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Waterworld (1995)

Thomas Gottschalk ist bei einem seiner letzten Auftritte bei „Wetten dass…?“ einst ein Fauxpas unterlaufen, auf den sich die Kritiker im Anschluss wie die Geier stürzten: ungeniert hatte er am 27. Februar 2010 nämlich „Waterworld“ abgefeiert – Kevin Costner, Star des Films und zu Gast in der Sendung, war davon allerdings nur wenig begeistert. Der Hollywood-Mime spielte u.a. den Bodyguard von Whitney Houston, eine Rettungsschwimmerlegende, Robin Hood Himself und Lieutenant John J. Dunbar, seines Zeichens der mit dem Wolf tanzt – und Gottschalk assoziiert Costner mit „Waterworld“? Mit einem der größten Flops der Filmgeschichte? Dem Film, der zu einem kurzzeitigen Zerwürfnis zwischen Regisseur Kevin Reynolds und Hauptdarsteller/Produzent Kevin Costner führte? Dem Film, für den es im Feuilleton so herbe Verrisse gehagelt hatte ? Jawohl. Und auch für mich ist dieses Werk ein Kultklassiker der 90er: Bereits als Kind habe ich den Film der zwei Kevins unzählige Male gesehen und immer wieder über das futuristische Design der Postapokalypse gestaunt. Nun endlich habe ich „Waterworld“ wieder hervorgekramt, um ihn mir mal wieder zu Gemüte zu führen. Und ich muss gestehen: von seinem Charme hat er absolut nichts eingebüßt.

Die Welt in der Zukunft: Die Polkappen sind geschmolzen, scheinbar die ganze Erde wird von Wasser bedeckt. Der namenlose „Mariner“ (Costner), ein mutierter Mensch mit Kiemen und Schwimmhäuten, schippert als „Drifter“ über das Meer. Eines Tages wird er aufgrund seiner Mutation gefangen genommen und zum Tode verurteilt, doch eine Frau und ein Kind befreien ihn, um im Gegenzug auf seinem Trimaran mitfahren zu können. Denn Helen (Jeanne Tripplehorn) und Enola (Tina Majorino) sind auf der Suche nach „Dryland“, dem mythischen letzten Fleckchen Land auf der Welt. Doch nicht nur die beiden, sondern auch die Leute von Deacon (Dennis Hopper), die sogenannten „Smoker“, sind auf der Suche nach dem sagenumwobenen Ort. Und der Schlüssel dazu scheint eine kryptische Landkarte zu sein, die sich als Tattoo auf dem Rücken von Enola befindet…

Reynolds‘ Endzeitepos nach Drehbuch von Peter Rader und David Twohy (Yeah, „Riddick“!) bietet sicherlich keine gute Lovestory und die latent sexistische Grundstimmung ist ebenfalls kein Pluspunkt des Films. Auch die Charakterzeichnung lässt an einigen Stellen arg zu wünschen übrig. Doch „Waterworld“ funktioniert als eskapistisches Abenteuer auch heutzutage noch ganz famos. Viel handgemachte Action, ein cooles Kostüm- und Set-Design und ein Maschinen-Fetischismus, wie man ihn sonst eigentlich nur von Guillermo del Toro kennt, fügen sich in Kombination mit den beeindruckenden Bildern von Dean Semler und dem tollen Score von James Newton Howard zu einem 90s-Klassiker par excellence zusammen. Hopper als Bösewicht, die blutjunge Majorino als niedliche Nervensäge und der brillante Costner als Laune der Natur machen den Film zum Popcorn-Entertainment allererster Güte. Costners raubeinige Art und seine physische Präsenz kamen ihm schon in anderen Filmen zugute, doch wenn man ihm in seiner Rolle als Mariner zusieht, dann glaubt man, dass er sein Leben lang nichts anderes getan hat, als über die Meere (bzw. DAS Meer) zu segeln.

Fazit: Auch wenn nicht alles rund ist und viel nostalgisches Flair mitschwingt, das die Fehler zu kompensieren vermag: „Waterworld“ ist und bleibt ein geiler Film und vor allem einer, der mir meine Kindheit versüßt hat. Ein Film für alle, die auch nach hundertmal Schauen immer noch bei „Con Air“ und „Armageddon“ einschalten. Grundsolides Entertainment mit Happy End und starken Actionszenen – das darf man meinetwegen auch gerne unter „keine große Filmkunst“ abhaken. Aber den Unterhaltungswert dieses Films zu leugnen, grenzt fast schon an Frevel. Daher bleibt mir nur noch Folgendes zu sagen: Enola, führ‘ uns nach Dryland! 7/10

Autor: Markus Schu

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