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Sleepless: Eine tödliche Nacht (2017) Review

© EuroVideo

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Der Schweizer Regisseur Baran bo Odar gibt mit „Sleepless“ nach seinem gelungenen letzten Werk „Who Am I“ seinen Einstand in Hollywood. Diesen Weg haben schon einige deutschsprachige Regisseure vor ihm beschritten. Doch die in Hollywood produzierten Filme wie „Die Vorahnung“ von Mennan Yapo (bekannt duch „Lautlos“) oder „Invasion“ von Oliver Hirschbiegel (bekannt durch „Der Untergang“) erregten kein großes Aufsehen und gerieten schnell in Vergessenheit. Ergeht es Baran bo Odar mit „Sleepless“ besser als seinen Kollegen?

Mitten in der Nacht auf den Straßen von Las Vegas überfallen die Cops Vincent (Jamie Foxx) und Sean (Tip „T.I.“ Harris) einen Drogentransport. Doch die beiden haben keine Ahnung, dass diese Lieferung für den mächtigen Casino-Boss Stan Rubino (Dermot Mulroney) bestimmt ist. Im Gegenzug kidnappt Rubino Vincents Sohn. Im Laufe einer langen Nacht muss Vincent nun nicht nur um das Leben seines Sohnes, sondern zusätzlich um sein eigenes kämpfen. Dabei kreuzen auch die interne Ermittlerin Bryant (Michelle Monaghan) und der Drogenbaron Novak (Scoot McNairy) seine Wege.

Eine Stadt wie Las Vegas ist natürlich prädestiniert für die Geschichte von „Sleepless“. Verlockungen jeglicher Art lauern in der Glücksspielmetropole an jeder Ecke. Auch die Polizisten Vincent und Sean scheinen diesen zu erlegen zu sein und erbeuten rücksichtslos Drogen mit einem Wert von mehreren Millionen. Schnell zeigt sich, dass die Figuren in „Sleepless“ ihre Ecken und Kanten besitzen, die zwar aus dem Genrehandbuch für Thriller stammen, aber dennoch effektiv für die düster-stilvolle Stimmung des Films genutzt werden. Überhaupt lebt der Film von der Frage, ob Jamie Foxx‘ Figur Vincent wirklich korrupt ist; eine Frage, der er in nur einer Nacht nachgeht. In besagter Nacht treffen nun korrupte Cops, Undercover-Ermittler, toughe Casinobesitzer und gewalttätige Dealer aufeinander. Das ist schnell und dicht erzählt und verleiht dem Film doch eine besondere Note, die Figuren und Ausgangssituation nicht erzeugen können.

Zum Ende hin werden alle Erzählstränge um jede beteiligte Partei in einem alles entscheidenden Finale zusammengeführt. Doch die zuvor durchaus vorhandenen guten Ideen gipfeln nicht in einer explosiven Klimax, sondern lassen „Sleepless“ wieder mehr wie Ware von der Stange wirken. Alles, egal ob Kameraführung oder Schnitt, wirkt gekonnt, ohne wirklich zu überwältigen. Die Ausgangsfrage, ob es Baran bo Odar mit „Sleepless“ besser als seinen Kollegen ergeht, lässt sich also nicht durchweg positiv beantworten. Entfachte er mit „Who Am I“ eine unbändige kinetische Energie, die den Film trotz ebenfalls bekannter Versatzstücke weit über den Durchschnitt hob, so ist „Sleepless“ weitaus gemäßigter. Zweifelsfrei ist der Film stylisch, bietet einige dynamische Aufnahmen und ist bis zu einem gewissen Grad unterhaltsam, doch wirkt das Gesamtergebnis so, als hätte Baran bo Odar zwar mehr gekonnt, aber nicht mehr gedurft, als einen lupenreinen und im Endeffekt schnell zu vergessenden Genrefilm abzuliefern.

Autor: Michael Schmidt

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