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Mara und der Feuerbringer (2015) Review

© Constantin Film

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Hier sitze ich nun, samstags um 14 Uhr, in der vorletzten Vorstellung von „Mara und der Feuerbringer“ in meiner Nähe. Gut scheint der Film ja nicht zu laufen, wenn er nicht mal zwei Wochen nach Kinostart aus dem Programm genommen wird. Aber das war ja zu erwarten. Ist ja schließlich nur ein billiger deutscher Fantasyfilm. Das kann doch nichts werden! Oder?

Doch der Reihe nach. Der Film handelt von der 15-jährigen Mara Lorbeer (Lilian Prent), deren größter Wunsch es ist, einfach nur normal zu sein. Stattdessen verliert sie sich oft in Tagträumen, wird von ihren Mitschülern gehänselt und von ihrer esoterischen Mutter (Esther Schweins) zu Wicca-Seminaren geschleift. Als sei das alles noch nicht genug, wird ihr offenbart, dass sie eine der letzten Spákona (altnordisch für: Seherin) ist und den Weltuntergang in Form von Ragnarök verhindern muss. Da sie keinerlei Ahnung von der nordischen Mythologie hat, sucht sie Hilfe bei Prof. Weissinger (Jan Josef Liefers), einem Experten auf diesem Gebiet. Trotz seiner anfänglichen Skepsis willigt dieser ein, Mara bei ihrer Aufgabe zu unterstützen.

Als Vorlage für den Film dient das gleichnamige Buch von Tommy Krappweis, der auch Regie führte. Herausgekommen ist eine der besten Umsetzungen eines Buches, die ich je sehen durfte. Die notwendigen Anpassungen der Geschichte sind durchweg sinnvoll und nachvollziehbar, lassen jedoch den Kern der Geschichte stets intakt. Diese hebt sich deutlich von der sonst so üblichen amerikanischen High-Fantasy-Standardkost ab und bringt durch ihr ungewöhnliches Setting frischen Wind in das Fantasy-Genre. Der Erzählfluss ist kompakt und stets spannend, wird jedoch durch eine ordentliche Portion Humor aufgelockert. Insgesamt ergibt sich so ein Paket, das zu unterhalten weiß.

© Constantin Film

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Doch die Geschichte ist bei einem Film deutscher Herkunft, der auch international ernst genommen werden will, eher selten das Problem. Oftmals fehlt schlicht das notwendige Budget, um mit Hollywood zu konkurrieren. Gerade in der spezialeffekt-lastigen Fantasy scheinen die Worte „deutsche Produktion“ und „hochwertig“ für viele inkompatibel zu sein und brachten dem Film im Vorfeld einiges an Hohn und Spott ein. Aber das völlig zu Unrecht: Die Spezialeffekte sind in der Tat fantastisch. Insbesondere der titelgebende Feuerbringer sieht unverschämt gut aus und unterstreicht die großen Ambitionen des Films. Auch die restliche Ausstattung kann sich sehen lassen und wirkt zu keiner Zeit billig. Die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller sind mehr als solide, insbesondere Lilian Prent überzeugt in ihrer Rolle als Titelheldin. Leider können nicht alle Nebendarsteller das gute Niveau halten und einigen merkt man das „typisch deutsche Schauspiel“ an, welches stellenweise eher an die Lindenstraße als an Hollywood erinnert. Mich persönlich störte dies nicht sonderlich.

Mit „Mara und der Feuerbringer“ erhält man somit einen sehr hochwertigen deutschen Fantasy-Film, der als neuer Maßstab für deutsche Genre-Produktionen betrachtet werden muss. Wer sich auch nur ansatzweise für Fantasy abseits des „Mittelerde-Mainstreams“ oder für nordische Sagen interessiert, der sollte sich den Film definitiv anschauen, doch auch für alle anderen lohnt sich der Weg ins Kino. 9/10

Autor: Frederic Burgard

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