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Pacific Rim: Uprising (2018) Review

© Universal Pictures Home Entertainment

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Wie sehr das chinesische Kinopublikum mit seinem Film-Geschmack inzwischen die westlichen Kino-Märkte beeinflussen kann, dürfte seit den späteren „Transformers“-Teilen auch beim Durchschnittszuschauer angekommen sein. Was allerding hinter dem Vorhang passiert, ist noch einmal einen Zacken interessanter. Wo Duncan Jones‘ viel zu späte „World of Warcraft“-Verfilmung hinter den Einspielerwartungen insgesamt zurückblieb, fand der Film beim Publikum in Fernost doch ordentlichen Anklang und mögliche Sequel-Überlegungen werden nun ganz gezielt mit dem chinesischen Markt im Fokus durchexerziert. Wo bei Orks und Elfen noch vorsichtig abgewartet wird, kann „Pacific Rim: Uprising“ also als mech-großes Pilotprojekt verstanden werden, um die Hypothese zu testen, dass ein schwaches Einspiel des Vorgängers keine Flop-Garantie für Teil 2 sein muss, solange ein Interesse aus Übersee da ist. Denn Guillermo Del Toros Actionspektakel fand damals bei den Kritikern zwar Anklang, enttäuschte aber ebenfalls an den (westlichen) Kinokassen – und beim Sequel sollen es daher jetzt die chinesischen Zuschauer richten, wenn auch, großes Manko, ohne Del Toro an Bord.

In der Welt von „Pacific Rim: Uprising“ sind seit dem Sieg über die Kaijus zehn Jahre vergangen. Die Welt befindet sich im Wiederaufbau, die ehemaligen Verteidiger der Menschheit bleiben aber wachsam. So wirklich glaubt nämlich niemand, dass die übergroßen Monster endgültig von der Bildfläche getilgt wurden und so werden neue Piloten für die übergroßen Kampfmaschinen namens Jaeger u.a. von dem Piloten Nate Lambert (Scott Eastwood) ausgebildet. Jake Pentecost (John Boyega), der Sohn von Kriegsheld Stacker Pentecost aus dem ersten Teil, könnte das alles nicht egaler sein. Nach seinem Rauswurf aus dem Jäger-Programm schlägt er sich als Kleinganove von Jäger-Technologie durch zerstörte Großstädte, dabei stößt er auf die Bastlerin Amara Namani (Cailee Spaeny). Einen Zusammenstoß mit den Behörden später befinden sich die beiden zurück in Lamberts Obhut und der Pilotenausbildung wieder. Und das keine Minute zu früh. Denn inmitten der Verhandlungen um ein Drohnenprogramm, entwickelt von dem Kaiju-Experten Dr. Newton Geiszler (Charlie Day), taucht plötzlich ein abtrünniger Mech auf und verwüstet Sydney. Für Jake, Nate und Amara geht es nun also darum herauszufinden, wer hinter dieser Attacke steckt und ob all dies etwas mit der Rückkehr der alten Feinde der Menschheit zu tun hat.

Aus dieser Prämisse liest sich bereits heraus, dass „Pacific Rim: Uprising“ nicht direkt in die simpelste Sequel-Falle tappt, das Rad einfach zurück zu drehen und alles wieder auf Null zu setzen. Stattdessen wird das Universum interessant ausgebaut, gerade über die erste Filmhälfte hinweg weiß die Idee um einen abtrünnigen Jäger die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu binden. Wir sehen, was aus den Rückkehrern geworden ist; Burn Gorman ist wieder als der krude Dr. Hermann Gottlieb mit dabei und wo von Charlie Hunman weit und breit nichts zu sehen ist, sorgt Mako Mori (Rinko Kikuchi) mit einigen Gastauftritten für Verbindungen zurück zu Teil 1. Der Fokus liegt allerdings klar auf den neuen Darstellern, besonders Boyega, Eastwood und Spaeny als Tüftlerin Namani. Boyegas Figur erinnert dabei mit seinem Charme und Überlebensinstinkt nicht von ungefähr an seinen Finn aus der neuen „Star Wars“-Trilogie und er gibt damit auch einen besseren Protagonisten ab als der eher blasse Hunnam des Vorgängers.

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Allerdings wird gerade bei der Figurenkonstellation schnell deutlich, für welchen Preis sich „Pacific Rim: Uprising“ seine größere Welt rund um abtrünnige Jäger, Drohnenprogramme und die neuen Piloten-Kadetten erkauft, denn der Film hetzt in einem unglaublichem Tempo von Szene zu Szene. Wenn lediglich Exposition für den nächsten Plot-Point aus dem Weg geräumt werden muss, mag das vielleicht unelegant sein, insgesamt aber funktionieren. Auf die Charaktere bezogen kommen hierdurch jedoch alle Beteiligten viel zu kurz. Eine müde aufgebaute Dreiecksbeziehung zwischen Jake, Nate und der Mechanikerin Jules (Adria Arjona) wird dann folglich irgendwann einfach komplett fallen gelassen, noch schlimmer erwischt es Spaenys Figur, die sich als Kadettin unter den neuen Piloten zurechtfinden und Respekt erkämpfen muss. Ein „Starship Troopers“ oder „Enders Game“ stricken nicht umsonst fast ihre gesamte Handlung um diese Gruppendynamiken in der militärischen Ausbildung, denn den Drei-Schritt, welchen Amara hier vom geschassten Neuling zum akzeptierten Team-Mitglied vollzieht, ist simpel, uninspiriert und viel zu kurz.

Nun will natürlich auch „Pacific Rim: Uprising“ kein Platoon-Drama sein, sondern ein geradliniger Action-Blockbuster, bei dem sich riesengroße Roboter und Monster gegenseitig auf die Mütze hauen. Gerade für die erste Filmhälfte trägt dabei das Rätsel um den feindlichen Mech gut genug, um insbesondere die ersten Action-Sequenzen ordentlich zu unterfüttern. Die ästhetischen Unterschiede zwischen Steven S. DeKnights und Del Toros Regie dürften den meisten Zuschauern dabei schnell auffallen. Während Del Toro seinem Gothik-Look, gefeilt in den „Hellboys“ und „Pans Labyrinths“ der letzten Jahre, auch für seine Mech-Schlachten treu blieb, lieben DeKnights Jäger das Tageslicht. Auch hier dürfte das Konsumverhalten der chinesischen Kino-Gänger eine große Rolle gespielt haben, denn die gut ausgeleuchteten Schlachten sind IMAX-freundlicher und übersichtlicher gehalten. Es dürfte aber kein Zweifel daran bestehen, dass die Jäger dadurch einiges an Wucht und Schwere mit Blick auf den Vorgänger verlieren und so sind unter DeKnights Feder echte Wow-Ausrufe beim Zuschauer eher die Seltenheit, wo diese in Del Toros Version noch den größten Teil des Sehvergnügens lieferten.

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Und gerade zum Finale hin, wenn zwar die Monster größer, aber die Charaktermomente noch kleiner und die Taktung der Plot-Points noch kürzer wird, macht sich das hohe Tempo eben am deutlichsten negativ bemerkbar. Das Finale kann zwar noch mit ein oder zwei Überraschungen aufwarten und es rummst auch ordentlich in der Tokyoer Innenstadt (die für das letzte Gefecht, ganz in Kaiju-Tradition, herhalten muss), aber „Pacific Rim: Uprising“ verspielt hier viel Potenzial. Durch das gehetzte Davor besteht wenig Bindung und Interesse zum Pilotenkader, selbst die riesigen Jäger haben nur wenig Profil und als Zuschauer hat man Schwierigkeiten, die einzelnen Teams mit dem entsprechenden Kampfgefährt zu verbinden und in der Szene zu verorten. So kracht es zwar gewaltig und „Pacific Rim: Uprising“ geht auch dankbarerweise nie den Weg eines „Transformers“, zu einem unübersichtlichen Schnittgewitter zu verkommen, aber als dann genauso gehetzt plötzlich die End-Credits hereinfliegen, dürfte hinter dem Grinsen über die Action doch eine spürbare Leere zurückbleiben, die DeKnight und Co. gerne mit mehr Emotionen und Charaktermomenten hätten füllen dürfen.

Damit ist „Pacific Rim: Uprising“ zwar ein gelungener, wenn auch etwas hastiger Blockbuster für den Sonntagabend, bringt das Franchise aber nicht wirklich voran. Eine nette Post-Credit-Szene teasert zwar ein interessantes Szenario für einen dritten Teil an, doch wird dieser nach dem Flop von Teil 2 an den Kinokassen wohl für immer in der Planungsphase bleiben, trotz des erneut hohen Zuschauerinteresses auf den asiatischen Märkten. „Pacific Rim: Uprising“ darf derweil für alle Fans als eine nette Zugabe verbleiben, die nach zukünftigen Sichtungen des fantastischen ersten Teils ihrem Jäger-Fieber noch einmal 111 Minuten Monstergekloppe, wenn auch etwas lauwärmer, hinterher schieben wollen.

Autor: Simon Traschinsky

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