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Maleficent – Die dunkle Fee (2014) Review

© Disney

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Die Prognosen für die Boxoffice-Performance von Robert Strombergs Regiedebüt „Maleficent – Die dunkle Fee“ waren ganz okay. Man ging von einem Endergebnis im Rahmen der letzten großen Märchen-/Fantasy-Hits aus, also von irgendwas im Bereich von „Snow White and the Huntsman“ (Rupert Sanders, 2012, ca. 400 Millionen US-Dollar) und „Die fantastische Welt von Oz“ (Sam Raimi, 2013, ca. 500 Millionen US-Dollar). Im Endeffekt hat Disney aber tatsächlich noch eine gewaltige Schippe draufgelegt: Rund 760 Millionen US-Dollar hat der Film mit Angelina Jolie in der Titelrolle eingespielt und damit sämtliche Erwartungen weit übertroffen. Wie es dazu kam? Ein klarer Fall von effektivem Marketing: Trotz starker Konkurrenz fand der Film seinen Weg mitten ins Herz der Kinobesucher – ein familienfreundliches PG-Rating, ein starker weiblicher Hauptcharakter, ein klassischer Disney-Stoff, einer der größten weiblichen Filmstars überhaupt in der Titelrolle. Bereits mit dem brillanten „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ konnte das Studio unter Beweis stellen, dass Filme mit selbstbewussten weiblichen Hauptfiguren nicht nur funktionieren, sondern auch bei den Zuschauern enorm gut ankommen – den überragenden Erfolg des Animationsfilms hatte zuvor allerdings ebenfalls niemand auf der Rechnung gehabt. „Maleficent“ ist zwar in der Kritik nicht nur auf Gegenliebe gestoßen, doch gerade eine kürzlich veröffentlichte Zuschauerumfrage aus Deutschland bewies, dass das Publikum den Streifen mochte und bei der Bewertung andere Blockbuster wie z.B. Gareth Edwards‘ „Godzilla“ weit hinter sich ließ. Aber wie sieht’s nun aus? Hält der Film, was sein kommerzieller Erfolg und sein guter Ruf beim Publikum versprechen?

Das Königreich der Menschen und die Moore, in denen allerlei fantastische Geschöpfe hausen, liegen seit jeher im Clinch – allerdings ist dieser auf die Habgier der Menschen und nicht auf die friedliebenden Wesen im Zauberreich zurückzuführen. Eines Tages begegnet die junge Fee Maleficent (Isobelle Molloy, später Ella Purnell und dann Angelina Jolie) einem Menschenjungen, der versucht, einen Edelstein aus den Mooren zu stehlen. Sein Name ist Stefan (Toby Regbo/Michael Higgins/Sharlto Copley), ein Bauernjunge, der davon träumt, irgendwann seinen ärmlichen Verhältnissen zu entfliehen. Zwischen Maleficent und Stefan entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft und eine tiefe Zuneigung, doch das, was Liebe hätte werden können, wird von Stefan jäh zerstört. Der im Sterben liegende Menschenkönig Henry (Kenneth Cranham) verspricht demjenigen, der ihm Maleficents Flügel bringt, die Hand seiner Tochter Leila (Hannah New) und den Thron; Stefan sieht daraufhin seine Chance gekommen und verrät seine Freundin – er betäubt die Fee und beraubt sie ihrer Schwingen. Maleficent zieht sich anschließend verbittert zurück und verflucht Stefans Tochter Aurora an ihrer Tauffeier: an ihrem 16. Geburtstag soll sie sich an der Nadel eines Spinnrads verletzen und dann in einen todesähnlichen Schlaf fallen, aus dem sie nur der Kuss der wahren Liebe erretten kann. Stefan befiehlt daraufhin den drei guten Feen (Imelda Staunton, Juno Temple und Lesley Manville) Aurora in einer Waldhütte groß zu ziehen und sie erst wieder zurück zu bringen, wenn der Tag ihres 16. Geburtstages zu Ende gegangen ist, um sie so vor ihrem tragischen Schicksal zu bewahren.

Ihr habt es sicherlich bereits erkannt bzw. ohnehin schon vorher gewusst: „Maleficent“ ist die Dornröschen-Geschichte aus Sicht der Antagonistin. Das Skript von Disney-Veteranin Linda Woolverton („Die Schöne und das Biest“, „Der König der Löwen“, Tim Burtons „Alice im Wunderland“) sah sich zwar einiger Kritik ausgesetzt, macht meines Erachtens aber so gut wie alles richtig. Die aufkeimende Freundschaft zwischen Maleficent und Aurora (als Jugendliche: Elle Fanning) geht zu Herzen und auch der zentrale Konflikt ist stark genug. Die vom Weg abgekommene gute Fee, welcher es zuvor lediglich nach Rache an King Stefan dürstete, mausert sich im Laufe des Films zur Beschützerin der Prinzessin, da die drei Comic-Relief-Feen zu dämlich sind, um dies zu bewerkstelligen. Als sie letztendlich Aurora wieder von ihrem Fluch befreien will, wird sie jedoch in voller Härte mit dem Resultat ihres Zorns und ihrer damaligen Verbitterung konfrontiert: Das Kind, das für sie mittlerweile quasi zur Tochter geworden ist, muss für ihre und die Dummheiten Stefans büßen, da die Fee ihren Fluch nicht mehr zurücknehmen kann. Als sie diesen einst wirkte, sprach sie nämlich davon, dass keine Macht der Welt den Fluch wieder von Aurora nehmen kann, bis natürlich auf besagten Kuss – doch die wahre Liebe, so Maleficent, existiere in dieser Welt ohnehin nicht mehr. Das Wichtigste ist: Dieser Plot funktioniert. Und gerade auch die Tatsache, dass der Film sowohl erzählerisch als auch optisch von einer märchenhaften Grundstimmung und Atmosphäre durchzogen wird, vermag es stets, etwaige narrative Schwächen zu kaschieren bzw. zu kompensieren.

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Angelina Jolie in der Hauptrolle ist herausragend, sie vermag es, ihrer Maleficent Profil zu verleihen und ihren emotional sehr facettenreich angelegten Charakter glaubhaft darzustellen. Elle Fanning hingegen bleibt etwas blass, was allerdings nicht etwa darin liegt, dass die junge Dame kein Talent hat. Denn dass sie schauspielerisch überzeugen kann, hat sie bereits in J.J. Abrams „Super 8“ eindrucksvoll bewiesen, doch ihre Rolle in „Maleficent“ wird einer Schauspielerin ihres Kalibers einfach nicht gerecht, zu eindimensional ist ihre Figur geraten. Da der Fokus aber ohnehin auf dem titelgebenden Charakter liegt, ist dies durchaus zu verschmerzen. Die Humoreinschübe der drei guten Feen sind ebenfalls nicht immer überzeugend, Sam Riley als Diaval, treuer Diener Maleficents, sowie Sharlto Copley als tatsächlicher Antagonist machen hingegen eine gute Figur. Der zweite eigentliche Hauptdarsteller neben Miss Jolie ist allerdings die über (fast) jeden Zweifel erhabene Tricktechnik. Regisseur Stromberg, der eigentlich aus der Ecke der visuellen Effekte und des Produktionsdesigns stammt und dort bereits für seine Arbeit an James Camerons „Avatar“ und Tim Burtons „Alice im Wunderland“ zwei Academy Awards einheimsen konnte, erweist sich als perfekte Wahl für diesen klassischen Disney-Stoff: ein wahres Feuerwerk an unglaublich beeindruckenden Effekten prasselt da auf den Zuschauer nieder, manchmal kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Auch die obligatorischen „Dornröschen“-Zutaten wie die Dornenranken und natürlich auch der Drache werden mittels CGI phantastisch in Szene gesetzt. Dass Maleficents Flugeinlagen nicht immer vollends überzeugen und auch dass die Zauberwesen und –Welten bei aller visueller Brillanz und Kreativität doch arg selbstzweckhaft daher kommen (es scheint manchmal so, als wolle man dem Betrachter lediglich sagen: Schaut nur, was wir uns für coole Sachen ausgedacht haben!) schmälert den positiven Gesamteindruck nur minimal – zu sehr ist man eben davon fasziniert, dass hier an phantasievollen Ideen fast alle Register gezogen werden. Zudem wirkt das Märchen-Setting trotz des exzessiven CGI-Einsatzes stets lebendig und niemals steril.

Brillante Effekte, ein wunderschönes Produktionsdesign, überzeugende Setpieces, eine tolle Bildsprache von Kameramann Dean Semler, eine glänzend aufgelegte Hauptdarstellerin und ein klassischer Märchenstoff, der aus einer anderen Perspektive erzählt wird: Ich hatte „Maleficent – Die dunkle Fee“ bereits während des überragenden Prologs sofort ins Herz geschlossen und mich insgesamt vor allem an den Schauwerten ergötzt. Die Geschichte wird wundervoll erzählt und bricht sogar mit altehrwürdigen Disney-Traditionen – Epik in Form der „Herr der Ringe“-Filme oder durch die Bank ausdifferenzierte Figuren sollte man allerdings nicht erwarten. Doch das ist eben auch gar nicht der Anspruch dieses Fantasyfilms. „Maleficent“ ist bombastisches Effekt-Kino mit Herz und Seele, getragen von einer meisterlichen Performance seitens Jolies und basierend auf einer cleveren Prämisse. Strombergs Film hat mich absolut überzeugt und mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert – meine ursprüngliche Skepsis am Konzept ist Begeisterung gewichen, meine Liebe zu märchenhaften Erzählungen wurde neu entfacht. So ist das Werk des Regiedebütanten eine absolut positive Überraschung im diesjährigen (Blockbuster-)Kinojahr – Disney, so gefällst du mir: 8/10.

(Anmerkung: Die Review bezieht sich auf die DVD-Version des Films, die identisch mit der Kinofassung ist (FSK 6). Die Blu-Ray-Fassung ist um 56 Sekunden länger und wurde daher mit einer Altersfreigabe ab 12 bedacht.)

Autor: Markus Schu

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