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Mandy (2018) Review

© Koch Media

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Während die ersten Worte des Abspanns über die Leinwand flimmern, kann man gar nicht anders, als erleichtert ausatmen. Endlich ist es vorbei, ist er, der Film, vorbei. Es ist ein Gefühl der Fassungslosigkeit, gemischt mit Wut. Denn „Mandy“ ist ein hundsmiserabel schlechter Film. So richtig schlecht. Nicht nach der Kategorie „so schlecht, dass er wieder gut ist“, also irgendwie unterhaltsamer Trash. Nein, „Mandy“ ist derart mies, dass man sich hinterher fragt, ob der Regisseur überhaupt das Konzept Kino verstanden hat. Panos Cosmatos heißt der Mann, der für dieses filmische (V)erbrechen verantwortlich ist, der Nachname könnte dabei einigen bekannt vorkommen. Panos ist der Sohn von George P. Cosmatos, der für 1980er-Jahre-Kracher wie „Rambo II – Der Auftrag“ oder „Die City-Cobra“ bekannt wurde, stumpfe, aber unterhaltsame und sehr straight inszenierte Actionfilme. Von diesem ja durchaus vorhandenen inszenatorischen Talent ist allerdings nichts bei seinem Sohn gelandet. Doch wo anfangen? „Mandy“ scheitert als Film auf jeglicher Ebene derart krachend, dass sich kein zentraler Faktor ausmachen lässt. Hier stimmt einfach gar nichts. Es wäre unterhaltsamer, dem sehr kitschigen gleichnamigen Song von Barry Manilow und im Anschluss der Coverversion der irischen Boygroup Westlife jeweils zwanzig Mal zuzuhören, als sich auch nur ein Mal „Mandy“, den Film, anzuschauen. Denn „Mandy“ ist so schlecht, dass er ohne Zögern in die Kategorie „verschwendete Lebenszeit“ eingeordnet werden kann. Eigentlich braucht man eine Schmerztablette, um ihn adäquat überstehen zu können.

Nicolas Cage spielt die Hauptrolle und nach wohl nahezu übereinstimmender Meinung US-amerikanischer Kritiker soll dieser Film sein großes Comeback darstellen, nachdem der einstige Star und Oscarpreisträger in den letzten Jahren aufgrund finanzieller Probleme in den Untiefen des Direct-to-Video-Sektors verschwunden war. Dem muss man ein entschiedenes Nein entgegenhalten. Nicolas Cage spielt so wie eh und je, sein in den 1990er-Jahren fast schon charmantes Overacting wirkt nun aber nur noch wie ein müder Aufguss seiner selbst. Es ist auch nicht ganz klar, ob „Mandy“ nun eine Komödie oder eine total ernste Beschäftigung mit dem Thema Verlust darstellen soll. Die ersten zwei Drittel lassen letzteres vermuten, Witze werden keine gemacht, der Film ist düster und brutal. Kaum bringt eine Sekte jedoch die Frau des von Nicolas Cage gespielten Charakters um, bricht das Ganze völlig unpassend auf. Plötzlich zieht sich der Protagonist kiloweise Koks in die Nase, erschießt Gegner, weil sie sein Lieblingsshirt beschmutzt haben und liefert sich einen Kettensägenfight, der in anderen Kontexten tatsächlich enorm lustig gewesen wäre. Allein, in „Mandy“ wirkt das Ganze wie eine schlecht zusammengenähte Wunde, die sich nun überflüssigerweise zu entzünden beginnt. Ein Schwanken zwischen zwei Dingen muss nicht immer auch eine gelungene Ambivalenz darstellen, manchmal ist man auch einfach nur betrunken. So wie vermutlich Panos Cosmatos, als er das Drehbuch auf Papier schrieb, das als Einkaufszettel eine sinnvollere Verwendung gefunden hätte. Wobei man mit dieser Aussage aufgrund der ihr inhärenten Absolution des Regisseurs wohl Alkohol beleidigen würde.

Es ist augenfällig, dass Panos keine eigene künstlerische Vision hat und daher verzweifelt versucht, filmische Vorbilder wie Nicolas Winding Refn, Harmony Korine oder Gaspar Noé zu kopieren. Doch er übertreibt dabei maßlos und ohne jegliches Formgefühl, wenn er beispielsweise drei Viertel aller Einstellungen in Rot, Blau oder Pink taucht, ohne auch nur ein Mindestmaß an Reflexion erkennen zu lassen. Das ist nicht mehr visuell ansprechend, das ist einfach nur noch arbiträr. Man macht es, weil es cool ist, weil man es woanders gesehen hat, nicht, weil man etwas Bestimmtes zum Ausdruck bringen möchte. „Mandy“ ist die „The Asylum“-Produktion unter den neonfarbenen Filmen, mit dem Unterschied, dass diese Produktionsfirma weiß, dass sie billige Nachzügler populärer Filme produziert und gar nicht den Anspruch hat, große Kunst zu erschaffen. Im Gegensatz zu Cosmatos, offensichtlich, den genau dieser Anspruch zu treiben scheint, wobei er nicht einmal in Ansätzen realisiert, dass seine Bilder neben den wunderschön bemalten Leinwänden der genannten Regie-Meister nur lausiges Kindergarten-Gekritzel sind. Untermalt wird das Ganze zudem von dem wohl miesesten Soundtrack seit Jahrzehnten, der so klingt, als wäre der (tragischerweise viel zu früh verstorbene) Komponist Jóhann Jóhannsson mit voller Wucht auf einem verstimmten Synthesizer eingeschlafen und man hätte ihn die komplette Laufzeit nicht mehr aufwecken können. Der Film dröhnt ungerührt und nahezu ohne Pause vor sich hin, als ginge es ihm darum, sein eigenes ästhetisches Unvermögen zu übertönen. Mehr passiert hierbei nicht.

© Koch Media / Jo Voets

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Auch was an Story geboten wird, spottet jeglicher Beschreibung. Wo die drei erwähnten Regie-Vorbilder teils verschachtelt erzählen oder gewisse Fragen aufwerfen, die dann nicht beantwortet werden, da sie entweder der Fantasie des Zuschauers überlassen sind oder schlicht keine Rolle spielen, so geht Cosmatos den umgekehrten Weg: Er gibt Antworten auf Fragen, die keiner gestellt hat und die auch keinen interessieren. Die Hintergründe des Handelns, die Wendungen, die genutzten Waffen, die plötzlich auftauchenden Figuren, all das ergibt nicht im Mindesten Sinn. So macht man es sich schlichtweg sehr einfach, wenn man nachgerade Dinge behaupten und etablieren kann, ohne jegliche Rechtfertigung vorzulegen. Wir brauchen einen magischen Dolch? Hier ist er. Wir brauchen eine Motorradgang aus Dämonen? Hier ist sie. Wir brauchen eine religiöse Ebene und durchgeknallte Sektenführer? Hier sind sie. Wo jeder Drehbuchratgeber schon weinend zusammengebrochen wäre, stopft Cosmatos sein Skript mit immer mehr Zufällen und immer mehr Wahllosigkeiten voll, die jeden Film von Michael Bay wie ein intellektuell kohärentes Werk wirken lassen. Die Fantasy-was-auch-immer-Fundierung sollte man zuletzt schlechthin unter den Tisch fallen lassen, denn sonst wird es einfach zu peinlich für den Regisseur. Es wirkt, als würde Cosmatos alles, was er einmal im Nachmittagsprogramm des Discovery Channel über Mythen und Märchen gesehen hat, in einen Schnellkochtopf schmeißen und es dann anbrennen lassen. Das Ergebnis ist, wie zu erwarten, ungenießbar. Und zwar in einer Art und Weise, die im Restaurant zur Geldrückgabe berechtigen würde.

„Mandy“ ist ein Zeugnis filmischer Inkompetenz und Stümperhaftigkeit, in Film gegossene Langeweile, als hätte ein lernunfähiger und wegen einer zu selbstgefälligen Attitüde von der Filmhochschule geflogener Amateur krampfhaft versucht, zu den großen Jungs zu gehören, nur um daran dann gnadenlos und krachend zu scheitern. Dieser prätentiöse Schwachsinn gehört im Keller der Filmgeschichte in diejenige Ecke, die niemals jemand aufräumt. Einfach um andere davor zu bewahren, sich dem in jeglichem Sinne grauenhaften Erlebnis einer Sichtung von „Mandy“ aussetzen zu müssen.

Autor: Jakob Larisch

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