Hinterlasse einen Kommentar

So was von da (2018) Review

© DCM / Gordon Timpen

© DCM / Gordon Timpen

Es kann ein dankbarer Job sein, eine Filmkritik zu verfassen, wenn ein Film für das Heimkino erscheint und das DVD- oder Blu-ray-Cover einige Zitate bereits erschienener Kritiken zur Überzeugung des geneigten Käufers parat hält, denn in einem solchen Fall kann man wunderbar prüfen, ob diese dem Film gerecht werden. Auf der Vorderseite des neuen Films von German-Mublecore-Regisseur Jakob Lass, „So was von da“, findet sich hierbei der Satz „Ein Film wie ein Rausch“ (Zitty Magazin), „Jung und unverwundbar“ (Der Spiegel) steht auf der Rückseite. Stimmen tut allerdings beides nicht.

Jakob Lass hat mit „Tiger Girl“ vor zwei Jahren einen der schlechtesten deutschen Filme der letzten Zeit vorgelegt, der jedoch von der deutschen Filmkritik nahezu einhellig begeistert aufgenommen wurde, da man ihn in seiner Krawalligkeit im Til-Schweiger-geschädigten deutschen Kino für Innovation hielt. Zwei Frauen randalieren sich in diesem Film durch Berlin, untermalt von teils dramatisch grauenhaften Songs. Was für eine Leistung. Mit „So was von da“ schließt Lass nahtlos an die miese Qualität von „Tiger Girl“ an. Der Film um die letzte Nacht eines Clubs auf St. Pauli und die Probleme, welche den beiden Besitzern und ihren Freunden begegnen, ist alles andere als „ein Rausch“. Auch wenn viele Szenen auf der Tanzfläche spielen und Musik eine große Rolle übernimmt, so will der Funke der Party-Stimmung absolut nicht überspringen. Zu konventionell ist das Ganze inszeniert, ein paar bunte Lichter hier, ein wenig Handkamera dort, das Ganze untermalt von Off-Kommentaren, die so klingen, als würde der Dalai Lama Kalendersprüche vorlesen. Prätentiös unterfütterte Langeweile als Programm.

Was hingegen „jung und unverwundbar“ bedeuten soll, mag sich nicht so ganz erschließen, denn die Verwundbarkeit der Hauptfiguren (nicht nur, aber auch in einem körperlichen Sinne) ist ein zentrales Thema von „So was von da“. Hierbei sind viele der Charaktere, insbesondere der Protagonist Oskar (Niklas Bruhn) teils derart unfähig zur Kommunikation, dass man sich wünscht, sie würden einfach den Film verlassen. Vielleicht liegt dies aber auch an dem Improvisationsstil, den Lass beim Dreh verfolgt. Improvisation kann sinnvoll sein, wenn man die richtigen Darsteller dafür hat, doch die hat der Film eindeutig nicht. Einige Dialoge klingen wie schlechtes Schultheater von Elftklässlern, andere sind wiederum schlicht inhaltlich redundant. Dass der Regisseur allerdings, so er denn will, theoretisch durchaus inszenieren kann, beweist er mit immerhin etwa fünf Minuten der gut anderthalb Stunden Laufzeit. Als in einer Szene, Stichwort Verwundbarkeit, eine Figur einer anderen mitteilt, dass sie unheilbar krank ist, dann ragt diese Szene, die in der Tat durchaus berührend geworden ist, qualitativ so meilenweit über den Rest von „So was von da“ heraus, dass man sich fragt, warum das denn nicht öfter ginge. Doch entschließt sich Lass, den Rest des Filmes gnadenlos in Oberflächlichkeit zu ertränken und dem Publikum jede Möglichkeit einer emotionalen Beteiligung am Geschehen zu verwehren.

© DCM / Gordon Timpen

© DCM / Gordon Timpen

Das hängt auch mit der Pseudo-Coolness des Films zusammen. Alles soll möglich sein, doch es wird vernachlässigt, wie alles zusammenhängt. Hedonismus als Lösung persönlicher Probleme, das kann nur für bestimmte Menschen funktionieren, die sonst keine Probleme haben. Individualismus ist das Wort der Stunde, jeder ist mit seinem eigenen kleinen Kosmos beschäftigt, doch so unzureichend, dass man nicht von persönlicher Identität sprechen könnte. Das Denken in größeren Kontexten findet nicht statt, Denken überhaupt findet kaum statt. Die am ehesten politische Aktion, die in diesem Film durchgeführt wird, ist das Beschmieren eines Wahlplakates der Hamburger Innensenatorin (gespielt von Corinna Harfouch) von der Partei DCU. Haha.

© DCM

© DCM

Oberflächlichkeit auf allen Ebenen durchzieht folglich „So was von da“, der noch nicht einmal Akzente auf einer exzessiven Ebene zu setzen vermag, schließlich hätte man jenseits aller dramaturgischen Verstrickungen ja wenigstens die Party-Sequenzen mitreißend gestalten können. Nichts da. Mit einer Szene Ausnahme ist der Film ein ziemlich lausiger Einheitsbrei aus uninteressanten Figuren, uninteressanten Konflikten und politischer Naivität.

Autor: Jakob Larisch

Leave a Reply