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Paranormal Activity: Die Gezeichneten (2014) Review

© Paramount Pictures Home Entertainment

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Ein Horrorfilm wie jeder andere. Zumindest 7/8 des Films. Das klingt jetzt beinahe wie ein Desaster, aber im Grunde sind es die 1/8 dieses Films, die ihn dann über so viele andere erheben. Also hat das „Paranormal Activity“-Franchise es nochmal geschafft, sich nach so vielen Runden über den Gong zu retten?

Schwer zu sagen! Generisch und langwierig fühlt sich die Einleitung an. Das Franchise lässt sich ohnehin viel Zeit, um seine Prämissen ins Spiel zu bringen. Das hat natürlich auch den Grund, dass es nie viel zu sehen gibt. Keine bösen Dämonen à la „Der Exorzist“ oder explizite Gewalt wie in „Frontier(s)“. Auch kein Psychoterror. „Paranormal Activity“ arbeitet bekannterweise mit dem langsam nach Mottenkugeln stinkenden Taschenspielertrick des Found Footage. Was beim ersten Teil noch als ökonomischer Geniestreich galt, weil 15.000 Dollar Budget mehr als 100 Millionen Dollar in die Kassen spülten, so gehen die Zuschauerzahlen langsam in den Keller. Was also tun mit dem Franchise?

Na klar, wir nehmen unterschiedliche Settings. Der Allzweckplan für den ideenlosen Drehbuch-Heilpraktiker. Das hat schon so mancher billigen Highschool-Komödie in die fünfte oder sechste Runde verholfen. Nur leider funktionieren „Paranormal Activity: Tokyo Nights“ und „Paranormal Activity: Die Gezeichneten“ als Ableger des Franchises mehr schlecht als schaurig. Denn was in den ersten Teilen von „Paranormal Activity“ (und besonders Teil 1) hervorragend geklappt hat, nämlich subtiler Stimmungsaufbau, wird in den Ablegern mit plumpen Horrorklischees erstickt. Da ist es eben nicht mehr die Zeitrafferaufnahme der Protagonistin, die mehrere Stunden besessen und paralysiert neben ihrem schlafenden Mann steht, sondern der billige Jumpscare, der in uns den Schock auslösen soll. Wir wollen eines nicht leugnen: Es funktioniert trotzdem! Allerdings hat die Reihe einen gewissen Ruf. Eben diesen, dass Horror auch (oder gerade besonders) mit wenig Explizitem arbeiten kann und somit die Imagination des Zuschauers eigentlich das Schaurige erzeugt. Daher ist es klar, dass das Franchise langsam beginnt: Da man eigentlich ohne großen Knall auskommen will, der die Zuschauer aus den Sesseln reißt, braucht man eine geduldige Vorbereitungszeit. Und in dieser Zeit passiert eben nichts. Rein gar nichts. Umso dramatischer sind die kleinen Momente, in denen dann etwas passiert. Eine simple wie brillante Spiegelung von Szenen wird hier also vorbereitet. Stop! Nicht falsch verstehen: Das ist der Plan! Und so hat es auch noch sehr gut in Teil  1 funktioniert. Doch der Plan geht nicht mehr auf!

© Paramount Pictures Home Entertainment

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An die schleppende Einleitung knüpft sich in „Paranormal Activity: Die Gezeichneten“ ein ebenso eingestaubter zweiter Akt an. Es passiert zwar mehr und auch mehr Explizites als in den ursprünglichen Teilen des Franchises, doch eben genau das bricht diesem Plan auch das Genick. Wir sickern dadurch in einen allzu bekannten Standard ab. Da sind wir mal in einer Kirche, in der ein paar Teenies Dämonen rufen wollen. WAS WAR DAS? Ja, da war natürlich ein Ton. Aus dem Nichts. Der sollte uns erschrecken. Klappt nur leider nicht, weil wir das natürlich erwarten. Eben nichts neues. Dann ist da auch eine alte, gruselige Lady. Benimmt sich komisch, wohnt alleine. Kennen wir. Nichts neues. Da ist es uns egal, ob das Ganze in Südamerika, Nordamerika oder Asien spielt. Nun schafft der Film es aber doch, uns streckenweise zu schocken. Und zwar auf zweierlei Art: Einerseits ballert er uns mit Klischees zu. Dunkler Kellerraum, gruselige Kinder, übermenschliche Kraft, Besessenheit. Das ist kein leckerer Kuchen, aber er hat eine Menge Kalorien – vollgestopft bis an den Rand.

Nun wäre der Film kein Teil des Franchises, wenn er nicht drei wichtige Kriterien erfüllen würde. 1. Found Footage. 2. Die Besessenheit im Hauptteil so subtil wie möglich in Szene setzen. 3. Die Verbindung zum Franchise schlagen. Punkt 3 rettet das Unterfangen. Und zwar mit Bravur. ACHTUNG MINIMALER SPOILER! Auch Robert McKee, der große Drehbuchguru Hollywoods, wird nicht müde, folgende Aussage zu predigen: Der dritte Akt macht den Film. Nun startet der dritte Akt von „Paranormal Activity: Die Gezeichneten“ etwas lächerlich, so dass wir uns eigentlich schon im Kinosessel Gedanken machen, ob wir morgen früh lieber Müsli essen oder einen Apfel. Äpfel sind aber sauer und mein Zahnschmelz ist so empfindlich. Ja, genauso banal wirkt auch der Höhepunkt dieses Films. Der vormals besessene Teenie-Protagonist hat Beziehungen zu einem sehr kulanten Gangsterboss, der mit einem seiner Handlanger dem Ex-Dämonenteenie hilft, sich an ein paar Hexen zu rächen. Doch dann: Der Twist. Die Verbindung zum ersten Teil wird sehr spektakulär in Szene gesetzt. Dann finden wir uns in einer der Schlüsselszenen des ersten Teils wieder, die aber vollkommen anders erzählt wird. Das Ganze wirft ein neues Licht auf das Franchise. Es handelt sich jetzt zwar nicht um einen raffinierten Mindgametrick à la Nolan – aber für einen Horrorfilm dieses Kalibers hat sich das Ende damit nochmal deutlich vom Hauptteil absetzen können.

Vielleicht ist es auch genau dieser Kontrast, der mich das Ende so loben lässt. Aber für alle Fans des Franchises will ich zumindest die Motivation aussprechen, sich durch den Film zu kämpfen. Sie werden schlussendlich mit einem wirkungsvollen Ende belohnt. Auch wenn „Paranormal Activity: Die Gezeichneten“ etwas mehr die Brechstange einsetzt, um dem Horror den nötigen Schubs zu geben, so gibt es immer wieder beeindruckende Bilder. Das liegt zum einen an den düsteren Szenen in einem beinahe noch düsterer wirkenden Setting, aber auch an dem deutlich gestiegenen Production Value, der CGI und imposante Effekte möglich macht. Für jeden, der sich auf „Paranormal Activity: The Ghost Dimension“ vorbereiten will, ist auch dieser Film zu empfehlen. Wer jedoch noch nie richtig etwas mit dem Franchise anfangen konnte, der wird spätestens bei diesem Teil beginnen, vorm Schlafengehen drei Mal gähnend Bloody Mary in den Spiegel zu grunzen. Denn Angst vor Dämonen schürt der Film ganz bestimmt nicht.

Autor: David Daubitz

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