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Pixels (2015) Review

© Sony Pictures

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Manchmal sitzt man im Kinosessel, der Film hat kaum begonnen und schon fragt man sich: Wohin will dieser Streifen eigentlich? Und was will er von mir? „Pixels“ ist dafür ein exzellentes Beispiel. Der Film, dessen Hauptfigur Sam Brenner von Adam Sandler verkörpert wird, kränkelt an so manchen unheilbaren Gebrechen.

Zuallererst wäre das der parasitäre Befall durch eine untragbare Schauspielriege, die sich Hollywoodstars schimpft. Zugegeben: Wir wollen hierbei keine überflüssigen Hassgebärden in Richtung Adam Sandler richten, doch sein albernder “Comedystil” ist spätestens seit „Kindsköpfe“ (2010) nichts mehr, was man als Comedy oder gar Stil bezeichnen würde, sondern nur noch als zehn Euro teures Fremdschämen. Doch allein Kevin James als Präsident Cooper – ja, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika – zeugt von der Schwere dieses parasitären Befalls. Auch wenn Peter Dinklage das Ensemble schauspielerisch auffrischt, so scheint auch dieses – sagen wir “spezielle” – Komödiengenre nicht ganz sein Fall zu sein.

Doch was genau spielen die Männer (plus eine junge, gutaussehende Frau vom Militär) eigentlich genau in „Pixels“? Hier diagnostizieren wir auch direkt den zweiten pathologischen Befund: Die Autoren müssen das Ganze im Fieberwahn geschrieben haben. Wahrscheinlich ist das sogar nur ein Symptom des parasitären Befalls, denn der Cast stand sicherlich schon vor dem eigentlichen Drehbuch fest. Das Resultat ist ein Mashup aus „Ghostbusters“ und Retro-Arcade-Games. Die Erde wird von Aliens angegriffen, die keine Schlachtkreuzer mit Ionenkanonen senden, sondern Pac-Man und Donkey Kong in einer halbdigitalen Gestalt. Diese wiederum verpixeln die Erde und nur die größten Koryphäen auf dem Gebiet der Videospiele können die buchstäblichen Space Invaders aufhalten. Der feuchte Traum aller Geeks und Nerds – denn die erworbene Joystickkompetenz der weltbesten Gamer ist jetzt erforderlich, um die Erde zu retten. Ja, eigentlich kennen wir genau das aus einer Folge der Serie „Futurama“ – aber diesen Fakt ignorieren wir einfach. Denn Columbia Pictures und Sony Entertainment haben das schließlich auch verdrängt und stattdessen das Schauspielerquartett mit Overalls und Laserkanonen ausgestattet, die wir ebenfalls bereits aus „Ghostbusters“ kennen.

© Sony Pictures

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Okay, das Ganze ist nicht originell oder sprüht vor neuen Ideen. Abgehakt – denn Remakes oder historische Stoffe sind das auch nicht zwingend. Aber „Pixels“ verendet an einem anderen Problem, für das es keinen Impfstoff gibt: Eine schlechte Umsetzung. Wir haben nostalgische und ikonische Figuren der Videospielära. Jeder, der diese pixeligen Wesen mit ihren 8-Bit-Sounds kennt, assoziiert sie mit Spaß. Und diesen Spaß will der Zuschauer im Kinosessel erneut erleben. Zählen wir mal durch: über 100 Millionen Dollar Budget, bekannter Cast mit viel zu hohen Gagen und ein paar Retrofiguren, die jeder cool findet. Das scheint momentan die Hollywoodformel zu sein. Ob der Zuschauer Spaß hat? Was ist das denn für eine schwachsinnige Frage?! Der Film hat am Opening Weekend fast 50 Millionen Dollar eingespielt – vergiss also Nostalgie, guten Humor und Spaß, oder? Ganz genau! Dann macht „Pixels“ alles richtig. Der Film langweilt, denn jede Szene ist auf Gags und Punchlines ausgelegt, die in ihrer Infantilität kaum Grundschülern ein Schmunzeln abringen können. Da fragt man sich erneut: Wohin will der Film? Er nimmt Videospiele aus den 80ern als Vorlage, sodass der Zuschauerkreis definitiv über 20 Jahre alt sein sollte, um mit diesen digitalen Artefakten noch etwas anfangen zu können.

Zum Glück baut der formelhafte Hollywoodstreifen auch die einen oder anderen Abwehrkräfte und Antikörper gegen den cinematografischen Totalausfall auf. Damit der Zuschauer nicht in gleicher katatonischer Starre verharrt wie die Story, bekommt er CGI ins Gesicht gefeuert. Eine Menge davon. Das hält ihn wach. Nun kann einem die bunte Pixelwelt und die Überflutung von 16-Bit-Optik auch missfallen, aber die Mischung aus Realfilm und überdimensionierter Computerspielgrafik hat seinen Charme und etwas Frisches. Wer also über die 90 Minuten Spieldauer keinen epileptischen Anfall bekommt oder ein Gehirnaneurysma entwickelt, der wird zumindest an der Optik die eine oder andere unterhaltsame Minute haben.

Autor: David Daubitz

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