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Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (2017) Review

© Disney

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Der etwas andere Pirat Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) und seine Crew von ausgestoßenen Freibeutern machen so etwas wie eine größere Durststrecke durch: Schon seit einiger Zeit hat sie das Glück verlassen. Der letzte erfolgreiche Raubzug ist eine ganze Weile her und auch ein den Ambitionen von Jack gerecht werdendes Schiff ist nicht in Sicht, was zum Desertieren der Crew führt. Ohne Schiff und ohne Crew macht sich Jack also auf, den Dreizack des Poseidon ausfindig zu machen, um wieder ruhmreicheren Zeiten entgegen blicken zu können.

Eine wahre Freude kommt nicht auf, wenn man mit der Nachricht konfrontiert wird, dass ein weiter „Fluch der Karibik“-Teil die Segel setzt und Kurs auf die Kinosäle nimmt. Dennoch verfolgen wir Kinogänger seit nunmehr vierzehn Jahren als treue Möchtegern-Piraten Jacks Abenteuer. Demnach gehört es für uns schon beinahe zur Pflicht, auch diesmal Zeuge seiner schusseligen Aktionen und teuflisch witzigen Intrigen zu werden.

Gerade bei Jack Sparrow ergibt sich die größte Veränderung im Vergleich zum direkten Vorgänger „Fremde Gezeiten“. Jack hat deutlich weniger Screentime und seine Bedeutung für die Geschichte wurde der Originaltrilogie angepasst. Er verbindet zwar alle Figuren auf die eine oder andere Weise miteinander, dennoch würde auch ohne sein Fehlen die Geschichte mit ein paar Modifikationen funktionieren. Hierin bestand eine der größten Stärken des ersten „Fluch der Karibik“ (2003). Jack war dort eher die begleitende Nebenfigur, die erst durch das einnehmende und großartige Schauspiel von Johnny Depp zur Hauptfigur wurde. Als man versuchte, dies in „Fremde Gezeiten“ zu ändern und den Captain zur zentralen Figur zu machen, funktionierte dies auf keiner Ebene. Durch die geringe Altersfreigabe, sowohl hier (FSK 12) als auch in den USA (PG-13), ist der Film, wie schon seine Vorgänger, zudem vielen Regularien und Verboten unterlegen. Hieraus verstand die Reihe es jedoch schon immer, eine Tugend zu machen. Es ist herrlich, den Piraten bei ihren komplett jugendfreien Schimpftiraden zuzuhören. Auch im fünften Teil hat man sich hieran nicht sattgehört. Deshalb ist es dringend zu empfehlen, falls möglich, den Film in OV zu sichten.

Neben Depp feiern auch andere beliebte Figuren ein Wiedersehen mit der See. Captain Hector Barbossa (Geoffrey Rush) als erbitterter Erzfeind von Jack ist genauso mit von der Partie, wie der zunächst treue, dann desertierende, zum Schluss wieder treue Joshamee Gibbs (Kevin R. McNally). Beiden Charakteren merkt man ihre Existenz in der Handlung aus Gründen der Handlungskontinuität an, denn ihre Abwesenheit wäre bei diesem Abenteuer überhaupt nicht aufgefallen. Bei Gibbs ist dieser Umstand leicht zu verkraften, jedoch ist es beinahe schon fahrlässig, wie man mit Barbossa seit dem dritten Teil „Am Ende der Welt“ (2011) umgeht. Die Rivalität zwischen ihm und Sparrow, als ungleiche und hinterlistige Piraten, die das nächste Messer im Rücken ihres Widersachers vergraben möchten, macht den ersten Teil erst zu dem Film, der er ist. Hier haben wir nun einen Barbossa, der seit seiner großartigen Anfangsszene einen rapiden Fall in seiner Darstellung durchmacht. Die unnötige Verknüpfung von ihm mit einem anderen Charakter wirkt genauso falsch wie der Eyeliner von Johnny Depp. Seine letzte Szene im Film ist seiner Rolle gleichermaßen unwürdig und unnötig.

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Carina Smyth (Kaya Scodelario) als neuer Charakter ist allerdings eine herrliche Ergänzung des Casts. Sie erinnert in ihrem Verhalten doch recht stark an Elyzabeth Swann (Keira Knightley), jedoch präsentiert sie eine ganz andere Definition der starken Frau im Actionfilm. Wohingegen Henry Turner (Brenton Thwaites) als Nachfolger von William Turner (Orlando Bloom) über weite Strecken blass bleibt. Man könnte meinen, Thwaltes wollte, erdrückt durch das Erbe von Bloom, mit seinem Schauspiel die weiße Flagge hissen, noch bevor seine Rolle im Universum der Piraten angekommen ist. Hier wurde sehr viel Potential verschenkt. Captain Salazar (Javier Bardem) ist als titelgebender Gegenspieler wiederum ebenso schnell vergessen wie Blackbeard (Ian McShane) aus dem vierten Teil. Mit Bardem wurde ein großartiger Schauspieler gecastet und wird durch die Handlung dann eher als störend wahrgenommen. Der Zuschauer hegt weder vor noch nach seiner Transformation zum Untoten die geringsten Sympathien für den Charakter, was sowohl bei Barbossa im ersten Teil, als auch bei Davy Jones in Teil 2 und 3 anders war. Als Zuschauer müssen wir aber die Motivation des Antagonisten greifen können, uns ein Stück weit mit ihm identifizieren können. Der Antagonist muss glaubhafte, realistische Ansätze bieten, ansonsten verschwindet er mit dem Fallen des Vorhangs aus unserer Erinnerung. Deshalb ist beispielsweise der Joker aus „The Dark Knight“ ein ikonischer Antagonist: In zwei sehr kurzen Szenen erklärt er dem Publikum seine Motivation, die in sich schlüssig wirkt. Salazar hingegen erklärt, er töte Piraten wie schon sein Vater und sein Großvater vor ihm.

Die Handlung des Films ist einem folgerichtig mit dem Verlassen des Kinosaals bereits wieder entfallen, dennoch fühlte man sich zu jeder Zeit immerhin recht adäquat unterhalten. So, als wäre es Disney geglückt, die überaus erfolgreiche Formel der MCU-Filme in ihre anderen Projekte zu adaptieren. Das mag dem einen gefallen, der andere sorgt sich nun verstärkt um die ikonische und originelle „Star Wars“-Saga. Konsequenzen muss man bei einer gewissenhaften Anwendung der Marvel-Formel nicht mehr fürchten, weshalb auch rückwirkend alle Konsequenzen aus der „Fluch der Karibik“-Reihe beinahe im Vorbeigehen revidiert werden. Der großartige Twist aus der finalen Seeschlacht des dritten Teils, deren Konsequenz die Übernahme der Flying Dutchman durch Will Turner war, wird im Handumdrehen revidiert.

Nein, Captain Jack ist nicht zurück; Jack ist wieder da… schon wieder…

Einige Kritikpunkte aus dem Vorgänger sind verschwunden, viele neue sind dazu gekommen. Unglaubliche Plotholes, eindimensionale Charaktere und ein lieblos erzählter Film machen einmal mehr deutlich, wieso sich Hollywood von den Sequels und Remakes verabschieden muss. In einer Zeit der immer beliebter werdenden Streamingdienste, die qualitativ hochwertige Filme und Serien produzieren, gehen dem Kino allmählich die Argumente aus, weshalb der Zuschauer überhaupt noch weit mehr als zehn Euro für den Besuch eines Films ausgeben soll. „Salazars Rache“ ist nicht der Blockbuster, den man sich von ihm versprochen hat. So reicht es leider nur für 2/10.

Autor: Mamon Hassani

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