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Machete Kills (2013) Review

Alles begann mit einem Trailer. Als Robert Rodriguez und Quentin Tarantino 2007 ihr „Grindhouse“-Double-Feature („Planet Terror“ und „Death Proof“) produzierten, drehten unter anderem Eli Roth, Edgar Wright, Rob Zombie und Rodriguez selbst fünf Exploitation-Fake-Trailer, die vor dem eigentlichen Hauptfilm gezeigt wurden. Einer davon war ein Trailer zu „Machete“, welcher sich derartiger Beliebtheit erfreute, dass Rodriguez 2010 eine Langfilmfassung anfertigte. Diese erhält nun eine Fortsetzung, was zwar weder inhaltlich motiviert noch dramaturgisch sinnstiftend ist, jedoch ungeheuren Spaß macht.

Bei der versuchten Verhaftung einer Gruppe Waffenhändler wird Machetes (Danny Trejo) neue Freundin Sartana (Jessica Alba) getötet, Machete selbst wird festgenommen, vom lokalen Sherrif (William Sadler) schikaniert und schließlich vom Präsidenten (Carlos Estévez alias Charlie Sheen) ins Weiße Haus bestellt, um von ihm den Auftrag zu erhalten, den Ex-Kartell-Boss Marcos Mendez (Demián Bichir) zu finden, der mit einer Rakete auf Washington zielt. Mit Hilfe seiner Kontaktperson Miss San Antonio (Amber Heard) schleust sich Machete in ein Bordell ein, um durch die junge Prostituierte Cereza (Vanessa Hudgens) an Mendez heranzukommen. Cereza wird jedoch durch dessen Helfer Zaror (Marko Zaror) getötet, wodurch ihre Mutter Desdemona (Sofia Vergara) auf Rachefeldzug geht. Bei Mendez angekommen, erfährt Machete, dass dieser die Rakete an seinen Herzschlag gekoppelt hat und sie somit aktiviert würde, wenn er stirbt. Machete macht sich auf die Suche nach dem einzigen Mann, der die Vorrichtung entschärfen kann und findet heraus, dass es sich um den Industriellen Luther Voz (Mel Gibson) handelt. Auf dem Weg dorthin wird er zusätzlich noch vom Killer „Chamäleon“ (Walt Goggins / Cuba Gooding Jr. / Lady Gaga / Antonio Banderas) gejagt, Hilfe bekommt er dagegen von der alten Bekannten Luz (Michelle Rodriguez), die eifersüchtig auf Miss San Antonio zu sein scheint…

Das alles ergibt zwar zunächst absolut keinen Sinn, was jedoch überhaupt nicht dramatisch ist. Die Handlung ist ohnehin nur Mittel zum Zweck, möglichst viele Einzelszenen halbwegs konsistent zu verbinden. Die einzelnen Elemente sind von vorne bis hinten willkürlich gesetzt, absolut übertrieben und vollends hanebüchen. Dies jedoch mit einer so offensichtlichen Hingabe ans Detail, dass man Rodriguez sein aktives und markantes Spiel mit Klischees, filmischen Versatzstücken und Konventionen (Stichwort „blauer Draht“) anmerkt. Ein Killer, der sich verwandeln kann? Eine Molekülkanone? Gepanzerte Autos, die in einer Werkstatt kurz vor der Grenze herumstehen? Eine mit dem Herzen verdrahtete Rakete und ein damit verbundener 24-Stunde-Countdown? All diese Dinge werden genau dann angesprochen oder durch die Handlung ausgelöst, wenn es gerade am besten passt. Das alles ist dramaturgisch natürlich völliger Humbug, man hat es jedoch schon so oft irgendwo gesehen, dass die geballte und vor allem restlos ironische Kombination all dieser Elemente in einem singulären Film und in diesem Tempo einfach nur einen Heidenspaß macht und die Handlung schlichtweg als Alibi fungiert, dem Zuschauer völlig irrsinnige wie wahnwitzige Szenen um die Ohren zu feuern. Rodriguez garniert das Ganze mit mal mehr und mal weniger offensichtlichen Zitaten aus anderen Filmen, was in einer nicht eine Sekunde pausierenden und völlig atemlosen Mischung aus genialen Gags und absurden Actionsequenzen mündet.

Der ganze Film strotzt nur so vor kreativer Wahnsinnigkeit, so dass Danny Trejo sich beispielsweise mal eben an einen Hubschrauber- Rotor hängen darf, um seine Gegner zu dezimieren. Die Rolle des Chamäleons ist dramaturgisch völlig unmotiviert und natürlich nur dazu da, um drei Stars mehr in den Film zu verfrachten, die für jeweils eine kurze, dafür jedoch markante Szene dann auch gerne mitmachen. Schlussendlich sehen einige Effekte teilweise lächerlich billig aus, was zwar auch am niedrigen Budget gelegen haben mag, von Rodriguez jedoch einfach in Trash-Optik umdeutet wird. Die Szene beispielsweise, in der Danny Trejo und Mel Gibson gemeinsam in einem „Star Wars“-Gleiter sitzen, spielt so offensichtlich vor einem Greenscreen, dass die Billig-Optik einfach ins Auge stechen muss. Dem Film nimmt man das jedoch nicht übel, sondern akzeptiert es schlichtweg als Bestandteil eines funktionierenden und in sich kohärenten Konzepts.

Auch in „Machete Kills“ ist Rodriguez‘ politische Agenda spürbar, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie im ersten Teil. Bezog sich die Thematik in „Machete“ noch aktiv auf die Problematiken mexikanischer Einwanderer, so arbeitet der Regisseur hier mit subversiven Konzepten einer Unterwanderung der Politik durch den militärisch-industriellen Komplex, dargestellt am Beispiel des US-Präsidenten, der nicht weiß, was sein hauseigener Waffenfabrikant sonst noch so treibt. Rodriguez porträtiert die fatalen Auswirkungen, die es hat, wenn derart destruktive Kräfte ein riskantes Eigenleben entwickeln und in der Lage sind, politische Strömungen jedweder Farbgebung unterwandern.

Danny Trejo ist Machete ist Danny Trejo. Dieser Mann hat die Rolle seines Lebens als stets grimmig schauender Mexikaner mit Vorliebe für altmodische Utensilien („Machete twittert nicht!“) mehr als gefunden. Auch Michelle Rodriguez ist in diesem Universum bestens aufgehoben und spielt im Gegensatz zu anderen Actionknallern wie beispielsweise „Resident Evil“ (2002) hier fast schon nuanciert. Charlie Sheen, der hier unter seinem Geburtsnamen auftritt, sowie Mel Gibson sind vermutlich fast die klangvollsten Namen des Casts, insbesondere Gibson spielt wie entfesselt und hatte beim Dreh sichtlich Spaß, Sheen alias Estévez hingegen hält sich etwas zurück und karikiert auf angenehm selbstironische Weise sein eigenes Image. Amber Heard hatte vermutlich nicht viel Mühe mit ihrer Rolle und darf ebenso wie Alexa Vega in erster Linie gut aussehen. Sofia Vergara hingegen flippt in ihren wenigen Szenen völlig aus, was jedoch eventuell ihrem Equipment zuzuschreiben ist. Die Routiniers Cuba Gooding Jr. und Antonio Banderas machen ihre Sache sehr gut, in jedem anderen Film wäre ihr Auftritt in dieser Art und Weise gnadenlos verheizt worden, jedoch nicht bei Rodriguez. Lady Gaga kann zwar nicht schauspielern, passt sich damit jedoch ins Filmkonzept ein. Ebenfalls nachdrücklich spielt Demián Bichir, der seine schizophrene Spaltung in ein gutmütiges und ein irres Ich (auch hier fragt man am besten nicht nach dem Sinn des Ganzen) regelrecht auslebt.

Robert Rodriguez lässt dem Zuschauer kaum Zeit zum visuellen Verschnaufen, und jagt abstruse Ideen mit bekloppt-genialen Einfällen. „Machete Kills“ ist eine blutige Nummernrevue anarchistisch-postmoderner Gags, die samt und sonders voll ins Schwarze treffen. Der dritte Teil „Machete Kills Again …in Space!“ ist zwar bereits angekündigt, allerdings ist noch offen, ob er tatsächlich produziert wird. Mehrere Dinge deuten zumindest inhaltlich darauf hin: Zum einen der Fake-Trailer vor dem eigentlichen Film, zum anderen zeichnet sich eine Handlung im Weltall bereits durch bestimmte Elemente sowie das Ende von „Machete Kills“ ab und wäre eigentlich eine logische Konsequenz. Wenn ein möglicher dritter Teil das Niveau der zwei Vorgänger halten kann, darf man sich mit Fug und Recht schon jetzt darauf freuen!

Autor: Jakob Larisch

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