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Power Rangers (2017) Review

© STUDIOCANAL

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Der rote Power Ranger Zordon (Bryan Cranston) verteidigt mit seiner Gruppe von unerschrockenen Kriegern den mächtigen Zeokristall vor ihrer stärksten Widersacherin, dem abtrünnigen grünen Power Ranger Rita Repulsa (Elizabeth Banks). Kurz bevor die Schlacht verloren zu sein scheint und nachdem auch das letzte Mitglied seiner Gruppe vor seinen Augen stirbt, ordert Zordon seinen treuen Gefährten Alpha 5 dazu an, Rita mithilfe eines Meteoriten zur Strecke zu bringen. 65 Millionen Jahre später entdecken fünf jugendliche Außenseiter rund um die lokale Berühmtheit Jason Scott (Dacre Montgomery) zufällig fünf seltsam leuchtende Münzen in den Gesteinen der örtlichen Steinbrüche.

1984 befand sich der Fernsehproduzent Haim Saban auf Geschäftsreise in Japan, als er zufällig die beliebte Kinderserie „Super Sentai“ entdeckte, die dort schon erfolgreich in ihrer neunten Staffel lief. Nach einem neunjährigen Modifizierungsprozess (unter anderem schreib man die unglaublich kitschigen Geschichten über Ehre und japanische Werte in weniger kitschige, aber immer noch sehr offensichtliche Geschichten über Moral und Rechtschaffenheit um) wurden aus den „Super Sentai“ die „Mighty Morphin Power Rangers“. Recht kostengünstig setzte Saban seine eigene Vision der Sentai um (Szenen in „Power Rangers“-Uniform und Zords wurden ungeschnitten von der japanischen Originalversion übernommen, statt professioneller Schauspieler wurden Martial-Arts-Spezialisten und professionelle Turner gecastet, um sich die Kosten für teure Stuntmen zu sparen) und eroberte mit seiner amerikanisch-japanischen Hybrid-Kindershow den amerikanischen und später den Weltmarkt. Seitdem sind die Power Rangers nicht mehr aus dem Kinderprogramm wegzudenken und die Spielzeugabteilung muss sich wohl in Sachen Umsatz nur „Star Wars“ geschlagen geben.

Zwar liegt die erfolgreichste Zeit der Ranger tief in den 1990er-Jahren, aber noch heute kämpfen die Power Rangers in ihrem neuesten Spin-Off „Ninja Steel“ äußerst erfolgreich gegen das Böse und für die recht simple Vermittlung von Werten und Traditionen. Hierbei verfolgt die amerikanische Serie seit der vierten Staffel und nach dem Vorbild des japanischen Originals eine Philosophie aus einem Mix von „Doctor Who“ und „True Detective“: Jedes Jahr kämpfen immer neue junge Teenager in immer neuen Rüstungen mit neuen Waffen und Zords gegen das Böse. Handlungsorte und Tonalität der einzelnen Staffeln haben meistens wenig miteinander gemeinsam.

Der Film bricht quasi mit dieser Tradition, als dass kein neues Team und auch kein neuer Handlungsort präsentiert wird. Man bewegt sich stattdessen auf eine Geschichte zu, die eigentlich schon erzählt wurde: Die Abenteuer der Jugendlichen Jason, Kimberly, Billy, Zachary und Trini aus dem beschaulichen Küstenstädtchen waren bereits Inhalt der ersten Staffel. Auch dass sie im Kampf gegen Rita Repulsa von dem mächtigen Auerirdischen Zordon die Powermünzen erhalten haben, um sich in die mächtigen Power Rangers zu verwandeln, ist bereits bekannt. Hier hören aber auch schon fast alle Gemeinsamkeiten zwischen Staffel 1 der Serie und dem Film auf. Denn die fünf haben mit ihren Serienpendants nicht viel gemeinsam. Sie sind keine Vorzeigeathleten oder -schüler, sie bewegen sich, freiwillig oder nicht, am Rande der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit und kennen sich untereinander zunächst überhaupt nicht, verfolgen ignorant ihr eigenes Wohlergehen und könnten zum Teil noch nicht einmal als gute Menschen bezeichnet werden. Statt der moralische Anker für die Menschen um sie herum und ganz besonders für den Zuschauer zu sein, sind sie High-School-Schüler mit ganz gewöhnlich Problemen wie Jugendkriminalität, (Cyber)mobbing und Homosexualität.

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Der Bruch mit der Serie wird bei der zentralen Figur Jason am deutlichsten. Als hätte dieser vor den Geschehnissen des Films das Leben seines Serienpendants geführt, wurde er fast wie ein Heiliger von seinen Mitschülern und den Bürgern von Angel Grove verehrt, bis er sich zu Beginn des Films dazu entschließt, sein schillerndes Leben und seine goldene Zukunft wegzuwerfen. Die Fokussierung auf Jason als den Protagonisten des Films mit der meisten Screentime ist vermutlich die größte Zäsur im Vergleich zur Serie, welche kaum Raum für einzelne Charaktere ließ, sich zu entfalten und eine Beziehung mit dem Zuschauer aufzubauen. Vielmehr wurden Dialoge so konzipiert, als dass sie auch ohne große Mühen zu einem Monolog hätten umgewandelt werden können. Gab es dann einmal doch Momente, in denen sich die Serie auf eine Figur konzentrierte, waren diese Szenen der Charakterentwicklung so simpel und offensichtlich konzipiert, dass sich selbst ein Achtjähriger fremdgeschämt hätte.

Hier bekommt Jason-Darsteller Dacre Montgomery jedoch die nötige Zeit, um sich als geläuterter Held zu Beginn des dritten Aktes zum Anführer der Power Rangers zu erheben. Dies geschieht natürlich zulasten der Screentime der restlichen Teammitglieder, jedoch reicht diese trotzdem aus, um sie zumindest besser kennen zu lernen und mit ihnen warm zu werden. Man fühlt sich mit allen etwas verbunden und sie verlassen die eindimensionale Welt der Charaktere des Power-Rangers-Universums. Die Messlatte für die schauspielerische Leistung war durch die Originalserie aber auch äußerst tief gesetzt, im Vergleich dazu sind die Leistungen im Film gar schon oscarverdächtig. Aber selbst für sich betrachtet gestalten sich die Performances der hauptsächlich unbekannten Newcomer großartig. Besonders eine Szene, in der die Teenager sich näher kennen lernen und die Angst voreinander ablegen, verdeutlicht die funktionierende Leinwanddynamik. Die Dialoge erschaffen eine hohe Dynamik zwischen den einzelnen Charakteren und auch in der Gruppe wirken die Gedankenaustausche alles andere als hölzern.

Bryan Cranston als ehemaliger roter Power Ranger Zordon weiß ebenfalls zu gefallen. Der mehrfach Golden-Globe- und Emmy-prämierte Schauspieler kompensiert die körperlose Darstellung des Mentors wider Willen mit seiner durchdringenden Stimme. Einzig die erste Szene mit Zordon, hier noch im Besitz seines Körpers, wirkt etwas deplaziert und könnte auch der Originalserie entstiegen sein. Elizabeth Banks als gefallener grüner Ranger (nicht mehr als urböse Hexe) Rita Repulsa könnte ebenso der Serie entstammen. Sie wirkt im Vergleich zu ihren Co-Stars völlig überdreht und in manchen Szenen zu theatralisch. Hier befindet sich das größte Steigerungspotential. Die neue Origin Story der Power-Rangers-Gegenspielerin ist hingegen eine großartige kreative Entscheidung. War die Hexe Rita Repulsa ursprünglich die Erschafferin des bösen, grünen Rangers Tommy Oliver, der gegen die Power Rangers kämpfte, ist sie nun selbst jener grüne Power Ranger, der sich gegen seine Kameraden gewandt hat.

Mit Dean Israelites Version der Power Rangers trifft der „Breakfast Club“ auf Batman und nutzt das im Franchise seit der ersten Stunde schlummernde Potential endlich bis in die Vollen aus. Die „Teenagers with an attitude“ sind in der realistischen und geerdeten Welt der Superhelden angekommen und machen Lust auf mehr, so dass sie sich ihre 8/10 mehr als verdient haben. Deutliche Punktabzüge muss es jedoch leider für den Score geben, dem ein Hans Zimmer oder ein Junkie XL sicherlich gut getan hätte.

Autor: Mamon Hassani

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