Hinterlasse einen Kommentar

Oldboy (2003) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

© capelight pictures

Was soll man über einen Film schreiben, der jahrelang eine der Standardantworten war, wenn es um die Frage ging, ob man nicht einen filmischen Geheimtipp parat hätte, was mittlerweile dazu geführt hat, dass er bei weitem nicht mehr als solcher durchgeht? Bestimmt waren weder „Oldboy“ noch dessen Regisseur Park Chan-Wook den meisten fortgeschrittenen Cineasten ein Begriff, als dieser bei den Filmfestspielen von Cannes im Jahr 2004 antrat und den Großen Preis der Jury – den zweitwichtigsten Preis – gewinnen konnte. Als man dann noch die Lobpreisungen des Chefs der Jury (Quentin Tarantino) hörte, begann ein kleiner Hype, der „Oldboy“ mittlerweile zu einer Art Kultfilm hat avancieren lassen, welcher sicherlich nicht nur seine Liebhaber, sondern auch seine Kritiker hat.

Die Prämisse von „Oldboy“ ist an und für sich recht schlicht: Oh Dae-Su (Choi Min-Sik) wird eines Nachts entführt und für 15 Jahre in einen Raum eingesperrt. Sein einziger Kontakt mit der Außenwelt ist ein Fernseher. Durch die Nachrichten erfährt Oh Dae-Su, dass seine Frau ermordet wurde und er dafür verantwortlich gemacht wird. Oh Dae-Su beschließt nun, zu trainieren, um später seinen Entführer zu konfrontieren und sich an diesem zu rächen. Gerade als er sich einen Ausgang aus dem Zimmer gegraben hat, wird er betäubt, von seinem Entführer freigelassen und mit einem Handy, einem Anzug und viel Geld ausgestattet. In der Folge beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Oh Dae-Su versucht, herauszufinden, wer ihn aus welchen Gründen entführt hat.

© capelight pictures

© capelight pictures

„Oldboy“ ist der zweite Teil von Park Chan-Wooks sogenannter Rache-Trilogie. Diese Filme sind zwar nicht inhaltlich miteinander verknüpft, beleuchten aber alle das Thema Rache aus verschiedenen Perspektiven. „Oldboy“ zeichnet sich dabei unter anderem deswegen aus, weil er durch sein Mysterium die ganze Spielzeit über zu fesseln weiß. Dabei zeigt der Film aber nicht nur seine Stärken als Thriller, sondern bietet darüber hinaus auch den nötigen philosophischen Unterbau sowie Anspielungen auf die griechische Mythologie, um den Zuschauer auch noch nach dem Film zu beschäftigen. Park Chan-Wook gelingt es dabei, die Gewaltspitzen und gewisse Portion Ekel nicht zum Selbstzweck verkommen zu lassen, was dazu führt, dass „Oldboy“ einen in keinem Fall kalt lässt. Auch wenn es sich rein stilistisch gesehen nicht um den stärksten Film des Regisseurs handelt, so kann er auch hier Akzente setzen, wie zum Beispiel beim ikonischen Hammerkampf, der durch Videospielästhetik und eine längere Plansequenz besticht.

Eine der ganz großen Stärken von „Oldboy“ ist sicherlich sein Hauptdarsteller Choi Min-Sik, der sich als Oh Dae-Su die Seele aus dem Leib spielt und nahezu jede Szene an sich reißt. Auch wenn zunächst sein Spiel für westliche Sehgewohnheiten etwas theatralisch wirkt, gewöhnt man sich sehr schnell daran und wird so in seinen Bann gezogen. Auch Yoo Ji-Tae als Lee Woo-jin und Kang Hye-Jung als Mi-Do machen ihre Sache solide, kommen aber sicherlich nicht ganz an Choi Min-Sik heran. Ähnlich fantastisch ist der Soundtrack, der überwiegend aus klassischen Stücken besteht und die Stimmung der Szenen sehr stilsicher auf den Zuschauer überträgt. Hier werden auch Einflüsse auf „Oldboy“ sichtbar, so sind die Stücke fast alle nach bekannten Filmen benannt (beispielsweise „Kiss Me Deadly“, „Breathless“, „Point Blank“). Insbesondere Mi-Dos Thema „The Last Waltz“ ist in diesem Fall hervorzuheben, da es im Laufe des Films insbesondere in den Schlüsselszenen eingesetzt wird. Auch nach über zehn Jahren hat „Oldboy“ nichts von seiner Wucht verloren und stellt einen guten Einstieg in das südkoreanische Kino dar, welches im 21. Jahrhundert besonders von Park Chan-Wook geprägt wurde. Auch wenn der Film sicherlich nicht jedermanns Sache ist, so lohnt sich definitiv ein Blick, denn mit Gleichgültigkeit wird man ihm in keinem Fall begegnen können.

© capelight pictures

© capelight pictures

Zur Edition: capelight pictures bringt „Oldboy“ in vier verschiedenen Versionen neu auf den Markt. Zuerst als Standard-DVD; dann als Blu-ray-Steelbook mit Bonusdisc; als 4-Disc-Mediabook mit dem Film auf Blu-ray und auf DVD, mit der Bonus-Blu-ray sowie der Soundtrack-CD und schlussendlich als „Ultimate Edition“ in einer Box mit dem bereits erwähnten Mediabook, einer weiteren Bonus-Blu-ray mit der Dokumentation „Old Days“ und dem ersten Kapitel der Mangavorlage „Old Boy“.

Autor: Torsten Stenske

Leave a Reply