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Mechanic: Resurrection (2016) Review

© Universum Film

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„MacGyver“ meets „Hitman“. So oder so ähnlich hat man sicherlich das Konzept zu „The Mechanic“ gepitchted. Dann fiel noch ein- bis zweimal der Name Jason Statham und schon pochte das Herz jedes Marketingmanagers rasendschnell wie bei einer Wüstenmaus. Und zugegeben: „The Mechanic“ (2011) funktionierte, der Film hat Spaß gemacht und war ein angemessener Actionfilm, wenn auch keine Neuerfindung des Genres — aber das muss es ja auch nicht immer sein. Es handelte sich dabei um eine Neuverfilmung des Action-Thrillers gleichen Namens aus dem Jahr 1972, in dem die Geschichte um Arthur Bishop erzählt wird, ein Auftragsmörder, der meisterhaft jeden seiner Morde wie einen Unfall erscheinen lässt.

„Mechanic: Resurrection“ ist nun das Sequel, bei dem man sich permanent die Frage stellt: Warum muss das denn alles so berechenbar sein? Aber fangen wir von vorne an. Arthur Bishop ist eigentlich ein gebrochener Mann. Er genießt gutes Essen, klassische Musik und teuren Wein. Die kleinen Freuden kann er sich leisten, weil er der Beste in dem ist, was er tut: Menschen töten. Fehlerfrei. Unbemerkt. Nicht zurückverfolgbar. Zwar bringt ihm das einen stinkenden Haufen Geld ein, doch eben auch einige psychische Probleme. Denn Arthur kann sich den Luxus einer Familie oder gar Freunden nicht leisten — zu groß wäre die Angst, diese zu verlieren. Die Branche der Auftragsmörder ist eben hart umkämpft — und der ehemalige Kollege kann morgen schon zum Rivalen werden.

Was die ursprüngliche Filmfassung von 1972 und die Neuverfilmung mit Jason Statham von 2011 noch solide eingearbeitet haben, lässt „Mechanic: Resurrection“ gänzlich vermissen. Die Gebrochenheit und mithin der Zwiespalt dieser grausamen Welt, in der sich Arthur Bishop bewegt, werden komplett vom Reißtisch gefegt. Für Charaktertiefe scheint in diesem Sequel einfach kein Platz zu sein. Es ist ja nun auch nicht so, als wäre „The Mechanic“ eine glaubwürdige, facettenreiche Charakterstudie, dennoch versteht man gerade wegen der Figur und derer Probleme die spannende Welt dieser rigorosen Auftragsmörder.

Okay, aber vergessen wir einfach die Figurenentwicklung. Wie schaut’s denn mit ACTION aus? Schließlich verspricht so ein Stoff, in dem es um Auftragsmörder geht, knallharte Spannung. Knallhart wäre dabei jedoch das falsche Wort. Eher so wie eine Aluminiumbüroklammer. Oder wie zähes Kaugummi, das zwei Wochen unter dem Bussitz klebt. Kann nervig sein, wenn man sich drauf setzt, wirklich gefährlich ist aber beides nicht. Die Grundstory von „Mechanic: Resurrection“ ist schnell erklärt: Böser Erzrivale, den Bishop aus der Jugend kennt, fordert von ihm, drei total fiese Waffenhändler und Warlords umzubringen — natürlich muss jeder Mord wie ein Unfall aussehen. Aber das ist ja schließlich Arthur Bishops Spezialgebiet. Doch warum weigert sich Arthur nicht einfach und taucht unter? Ganz einfach: Der böse Erzrivale hat ein Mutter-Theresa-gleiches Mädchen, das Bishop ganze 123 Sekunden lang kennt, gefangen genommen und droht, sie umzubringen, falls Bishop die Aufträge nicht sauber durchzieht. Und zu Gunsten dieses innovativen Plots vernachlässigt die Story natürlich alles andere. Platzprobleme. Zu komplex würde der Film werden, wenn zu diesem raffinierten Konstrukt von Handlungslinien nun auch noch Figurenzeichnungen kommen, die in den Marianengraben reichen. Dann eher im Messbereich Pfütze bleiben.

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Bishop wird also wiedergeboren. Vielmehr war er untergetaucht und wurde nun erneut aufgespürt. Doch offenbar hat Arthur Bishop mit der Auferstehung auch eine schwere Amnesie erlitten, die ihn all seine psychischen Probleme vergessen hat lassen. Klingt wie die optimale Therapie. Leider hat Arthur Bishop nicht wirklich einen Gedächtnisverlust erlitten, sondern eher die Drehbuchautoren. Anders ist es kaum zu erklären, dass jegliche Klischees von Actionfilmen, die man eigentlich schon aus den 80ern und 90ern kennt, in einem Film aus dem Jahr 2016 neu aufgelegt werden. Daran sind vor allem zwei Dinge schade. Zum einen wird durch eine solche Fülle an Standardhandlungen und Klischees alles sehr berechenbar. Klar, das nimmt Spannung. Und das Genre Actionfilm lebt von Spannung. Doofe Kombination. Zum anderen sind wir doch spätestens seit dem neuen Jahrtausend in der Zeit der postmodernen Metaspiele angelangt. Dazu gehört, dass man Inszenierungskonventionen für den Zuschauer aufzeigt und absichtlich bricht. Doch lasst uns nicht unnötig Worte dazu verlieren. (Das ist ein Metatext.) Wenn ich jetzt trotzdem noch weiter darüber schreibe, dann führe ich den Metatext ad absurdum und gebe ihm damit eine neue Bedeutung. Auf diese Art und Weise kreieren wir aus Klischees und vormals verbrauchten Elementen etwas Neues, das den Zuschauer nicht langweilt. Parodien und Mindgames bedienen sich dieser Mittel permanent. Moderne Actionfilme wie „The Expendables“ (2010) ebenso — dabei gelten sie als selbstreflexiv und „meta“. Braucht man das zwingend? Nein. Bekommen diese Filme dadurch aber einen frischen Wind? Ja! Und ist „Mechanic: Resurrection“ langweilig, weil er stumpf Klischee an Klischee reiht? Yebo.

Doch legen wir das dramaturgische Skalpell mal genauer an. Das ganze Ding ist so klassisch geschrieben, als hätten die Autoren den Drehbuchratgeber von Syd Field abgepaust. Drei Akte. Im ersten Akt findet ihn der Bösewicht. Zuvor lernt Bishop das Mädchen kennen, in das er sich innerhalb von 0,00331 bis 23,4 Sekunden verliebt. Nachvollziehbar. Ebenso feinfühlig mit der Rohrzange sind die Einleitungsszenen mit Jessica Alba, ebenjenes Mädchen, in das sich Arthur Bishop verliebt — oder sagen wir einfach das Trophy Girl. Einige Stichworte zur tiefsinnigen Figurenzeichnung: Detailaufnahme von Sandkörnern auf dem Hintern, Tauchen in Slow-Motion, ultra-lange Einstellungen von einem lasziven Schmunzeln.

Im zweiten Akt geht er die drei Auftragsmorde an, die er für den Bösewicht ausführen soll, da dieser sonst droht, Jessica Alba (ich bin mir nicht sicher, ob ihre Figur überhaupt einen Namen hatte) umzubringen. Schließlich kommt es zu einem uninspirierten Wendepunkt. (ACHTUNG: KEINE Spoiler an dieser Stelle.) Daraufhin folgt im dritten Akt der Showdown, in dem sich Arthur Bishop und sein Erzrivale gegenüber stehen. Wer bereits einen einzigen Actionfilm aus den 80ern gesehen hat, ahnt jedoch vielleicht, wie das Ganze ausgehen wird. Doch bereits im ersten Akt beginnen einem die Augen zu tränen. Denn das permanente Gähnen schlägt sich irgendwann auf die Tränendrüsen nieder. Volle 20 Minuten wird der Kennenlernprozess von Arthur Bishop und „Figur, die von Jessica Alba gespielt wird“ ausgeschlachtet. 20 Minuten, in denen der Kinozuschauer jeden Schritt in der wenig romantischen Geschichte vorausahnen kann. Einige ungewollte Schmunzler bleiben dabei nicht aus — zu lächerlich fühlt sich dieser krampfhafte Versuch an, ein dramaturgisches Druckmittel für die Hauptfigur zu etablieren.

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Wir müssen allerdings fair bleiben: Die Haupthandlung, also die drei Auftragsmorde, das macht streckenweise Spaß. Hierfür muss übrigens (neben den Gagen) auch das gesamte Budget draufgegangen sein. Denn jedes der drei Mordziele führt uns in ein anderes eindrucksvolles, opulent ausgeschmücktes Setting. Mal sind wir in einem asiatischen Hochsicherheitsknast, danach in einem Penthouse mit extravaganten Einbauten. Die Spannung wird dadurch generiert, wie Bishop seine Morde plant. Wie kommt er an seine Zielpersonen ran? Was tüftelt er aus, um das Ganze wie einen Unfall aussehen zu lassen? Und wie kommt er da unbemerkt wieder raus? Dass ihm dabei nie irgendwelche nennenswerten Hindernisse im Weg stehen, macht es zwar immer noch berechenbar, hat aber trotzdem einen hohen Schauwert. Ärgerlich dabei, dass die Parallelhandlung mit „Gutmenschin und Stereotypin gespielt von Jessica Alba“ immer dazwischen platzt. Da kommt dann mal ein Bösewicht, der versucht, noch ein wenig böser zu sein. Oder eine gefangene Frau, die… ähm… gefangen ist. Oder ein paar Kampfszenen, die nie so gut sind, dass man sie sich wirklich länger als nach dem nächsten Cut einprägt. Doppelt ärgerlich, dass sich bei einem solch hohen Budget und den Standards in Hollywood dann noch Auflösungs- und Schnittfehler einschleichen.

„Mechanic: Resurrection“ kränkelt leider an einigen Baustellen. Und dabei hat der Stoff viel Potenzial. Doch ein Actionfilm braucht einfach Action. Mehrdimensionale Figuren oder raffinierte Plots, die antichronologisch erzählt sind, benötigt es dabei gar nicht. Bud Spencer hat in so vielen Filmen gezeigt, dass eine oft triviale und berechenbare Story auch unfassbar viel Spaß machen kann. Er ist das dicke Pendant zu den umherfliegenden Martial-Arts-Schauspielern. „Stirb langsam“ hat auch keine herausragende Figurenzeichnung, aber der Plot und das exzellente Timing sind umso hervorstechender. Auf irgendeiner Ebene sollte es ein Film schaffen, seine Zuschauer für die Spieldauer zu fesseln. Man sollte zurückblicken und sagen dürfen: „Diese zwei Stunden waren es mir wert.“ Und auch wenn „Mechanic: Resurrection“ an einigen Stellen gute Ansätze hat, die isoliert kurzweilig wirken, so ist das Gesamtpaket einfach zu schwach — 100 Minuten wirkungslose Willkür, die wohl dem formelhaften Sequelwahn Hollywoods geschuldet sind.

Autor: David Daubitz

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