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Prometheus (2012) Review

Auch wenn Prometheus durchaus als Schöpfer der Menschheit gesehen wird, ist seine Haupteigenschaft doch die, dass er das Feuer zu den Menschen brachte, um ihr damit in erster Linie, den sprichwörtlich zündenden Funken für Technologie und Wissenschaft zu geben. Eine Tat, die dazu führen sollte, dass die Menschheit sich darum bemühte, aus der Unwissenheit aufzusteigen. Aufgrund dessen wurde der Titan von den olympischen Göttern zu einer Strafe verurteilt, die in Sachen Grausamkeit ihresgleichen sucht.

Vor solchem mythischem Hintergrund und den Vorschusslorbeeren, die man einem Ridley Scott nach seinen Klassikern bis heute geben möchte, möchte man meinen, dass einen beim Film „Prometheus“ ein tiefgründiges Abenteuer erwartet, das einen in die tiefsten Abgründe des menschlichen (Un)bewusstseins entführt und mit einer beeindruckenden Menge an Schauwert, wie pointierten Actionszenen und beeindruckender Optik allgemein aufpoliert wurde. Ein Gedanke, der hier nur zu etwa einem Drittel zutrifft.

Der neueste Teil des Alien-Franchise, der aber kein Alien-Film sein will, handelt davon, dass ein Wissenschaftler-Pärchen (Noomi Rapace als Elizabeth Shaw und Logan Marshall-Green als Charlie Holloway) prähistorische Beweise für außerirdische Besucher – die wohl auch die Erfinder („Engineers“) der Menschheit sind – finden. Diese hinterließen eine Art Raumkarte, wie die beiden Wissenschaftler annehmen, um den Menschen die Möglichkeit für einen freundschaftlichen Gegenbesuch zu geben. Später stellt sich heraus, dass die Karte nur den Weg zum Waffendepot zeigte – was die Geschichte leider nie erklärt – wo die Crew des Forschungs-Raumschiffs Prometheus, bestehend aus den bereits Erwähnten, Charlize Theron, Michael Fassbender, und einem Haufen Redshirts, mit Verrat in den eigenen Reihen, Zombie-Mutationen, Tentakelmonstern und anderem bösartigen Getier konfrontiert wird und in einem etwas verworrenen, aber hübschen Finale mündet.

Das grundlegende Problem von „Prometheus“ liegt darin, dass der Film zwischendurch zwei Mal seinen Stil derart stark wechselt, dass sogar auffällt, dass die einzelnen Teile für unterschiedliche Ziele und Zielgruppen geschaffen wurden. Ähnlich wie beim Serien-Urvater „Alien“, der mit der Landung der Heldentruppe die dargestellte Stimmung radikal ändert, geschieht es auch mit Scotts neuestem Werk, das sich zugleich als Reboot, Remake und Prequel versteht, sowie auch als Stammvater einer unabhängigen, eigenen Filmreihe. Das Problem ist allerdings, dass bei Alien zwar eine visuelle Änderung eintritt, der Horror des Films aber weiterhin sich hauptsächlich durch Suspense einstellt, während Prometheus bedauerlicherweise sich vom Suspense eher dem darstellenden Horror zuwendet, was zwar mit diversen Splatterfilmen unserer Zeit verglichen zwar sehr mild ausfällt, dennoch aber nicht so fesselnd bleibt wie die Darstellung des ersten Alienfilms, der einen Großteil seiner Faszination aus dem Ungeklärten und Rätselhaften zieht. Hier nun sehen wir das zweite große Problem von „Prometheus“, ein Problem, das die meisten Prequels quält.

Mythen und Legenden ranken sich um die – von Fans – getaufte Figur des „Space Jockeys“ im originalen Alien-Film, dessen Herkunft und Bestimmung in keinem anderen Film der Alien-Reihe auch nur erwähnt, geschweige denn geklärt wurde. Dennoch taucht die Gestalt in Comics des Franchise auf, die mehr oder weniger als canon gelten können. Die Gestalt des drei Meter oder noch größeren Aliens mit biomorphem Körperpanzer, der mit seinem Sessel verschmolzen scheint, mit elefantenrüsseligem Kopf wurde von H.R. Giger entworfen, ebenso wie die meisten außerirdischen Elemente des Films, z.B. das namensgebende Alien. Diverse Fans fanden etliche Erklärungen für seine Existenz. Und auch wenn die eine mehr oder weniger plausibel war, so ist die, die uns in „Prometheus“ aufgetischt wird weder besonders inspiriert, noch besonders aufschlussreich, was leider für die ganze „epische“ Hintergrundgeschichte des Abenteuers gilt.

Das sind Probleme, die schwer zu vermeiden sind, wenn man eine Vorgeschichte zu einem Klassiker entwerfen will. Einerseits haben auch andere Filmemacher bewiesen, dass man mit einer Vorgeschichte ein ganzes Franchise in die absolute Trivialität führen kann (Star Wars), und andererseits ist es auch stellenweise eine Geschmacksfrage, ob man die Mythen bevorzugt, oder die Lösung, die von einem der Schöpfer vorgeschlagen wird. Fest steht, dass Mythen-Dekonstruktion und Anschlussfehler an den indirekten Nachfolger nicht die einzigen Probleme sind, die den Film plagen.

Wesentlich gravierender ist da, dass die Motivation des schöpfenden Besucher von Außerhalb zu keinem Zeitpunkt des Films in irgendeiner Weise klar wird, noch in irgend einer Weise Sinn macht, was sofort die Befürchtung in den Raum wirft, dass hier vielleicht gleich Prequel-Sequels geplant oder zumindest erdacht werden. Dazu gesellen sich einige Ausrutscher, die vermutlich bei einem Mainstream-Film nicht übermäßig ins Gewicht fallen werden, Details, wie ein Android, der vollkommen gegen die asimovschen Robotergesetze verstößt, was mit dem Verhalten der Androiden in den späteren Filmen der Reihe kollidiert, die klar erkennbar nach diesen Regeln funktionierten.

Doch eben diese kleinen Fehler oder Ungereimtheiten weiß der Film durch seine überaus stimmige Atmosphäre ebenso wie durch eine Handvoll kleiner Referenzen an diverse Klassiker des Genres, auszubügeln. Im Großen und Ganzen lebt der Film von Stimmung, Atmosphäre, Licht und Geräusch. Wo die Narration bei der Epik versagte schaffen es Visualität und Akustik dafür umso mehr. Die Musik ist besonders bemerkenswert, schafft sie es doch kontinuierlich Zitate aus der Musik der Vorlage einzuwerfen, ohne dass sie einem besonders auffallen. Eben dies ist sowieso eine der größten Stärken von „Prometheus“, dass er die Gradwanderung zwischen autonomen Film und Remake/Reboot/Hommage perfekt begeht, auf allen Ebenen.

Doch wo Sets, Effekte, Atmosphäre und auch das Schauspiel voll überzeugen können, schafft es die Dramaturgie stellenweise leider nicht konsistent zu bleiben.
Wie schon erwähnt leidet der Film unter einem Schisma, das den mittleren Teil etwas heraushebt. Eben dieser wirkt, als wäre er darauf ausgelegt, die Wünsche der casual-Audience einzufangen. Einige, recht explizite Morde an Crewmitgliedern, recht typische Monster-Actionszenen, die leider auch etwas widersprüchlich sind. Aber Hauptsache es gibt eine Schießerei im Hangar, mit Zombies und Flammenwerfern. Hier merkt man auch, dass der Großteil der Crew nur Kanonenfutter für die Monster ist und der Film eigentlich weniger Charaktere hat, als der zugrunde liegende Kultfilm der Siebziger. Eine vergebene Chance, denn es wäre umso interessanter gewesen, wenn man sich hier mehr auf den Suspense und auf das zwischenmenschliche Verhalten konzentriert hätte, wie es Michael Fassbenders Rolle David (der nicht zu Unrecht ähnlich dargestellt wird wie der Astronaut David in „Odyssee im Weltraum“) kurz zuvor noch andeutete.

Wo also das erste Drittel des Filmes auf kompetente und stimmige Art und Weise den Zuschauer im hellen Licht die zukünftige Welt vorführte, es aber dennoch immer beklemmend und unheimlich wirken ließ, da verlor sich nun der Mittelteil des Films in Versuchen den Zuschauer visuell zu schocken und Erwartungshaltungen zu erfüllen. Das letzte Drittel blieb größtenteils auf diesem Kurs, bekam dann aber mit zunehmendem Mangel an Zeit eine wachsende Menge an Dingen, die hätten erklärt werden sollen.

Alles in allem kann man festhalten, dass Prometheus ein Film ist, dem man sowohl ansieht, dass kompetente Leute dahinter stecken (unter anderem sind auch David Giler und Walter Hill, die schon den ersten Alien-Film produzierten wieder dabei) und dass ihm auch ein gewisser kreativer Funken zugrunde liegt. Trotz des beeindruckenden Spektakels, das der Film vorführt muss der Zuschauer aber das eine oder andere Auge zudrücken und sich aufs Genießen der Bilder, weniger aufs Bedenken der Handlung konzentrieren. Das wird dann mit einem überaus spannenden, zweistündigen Science-Fiction Trip in brillanter Optik belohnt.

Autor: Balthasar Marko

4 Responses to “Prometheus (2012) Review”

  1. 1
    admin Says:

    So, frisch aus dem Kino direkt in die Kommentare. Und ich muss sagen, ich stimme deiner Einschätzung zu. Irgendwie hatte ich den Eindruck Scott will ein direktes Alien Prequel machen, traut sich dann an der einen oder anderen Stelle aber doch nicht.

    !!!SPOILER!!!

    Und ich weiss echt nicht was mit mir los war, ja es waren wieder ein ganzer Haufen Logik- und Anschlussfehler oder Auslassungen mit dabei, aber aus irgendeinem Grund hab ich dem verziehen. Bei TDKR hat mich das wütend gemacht, keinen Schimmer warum hier nicht.
    Die Atmosphäre stimmt, die Gore-Effekte passen (Die Kaiserschnittszene!!!) und überhaupt waren die Kulissen für mich die echten Stars des Films.
    Aber Ridley, du kennst doch deine Charakterstärken vom Original, wieso tauchen hier so viele Gesichtslose auf? Weniger wäre wieder mal mehr gewesen.
    Ging es eigentlich nur mir so, oder waren die Proportionen des Schiffs von aussen viel zu klein für die Innenarchitektur? Und was zum Geier ist in der Anfangssequenz passiert? Was war das für ein Ei das da am Himmel flog, wieso hat der Typ sich umbgebracht, welcher Planet war das?
    Und das sind nur ein paar der Fragen? Ich würde sagen das Sequel zum Prequel ist sicher (ich nenne es Sprequel!), ich glaube Scott hat es auch schon mal in einem Interview erwähnt.
    Aber auch hier wieder die Frage wieso will Noomi auf deren Planeten? Der erste den sie gesehen hat, hat alle ausser sie umbgebracht. Denkt die sie kommt an und wird auf ne Tasse Tee eingeladen?

    Alles in allem, I had a good Time and I will watch it again.

    Muss ich mir dann in 5 Jahren nochmal die „Ultimate leck mich am Arsch ÜberAlienedtion“ mit 6 Filmen und 3 Wochen Bonusmaterial holen? :-)

    Greetings from outer Space,
    David

  2. 2
    Markus Says:

    Die Anfangssequenz hab ich als Schöpfung interpretiert. Der Konstrukteur bzw. Engineer opfert sich und zersetzt seine DNA, sodass sich eine neue in Kombination mit dem Wasser ergibt. Das Leben kam also aus dem Wasser. Diese Schöpfung fand dementsprechend auf der Erde statt. Die Location hat zwar etwas außerirdisches, aber ich denke, dass es einfach nur bewusst keine direkt einordbare Location sein sollte wie beispielsweise der Amazonas oder so. Den Wasserfall gibts in Island und der scheint auch relativ bekannt zu sein, bei den beeindruckenden Bildern hab ich da auch eigentlich keinen Zweifel dran, dass der tendentiell auch eher bekannt sein dürfte, wobei ich selber davon nix wusste. Allerdings glaube ich im Nachhinein irgendwo gelesen zu haben, dass der auch als Style-Location für die Videos der Wingsuit-Pioniere gedient hat, bin mir aber nicht mehr sicher. Das einzige, was mich an der Szene verwirrt hat war, dass Scott selbst meinte, die Konstrukteure hätten lediglich die Menschen erschaffen. Naja, vielleicht gibt da das Sequel mehr Aufschluss drüber. Für mich ist Prometheus ein definitives Kino-Must-See. Ich fand den audiovisuell atemberaubend und einfach optisch so viel edler als Avatar, wobei natürlich manche Design-Entscheidungen auch etwas over the top waren. Allerdings blieb das meiste insgesamt stimmig. Prometheus lieferte mir einige der beeindruckendsten Bilder, die ich je im Kino erblicken durfte und Scott hat nachhaltig seinen Ruf als einer der größten Stilisten des Kinos zementiert.

  3. 3
    JerryTom Says:

    Ihr geht ja ab…aber mit den Bildern habt ihr Recht, insbesondere die ersten zehn Minuten waren (auch in 3D!) überragend! Stichwort Raumschiff…allein die Szene, wo das Ding landet, ist das Eintrittsgeld wert!

    Ich muss allerdings hinzufügen: Kein Bild kann für sich großartig sein, ohne die akustische Untermalung beachtet zu haben…denn die war ebenfalls atemberaubend.

  4. 4
    Markus Says:

    ich find 3d hätts nicht gebraucht, sah aber auch in 3d sehr schick aus, aber die optik is halt auch extrem edel. die landungsszene ist großartig, aber noch großartiger sind eigentlich die ersten 10 minuten, das fand ich einfach nur atemberaubend. und du hast natürlich definitiv recht: die akustische untermalung ist quasi perfekt. sowohl der ton, als auch marc streitenfelds soundtrack sind überragend.

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