Ein Kommentar

Original vs. Remake #2: „Prom Night“ (1980) vs. „Prom Night“ (2008)

Im Zuge der seit einigen Jahren andauernden Welle von Remakes erfolgreicher Horrorfilme der 1970er- und 1980er-Jahre sind es in den meisten Fällen in der Tat Klassiker des Genres, die ein nicht immer zwingend stimmiges neues Gewand erhalten. So wurde mit wechselnder Qualität das klassische Slasher-Trio um Michael Myers, Jason Vorhees und Freddy Krueger mit „Halloween“ (2007), „Freitag der 13.“ (2009) und „A Nightmare on Elm Street“ (2010) neu aufgelegt, aktualisiert wurde auch die Figur des Zombies in „Dawn of the Dead“ (2004) sowie jüngst der in psychologische Bereiche abdriftende Horror mit „Carrie“ (2013). Man kann gar nicht oft genug auf eine der brillantesten Horror-Szenen der letzten Zeit verweisen: Hayden Panettiere schreit in „Scream 4“ (2011) dem Killer am Telefon eine Vielzahl von Remakes entgegen. Selten wurde dem Genre mithilfe des eigenen Mediums so sehr der Spiegel vorgehalten. Dass sich diese filmischen Updates auch auf Originale beziehen können, welche aus verschiedenen Gründen nicht wirklich den Status eines Klassikers genießen, sollte jedoch zumindest erwähnt werden. Schließlich ist „Prom Night“ (1980), wahlweise mit „Die Nacht des Schlächters“ oder „Das Grauen kommt um Mitternacht“ als Untertitel auszustatten, wahrlich kein Meilenstein des Genres, nicht einmal des Slasher-Subgenres, es ist auch kein besonders guter Film. Das hinderte die Remake-Welle 2008 jedoch nicht daran, auch über dieses Machwerk hinüberzuschwappen und es mit der nicht weniger genialen deutschen Tagline „Eine gute Nacht zum Sterben“ in die heutige Zeit zu überführen. Was gar keine schlechte Idee war.

Immerhin handelt es sich beim Remake nicht um eine Eins-zu-Eins-Kopie des Originals, sondern um eine durchaus eigenständige Geschichte, welche nur noch denselben titelgebenden Rahmen aufweist: Die „Prom“, also der Abschlussball, mit welchem amerikanische Schüler das Ende ihrer High-School-Zeit begehen. Im Original beginnt die Geschichte ein paar Jahre davor; vier Kinder spielen in einem alten und kaputten Haus, die gleichaltrige Robin kommt dazu, wird jedoch von den anderen vier geärgert, bis sie versehentlich aus dem Fenster stürzt und durch den Sturz zu Tode kommt. Die Kinder schließen einen Pakt, niemals etwas darüber zu erzählen. Zeitsprung: Sechs Jahre später werden sie kurz vor ihrer Prom Night von einem mysteriösen Anrufer bedroht, so auch Nick (Casey Stevens), der mit seiner Freundin Kim (Jamie Lee Curtis), der Schwester des verstorbenen Mädchens, zum Abschlussball gehen will. Ihr Vater (Leslie Nielsen) bereitet sich als Schulleiter ebenfalls darauf vor, ebenso wie ihr Bruder Alex (Michael Tough). Parallel flüchtet der für den Tod von Robin zur Verantwortung gezogene Straftäter aus dem Gefängnis, Nicks Vater (George Touliatos) ist für die Ermittlungen verantwortlich. Kurze Zeit später beginnt die Standard-Dramaturgie des Slasher-Films: Ein Jugendlicher nach dem anderen wird von einem maskierten Killer getötet, vorzugsweise rund um Szenen sexueller Natur.

Das Remake hingegen geht einen völlig anderen Weg: Als Schülerin überlebte Donna (Brittany Snow) ein Attentat ihres Lehrers Richard Fenton (Jonathon Schaech), welcher als ihr Stalker aus Eifersucht ihre Familie ermordete, damit er und sie für immer vereint sein könnten. Während und nach ihrer Therapie findet sie ein Zuhause bei ihrem Onkel und ihrer Tante. Am Abend des Abschlussballs, welchen sie mit ihrem Freund Bobby (Scott Porter) sowie zwei weiteren Pärchen zu verbringen gedenkt, bricht Fenton aus dem Gefängnis aus. Der ermittelnden Polizist Winn (Idris Elba) lässt das Hotel, in dem der Ball stattfindet, bewachen, jedoch ist Fenton der Polizei immer einen Schritt voraus. Die Dramaturgie ähnelt ab hier dem Original.

„Prom Night“ war 1980, nach „Halloween“ zwei Jahre zuvor, einer der ersten Versuche, Kapital aus der filmischen Verwertung von Feiertagen oder speziellen Anlässen zu schlagen und die Slasher-Dramaturgie in deren Kontext einzubinden. Bekanntestes Beispiel dieser Sitte war vermutlich „Freitag der 13.“ (1980), bevor Filme wie „Mother’s Day“ (1980), „New Year’s Evil“ (1980, mit dem schönen deutschen Titel „Rocknacht des Grauens“), „My Bloody Valentine“ (1981), „Happy Birthday to Me“ (1981), „Silent Night, Deadly Night“ (1984) und „April Fool’s Day“ (1986) die Kinolandschaft überfluteten. Eine Liste, die sich erweitern ließe, zumal einige dieser nicht immer alle qualitativen Ansprüche erfüllenden Werke mehrere Fortsetzungen spendiert bekamen. Auch Jamie Lee Curtis, welche durch ihre Rolle in „Halloween“ die heutzutage gängigen Begriffe des „Final Girl“ und der „Scream Queen“ prägte, war in den 1980er-Jahren mehr als einmal in Horrorfilmen zu sehen, was im Fall von „Prom Night“ jedoch eher wie ein verzweifelter Versuch des Films wirkte, durch die Besetzung einen gewissen Grad an Aufmerksamkeit zu erhalten.

Denn das Drehbuch des Originals bietet nichts Interessantes, der Film ist schlichtweg ein routiniert abgekurbelter Slasher und ein weiterer Schritt zur Konsolidierung der spätestens mit „Freitag der 13.“ gefestigten Moral des Subgenres: Wer Sex hat, wird getötet, wer Drogen nimmt, ebenfalls; in „Prom Night“ fallen dem Killer sogar Personen zum Opfer, die lediglich kurz kurz davor waren, Sex zu haben. Ein oftmals wegen reaktionärer Tendenzen kritisiertes Motiv, dessen sich Slasher jedoch häufig bedienten, um eine psychosexuelle Verwirrung ihres Mörders zu etablieren, welcher in der Tradition des durch Mario Bava und Dario Argento geprägten italienischen Giallo mit einer phallischen Waffe meist leicht oder gar unbekleidete Körper durchbohrte. Als Täter wurde daraufhin zumeist eine Person enthüllt, deren Verhalten nur mit Mitteln der Psychoanalyse zu erklären war. Nichts davon findet sich jedoch im Original von „Prom Night“, die Auflösung ist eher unbefriedigend und wirft fast schon zwingend die Frage auf, warum zum Teufel der Täter mit seinem Treiben so lang wartete, auch wenn die Frage nach Schuld durchaus gestellt wird und sich konkret greifen lässt: Opfer des Killers sind unter anderem die Jugendlichen, die als Kinder für den Tod von Robin verantwortlich waren. Das Thema wird jedoch so lustlos aufgezogen, dass sogar die Frage, wer denn nun der Täter ist, irgendwann kaum mehr interessiert. Die Charaktere sind durch ihre Austauschbarkeit dem Zuschauer völlig egal und die gleichgültig in Szene gesetzten Mordsequenzen wirken wie reine Setpieces, um die der Rest der Handlung herumkonstruiert wurde, was mit gar nicht so geringer Wahrscheinlichkeit sogar der Wahrheit entsprechen könnte. Immerhin ist es nett, Leslie Nielsen vor den Filmen der „Die nackte Kanone“-Reihe mal in einer ernsthaften Rolle zu sehen.

Dem Remake kommt an erster Stelle die veränderte Form der Spannungsdramaturgie zugute: Stand das Original noch in der Tradition des „Whodunit“-Krimis, bedient sich das Remake des Mittels der Suspense. Von vornherein ist klar, wer der Täter ist, von vornherein ist klar, dass es sich um einen psychisch kranken Mann handelt. Nach wenigen Minuten sind diese Punkte geklärt und Donna wird bei der Bewältigung ihres Lebens gezeigt, ihre Freunde und ihr Umfeld werden porträtiert. Und auch, wenn es sich bei dem Sextett der Hauptpersonen um keine Charakterstudien, sondern um Figurentypen handelt, gelingt die Identifikation mit ihnen deutlich besser als im Original. Insbesondere das Trauma von Donna wird durch wenige Szenen greifbar gemacht, da der Film sich klar auf sie als Protagonistin fokussiert, ihr die komplette Exposition widmet und die thematische Richtung im Gegensatz zum Original direkt festlegt.

Der dem Slasher-Film eigene, sexuell konnotierte Subtext ist dem Remake weniger inhärent als dem Original, die paar Szenen, in welchen die Schüler versuchen, sich abseits des regen Treibens in Hotelzimmern zu vergnügen, wirken eher wie ein ironisches Augenzwinkern. Ebenjenes Setting des Plots in einem Hotel erlaubt es der Neuauflage dann auch, mehrere Orte zu bespielen und dadurch mit netten Regieeinfällen aufzuwarten. Sei es der permanente Wechsel zwischen den Stockwerken, bei welchem der Killer immer einen Schritt voraus ist, was durch die verwinkelte Anordnung der Zimmer in der von den Schülern gebuchten Suite noch verstärkt wird, seien es Zeitlupen, die mit etwas mehr Farbfilter auch aus einem Zack-Snyder-Film stammen könnten oder ein unerwarteter, jedoch durchaus glaubwürdiger dramaturgischer Kniff am Ende, mit welchem der Schauplatz des Konflikts verlagert wird, womit die scheinbare Endlosigkeit von Donnas Trauma dem Zuschauer nochmals näher gebracht wird: Regisseur Nelson McCormick durfte sich scheinbar ein wenig austoben und schafft es dadurch, den Zuschauer trotz sehr klassischer Ausgangssituation bei der Stange zu halten.

Schauspielerisch gibt es nicht wirklich Überraschungen, am ehesten dürfte beim Remake zumindest aus heutiger Sicht die Besetzung von Idris Elba als ermittelnder Polizist verwundern, der jedoch damals noch nicht wirklich im Blockbusterkino angekommen war und sich am ehesten als Stringer Bell in der TV-Serie „The Wire“ einen Namen gemacht hatte. Auch der aus der „Twilight“-Saga bekannte Kellan Lutz hat einen durchaus amüsanten Auftritt, der jedoch eher in die Kategorie „drei Minuten mit zwei One-Linern“ fällt. Brittany Snow überzeugt als Donna recht gut, ansonsten sind die Darsteller durch die Bank weg solide, aber nicht herausragend, lediglich Jonathon Schaech als psychotischer Ausbrecher kann einige Akzente setzen. Ähnlich verhält es sich mit dem Original, nur dass dort in der Tat keiner der Darsteller auf irgendeine Weise jenseits des Durchschnitts agiert. Jamie Lee Curtis spielt mit Allerweltsgesicht und drehte nach „Prom Night“ den weitgehend vergessenen „Terror Train“ (deutscher Titel: „Monster im Nachtexpress“), bevor mit „Hallowen II“ (1981) ihre Horror-Karriere zunächst endete und sie sich anspruchsvolleren Projekten zuzuwenden begann. Leslie Nielsen hat nur eine Handvoll Szenen, in denen man als Zuschauer des 21. Jahrhunderts eigentlich immer nur Frank Drebin aus „Die nackte Kanone“ sieht und sich fragt, wann er denn nun endlich anfängt, schwachsinnige Dialogzeilen abzufeuern. Eventuell wäre der Film dann etwas besser geworden.

Das „Prom Night“-Original sei somit maximal Leuten empfohlen, die aus filmnostalgischen Gründen etwas mit der Atmosphäre von Slasher-Filmen der 1980er-Jahre anfangen können, ansonsten sei von diesem Werk hiermit weiträumig abgeraten. Das Remake hingegen ist eine durchaus zeitgemäße Adaption desselben Rahmens, jedoch mit einer völlig neuen inhaltlichen Ausrichtung, die ihm sehr gut tut. Ja, es ist ein glattgebügeltes Hollywood-Produkt. Ja, es ist auf Hochglanz poliert. Ja, es lässt die dreckigen Gewaltspitzen der 1980er-Jahre zugunsten einer niedrigeren Altersfreigabe vermissen. Aber es macht vieles richtig, es unterhält, es ist ein über weite Strecken spannender Film, kein Klassiker, kein Meisterwerk, kein Film für die Ewigkeit, aber für einen netten DVD-Abend. Einfach ein gut gelungenes Update.

Autor: Jakob Larisch

One Response to “Original vs. Remake #2: „Prom Night“ (1980) vs. „Prom Night“ (2008)”

  1. 1
    L.A. Says:

    Also auch wenn das Original nicht unbedingt zu den besten Slashern gehört, find ich es immer noch besser als das schreckliche Remake. Das Remake bestand in meinen Augen nur aus Jumpscares, die allesamt nicht funktioniert haben. Badezimmerspiegel, Schrankspielgel, Duschvorhang, usw. alles schon gesehen und langweilig. Die Morde waren auch nicht besonders und spannend fand ich den Film auch nicht. Das Original hatte ne tolle Atmosphäre und die relativ spannende Frage nach dem Mörder. Und dann gabs noch die tolle Tanzszene. :)

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