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Macho Man (2015) Review

© Universum Film

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Ob Christof Wahls Klamotte „Macho Man“ ansehnlich ist, steht nicht zur Diskussion. Vielmehr drängt sich die Frage auf, wie eine urdeutsche Komödie so antiquiert sein kann und doch ein Publikum finden will. Größte Erkenntnis bleibt: Der deutsche Populärfilm wird zu einem Multi-Media-Produkt.

Der Inhalt verursacht Schulterzucken. Christian Ulmen spielt Daniel Hagenberger, ein weichgespültes Spätkind der 68er-Generation, jemand, den man im Ghetto nicht mal mehr Opfer, sondern wahrscheinlich nur noch Kartoffel nennen würde. Trotz dieser Umstände verliebt sich die schöne Türkin Aylin in ihn und weil er nunmal Mann ist, muss er sich auch so benehmen. Der Macho Man ist geboren. Der Rest der Geschichte könnte an dieser Stelle folgen, ohne das der naivste Zuschauer wegen möglicher Spoiler meckern könnte.

Doch darum geht es nicht. Es geht nicht darum, ob diese Liebeskomödie vorhersehbar ist. Das sind sie alle, denn der Zuschauer, in Eskapismus und Wahn geerdet, will es so. Es geht auch nicht darum, ob gerade dieser deutsche Film höchst konvektiv und nervig ist, weil Christof Wahl, eigentlich Kameramann, ein fast 100minütiges Musikvideo um die Stadt Köln gedreht hat. Und auch nicht darum, dass Christian Ulmen den peinlichsten Bad-Boy-Auftritt seit Tobey Maguire in „Spider-Man 3“ hinlegt. Das ist alles geschenkt, weil es der Prozedur des deutschen Blockbuster einverleibt wurde und in dieser Hinsicht der Zug schon mehrmals abgefahren ist.

Es geht eher um die Frage, warum ein Film auf diesem erkennbar niedrigen Niveau selbst an dieser noch so niedrigen Messlatte scheitert: Multikulti-Humor war schon langweilig, als „My Big Fat Greek Weeding“ in die Kinos kam, das war 2002, dennoch versucht sich Wahl am gleichen Horror-Trip. Kann man machen. Warum aber erhält der Zuschauer nur Vorurteilswitzchen, die so oft nacherzählt wurden, dass selbst die besorgten Bürger Heidenaus sich weigern würden, auf diese Form der Rhetorik zurückgreifen? Ja, der Türke ist ein feilschender BWM-Fahrer, ja, Ehrenmord an jeder Ecke, ja, Brüder schlagen dich zusammen, wenn du Deutscher bist und Schwester nur anguckst, ja, die älteste Oma der Familie ist Kaffeesatzleserin und hat natürlich immer Recht. Kennste, kennste, kennste? Halt die Fresse!

© Universum Film

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Was hier präsentiert wird, auch noch mit holpriger MTV-Ästhetik garniert, ist so in der Zeit stehen geblieben, dass dieser Film nicht sprachlos macht, das tun sie alle, sondern nur noch ratlos. Warum so antiquiert und altbacken, warum kein Hauch von der politischen Inkorrektheit, nach der so ein Subtext doch so schreit. Wo ist die Anarchie und der wirklich derbe Humor, der diesem Quatsch an Geschichte etwas Elan einhauen würde. Aber kein Peniswitz ist zu schade, keine flache Pointe über türkisch-griechische Streitereien wird ausgelassen.

Heuchlerisch entpuppt sich das Ende, wenn auch der letzte Zuschauer verstehen soll, dass wir alle ganz modern und weltoffen und doch auch lustig sind: Der starke, coole Türke schmeißt die Handynummer der scharfen Kellnerin nicht einfach weg, weil er zu viele Bitches am Start hat! Nein, Mann! Digger: Der ist schwul! In your Face, ihr pseudo-intellektuellen Dauernörgler, die sich auf keine einfache Komödie mehr einlassen wollen! Doch! Das wollen wir nur zu gerne. Doch so geht das nicht! Beim besten Willen, wir kennen diese ganzen geschmacklosen Zoten-Komödien, doch dieser Film reiht sich irgendwo im Niemandsland unten ein und kann froh sein, dass er sich nicht in die neoliberale Richtung eines Matthias Schweighöfer verschlägt und damit ideologisch höchst gefährlich wird! Immerhin! Hut ab!

Eine Erkenntnis bleibt: Das Risiko einer Finanzierung selbst nicht allzu teurer Komödien wie dieser scheint so hoch zu sein, dass auf vertikale Vermarktung nicht verzichtet werden kann. Da wird Lukas Podolski zum Gast des Films, doch kennen wir das schon aus Schweighöfers „Der Nanny“ und Cindy aus Marzahns ärgerlichem Auftritt. Doch Sendepartner RTL lässt sich nicht lumpen und baut als Bonbon noch ein ganz pfiffiges Product Placement ein: Wenn Daniel und Bruder Cem auf dem Weg zum Flughafen sind, werden sie durch einen Stau auf der Autobahn blockiert, der sich aber nur als Drehort für eine neue Folge von „Alarm für Cobra 11“ entpuppt. Erdogan Atalay darf also sein ewig junges Gesicht für Marketing und Zielgruppenanbindung in die Kamera strecken, eine weitere Pointe zündet nicht, aber die Millionen des Senders sind sicher und schauen demnächst auch weiter brav RTL. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis der Slogan „Dauerwerbesendung“ sich auf der Kinoleinwand durchsetzen wird! Und dann wird es noch schwerer, sich auf so etwas einzulassen.

Autor: Lucas Curstädt

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