr Macht. Dazu passend verdient der Mohrrüben kauende Alik (Radivoje Bukvić) als Helfer Chagarins eine separierte Erwähnung, da es sich bei ihm um einen durchaus aparten Bösewicht handelt, der seinen großen Moment der Selbstinszenierung hat, bevor er John und Jack erschießen soll und ihnen dadurch natürlich genau die Zeit gibt, sich selbst zu befreien, die sie benötigen. Ein Fehler, den Schurken in Filmen seit etwa sechzig Jahren machen. Schauen russische Terroristen eigentlich nie James-Bond-Streifen? In Bezug auf die Vermeidung missonsgefährdenden Verhaltens kann man sich dort viel nützliches Wissen aneignen.

Stichwort: Man lernt insbesondere vier Dinge in „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“. Erstens: Leitplanken sind ein genialer Schutz vor Maschinengewehrfeuer. Zweitens: Die besten der besten und wegen der moralischen Erleichterung des Bodycounts grundsätzlich maskierten russischen Söldner sind trotz des dauerhaften Leerballerns ihrer Magazine schlichtweg zu inkompetent, McClane zu treffen, der es umgekehrt natürlich besser macht. Drittens: Wenn man in Moskau, welches in vielen Einstellungen Budapest erstaunlich ähnelt, am richtigen Ort ein Auto knackt, sind praktischerweise jede Menge Waffen im Kofferraum. Viertens: Man kann als New Yorker Polizist die halbe russische Hauptstadt in Schutt und Asche legen und trotzdem noch unbehelligt in die Staaten zurückreisen, um dort seine Tochter zu treffen. Vermutlich wartet als Krönung am Flughafen Liam Neeson auf Bruce Willis, um mit ihm das Action-Crossover „Die Hard or Get Taken“ zu besprechen.

Nicht dass einer dieser Punkte in Bezug auf Actionfilme etwas großartig Neues wäre, es zeigt nur ein gewisses Abdriften in Klischees, welches in den vorherigen Teilen nicht derart offensichtlich gestaltet wurde. Zwar stört es die Rezeption des Films nicht großartig, nur fällt es tatsächlich erstmals auf, was einige dramaturgische Schwächen sichtbar macht. Bruce Willis hat die Figur des „Lonesome Cop“, der gegen alle Widerstände allein handeln muss, um New York oder die Welt vor dem Untergang zu bewahren und dabei häufig die Grenzen der Legalität hinter sich lässt, durch den Charakter des John McClane zwar ganz erheblich mitgeprägt, in dieser Rolle es jedoch eigentlich immer verstanden, das Ganze weniger platt als etwaige filmische Nachahmer zu gestalten. Nicht zuletzt durch den Wechsel der Settings hoben sich die ersten drei Teile voneinander ab, der dritte konnte zusätzlich mit der rätselbasierten Hexenjagd punkten, der vierte zumindest noch mit den Problemen des Oldschool-Polizisten im digitalen Zeitalter und erweiterte das Konzept ein wenig, indem McClane erstmals mehrere Orte aufsuchen musste, um den Geek-Terroristen Thomas Gabriel (Timothy Olyphant) zu stoppen. Der Unterschied von Moskau zu New York ist jedoch innerhalb eines Actionfilms nicht direkt gegeben. Beides sind Großstädte, in welchen man perfekt Destruktionsorgien feiern kann, schwarz gekleidete Söldner ausschaltet und von einem Ort zum anderen rennen muss. Die Gags, dass McClane kein Russisch kann, ersterben bald, die Problematik mit seinem Sohn gab es, wie erwähnt, in Teil vier bereits mit seiner Tochter. Dem Film mangelt es an Neuheiten und auch wenn der finale Twist am Ende eine gewisse Überraschung bereithält, kommt der Showdown sehr abrupt und lässt einen richtig spezifischen Kracher vermissen.

Der Film hat natürlich auch positive Seiten. Die Action ist hervorragend inszeniert, zwar zeitweise etwas überdreht, was dem Spaß am Schauen jedoch keinen Abbruch tut. Verfolgungsjagden und Schießereien werden regelrecht zelebriert, hierbei kann Regisseur John Moore mit einigen netten und kreativen Regieeinfällen punkten. Diesbezügliches Highlight ist sicherlich die Szene, in der John McClane einen Verkehrsstau umgeht, indem er einfach die Verfolgungsjagd auf den Stau verlegt und über die Autodächer hinwegrast. Das Sounddesign ist äußerst passend gestaltet, der elektronisch pumpende Soundtrack tut sein Übriges, dem Film in derartigen Szenen genügend Fahrt zu verleihen.

Als unprätentiöser Actionreißer ist der Film über jeden Zweifel erhaben, jedoch fehlt trotz unentwegter Witze über McClanes Alter der einstige „Die Hard“-Charme, der bereits im vierten Teil nachzulassen begann, was dort jedoch durch die für die Reihe neuartige Thematik noch kompensiert werden konnte. Ohne das sicherlich verkaufsfördernde „Stirb langsam“ im Titel würde jenseits des Hauptdarstellers auch nicht mehr viel an die alten Filme erinnern. Ein sechster Teil ist laut Bruce Willis bereits in Planung, hier bleibt ebenfalls wie bei so vielen Filmreihen zu hoffen, dass man sich eventuell wieder auf alte Stärken besinnt oder es schafft, neue und bislang noch nicht zur Sprache gekommene Aspekte herauszustellen, um dem Siegel „Stirb langsam“ irgendwann einmal ein würdiges Ende zu verpassen.

Autor: Jakob Larisch

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