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Star Trek: Beyond (2016) Review

© Paramount Pictures

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J.J. Abrams hat mit seinem 2009er-„Star Trek“ das Franchise aus der Versenkung geholt und es nach mehreren finanziellen und kritischen Flops wie der Serie „Star Trek: Enterprise“ (2001) und den letzten Filmen der Picard-Crew, „Star Trek: Der Aufstand“ (1998) und „Star Trek: Nemesis“ (2002) wieder zum Erfolg zurückgeführt. Dabei hat er sich nicht dazu entschieden, eine neue Crew in den Mittelpunkt zu stellen, sondern vielmehr der Mannschaft um Captain James T. Kirk (Chris Pine) einen frischen Anstrich zu verleihen und das Franchise zu rebooten. Der Erfolg gab ihm Recht. Beim nunmehr dritten Film dieser Reihe, „Star Trek: Beyond“, hat Abrams das Zepter an Justin Lin übergeben, den man vor allem für seine Regiearbeit an vier „The Fast and the Furious“-Filmen kennt. Die Wahl ergibt insofern Sinn, da sich die neuen Star-Trek-Filme mehr auf Action-Spektakel und Weltraumschlachten konzentrieren.

Darin liegt auch eines der Hauptprobleme von „Star Trek: Beyond“, denn leider fühlt sich das Ganze kaum noch wie ein Star-Trek-Film an, sondern vielmehr wie ein relativ liebloses 08/15-Space-Geballer. Sicherlich tragen die Figuren noch die Namen der alten Star-Trek-Crew und irgendwie sind auch noch die grundsätzlichen Charakter-Züge sowie die Gruppendynamik vorhanden, aber schlussendlich handelt es sich hierbei um auf cool getrimmte Abziehbilder der liebgewonnenen Charaktere. „Cool“ ist genau das Stichwort, denn „Star Trek: Beyond“ ist wirklich ein wenig „The Fast and the Furious“ im Weltall. Wirklich jeder Protagonist der Main-Crew muss im Laufe des Filmes einen oder ein Dutzend One-Liner zum Besten geben. „Star Trek“ hatte sicherlich viele Facetten, aber „Star Trek“ war noch nie cool. Natürlich gab es auch früher Sprüche, die einen zum Schmunzeln brachten, wenn zum Beispiel „Pille“ (Karl Urban) so gar nicht mit der kühlen Logik von Spock (Zachary Quinto) zurechtkam, oder Scotty (Simon Pegg) mal wieder in letzter Minute den Warp-Kern reparierte, aber trotzdem waren das keine coolen Sprücheklopfer. Genauso wie man sich auch die Frage stellen sollte, warum jedes Crewmitglied inzwischen Martial-Arts kann und dadurch mit gekonnten Kicks seine Gegner ausschaltet. Dass Kirk großer „Beastie Boys“-Fan ist und schon wieder etwas Cooles zu den Klängen von „Sabotage“ machen muss, nimmt man noch zähneknirschend hin, dass aber dann noch die Außerirdische Jaylah (Sofia Boutella) als erstes die Stereo-Anlage in einem kaputten Schiff repariert, um zu den Klängen von Public Enemy zu arbeiten, ist nicht cool, sondern einfach nur selten dämlich.

© Paramount Pictures

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Es ist natürlich müßig, darüber zu diskutieren, was das noch mit „Star Trek“ zu tun hat und man könnte über diese „Modernisierung“ hinwegsehen, problematisch ist nur, dass „Star Trek: Beyond“ auch darüber hinaus nichts wirklich Aufsehenerregendes zu bieten hat. Denn der Film besitzt zwar Actionszenen am Fließband, aber keine von ihnen bleibt hängen, da sie weder visuell sonderlich spektakulär noch in irgendeiner Weise spannend sind. Und obwohl die Crew der Enterprise immer dann, wenn es nötig ist, Fliehkräften ausgesetzt wird, überträgt sich die Dynamik der Szenen nicht auf den Zuschauer. Im Endeffekt ist man weder in die Charaktere noch in die Pixelklumpen investiert und so plätschern die Szenen nur vor sich hin. Dazu fühlt man sich an diversen Stellen an andere Filme erinnert, so findet sich die Szene aus „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (2015), in der die X-Wings über Wasser fliegen, nahezu eins-zu-eins in „Star Trek: Beyond“ wieder, ebenso wie die Gleiter-Verfolgungsszenen aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983).

Während das Produktionsdesign der Raumstation „Yorktown“ noch sehr gut gelungen ist, wirkt der Planet „Altamid“, auf dem der Löwenanteil der Handlung spielt, leider arg künstlich und überhaupt nicht greifbar. Die größte Schwäche des Films ist aber der Bösewicht. Dass Krall (Idris Elba) unfassbar stereotyp gezeichnet und seine Motivation wenig nachvollziehbar ist, könnte man noch hinnehmen, die Maske ist allerdings eine Frechheit. Immer wenn Krall die Bühne betritt, muss man sich das Lachen verkneifen, da er wie aus einer billigen 1990er-Jahre-Fernsehproduktion daherkommt. Natürlich gab es lächerliche Masken auch in den „Star Trek“-TV-Serien, aber dort war „Camp“ ein Leitmotiv. Hier jedoch soll Krall furchterregend oder zumindest bedrohlich wirken, da er ein rücksichtsloser militärischer Kommandant ist, was allerdings angesichts der Maske total flöten geht. Dazu kommt, dass man auch wieder einen Twist um den Bösewicht einbauen musste, der im Endeffekt aber total uninteressant ist. Idris Elba wurde somit leider total verschenkt.

Insgesamt ist „Star Trek: Beyond“ leider nicht mehr als ein durchschnittlicher Blockbuster in einem Jahr, in dem die Sommer-Blockbuster in der Mehrheit enttäuscht haben. Wer nicht wegen der „Star Trek“-Komponente in den Film geht und auch die vorherigen Teile mochte, wird hier sicherlich über die 120 Minuten Lauflänge mittelmäßig unterhalten, wer aber eine Offenbarung des Sci-Fi-Actionkinos oder einen „Star Trek“-Film erwartet, wird sicherlich enttäuscht sein.

Autor: Torsten Stenske

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